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Joseph Cornell im Kunsthistorisches Museum Wien

Wunderkammern für das Fernweh



1941 richtete sich Joseph Cornell im Keller eines kleinen weißen Holzhauses in einer Straße namens Utopia Parkway im New Yorker Stadtteil Queens ein Atelier her, das er sein „Laboratorium“ nannte. Zuvor hatte er viele Jahre am Küchentisch gearbeitet, den er nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter und seinem behinderten jüngeren Bruder teilte. Dort war bereits eine große Anzahl jener Collagen, Assemblagen und kleiner Kästen entstanden, mit denen Cornell bereits in der 1930er Jahren die Aufmerksamkeit berühmter Künstlerkollegen wie Marcel Duchamp auf sich gezogen hatte. Fotografien dokumentieren den Raum mit einer Werkbank, einem Tisch und Regalen, in denen er eine große Anzahl von bemalten Behältnissen wie Keksdosen und Schuhkartons lagerte. Die Kisten enthielten, sortiert nach Art und Material, Fundstücke und Gedrucktes, unterschieden nach verschiedenen Bereichen, sowie eine Vielzahl kleiner Objets trouvés, die Cornell während seiner zahlloser Streifzüge durch die Antiquariate, Trödelläden und Flohmärkte New Yorks gesammelt hatte.


Der Keller mit seinen gesammelten Schätzen war Cornells Universum. Hier schuf er sich sein eigenes Kuriositätenkabinett, verwahrte seine Schätze und konservierte die Fundstücke zu poetischen Assemblagen. Eine beeindruckende Auswahl seiner Holzkistchen, „Boxes“ genannt, aber auch Collagen und experimentelle Filme, die Cornell seit Anfang der 1930er Jahre schuf, sind nun im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen. „Fernweh“ ist der Titel und auch ihr klug gewählter roter Faden, der sich auf Cornells immer wieder künstlerisch formulierte Sehnsucht bezieht.

Als junger Mann hatte Joseph Cornell in der Bekleidungsindustrie gearbeitet. In den Mittagspausen durchstreifte er New York auf der Suche nach Inspiration und Fundstücken, die er am Abend und in der Nacht zu Kunstwerken umformen würde. Cornell hatte keine reguläre künstlerische Ausbildung. New York verließ er fast nie. Umso erstaunlicher war seine Kenntnis der Welt, insbesondere Europas. Die Erde bereiste er im Kopf, mit Hilfe von Büchern und Reiseführern. Er gilt als sehr belesen, liebte die deutschen Romantiker, war interessiert an Naturwissenschaften, Astronomie, Religion und modernem Film, schätzte die Maler der Renaissance und verfolgte ebenso die Strömungen und Entwicklungen aktueller Kunst. Vor allem aber war Cornell fasziniert vom Zirkus, von der Welt des Theaters, der Oper und vom Ballett. Aus sicherer Distanz bewunderte er Mädchen und Frauen, wie die Tänzerin Tilly Losch und den Filmstar Lauren Bacall. Eine eigene Familie hatte er nie.

Cornell, von dem Robert Motherwell einmal gesagt hat, er ähnle „Kapitän Ahab an Land – gereizt, absolut, empfindsam, besessen, aber scheu“-, war verschroben, aber keineswegs ein Außenseiter, sondern ein hervorragend vernetzter Mann, der mit einer beeindruckenden Anzahl von Größen der Kunstwelt seiner Zeit in Verbindung stand, darunter Dorothea Tanning, Marcel Duchamp, Mark Rothko, Andy Warhol" target="Andy Warhol" name="Andy Warhol">Andy Warhol und eben Robert Motherwell. Cornell liebte aber die Ferne und bevorzugte die Distanz. Er behandelte sie wie etwas Kostbares und konservierte die mit Erinnerungen und Sehnsüchten beladenen Arrangements in seinen Boxen hinter Glas, um sie wie kostbare Erinnerungstücke einer vergangenen, aber so nie dagewesenen Zeit zu bewahren.

Die Essenz seiner geistigen Reisen sind kleine Wunderkammern, die, weil meist in Privatbesitz und ausgesprochen fragil, ebenso so selten reisen, wie ihr Erbauer. Was die Wiener Schau, die zuvor in der Royal Academy of Arts in London zu sehen war, zu einer besonderen Gelegenheit macht. Kuratiert wurde die Ausstellung gemeinsam von Sarah Lea (Royal Academy) und Jasper Sharp (Kunsthistorisches Museum). Sharp setzt damit nach Lucian Freud im Jahr 2013 die Reihe der Retrospektiven moderner Meister im Kunsthistorisches Museum fort und lenkt das Augenmerk auch auf die reiche Kunstkammer des Instituts, in der für die Dauer der Schau ebenfalls eine Vitrine mit Objekten von Cornell zu sehen ist.

Die Ausstellung verfolgt zusammen mit dem exzellenten Katalog den Werdegang des 1903 in Nyack, New York, geborenen Künstlers und gibt dem Besucher beim Betrachten und Umwandern der dicht nebeneinander und in großen Glasvitrinen präsentierten Collagen, Boxes und Glasstürze viele Informationen aus Cornells Biografie mit auf den Weg. Die Exponate möchten intensiv betrachtet werden, ihre Vielzahl kleinteiliger Details lädt zum Zwiegespräch ein. Die konsequente Abkapselung hinter Glas verleiht den Kästen eine Kühle, suggeriert, dass hier etwas ungemein Wertvolles oder Kostbares verwahrt wird. Und so geschieht es, dass ein Knabenbildnis von Pinturicchio, Reproduktionen von Bronzino, Watteau oder Parmigianino, eine Sammlung Tonpfeifen, ein weißer Papppalast, Käfige, ein mit Papier beklebter Holzkoffer, Ausschnitte aus Zeitungen, Illustrationen aus dem Reich der Tiere oder der Welt des Zirkus und der Magie, Federn, Schmetterlingsflügel, Murmeln, Korken, Knöpfe, Gläser und hölzerne Fundstücke eine Faszination begründen, die von einer weit fortgeschrittenen Einsamkeit, der Sehnsucht nach der Kindheit und dem Bewusstsein des Vergehens der Zeit und der Vergänglichkeit berichten.

Die an der Schnittstelle von Collage, Skulptur und Malerei angesiedelten Werke widersetzen sich kunsthistorischen Zuordnungen. Zwar liegt es auf der Hand, den Einfluss der Surrealisten zu benennen, die Joseph Cornell in den frühen 1930er Jahren inspirierten. Er selbst bezeichnete sich hingegen als jemand, der einfach Dinge herstellte, jemand, der eher „in einer Art Sonntagsstimmung“, denn als Künstler arbeitete. Mit den Surrealisten verbanden ihn vor allem das Interesse an der Improvisation, am Collagieren und die Freude am Verknüpfen von Wort und Bild. Seine Kunst bezeichnete Cornell als „weiße Magie“, während die der Surrealisten „schwarz“ sei. Das geheimnisvolle Arrangement, das Bewahren und Sammeln und die Hommage an die Nostalgie in einer Welt der Schatten und Spiegel waren ihm jedoch wichtiger als deren zentrale Themen, wie das Unbewusste, die Sexualität und Erotik. Sie finden sich in Cornells Werken nur in sublimierter Form. Der gemeinsame Nenner seiner Schaukastenkonstruktionen, Collagen, Assemblagen und Filme liegt im Zusammenfügen unterschiedlicher Bereiche: der Kunst, der Natur, der Wissenschaft, des Dekorativen, des Privaten, des Sentimentalen, der Literatur und des Theaters.

Joseph Cornell wurde von vielen völlig voneinander getrennten Fachkreisen geschätzt. Mit vielen Künstlern pflegte er freundschaftlichen Kontakt. Er befreundete sich mit der Fotografin Lee Miller und Dorothea Tanning, mit Roberto Matta und Marcel Duchamp. Cornell traf Willem de Kooning und besuchte eine Zeit lang das Atelier von Mark Rothko. Die Liste der Besucher von Cornells Vorstadtatelier belegt die Wertschätzung, die ihm die jüngere Generation entgegenbrachte. So steht man in der Wiener Ausstellung staunend vor Arbeiten, in denen Cornell Überlegungen und Bildfindungen nachfolgender Künstlerkollegen, wie Robert Rauschenberg (View magazine, Maquette for page 15, 1940/42), Jasper Johns, James Rosenquist und Andy Warhol (Untitled, Compartmented Box, 1954/56), und früher Vertreter des Minimalismus vorwegnahm.

Bemerkenswert ist, wie weit Joseph Cornell kam und wen er alles erreichte. Er fand einen anderen Weg des Reisens. Seine wahren Abenteuer fanden im Kopf statt, dort wo Zeit und Raum sich mischen und Neues entsteht. Was er nicht finden konnte, erreichte ihn durch Freunde und Bewunderer: „Kann ich Ihnen von hier etwas schicken, das Ihnen gefallen könnte?“, schrieb Jacqueline Monnier, die Enkelin von Henri Matisse, im Dezember 1967 aus Frankreich. „Ein Stück Pariser Himmel oder Wolken vielleicht? Oder eine Probe von dem gelben Stein, aus dem diese Stadt gemacht ist?“ Cornell hat die Wolken vom Himmel gepflückt und fing die Sterne ein, er entwarf Bühnenbilder für Stücke, deren Inhalte er nur selbst kannte, schuf alchimistische Wunderkammern und mit bunten Pigmenten angehäufte Apothekenschränke. Die Welt war ihm eine „Fest der Erfahrung“. Die Miniaturwelten, in denen dieser ungewöhnliche Mann ein Netz von Gedanken und Assoziationen verwebte, sind eine Hommage an die Zeit und an die Menschen, Bildnisse, Orte und Gegenstände, die er verehrte – Zeugnisse eines Suchenden, der, wie er selber schrieb, die unwiderstehliche Sehnsucht hatte, selber in seine Kästen hineinzugelangen.

Die Ausstellung „Joseph Cornell: Fernweh“ läuft bis zum 10. Januar 2016. Das Kunsthistorische Museum Wien ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr, an Heiligabend von 10 bis 15 Uhr und an Neujahr von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 11 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er kostenlos. Der 272seitige englischsprachige Katalog wird für 35 Euro angeboten.

Kontakt:

Kunsthistorisches Museum Wien

Maria-Theresien-Platz

AT-1010  Wien

Telefon:+43 (01) 525 24 0

Telefax:+43 (01) 525 24 503

E-Mail: info@khm.at



11.12.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


20.10.2015, Joseph Cornell: Fernweh

Bei:


Kunsthistorisches Museum Wien

Künstler:

Joseph Cornell










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