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Anlässlich der Verleihung des Oskar-Schlemmer-Preises stellt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe den Fotokünstler Elger Esser in einer Überblicksschau vor

Malerische Vergegenwärtigung alter Orte



Wie von einem seichten Sandsturm erfasst und gelblich schimmernd, mutet die Szenerie auf dem Nil an. In flügelartig steiler Stellung zeigen Klüver- und Besansegel der Dschunke nach oben. Sie lassen das unmittelbar vor dem Betrachter gemächlich schippernde Holzgefährt fast wie einen Wasservogel erscheinen. Elger Esser hat den richtigen Zeitpunkt abgepasst und die Dschunke so geschickt platziert, dass sie eine Brückenfunktion einnimmt und optisch die Lücke zwischen zwei Landzungen im Hintergrund schließt. Ein Bild, ähnlich einem Landschaftsgemälde aus alten Zeiten – oder doch nicht? Der lyrische, etwas verblichen wirkende Farbabzug stammt aus dem Jahr 2011, als der Fotograf Elger Esser selbst auf dem Nil segelte. Unter seinen Kollegen aus der Becher-Schule gilt er als Individualist, der im Gegensatz zur objektiven Lichtbildkunst gefühlsbetont agiert.


Das Schwelgen in Erinnerungen, das Nachspüren alter Orte in der Gegenwart, vor allem die Nähe seiner Motive zur Malerei vermittelt schon der erste Blick in den historischen Roten Saal der Karlsruher Kunsthalle: Sechs großformatige Wellenbilder sind auf gewaltigen Staffeleien platziert, was die enge Korrespondenz zu den Landschaftsgemälden des hauseigenen Fundus hervorhebt. Wer denkt da nicht an die großartig inszenierten Meereswellen von Gustave Courbet oder Claude Monet? Was die wütenden Wellen anrichten können, wird im anschließenden Grünen Saal offenbar. Schiffwracks unterschiedlichen Zerstörungsgrades führen die Wucht der Natur in grauen Tönungen vor Augen. Elger Esser hat sie ebenfalls teils von Postkarten extrem vergrößert aufgenommen. Sie sind mittels Schnüren an vorhandene Bildleisten aus dem vorletzten Jahrhundert aufgehängt und erwecken somit alte Präsentationsformen zum Leben. Nebenan im historischen Studiensaal des Kupferstichkabinetts sind in verglasten Pultvitrinen versilberte Kupferplatten mit aufgedruckten Sonnenuntergängen aus Frankreich zu sehen. Im Verlauf der nächsten Dezennien werden Oxydationen der Bildträger abermals für Veränderungen sorgen. Die hellen Bildstellen werden stark abdunkeln. Die Zeit als vierte Dimension ist vom Künstler bewusst einkalkuliert. Das Momenthafte der Fotografie wurde vorsätzlich ausgelöscht.

„Zeitigen“, was mittelhochdeutsch „reifen“ bedeutet, hat Elger Esser denn auch die große Überblicksschau in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe betitelt, einem für seine Ölgemälde berühmten Institut, in dem bislang die Fotografie nicht beheimatet war. Anlass dazu gab die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Oskar-Schlemmer-Preises. Zum zweiten Mal möchte das Land Baden-Württemberg mit dem neuen, Ende 2013 etablierten großen Staatspreis zeitgenössische Kunst einheimischer Künstler würdigen, die der internationalen Entwicklung gehaltvolle Impulse verschaffen. Die Ausstellung gehört ebenfalls zur Preisvergabe.

Elger Esser wurde 1967 in Stuttgart als Sohn eines Schriftstellers und einer Fotografin geboren. Er wuchs über 17 Jahre hinweg in Rom auf, was vielleicht seine Lust am historisch-archäologischen Sondieren befördert haben mag. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1986 ließ er sich bei einem Düsseldorfer Werbefotografen ausbilden und studierte anschließend zwischen 1991 und 1997 an der dortigen Kunstakademie bei Bernd Becher, zu dessen Meisterschüler er avancierte. Von der prominenten Becher-Schule, der auch Esser zugerechnet wird, unterscheidet er sich allerdings grundlegend. Neben einer Gastprofessur an der Essener Folkwang-Schule im Jahr 2008 hatte er von 2006 bis 2009 eine Professur für Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe inne.

Elger Esser widersetzt sich der neuen Entwicklung digitaler Techniken. Er verwendet eine großformatige Plattenkamera. Nachfolgende Arbeitsprozesse wie Belichtungs- und Entwicklungszeiten bieten ihm Möglichkeiten zu schöpferischen Eingriffen. Harte Kontraste vermeidet der Künstler. Dunst, Streulicht, farbliche Verfremdungen oder Retuschen führen zu einer distinguierten, verschwimmenden Monochromie. Im Jahr 2010 erhielt er das Angebot, in Giverny den Garten des Malers Claude Monet aufzunehmen. Den Seerosenpark fotografierte er zur Vollmondzeit zwischen Sonnenunter- und -aufgang, so dass kosmische Läufe am Himmel als helle Bahnen das Grau-in-Grau des Geästs durchziehen oder der orangefarbene Teich wie der Blick in den Sonnenaufgang scheint.

Sanfte Übergänge bei mattem, reduziertem Kolorit und Unschärfen beherrschen auch Landschaften und Bauten in Frankreich. Menschenleere, stille Kirchen, Kapellen und Kreuzgänge, Wasserläufe mit Brücken und einfache Wirtschaftsbauten auf dem Lande stellt Elger Esser in seinen Stimmungsbildern vor. In ein rätselhaftes Licht gerückte poetische Umschreibungen und Imaginationen entpuppen sich als einst erlebte Orte, die das Gestern und Vorgestern aufgreifen, die sich so oder ähnlich in unser aller Gedächtnis eingegraben haben. Esser ist kein Chronist, er sichert keine Spuren. Seine Bilder vergegenwärtigen Residuen des Vergangenen und des Verlassenen. Vielleicht tun dies seine auf kunsthistorischen Spuren wandelnde Bretagne-Sujets am eindrucksvollsten von allen rund 75 Exponaten aus acht Zyklen. Evident scheint hier die Nähe zur Malerei, eine eigenständige Strategie, die Fotografie zur Zeitmaschine, zum gedehnten Zeitstrahl und einer Atmosphäre des Erinnerns ausweitet.

Die Ausstellung „Elger Esser. zeitigen“ ist bis zum 10. Juli zu besichtigen. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 39 Euro kostet.

Kontakt:

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Hans-Thoma-Straße 2-6

DE-76133 Karlsruhe

Telefon:+49 (0721) 926 3355

Telefax:+49 (0721) 926 6788



29.02.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


20.02.2016, Elger Esser - zei ti gen. Os kar-Schlem mer-Preis 2016 - Gro ßer Staats preis für Bil den de Kunst Baden-Württemberg

Bei:


Kunsthalle Karlsruhe

Variabilder:

Elger Esser in der Ausstellung der Kunsthalle Karlsruhe
Elger Esser in der Ausstellung der Kunsthalle Karlsruhe

Variabilder:

bei der Überreichung des Oskar-Schlemmer-Preises an Elger Esser
bei der Überreichung des Oskar-Schlemmer-Preises an Elger Esser

Variabilder:

in der Ausstellung „Elger Esser. zeitigen“
in der Ausstellung „Elger Esser. zeitigen“

Künstler:

Elger Esser







Elger Esser in der Ausstellung der Kunsthalle Karlsruhe

Elger Esser in der Ausstellung der Kunsthalle Karlsruhe

bei der Überreichung des Oskar-Schlemmer-Preises an Elger Esser

bei der Überreichung des Oskar-Schlemmer-Preises an Elger Esser

in der Ausstellung „Elger Esser. zeitigen“

in der Ausstellung „Elger Esser. zeitigen“




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