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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Unterschiedlich war die Nachfrage für die Fotografie bei Grisebach in Berlin; manch teures Objekt blieb liegen

Die Seele in Nahsicht



Stanislaw Ignacy Witkiewicz, Jadwiga Janczewska II. Zakopane, um 1913

Stanislaw Ignacy Witkiewicz, Jadwiga Janczewska II. Zakopane, um 1913

Als polnischer Avantgardist des beginnenden 20. Jahrhunderts nutzte der vielseitig tätige Künstler Stanislaw Ignacy Witkiewicz die Kameralinse für seinen Versuch, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Bei seiner stark nahsichtigen und sepiafarben getönten Aufnahme „Jadwiga Janczewska II. Zakopane“ von 1913 soll der Betrachter Einblicke in das Innenleben der Dargestellten erhalten. Seine sogenannten „Seelenportraits“, Fotografien vom Wesen seiner Freunde und Verwandten, die wie Witkiewicz’ gesamtes fotografisches Schaffen im Zweiten Weltkrieg in großer Zahl verloren gingen, gelten als eine der ersten ihrer Art in der Geschichte der Fotografie. In der Versteigerung bei Grisebach schätzte ein Telefonbieter aus den USA diese seltene Seelenstimmung und machte entschlossen 34.000 Euro locker, um sich den raren auf Originalkarton aufgezogenen Abzug zu sichern. Anvisiert waren eigentlich nur 22.000 bis 25.000 Euro. Witkiewicz’ frontales Portrait des Mädchens „Janina Illukiewicz, Zakopone“ stammt ebenfalls aus dieser Schaffensphase der Seelennahsicht. Hier schlug ein französischer Sammler die Konkurrenz aus dem Rennen und hob den Wert von 10.000 Euro auf 23.000 Euro.


Die losbezogene Zuschlagsquote in der Auktion „Moderne und Zeitgenössische Photographie“ war Ende November mit 66,5 Prozent eigentlich gar nicht so schlecht. Doch das Berliner Auktionshaus musste gerade im höherpreisigen Segment einige herbe Rückgänge hinnehmen. So interessierte sich niemand für den Favoriten der Veranstaltung: László Moholy-Nagys konstruktivistisches „Positives Photogramm“ von 1925. Die Erwartung von 80.000 bis 120.000 Euro war zuviel. Auch einige andere verschmähte Positionen, wie Ormond Giglis Farbabzug „Girls in the windows, New York City“ von 1960 (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR) und Walker Evans’ schlichtes „Frame House, Connecticut“ von 1933 (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR) oder bei den Zeitgenossen Erwin Olafs „Grief, Irene“ von 2007 und Joel Meyerowitz’ glutrot lackiertes Auto vor einem Wochenendhaus in „Truro“ auf Cape Cod (Taxe je 8.000 bis 12.000 EUR), drückten das Bruttoergebnis auf rund 620.000 Euro.

Skurrile und seltene Positionen bekamen dafür mehr Aufmerksamkeit. So war auch der Puppen-Surrealist Hans Bellmer auf gutem Kurs und forderte die untere Schätzgrenze von 35.000 Euro für sein zehnteiliges erotisch-voyeuristisches Werk „La Poupée“ von 1936. Dies kam auch Pierre Jahans „Aimable Pendu“ von 1943 zugute. Die für 800 bis 1.200 Euro gelistete Arbeit lebt von einer geheimnisvoll-bedrohlichen Stimmung, denn eine Schaufensterpuppe baumelt an einem Strick von einer Wand herunter, als hätte sie sich soeben zum Zwecke des Suizids dort selbst aufgehängt. Diese verstörende wie aneckende Bildsprache brachte es auf 5.500 Euro.

Als Begründer der bedeutenden Fotoagentur „Magnum“ betrat Henri Cartier-Bresson das Auktionsparkett, dessen 1962 entstandenes Lichtbild „Berliner Mauer“ in Form dreier Männer, die sich auf einen Stromkasten gestellt haben, um über den Eisernen Vorhang blicken zu können, wurde für 5.000 Euro veräußert. Seine bekannte Befreiungsszene eines Deportationslagers in „Dessau“ blieb dagegen liegen (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR). Daneben konnte sein Landsmann Jacques Henri Lartigue mit seiner sommerlichen Peugeot-Delage-Rallye „Grand Prix de l’A.C.F., Amiens, 12 Juillet“ von 1913 einen deutschen Sammler zu 10.000 Euro begeistern (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Französisch blieb es mit Brassaï und seinen nächtlichen Milieustudien, wobei sein Vintage „Clochard à Marseille“ von 1935 an den Einlieferer zurückging (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), dafür aber sein späterer Abzug der „Fille de Joie, Quartier Italie“ aus dem Jahr 1932 von 700 Euro auf 3.000 Euro schoss.

Ein Beitrag aus New York kam von Arnold Newman, der 1946 den Komponisten Igor Strawinsky, nachdenklich auf seinem aufgeklappten Flügel abgestützt, einfing. Die stilllebenartige Komposition ergatterte mit ihrer ruhigen Art die untere Schätzgrenze von 3.500 Euro. Bei Newmans Sicht auf Pablo Picasso von 1954 waren es entsprechend 3.000 Euro. Eine gewöhnungsbedürftige Mappe mit rund 700 „Mugshots“ aus dem San Francisco Police Department von 1921 steht für das Genre des Verbrecherbildes. Einst zur Identifizierung und Fahndung krimineller Straftäter angelegt, sind die Abzüge heute Zeugnis des Versuchs einer größtmöglichen Objektivität und einer Etablierung bestimmter Stilmittel in der Portraitfotografie. So erhält der Käufer dieser Sammlung für 10.000 Euro nicht nur ein authentisches Zeitdokument, sondern auch Einblicke in erschütternde Einzelschicksale, außerdem einen Beleg für die steigende Kriminalität in den USA der 1920er Jahren. Die 1933 aufgrund ihres jüdischen Glaubens in die USA emigrierte Lotte Jacobi ergründete dagegen um 1950 in einer kameralosen Fotografie verschiedene Lichtverhältnisse auf einem strukturierten chamoisfarbenen Papier. Das unikate Licht-Schatten-Spiel konnte 2.800 Euro auf sich vereinen (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Der deutsche Fotograf Peter Keetman experimentierte gerne mit Detailausschnitten. Sein zehnteiliges Portfolio „Photographien“, das 2001 bei der Berliner Galerie Camera Work verlegt wurde, zeigt in starker Nahsicht „Öltropfen mit Kreuz“, „Sand, der auf eine Glasplatte fällt“ oder etwa einen kaum zu identifizierenden „BMW Kotflügel“. So viel Kreativität gefiel einem österreichischen Sammler, der die Mappe für 12.000 Euro mitnahm (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Zu taxgerechten 10.000 Euro lockte ihn auch der Beitrag von Kenneth Josephson, der von 1961 bis 1973 Orte wie „Michigan“, „Sweden“, „Istanbul“ oder „Acropolis“ nutzte, um vorher gefertigte Lichtbilder zusammen mit ihrer neuen Umgebung zu fotografieren. So entstand ein zehnteiliges Werk, das etwa das Foto eines Dampfers auf die Wasseroberfläche eines neuen Meeres bettet.

Ein Bietergefecht entzündeten die „Kopfweiden/Niederrhein“ von Albert Renger-Patzsch aus dem Jahr 1929. Sein sonnendurchflutetes Naturidyll mit satten Wiesen, mächtigen Bäumen und einem sich durch die Natur schlängelnden Bächlein weckte romantische Gefühle im Publikum und kletterte auf 7.000 Euro (Taxe 1.500 bis 1.800 EUR). Eine weitere Arbeit des in Würzburg geborenen Fotografen, seine „Formsandgrube bei Bottrop“ von 1929, brachte es ebenfalls auf 5.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Zwei aus der Linse Leni Riefenstahls stammende „Masken“ von 1975, die den Einwohnern des Sudans, den Nuba, ins Gesicht gemalt wurden, spielten jeweils solide 6.500 Euro ein (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Für Otto Steinert perspektivisch verwirrende Häuserwand mit Fenstern und dazwischenliegendem Treppenhaus von 1949 kamen gute 7.500 Euro zusammen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Mehr der Lebenswirklichkeit ist Gabriele und Helmut Nothhelfers Aufnahme eines Vaters samt Sohn vor einem Mercedes auf der Industrieausstellung in Berlin geschuldet. Dieses gesellschaftliche Psychogramm von 1974 überzeugte die Kunden bei Grisebach zu 3.200 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Wie schon in der Juni-Auktion erlebte Werner Rohde wieder einen fulminanten Auftritt bei Grisebach. 1928 lichtete sich der Worpsweder Fotograf in dem sympathischen „Selbstportrait als Clown“ weiß geschminkt mit lieblich-traurigem Blick ab. Bei einem Hammerschlag von 18.000 Euro wollte ein deutscher Bieter den angesetzten Wert von 700 bis 900 Euro um ein Vielfaches übertrumpfen, während seine Aufnahme einer Dame im weißen „Empire Kleid (Fockemuseum Bremen)“ von 1928/35 bei ihrer unteren Schätzung von 1.000 Euro verharrte. In weiße Seide war auch die „Blonde Frau, Grand Hotel Dodler, Zürich“ gehüllt, die Jakob Tuggener 1948 auf einem seiner Streifzüge durch die Ballnächte in Schweizer Luxushotels mit etwas laszivem Gestus erhaschte. Sie konnte 5.500 Euro auf sich vereinen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Die Abteilung „Zeitgenössische Photographie“ bereicherte unter anderem Ruud van Empel. Der Niederländer arrangierte ein sattgrünes Blatt-Allerlei, das durch pinkfarbene Blüten bereichert wurde, und bettete dann fast unbemerkt ein in Grün gekleidetes liegendes schwarzes Mädchen in die Szenerie. Seine als „Dawn #1“ betitelte Arbeit von 2008 bestätigte ihre obere Schätzgrenze von 6.000 Euro, während Thomas Florschuetz’ dreiteiliges „Blumenstück IV“ von 2000/01 mit zart rosafarbenen Orchideenblüten nur seinen unteren Schätzwert von 7.000 Euro erreichte, wie auch Désirée Dolrons von Sciencefiction beeinflusstes Mädchen „Study for Xteriors X“ von 2005 den seinigen von 5.000 Euro. In Deutschland bleibt Werner Bokelbergs „Uschi Obermaier“; das Gesicht der 68er-Bewegung in Deutschland ließ sich 1969 von ihm oben unbekleidet in zwölf kleinen Einheiten schwungvoll posierend ablichten. Mit 13.000 Euro wurden die im Vorfeld angesetzten 8.000 bis 12.000 Euro übertroffen.

Ein knallig-futuristisches Farbenmeer abstrakter Gestalt schuf der Düsseldorfer Künstler Thomas Ruff in den Jahren 2002/03. Sein „Substrat 2 I“, ein Ditone-Print auf Satin-Papier aus einer Auflage von 55 Stück, besticht durch die scheinbar vibrierende Bewegung der leuchtenden Farben und holte sich 7.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Während Beate Gütschow 2007 in S#24“ aus Fragmenten der Realität am Computer ein hybrides architektonisches Gebilde für 6.000 Euro komponierte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), entführte Peter Beard die Kunden zu gefährdeten Tierarten in den Urwald und reüssierte mit seinem späteren Silbergelatineabzug „Elephant Tussle, Aberdare Forest“ von 1972 bei taxkonformen 9.000 Euro. Auf Anfrage des New Yorker Museum of Modern Art schuf der gebürtige Münchner Michael Wesely mittels seiner spezifischen Langzeitbelichtung ab 2001 eine Serie von Bildern, die die Umbaumaßnahmen für das Museum schildert und dabei scheinbar die Zeit ineinander verschwimmen lässt. In Berlin wechselte nun ein Exemplar der Sonderauflage für die wichtigsten Geldgeber unter dem Titel „7.8.2001-7.6.2004. The Museum of Modern Art, New York for Lewis B. and Dorothy Cullman“ für 7.800 Euro seinen Besitzer (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Die Preise verstehen sich als Zuschläge ohne Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



17.12.2015

Quelle/Autor:Kunsmarkt.com/Claudia Rauth

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25.11.2015, Moderne und Zeitgenössische Photographie

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Grisebach

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Klassisch, aber trotzdem neu

Kunstwerk:

Stanislaw Ignacy Witkiewicz, Jadwiga Janczewska II. Zakopane, um
 1913
Stanislaw Ignacy Witkiewicz, Jadwiga Janczewska II. Zakopane, um 1913










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