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Vor 500 Jahren wurde Herzog Christoph von Württemberg geboren. Wie sehr der Renaissancefürst das Land in allen Lebensbereichen grundlegend veränderte, präsentiert eine Landesausstellung in Stuttgart

Kunst unter veränderten Vorzeichen



Paul Müller, Denkmal für Herzog Christoph auf dem Stuttgarter Schlossplatz, 1889

Paul Müller, Denkmal für Herzog Christoph auf dem Stuttgarter Schlossplatz, 1889

Politische Allianzen, Herrschaftsallüren oder religiöse Orientierung blieben zu keiner Zeit ohne Auswirkungen auf die Kunst. Oft verstärkten simultane Geschehnisse tiefgreifende Umwälzungen. So war es auch während der rund zwei Jahrzehnte langen Herrschaft Herzog Christophs. Bis heute hinterließen diese Jahre im Württembergischen deutliche Spuren. Die Ausstellung „Christoph 1515-1568. Ein Renaissancefürst im Zeitalter der Reformation“ stellt anhand von zirka 300 Gemälden, Grafiken und kunstgewerblichen Stücken den Wandel jener Epoche in allen Lebensbereichen vor.


Schon auf dem Weg vom Bahnhof zum Landesmuseum Württemberg stellt sich der Herrscher vor. In Form des 1899 nach Entwürfen von Paul Müller errichteten Bronzestandbilds blickt der vollbärtige Fürst achtsam und Respekt einflößend vom hohen Bundsandsteinsockel herab. Am nachhaltigsten beeindruckt bis heute sein größtes Werk, das nahe gelegene wehrhafte „Alte Schloss“, zugleich größtes Exponat und Ort der Landesausstellung. Herzog Christoph betrieb eifrig die Umwandlung des mittelalterlichen Wasserschlosses zur zeitgemäßen Residenzanlage. Auffälligste Neuerung unter seinem Baumeister Aberlin Tretsch war die Erweiterung um drei westliche Flügel mit grandios um den Innenhof arrangierten luftigen Arkadengängen.

Neben Wach- und Gesindekammern, der Apotheke oder Küchen fand hier auch die neue Schlosskirche im Südflügel ihren Platz. Eingerichtet zwischen 1559 und 1662, gilt sie als erster protestantischer Kirchenneubau in Württemberg. Ihr Figurenprogramm konzentriert sich dabei auf die neue lutherische Lehre. Nachhaltig demonstriert es die konfessionelle Orientierung des Herrschers, der selbst im blockhaften Hauptbau wohnte und über die bequeme neue Reitertreppe per Pferd seine Gemächer erreichen konnte. Ein Modell in der Dürnitz, der großen unteren Empfangshalle, zeigt die Einbindung des kolossalen Gebäudes in eine weitläufige Gartenanlage mit Springbrunnen, Turnierstätten, Fest-, Spiel-, Tier- und Bankettpavillons. Die hier abgehaltenen Spiele, Turniere und Schießwettbewerbe füllen ein eigenes Kapitel der Ausstellung, visualisiert mittels Stichen, Glasbildern oder Schützenscheiben. Strenge Dresscodes schrieben Gästen von Festivitäten penibel genau die Kleidung vor. Gezeichnete Musterfiguren gaben hier Anhaltspunkte. Eines dieser selten erhaltenen Beispiele findet sich in der Ausstellung.

Der Machtdemonstration diente ebenso die erlesene künstlerische Innenausstattung mit Möbeln, Textilien, Verkleidungen und Malereien. Eine aufwendig gestaltete Truhe oder ein gleichfalls um 1575 gefertigter Schrank sind ähnlich wie bei der Außengestaltung des Hauses durch Pfeiler, Bogenelemente oder Quaderwerk architektonisch gegliedert. Die den Möbeln vorgeblendeten Schaufassaden bestechen insbesondere durch die Kombination mit intarsierten floralen oder geometrischen Elementen aus edlen Zierhölzern. Mit dem Porträt Christophs reliefierte Ofenkacheln verweisen auf die Renaissancemode, Kachelöfen aufwendig zu verzieren. Besondere Vorliebe hegte der Landesherr für gewirkte Teppiche und legte sich 139 dieser durch Detailreichtum und Farbenpracht bestechenden Wandbehänge zu. Dazu zählt auch die Schlachtenszene „Sauls Tod“ nach einem Entwurf Nicolaas van Orleys, die in Brüssel oder in einer eigens in Stuttgart eingerichteten Manufaktur gewebt wurde.

Zeichnungen und Stiche geben im weiteren Verlauf einen Überblick über die rund 30 Burgen, Festungen und Schlösser, die Herzog Christoph während seiner Regentschaft neu- oder ausbauen ließ, um das Land zu sichern und zu repräsentieren. Geschlossene, wenig verzierte und funktional ausgerichtete Quaderformen dominierten sämtliche Neubauten. Besonders die gewaltigen Ausmaße der nahe gelegene Burgruine Hohenurach künden noch heute von dem alles überragenden Sicherheitsbedürfnis im Land. In den herzoglichen Wohnräumen des städtischen Residenzschlosses von Urach erblickte Herzog Christoph am 12. Mai 1515 das Licht der Welt.

Die Gemälde und Grafiken porträtieren einerseits den am 28. Dezember 1568 in Stuttgart verstorbenen Fürsten nebst seiner Familie, andererseits verdeutlichen sie die Umbrüche in Folge der Reformation, die Herzog Christoph – abgehärtet durch eine schicksalsreiche Kindheit – zielstrebig und durchsetzungskräftig vorantrieb. Bedingt durch die Vertreibung seines Vaters Herzog Ulrich musste Christoph am Innsbrucker Hof standesgemäß erzogen werden. Am Hof des französischen Königs Franz I. setzte sich die Ausbildung fort. Doch sein Vater hielt den als Katholik aufgewachsenen und erzogenen Sohn auf Distanz, indem er ihn zum Statthalter der württembergischen Grafschaft Mömpelgard bestellte, einer linksrheinischen Enklave nahe dem französischen Belfort.

Die Eheschließung mit der protestantischen Adeligen Anna Maria von Brandenburg-Ansbach veranschaulicht die Hinwendung zur Lehre Luthers, die er nach dem Antritt seines Erbes als württembergischer Herzog am 6. November 1550 mit aller Kraft beförderte. Schon sein Vater Ulrich hatte aus Dank für die Unterstützung bei der Rückeroberung des Landes mithilfe von Truppen aus dem protestantischen Hessen mit der Einführung der Reformation begonnen. Vehement baute dann Christoph die evangelische Landeskirche auf. Nachhaltig von sich reden machte er mit der von ihm 1559 erlassenen „Großen württembergische Kirchenordnung“. In dem bis nach Skandinavien und Slowenien ausstrahlenden Regelwerk wurden alle Bereiche des Lebens straff festgelegt und mit einer neu installierten, effizient ausgerichteten Staatsverwaltung samt klaren Bestimmungen und Kompetenzen verbunden.

Wie sehr das Bild zum Medium der Auseinandersetzung im Reformationszeitalter wurde, zeigen insbesondere Gemälde aus den Werkstätten Lucas Cranachs d.Ä. und d.J., denen hierbei generell besondere Bedeutung zukam. So geben sich auf einem Gemälde der Papst und Luther dem Kampfspiel des Strebkastenziehens hin, bei dem dank Gottes Hilfe Luther siegt. Auch Medaillen und viele Drucke weisen darauf hin, wie beide Gruppen bildlich die konfessionellen Gegner verspotteten und das eigene Lager glorifizierten. Wesentliche Verbesserungen der Druck- und Prägetechniken führten zur weiten und schnellen Verbreitung der „Medienschlacht“.

Ein außergewöhnliches Exponat ist die Krümme vom Stab des letzten katholischen Abtes des Klosters Bebenhausen. Christoph ließ von den 14 aufgehobenen Klöstern 13 zu protestantischen Klosterschulen umwidmen, um genügend Nachwuchs für Pfarrer, Verwaltungsmitarbeiter und Lehrer heranzubilden. Unter diesen Männerklöstern fand sich auch das heutige UNESCO-Welterbe Maulbronn, neben Blaubeuren die einzige heute noch bestehende Einrichtung dieser württembergischen Besonderheit. Christophs „Große württembergische Kirchenordnung“ von 1559 hatte rund 250 Jahre Bestand. Württemberg war nach fast vollständiger Aussiedlung der „Altgläubigen“ dank Christoph zum protestantischen Vorzeige- und Musterland geworden. Vergegenwärtigt man sich, dass die Katholiken in zahlreichen württembergischen Städten wie etwa Tübingen mittlerweile wieder die größte konfessionelle Gruppe stellen, schlägt das Pendel in die Gegenrichtung.

Die Ausstellung „Christoph 1515-1568. Ein Renaissancefürst im Zeitalter der Reformation“ ist bis zum 3. April zu sehen. Das Landesmuseum Stuttgart hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch erschienen, das im Museum 19,90 Euro kostet.

Kontakt:

Landesmuseum Württemberg

Schillerplatz 6

DE-70173 Stuttgart

Telefon:+49 (0711) 89 535 445

Telefax:+49 (0711) 89 535 444

E-Mail: info@landesmuseum-stuttgart.de



28.10.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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24.10.2015, Christoph 1515-1568. Ein Renaissancefürst im Zeitalter der Reformation

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Landesmuseum Württemberg

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Ofenkachelmodel mit dem Porträt Herzog Christophs, 1540
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Luther und der Papst im Kampf, 2. Hälfte 16. Jahrhundert
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Die
 Burgruine Hohenurach
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Dresscodes in der Renaissance: Musterzeichnung von 1566
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Arkadengänge im Alten Schloss in Stuttgart
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Krümme vom Stab des letzten Abtes des
 Zisterzienserklosters Bebenhausen, um 1550
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Ring mit dem Porträt Herzog Christophs von Württemberg, 1815
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Ofenkachelmodel mit dem Porträt Herzog Christophs, 1540

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Luther und der Papst im Kampf, 2. Hälfte 16. Jahrhundert

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Die Burgruine Hohenurach

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Dresscodes in der Renaissance: Musterzeichnung von 1566

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Arkadengänge im Alten Schloss in Stuttgart

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Krümme vom Stab des letzten Abtes des Zisterzienserklosters Bebenhausen, um 1550

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Ring mit dem Porträt Herzog Christophs von Württemberg, 1815

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Reiterharnisch Herzog Christophs von Württemberg, um 1545

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Hans Steiner, Prunkschild mit Jagdlandschaften, um 1580/90

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Titelblatt der „Großen württembergischen Kirchenordnung“, 1559

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Herzogin Anna Maria von Württemberg, geborene Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth (1526-1589), um 1569

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Lucas Cranach d.Ä., Caritas, 1534

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