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Das MAK in Wien widmet dem wegweisenden und vielfältigen Œuvre des Architekten Josef Frank eine Werkübersicht

Undogmatisches Gestalten



in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“

in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“

Selten waren drei so unterschiedliche Ausstellungen an einem Platz vereint, wie derzeit im Wiener Museum für Angewandte Kunst: Während Stefan Sagmeister mit seiner „Happy Show“ seit Ende November ununterbrochen Lächeln auf Besuchergesichter zaubert und Fans von „Star Wars“ in der großen Ausstellungshalle auf ihre Kosten kommen, erwartet Architekturfreunde im Obergeschoss eine aufwändig erarbeitete Präsentation über den österreichischen Architekten und Designer Josef Frank. Frank, der 1885 im nahen Baden in eine jüdische Familie geboren wurde, gilt als prägender Gestalter der Moderne. Gemeinsam mit Oskar Strnad war er ein Begründer der „Wiener Schule“ der Architektur, die eine zwanglose, undogmatische Auffassung von Moderne vertrat. Trotzdem ist sein Werk bis heute wenig bekannt. Dem will nun die gelungene Werkübersicht in Wien Abhilfe schaffen.


Josef Frank studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Wien, schrieb seine Dissertation über Leon Battista Alberti, war von 1919 bis 1925 Lehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule und Gründungsmitglied des Wiener Werkbunds. 1933 emigrierte er mit seiner schwedischen Frau nach Schweden, wo er bis zu seinem Tod 1967 lebte. In Stockholm war Frank Chefdesigner des bekannten Einrichtungshauses Svenskt Tenn, das noch heute Möbel, Objekte und Textilien nach Franks Entwürfen anbietet. Sein Hauptinteresse galt dem Wohnen. „Was der Zweck eines Hauses ist“, erklärte er in einem mit „Unrast“ überschriebenen Abschnitt seiner 1931 erschienenen Schrift „Architektur als Symbol“, „kann in Worten nicht ausgedrückt werden. Es ist nämlich nicht zum Kochen, Essen, Arbeiten, Schlafen da, sondern zum Wohnen. Zwischen den Begriffen Kochen, Essen, Arbeiten, Schlafen und dem des Wohnens liegt das, was wir Architektur nennen. Das Bewusstsein, in einem Zeitalter zu leben, das seine eigene Veränderung dauernd anstrebt (...) hat uns jedes Gefühl behaglicher Ruhe genommen.“

Frank, der sich als Architekt mit allen Themen des Bauens und Wohnens auseinandersetzte, war auch als Designer hochproduktiv und entwarf eine Fülle von Möbeln und Textilien. Innerhalb der internationalen Avantgarde nahm er allerdings eine äußerst kritische Position ein. Der Ausstellungstitel „Against Design“ bringt diese undogmatische Haltung auf den Punkt. Als Gestalter ebenso wie als Architekt vertrat Frank eine kulturkritisch orientierte, bürgerliche Zweckdienlichkeit. Im Unterschied zu den dogmatischen Tendenzen des Bauhauses und der Werkbünde regte Frank dazu an, die Umgebung so zu gestalten, als wäre sie durch Zufall entstanden. Als Pionier einer aufklärerisch verstandenen Moderne trat er vehement für das Normale und Natürliche, das Sachliche und Spontane ein.

In deutlicher Opposition zum überästhetisierten Gesamtkunstwerksdenken der Wiener Werkstätte etablierte Josef Frank seit den 1910er Jahren gemeinsam mit Oskar Strnad, Oskar Wlach und anderen eine neue, undogmatische Auffassung moderner Architektur. Strikt sprach er sich gegen die Idee des Gesamtkunstwerks, standardisierte Garnituren und innovative Formen um ihrer selbst willen aus. Franks schlichte, zwanglos und wie improvisiert eingerichteten Interieurs waren beispielhaft für sein Konzept einer Synthese aus bürgerlichem Wohnhaus und dem Künstleratelier der Bohème.

Bereits 1927 errichtete Frank auf Einladung des Deutschen Werkbundes ein Doppelhaus in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Zwei Jahre später entstand das „Haus Beer“, das neben dem „Haus Moller“ von Adolf Loos als einer der bedeutendsten Bauten im Bereich des privaten Wohnbaus der 1920er Jahre gilt. Als Architekt engagierte sich Frank vor allem für den sozialen Wohnungsbau und die Errichtung von Arbeitersiedlungen. Statt monumentaler Geschosswohnungen favorisierte er Reihenhäuser mit eigenem Garten, die im Roten Wien jedoch angesichts des Wohnungsbedarfs und hoher Kosten nicht umgesetzt wurden.

Aufsehen erregte er kurz vor seiner Emigration als Projektleiter der Wiener Werkbundsiedlung, einer aus 70 Häusern bestehenden Anlage, die 1932 eröffnet wurde. Josef Frank lud dazu mehrere Architektinnen und Architekten wie Josef Hoffmann, Adolf Loos, Gerrit Rietveld und Margarete Schütte-Lihotzky ein, die zuvor in Stuttgart nicht beteiligt waren und wies mit dieser Auswahl einmal mehr auf seinen Glauben an die Vielfalt und seine Skepsis gegenüber Doktrinen hin. Die Ausstellung in Wien stellt Franks kritische Haltung vergleichbaren Ansätzen anderer Baumeister, wie beispielsweise Adolf Loos, Josef Hoffmann, Ludwig Mies van der Rohe und Rem Koolhaas gegenüber, verknüpft begriffliche Analogien und unterstreicht damit die Bedeutung seines Œuvres im internationalen Kontext.

In Schweden setzte Josef Frank vor allem das fort, was er Mitte der 1920er Jahre mit der Gründung des eigenen Möbelhauses „Haus & Garten“ initiiert hatte: als Chefdesigner der Firma Svenskt Tenn entwarf er einen riesiges Konvolut an Möbeln, Designobjekten und Stoffmustern, mit denen sich schwedische Bürgerhäuser, aber auch kühle Bauhaus-Architekturen behaglich einrichten ließen. „Schönheit für alle“ war sein Slogan, die Demokratisierung des Designs sein Ziel. Bereits Vorhandenes sollte ganz selbstverständlich berücksichtigt und für den Gebrauch weiterentwickelt werden. Die Wohnung verstand Frank nicht als Designobjekt, sondern als Wohnraum, der nicht unbedingt repräsentativ sein musste.

Insgesamt entwarf Frank weit über 1000 Einzelmöbel und rund 200 Stoffmuster. In langen Bahnen hängt eine Auswahl dieser bunten Stoffdrucke, deren stilisierte, vegetabile, heitere Muster ein wenig an die Bildteppiche von Henri Matisse erinnern, von der hohen Decke der Ausstellungshalle. Sich unendlich fortsetzende Kurvenlinien und mäandernde Farbflecken, die sich mit Blüten, Blättern und anderen farbintensiven Motiven verbinden, sind die strukturierenden Bildelemente dieser farbenprächtigen Entwürfe.

Besonders stolz sind die Kuratoren Sebastian Hackenschmidt und Hermann Czech darauf, dass es dem MAK anlässlich der Ausstellung gelungen ist, fast den gesamten noch existierenden Bestand aus Josef Franks erstem Interieur, der 1910 entstandenen Wohnung für seine Schwester Hedwig und ihres Mannes Karl Tedesko in Wien, zu erwerben. Im Vergleich mit späteren Arbeiten lässt Franks Konzept der ideologiefreien und auf den Geschmack der Auftraggeber abgestimmten Innenraumgestaltung, in der jedes Objekt der Einrichtung ein Eigenleben führen sollte, bereits seinen charakteristischen Stil erkennen, die in der Zwischenkriegszeit die Wiener Wohnkultur mitprägte und auch für Franks Zeit in Schweden noch seine Gültigkeit behalten sollte.

Die Ausstellung „Josef Frank: Against Design“ ist bis zum 3. April in Wien zu sehen. Das MAK hat täglich außer montags von 10 Uhr bis 18 Uhr, zusätzlich am Dienstag bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9,90 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Jeden Dienstag von 18 Uhr bis 22 Uhr ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog für 49,95 Euro.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at



28.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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16.12.2015, Josef Frank: Against Design

Bei:


Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Variabilder:

Josef Frank, Stoff „Teheran“, 1943/45
Josef Frank, Stoff „Teheran“, 1943/45

Variabilder:

Josef Frank, Sofa mit Stoffbezug „Brazil“, 1930er Jahre
Josef Frank, Sofa mit Stoffbezug „Brazil“, 1930er Jahre

Variabilder:

Josef Frank, Siedlung Ortmann in Pernitz, 1921
Josef Frank, Siedlung Ortmann in Pernitz, 1921

Variabilder:

Josef Frank, Sekretär, 1910
Josef Frank, Sekretär, 1910

Variabilder:

Josef Frank, um
 1960
Josef Frank, um 1960

Variabilder:

Josef Frank, Kabinettschrank, 1954
Josef Frank, Kabinettschrank, 1954

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Josef
 Frank, Hocker, 1942
Josef Frank, Hocker, 1942







Josef Frank, Stoff „Teheran“, 1943/45

Josef Frank, Stoff „Teheran“, 1943/45

Josef Frank, Sofa mit Stoffbezug „Brazil“, 1930er Jahre

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Josef Frank, Siedlung Ortmann in Pernitz, 1921

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Josef Frank, Sekretär, 1910

Josef Frank, Sekretär, 1910

Josef Frank, um 1960

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Josef Frank, Kabinettschrank, 1954

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Josef Frank, Hocker, 1942

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Josef Frank, Haus Bunzl, 1936

Josef Frank, Haus Bunzl, 1936

Josef Frank, Haus Beer, 1929-1931

Josef Frank, Haus Beer, 1929-1931

in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“

in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“

in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“

in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“

in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“

in der Ausstellung „Josef Frank: Against Design“




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