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Das Clemens-Sels-Museum in Neuss ehrt den Düsseldorfer Plastiker Bert Gerresheim anlässlich seines 80. Geburtstags mit einer Ausstellung

Sondieren bei Gott und den Menschen



„Herr Gerresheim, schauen Sie mal nach, Ihr Heine-Denkmal wurde gesprengt!“ Konfrontieren Düsseldorfer Bürger den Künstler Bert Gerresheim mit diesem Satz, freut es ihn, dass sie sein bekanntes Denkmal eingehend betrachten und den beabsichtigten Riss erfasst haben. Denn dieses Werk ist ihm besonders ans Herz gewachsen. Nach drei Jahren heftiger Proteste speziell rückschrittlicher Kunstkreise um Arno Breker konnte zum 125. Todestag von Heinrich Heine im Jahr 1981 das auch heute noch für viele gewöhnungsbedürftige Vexiermonument auf dem Schwanenmarkt der Landeshauptstadt platziert werden. Statt einer lesbaren Staute auf hohem Sockel ruht auf dem Rasen eine extrem vergrößerte Totenmaske. In Bronze gegossen und messerscharf halbiert liegt sie unter einem offenen, einen Schrein andeutenden Gestänge. Ringsum gruppieren sich weitere Fragmente. Teile von Gesichtsmasken verweisen auf Heines Vielseitigkeit. Ein Buch mit Schere spielt auf die Zensur an, eine Trommel mahnt daran, die Ideale der Französischen Revolution nicht preiszugeben. Ein Reißverschluss im leichentuchartigen Stoff fordert zur Beschäftigung mit Heines Schaffen auf.


Symptomatisch steht diese Arbeit für Gerresheims künstlerische Strategie, mittels fragendem Nachspüren und dem Vexieren zwischen Erkennbarkeit und versatzstückartigem Zergliedern die Grenzen des Darstellbaren auszuloten. Damit versucht er, zum Wesen des Dargestellten vorzudringen. Die Heine-Plastik bedeutete zugleich den Durchbruch für den Künstler, dessen Werke zwar in erster Linie im Rheinland, speziell um Düsseldorf, Kevelaer oder Köln beheimatet sind, der aber ebenso in den Sammlungen der Vatikanischen Museen oder im New Yorker Museum of Modern Art präsent ist.

Geboren wurde Bert Gerresheim am 8. Oktober 1935 in Düsseldorf, wo er noch heute lebt und arbeitet. Zusammen mit Günther Uecker gilt er als letzter Schüler von Otto Pankok an der Düsseldorfer Kunstakademie, an der er zwischen 1956 bis 1960 studiert hat. An der Universität Köln schloss sich das Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an, das er 1963 mit dem Staatsexamen für das Lehramt abschloss. Bis 1990 arbeitete er, zuletzt als Studiendirektor, fast 30 Jahre als Deutsch- und Kunstlehrer am Düsseldorfer Lessing-Gymnasium. Seine enge Beziehung zur katholischen Kirche unterstreicht seit 1976 die Mitgliedschaft im weltlichen Franziskanerorden.

Bis 1970 war Bert Gerresheim fast nur zeichnerisch tätig. Seither arbeitet er zunehmend plastisch in Bronze, einem Genre, das seit 1981 überwiegt. Nach 1995 wendet er sich neben der Produktion von Kleinbronzen, sogenannter „Vexiertorsi“, auch wieder verstärkt den schwarz-weißen Zeichnungen zu. In umfangreichen Mappenwerken offenbart er seine vielschichtige Gedankenwelt – virtuos, zerklüftet, verunsichernd. Der Dualität von Zeichnung und Plastik trägt auch die Hommage zum 80. Geburtstag Rechnung, die bezeichnender Weise in Düsseldorfs Nachbarstadt Neuss ausgerichtet wird. Doch das Gewicht des Clemens-Sels-Museums auf dem Sektor symbolistischer Künste, das Gerresheim seit 1952 immer wieder zu Besuchen animiert und nachhaltig sein Schaffen beeinflusst, lassen den Ort als ideal erscheinen für seine bislang größte Werkschau aus über 145 Zeichnungen und mehr als 65 Skulpturen.

Die erste Station des Parcours’ führt quasi ins Atelier. Auf einem Holzregal lagern erste bildhauerische Entwürfe zu großen Vexiermonumenten im öffentlichen Raum. Sie begründen die Reputation des Künstlers. Darunter befindet die als Tau ausgebildete Bronzeform des gekreuzigten Christus an der Düsseldorfer Kirche St. Rochus. Die Frage nach dessen Antlitz beschäftigte Bert Gerresheim auch hier, als er den voller Haarsträhnen bedeckten, auf die Brust gesunkenen Kopf mit dem leicht geöffneten, einen letzten Hauch ausstoßenden Mund schuf. Basierend auf der Freundschaft mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner konnte er viele kirchliche Aufträge ausführen, ohne als Erfüllungskünstler aufzutreten.

Das Göttliche im Menschen auslotend, hinterfragt er kritisch die Vita im Vexiermonument von Edith Stein vor dem Kölner Priesterseminar. Schuhabdrücke und eingravierte Häftlingsnummer zeichnen ihren Weg ins KZ nach. Kriegs- und verfolgungsbedingte Leiden verband Bert Gerresheim auch mit der Passion Christi. In der „Kevelaerer Apokalypse“, einer riesigen Assemblage aus 260 voll- und halbplastischen Figuren im geschlossenen Maßwerk der Marienbasilika, stehen gottlose und gottergebene Menschen wie Hitler, Stalin, Mussolini bis hin zu Clara und Franz von Assisi nebeneinander – zu guter Letzt alles endliche Menschen. So sind Gerresheims Großplastiken Suchbilder mit vieldeutigen Figurationen, die breite Assoziationsfelder eröffnen.

Fragmentarisch angelegte Teilstücke verschmilzt der Künstler zu „Verxiertorsi“, einem weiteren Arbeitsfeld. Amorphe, sich windende oder schraubende Strukturen, insbesondere einzelne Körperteile, stehen für die Bruchstückhaftigkeit menschlichen Seins. Im Stil mittelalterlicher Armreliquiare formte Bert Gerresheim 2010 die Bronze „Sobibor“, eine zerfetze, gespaltene Hand mit Blutsträhnen und eingravierter Häftlingsnummer. Überraschen dürften die Besucher die zahlreichen auf Postamenten aufgereihten „Vexierporträts“, denn auch hier bieten sich keine heiter-glatten Abbilder. Zerrissenheit und Vergänglichkeit zeichnen die seit 1967 erstellten Büsten aus. Vom Schriftsteller über Künstler bis hin zum Politiker versucht Gerresheim, über ironisches Befragen in die Seele der Porträtierten vorzudringen. Besonders am Beispiel der Porträtbüste Herbert Wehners wird deutlich, welch zentralen Stellenwert in diesem Zusammenhang die Augen einnehmen. Gespaltene oder zerfurchte Oberflächen legen zudem die Hinfälligkeit des Menschen offen.

Zur weithin unbekannten, aber gleichwohl spannenden Werkgruppe dürften die „Vexiergrotesken“ zählen, von denen viele nun erstmals in Neuss öffentlich zu sehen sind. Die absurden, verschrobenen, Komisches mit Grauenvollem verbindenden Fabelwesen sind irrationale Traum- und Zufallsbilder, die seelisches Innenleben und wachtraumartige Einbildungen in irritierenden Verformungen zum Ausdruck bringen. Korrespondenzen tun sich auf zu Gestalten in Bildern eines Hieronymus Bosch oder zu Surrealisten wie James Ensor, der gleich mehrfach in Erscheinung tritt, so mit bizarrem „Palettenhut“. Gerresheims besondere Beziehung zu ihm äußert sich auch in den über 145 virtuosen „Vexierbildern“. Präsenz und Dichte sind in den schwarz-weißen, in Frottagetechnik ausgeführten Zeichnungen noch einmal gesteigert. Das „Oostender Stundenbuch“, eine Anspielung auf Ensors Lebensmittelpunkt, kann als eine Art Andachtsbuch mit freien Assoziationen und zeitfernen Visionen verstanden werden. Erstmals komplett vereint ist die opulente Bildfolge „Extramundi – eine Jenseitsreise“ aus 99, zwischen 2009 und 2013 gezeichneten Vexierbildern, die den Betrachter auf eine fantasievolle Reise bis ins „Himmlische Jerusalem“ mitnehmen.

Egal ob zeichnerisch oder plastisch: Für Gerresheim ist die Methode des „Vexierens“, des Hin- und Herbewegens und -reißens, des neckischen Irreführens ein abwägender Prozess, Unvereinbares zu zusammenzufügen, unzugängliche Vorstellungswelten zu ergründen und verborgene Wahrheiten ans Licht zu bringen. Am Ende dieser klug arrangierten Werkschau, die griffig die wesentlichen Aspekte der künstlerischen Methoden Gerresheims zu vermitteln vermag, steht ein Brustporträt für das Denkmal der Düsseldorfer „Künstlermutter“ Johanna Ey, an dem Gerresheim gerade arbeitet.

Die Ausstellung „Bert Gerresheim – Alles vexiert. Hommage zum 80. Geburtstag“ ist noch bis zum 7. Februar zu besichtigen. Das Clemens-Sels-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 19,90 Euro kostet.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: service@clemens-sels-museum-neuss.de



19.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


29.11.2015, Bert Gerresheim - Alles vexiert. Hommage zum 80. Geburtstag

Bei:


Clemens-Sels-Museum

Bericht:


Jan-Wellem-Ring für Bert Gerresheim

Variabilder:

Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015
Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015

Variabilder:

Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015
Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015

Künstler:

Bert Gerresheim







Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015

Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015

Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015

Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015




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