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„Sturm-Frauen“ in der Frankfurter Schirn

Modern, radikal, weiblich



Die Frankfurter Kunsthalle Schirn hat sich wieder einmal auf Entdeckungsfahrt im weiten Meer der klassischen Moderne begeben. Im Fokus stehen diesmal Herwarth Walden und sein „Sturm“. Walden, eigentlich Pianist und Komponist, verlegte sich bald auf eine Schreib- und Herausgebertätigkeit in den verschiedensten Bereichen der Kultur. Die 1910 zunächst als Zeitschrift und zwei Jahre später auch als Galerie ins Leben gerufene Unternehmung „Sturm“ gehörte im deutschsprachigen Raum zu den maßgeblichen Protagonisten in der Sichtung und Verbreitung avantgardistischer Kunst aus dem In- und Ausland, und das mit mehr oder weniger großer Durchschlagskraft bis zu ihrem Ende im Jahr 1932. Das ist weithin bekannt, zumal erst vor gut drei Jahren das Wuppertaler Von der Heydt-Museum eine große „Sturm“-Retrospektive veranstaltet und dazu einen monumentalen Katalog in zwei Bänden vorgelegt hat.


Die Schirn beschränkt sich daher auf einen Teilaspekt von Waldens Engagement für die Moderne, und zwar auf die Künstlerinnen, die auf der sehr umfangreichen, kurzatmigen, aber dafür vielleicht umso effizienteren „Sturm“-Agenda standen. Nun ist auch das kein völlig neuer Ansatz, gerade in der jüngsten Vergangenheit ist Einiges zu den „Sturm-Frauen“ – so auch der Titel der Schirn-Ausstellung – erarbeitet worden, und das Feminine in der Kunst ist ja momentan ohnehin ein bisschen en vogue. Dennoch lohnt ein Besuch dieser Schau, und zwar nicht so sehr, weil es sich ausschließlich um Künstlerinnen handelt – denn die Geschichte der „Frauenkunst“, oder wie immer man sie nennen möchte, ist noch gar nicht geschrieben, und es stellt sich sehr die Frage, ob sie sich überhaupt schreiben lässt –, sondern weil hier Ausschnitte aus künstlerischen Gesamtwerken gezeigt werden, die es durchaus verdienten, einmal aus der zweiten oder dritten Reihe etwas nach vorn geschoben zu werden.

Über dreißig Künstlerinnen hat Herwarth Walden im Laufe seiner Galerietätigkeit präsentiert. 18 davon hat die Schirn ins Programm aufgenommen, die übrigen, von denen zum Teil nicht einmal die Lebensdaten bekannt sind, auf einer großen Tafel verzeichnet. Da finden sich zunächst bekannte Namen, mit ihnen beginnt der Rundgang, der die Künstlerinnen mittels gebogener Scheiben in locker ineinander übergehenden Kabinetten gruppiert. Gabriele Münter, der Walden schon Anfang 1913 eine Personale mit über achtzig Exponaten widmete, und Marianne von Werefkin werden als Hauptvertreterinnen der Münchner Kunstszene vorgestellt. Es folgen weitere, damals wie heute international arrivierte Künstlerinnen: Sonia Delaunay, Natalja Gontscharowa und Alexandra Exter. Sie stehen zugleich für das bei Walden stets recht große Schwergewicht auf russischer Kunst.

Heute weniger bekannt ist dagegen Jacoba van Heemskerck van Beest. Dabei war sie mit zehn Einzelausstellungen häufiger im „Sturm“ vertreten als jeder andere Künstler, auch gegenüber ihren männlichen Kollegen. Sie identifizierte sich zeitweise regelrecht mit dem „Sturm“ und gewährte allein Walden das Recht der Vermarktung. Die Schirn zeigt von ihr kubistische Kompositionen ebenso wie gegenständliche, aus wenigen kraftvollen Farben in kantig konturierten Flächen gefügte Landschaften und farbenfrohe Abstraktionen. Vielleicht liegt es an dieser formalen Flexibilität und Anpassung an gerade „angesagte“ Strömungen, die man ihr unfreundlich auch als Beliebigkeit auslegen könnte, dass es die 1923 verhältnismäßig jung gestorbene Malerin in den kunstgeschichtlichen Kanon moderner Kunst nie so recht geschafft hat.

Dies gilt für die Mehrzahl der „Sturm-Künstlerinnen“, und doch sind es Entdeckungen, die sich hier machen lassen. Marcelle Cahn zum Beispiel, die mit ihren technoid zerlegten und kubistisch in die Fläche gekippten Stillleben und Landschaften die Schulung bei Fernand Léger offenbart, ohne aber ihren ungleich berühmteren Lehrer einfach nachzuahmen. Ihr Gemälde „Frau und Segel“ aus den mittleren 1920er Jahren bildet das eingängige Titelmotiv der Ausstellung. Oder Marthe Donas, die sich als Künstlerin hinter dem männlich klingenden Namen Tour Donas versteckte, weil das ihre Erfolgschancen erhöhte. Ihre farblich harmonisch gearbeiteten Stillleben erhalten durch die Integration echter Stoffe eine gewisse experimentelle Note und wirken zugleich plastisch und wirklichkeitsnah.

Den schwedischen Expressionismus vertritt die 1885 geborene Sigrid Hjertén mit einer Auswahl perspektivisch verkürzter und farblich verfremdeter Stillleben, Stadtansichten und Portraits. Bewusst naiv und schlicht, darum aber auch umso ausdrucksvoller wiederum sind die Gemälde Emmy Klinkers: Einfache Menschen bilden das Personal ihrer fast ärmlichen Interieurs und unspektakulären Dorflandschaften. Von Maria Uhden, die bereits 1918 kaum 25jährig starb, ist eine Reihe prägnanter Holzschnitte zu sehen, ferner einige kleinformatige Gemälde, die auf ihr großes Vorbild Marc Chagall verweisen. Auch Waldens erste Ehefrau Else Lasker-Schüler, heute eher bekannt als Schriftstellerin, aber auch als Zeichnerin tätig, gehörte zum Stammpersonal des „Sturms“ – auf ihre Idee geht sogar der Name zurück –, ebenso wie ihre Nachfolgerin als Ehefrau Nell Walden, die nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht eine der Säulen des Langzeitprojekts war.

Daneben hängen abstrakte Werke Magda Langenstraß-Uhligs und Hilla von Rebays, die später Solomon R. Guggenheims Sammlung in New York aufzubauen half, und am Ende des langgestreckten Ausstellungsraumes ein Halbkreis wunderlicher Ganzkörperkostüme der 1924 durch Selbstmord umgekommenen Maskentänzerin Lavinia Schulz aus dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Die Vielfalt der Schirn-Ausstellung beweist nebenbei, dass Herwarth Walden als Initiator dieser bunten Mischung keinerlei Berührungsängste mit unterschiedlichsten künstlerischen Strömungen hatte. Hauptsache avantgardistisch, und je radikaler, desto besser. Dass die Frauen daran einen nicht geringen Anteil hatten, belegt die Frankfurter Ausstellung auf eindrucksvolle Weise.

Die Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910–1932“ läuft noch bis zum 7. Februar. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 11 Euro, ermäßigt 9 Euro, das Familienticket kostet 22 Euro, für Kinder unter acht Jahren ist der Eintritt kostenlos. Der im Kölner Wienand Verlag erschienene Katalog kostet 34 Euro.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



18.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


30.10.2015, Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932

Bei:


Schirn Kunsthalle Frankfurt

Bericht:


Farbensprühende Brüllaffen in der Gemäldegalerie eines Irrenhauses

Variabilder:

Else Lasker-Schüler, Der Schlangenanbeter auf dem Marktplatz von Theben, um
 1921
Else Lasker-Schüler, Der Schlangenanbeter auf dem Marktplatz von Theben, um 1921

Variabilder:

in der Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen
 der Avantgarde in Berlin 1910-1932“
in der Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932“

Variabilder:

in der Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen
 der Avantgarde in Berlin 1910-1932“
in der Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932“

Variabilder:

Lavinia Schulz, Toboggan Frau, um 1924
Lavinia Schulz, Toboggan Frau, um 1924

Variabilder:

Titelblatt der Zeitschrift „Der Sturm“, 1912
Titelblatt der Zeitschrift „Der Sturm“, 1912

Variabilder:

Maria Uhden, Vier Akte
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Else Lasker-Schüler, Der Schlangenanbeter auf dem Marktplatz von Theben, um 1921

Else Lasker-Schüler, Der Schlangenanbeter auf dem Marktplatz von Theben, um 1921

in der Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932“

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in der Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932“

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Lavinia Schulz, Toboggan Frau, um 1924

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Titelblatt der Zeitschrift „Der Sturm“, 1912

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Maria Uhden, Vier Akte

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Jacoba van Heemskerck van Beest, Häuser in Suiderland. Zeichnung Nr. 13, 1914

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Nicola Perscheid, Herwarth Walden, 1918

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Marianne von Werefkin, Stadt in Litauen, 1913/14

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