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Deutsch-deutsche Kunst-Geschichte in der Kunsthalle Jesuitenkirche in Aschaffenburg

Malerei unter wechselnden Bedingungen



Kunstskandale, egal aus welchen Gründen sie sich ereigneten, waren immer besondere Wegmarken der kunstgeschichtlichen Entwicklung. Eine der eher seltenen Begebenheiten dieser Art in der ehemaligen DDR sahen die mittleren 1960er Jahre. Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke lehnten sich gegen die Parteidoktrin auf und präsentierten auf der 7. Leipziger Bezirkskunstausstellung ihre neuesten Arbeiten, die bei allen dreien von einer höchst individuellen Handschrift sowohl in der Wahl der Themen als auch in der formalen Gestaltung zeugten. Doch mit dieser Haltung ernteten sie seitens der Parteiführung heftige Kritik: zu pessimistisch, zu expressiv, zu wenig auf die politisch-gesellschaftlichen Botschaften des real existierenden Sozialismus bezogen. Heisig wurde als Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, als der er seit 1961 fungierte, entlassen und verließ diese Wirkungsstätte später für einige Jahre sogar ganz, und auch Tübke, Mattheuer und der junge Hartwig Ebersbach bekamen Repressalien zu spüren. Die Zeit war im Osten noch nicht reif für eine individualistische künstlerische Entwicklung, wie sie diesen Malern vorschwebte.


Die Vorgänge dokumentieren sinnfällig die Bedingungen, unter denen sich die Kunstproduktion im unfreien Teil Deutschlands während der vierzigjährigen Teilung entfalten oder vielmehr nicht entfalten konnte. Diese Voraussetzungen und die daraus resultierende unterschiedliche Entwicklung der Kunst in Ost und West bilden einen der Problemkomplexe, denen sich der badische Klinik-Unternehmer und Kunstsammler Rüdiger Hurrle in seinem aus privater Initiative hervorgegangenen Museum für Aktuelle Kunst in Durbach bei Offenburg widmet. Seine Sammlung ist Grundlage für die aktuelle Ausstellung „Getrennte Welten – Formen des Eigensinns“ in der Kunsthalle Jesuitenkirche in Aschaffenburg. In neun Sektionen eingeteilt, zeichnen die Exponate mal schlaglichtartig, mal als kleiner Überblick den knapp fünfzigjährigen Weg nach, den die Kunst in beiden Teilen Deutschlands seit dem Kriegsende bis kurz nach der Wiedervereinigung genommen hat.

Das große Thema nach 1945 war bekanntlich der Dualismus zwischen Abstraktion und Figuration, und bereits auf der ersten großen Nachkriegsausstellung in Deutschland, der „Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung“ in Dresden 1946, hielten sich die meist schon während der Zwischenkriegszeit künstlerisch tätigen und häufig auch mehr oder weniger arrivierten Vertreter beider Richtungen ungefähr die Waage. Während aber im Westen Informel, Tachismus & Co. auf unterschiedlichste Weise ihre Blüten trieben und in Fritz Winter, Emil Schumacher, Ernst Wilhelm Nay, Theodor Werner, Gerhard Hoehme oder Fred Thieler bekannte Repräsentanten fanden, war den Parteigranden im Osten die Abstraktion zunehmend suspekt. Das politisch-gesellschaftlich zweckfreie, für die SED-Ideologie nicht verwertbare „L’art pour l’art“ nonfigurativer Malerei wurde zunehmend unterbunden – Hermann Glöckner, so scheint es, war zeitweise fast der einzige, der sie betrieb – und wich eben jenem sozialistischen Realismus, dem sich später sogar die stets gegenständlich gebliebenen Leipziger Heisig, Tübke und Mattheuer noch enger zu verschreiben hatten, als sie es ohnehin schon taten.

Erst während der späteren 1970er und der 1980er Jahre wurden die Fesseln der Künstler im Osten etwas gelockert. Es war – das wird bei der Betrachtung der um diverse Leihgaben angereicherten Bilder aus der Sammlung Hurrle deutlich – immer eine Art Gratwanderung; nicht nur für die Künstler, die sich dem offiziell Geforderten anzupassen hatten, sondern auch für die Offiziellen, die die Künstler brauchten und ihnen eine gewisse Freiheit gewähren mussten, um – wie ebenso im Sport – die DDR als selbständigen, auch in Kulturfragen einigermaßen konkurrenzfähigen Staat im internationalen Konzert vorzeigen zu können. Was dann in diesen späteren DDR-Jahren gelegentlich entstand, offenbart allerdings auch die Tragik der einzelnen Künstlerpersönlichkeit, die nachzuholen hatte, was ihr jahrzehntelang verwehrt geblieben war. Ihr Schaffen wirkt dementsprechend manchmal etwas verspätet.

Es versteht sich von selbst, dass die hohen Ambitionen des Sammlers in dieser Ausstellung gelegentlich an ihre Grenzen stoßen, denn es sollen ja eigentlich fünfzig Jahre deutsche Kunstgeschichte zwar unter einem bestimmten, aber doch zugleich zentralen Aspekt aufgearbeitet werden. Da fehlt natürlich Einiges, man vermisst etwa Anselm Kiefer oder Gerhard Richter und Joseph Beuys. Auch die westdeutsche Aktionskunst oder die derzeit so hochgejubelten Meister der „ZERO“-Kunst bleiben vollkommen außen vor. Es ist also vielleicht berechtigt, davon auszugehen, dass die künstlerische Vielfalt westlich des Eisernen Vorhangs etwas reicher und inspirierender war, als dies die Bedingungen im Osten ermöglicht hatten. Gleichwohl hat die Ausstellung ihren Wert, insbesondere deswegen, eben diese Bedingungen zu beleuchten und damit die grundsätzliche Frage zu stellen, welcher Voraussetzungen es überhaupt bedarf, damit sich Kunst so oder so entfalten kann und sie als Gesamtphänomen diesen oder jenen Verlauf nimmt.

Die Ausstellung „Getrennte Welten – Formen des Eigensinns. Deutsche Kunst in Ost und West vor der Wende“ läuft noch bis zum 31. Januar. Die Kunsthalle Jesuitenkirche in Aschaffenburg hat dienstags von 14 bis 20 Uhr sowie mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Der Katalog kostet 19,80 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Jesuitenkirche

Pfaffengasse 26

DE-63739 Aschaffenburg

Telefax:+49 (06021) 58 11 46

Telefon:+49 (06021) 21 86 98

E-Mail: kunsthalle-jesuitenkirche@aschaffenburg.de



25.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


26.09.2015 , Getrennte Welten – Formen des Eigensinns. Deutsche Kunst in Ost und West vor der Wende

Bei:


Kunsthalle Jesuitenkirche










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