Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 26.10.2019 Kunstauktion 99 bei Winterberg|Kunst in Heidelberg

© Winterberg|Kunst

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Vor 200 Jahren wurde das Rheinland preußisch. Wie dies ab 1815 auch zu Veränderungen auf dem Feld der Künste führte, thematisieren nun zwei Ausstellungen in Leverkusen und Jülich

Neue akademische Sichtweisen



Leonhard Rausch, Blick von einer Anhöhe auf eine Stadt (Kalksteinbruch bei Erkrath), nach 1850

Leonhard Rausch, Blick von einer Anhöhe auf eine Stadt (Kalksteinbruch bei Erkrath), nach 1850

Weit hinten in der Bildmitte erhebt sich auf einer Anhöhe majestätisch thronend die Kirche der rheinischen Stadt Erkrath. Beschaulich liegt das Ensemble aus umgebenden Wohnbauten und einem weiteren Gotteshaus inmitten einer hügeligen Feld- und Waldlandschaft, wäre da nicht die vordergründige Betriebsamkeit auf einem abgeholzten karstigen Areal. Arbeiter transportieren auf Schubkarren den Kalkstein zum Sammelplatz, wo ein Handwerkertrupp das Material weiter bearbeitet. Von der offenbaren Landschaftszerstörung ist in der entrückten Lieblichkeit der Stadtlandschaft nichts zu spüren. Die intensive Ausbeutung der Natur im 19. Jahrhundert, der teils ganze Landstriche wie das nahegelegene Neandertal zum Opfer fielen, wurde vom Maler Leonhard Rausch in seinem nach 1850 entstandenen Gemälde „Blick von einer Anhöhe auf eine Stadt“ deutlich beklagt, zugleich aber in verklärter Weise konserviert.


Neben der künstlerischen Qualität kommt den Werken von Rausch und anderen Vertretern der Düsseldorfer Malerschule auch ein entscheidender Rang als kulturhistorische Quelle zu. Mit der Zuschlagung des Rheinlandes zu Preußen im Jahr 1815 gingen in Verwaltung und Lebensalltag viele Veränderungen einher, die sich deutlich im künstlerischen Schaffen niederschlugen. Zwei ungleiche Städte, die einstige Festungs-, Garnisons- und Residenzstadt Jülich und die vormalige Ackerbürgerstadt Opladen, heute zu Leverkusen gehörig, haben sich zu einem geistreichen Ausstellungsprojekt unter dem Titel „Tiefernst und stumm ist hier die Welt… - Die preußische Rheinprovinz im Blick der Düsseldorfer Malerschule“ anlässlich des „Anschlusses“ an Preußen vor 200 Jahren zusammengetan.

Ausschlaggebend für die künstlerische Entfaltung im Rheinland war die per Erlass durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen vom 9. März 1819 neu eröffnete königliche Kunstakademie Düsseldorf. Das Vorhaben war rein kultur- und machtpolitisch motiviert. Etabliert im alten Düsseldorfer Residenzschloss, sollte die neue Ausbildungsstätte vor allem über die integrativen Effekte der Kunst den Herrschaftswechsel atmosphärisch abfedern sowie einen Ausgleich des vermeintlichen Gefälles zwischen Berlin und dem Rheinland herbeiführen. Die tolerante Haltung des Düsseldorfer Akademiedirektors Wilhelm von Schadow gegenüber neuen Strömungen ermöglichte ab 1831 die erfolgreiche Begründung des Ausbildungszweiges der Landschaftsmalerei. Gerade Landschaftsbilder fanden damals für den Schmuck der eigenen Wohnung im aufstrebenden Bürgertum regen Absatz, obgleich diesem Genre mangels intellektueller Tiefe ein niederrangiger Ruf zueigen war. Hinzu kam ein gewichtiger Absatzmarkt in Nordamerika, da sich viele Auswanderer ein Stück Heimat durch Kauf von Bildern mit landschaftlichen Sujets zurückholen wollten.

Verbunden mit der Landschaftsmalerei sind vor allem die Namen des Schadow-Schülers Carl Friedrich Lessing und des in Jülich Geborenen Johann Wilhelm Schirmer. Viele der insgesamt rund 160 Ölgemälde, Zeichnungen und Drucke in der Doppelschau stammen von diesen beiden Protagonisten. Sie waren es auch, die 1827 den „Landschaftlichen Componierverein“ gründeten, der als Geburtsstunde der Düsseldorfer Malerschule gilt. Von diesen beiden Künstlern ausgehend, entspannt die Ausstellung eine breite Auswahl weiterer Vertreter dieser Schule, darunter von Carl Ludwig Fahrbach, Georg Eduard Otto Saal, Andreas Achenbach, Peter Heinrich Happel, Johann Wilhelm Lindlar oder Caspar Scheuren, der in Bezug auf die überaus ärmlichen Gegenden in der Eifel einmal schrieb: „Tiefernst und stumm und kalt ist hier die Welt…. In diesen öden unfruchtbaren Weiten.“ Ab 1839 wurde die Landschaftsmalerei ein autonomes Studienfach mit eigener Professur. Rasch wurde sie das Aushängeschild der aktiven und einflussreichen Kunstschule.

Die Ausstellung verdeutlicht, wie stark zunächst die nähere, dann aber auch die weitere Umgebung Düsseldorfs in die Motivwelt der Maler einflossen. Nach und nach erschlossen sie sich künstlerisch die gesamte Rheinprovinz. Dabei setzt Opladen den Schwerpunkt auf das Düsseldorfer Umland, den Niederrhein und das Bergische Land, während Jülich sich auf die Eifel, das Ahrtal und den Mittelrhein konzentriert. Besonders das Rheintal zwischen Köln und Bingen regte die Rheinromantiker zu idealisierten Darstellungen an. Ihre Gemälde waren quasi Vorreiter für spätere Rekonstruktionen von Burgen, Ortsbildern, Kirchen und Klöstern. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Wiederherstellung beziehungsweise Vollendung der Dome in Altenberg und Köln.

Der aufkommende Massentourismus verlangte Gemälde, um das Sehnsuchtsbedürfnis im eigenen Heim zu stillen, sowie druckgrafische Arbeiten als Reisemitbringsel. Bei der Produktion wurde überhöht, idealisiert und typisiert; oft lösten sich die Maler von der spezifischen Topografie, verfassten aber auch naturgetreue Sujets. Die bescheidene Eifel und der Niederrhein mit seinen Sumpflandschaften und Wassermühlen erschlossen sich verzögert. Dabei flossen unterschiedliche stilistische Komponenten ein. Zunächst nahmen die Maler die niederländische und französische Malerei des 17. Jahrhunderts zum Vorbild. Außerdem brachten viele Künstler Motive von ihren obligatorischen Italienreisen mit, wo sie die spezifischen Lichtverhältnisse in fremdartig anmutenden Stimmungsbildern festhielten, die sich gleichfalls überaus großer Beliebtheit erfreuten.

Die Doppelausstellung in Jülich und Opladen fußt auf der Initiative der zwei städtischen Geschichtsvereine und ist in ein Gesamtprojekt aus zahlreichen Veranstaltungen zur 200jährigen preußischen Zugehörigkeit eingebunden. Dazu gehört die Restaurierung zahlreicher Bilder, die zum Teil erstmals öffentlich ausgestellt sind. Hervorzuheben ist die gelungene Präsentation der Werke im bürgerlichen Kontext der 1905 errichteten Opladener Fabrikantenvilla Römer. Sie ist der ideale Rahmen, für den die Gemälde ursprünglich auch geschaffen worden waren. Einige Gesichtspunkte offenbaren bei genauer Betrachtung zudem deutliche Bezüge zur Jetztzeit: Das von den Preußen beförderte Zurückdrängen der freien Presse oder die Beschneidung des Einflusses der katholischen Kirche, eine die Landschaft gewaltig verändernde Industrialisierung, kombiniert mit einer massenhaften Zuwanderung an Arbeitern, aber auch wachsendes Interesse an Kunst, Kultur und Umwelt. Aktueller kann eine Ausstellung nicht sein.

Die Doppelausstellung „Tiefernst und stumm ist hier die Welt… - Die preußische Rheinprovinz im Blick der Düsseldorfer Malerschule“ ist in der Villa Römer noch bis zum 1. November 2015 und im Museum Zitadelle Jülich bis zum 30. Oktober 2016 zu besichtigen. Geöffnet ist in Opladen mittwochs und freitags von 15 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 16 Uhr, in Jülich montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Von November bis März sind die Öffnungszeiten auf Samstag von 14 bis 17 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr begrenzt. Der Eintritt beträgt 4 Euro je Ausstellung, es gibt ein Kombiticket für 6 Euro.

Villa Römer – Haus der Stadtgeschichte Leverkusen
Haus-Vorster Straße 6
D-51379 Leverkusen
Telefon: +49 (0)2171 – 478 43

Kontakt:

Museum Zitadelle Jülich

Schlossstraße

DE-52428 Jülich

Telefax:+49 (02461) 63 354

Telefon:+49 (02461) 63 228

E-Mail: museum@juelich.de

www.preussisches-jahrhundert.de



14.10.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 28

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4

Events (1)Adressen (1)Berichte (4)Variabilder (14)Künstler (8)

Veranstaltung vom:


13.09.2015, Tiefernst und stumm ist hier die Welt... Die Preußische Rheinprovinz im Blick der Düsseldorfer Malerschule

Bei:


Museum Zitadelle Jülich

Bericht:


Schwergewichte pompöser Erzählmalerei

Bericht:


Rückgriff auf die italienische Renaissance

Bericht:


Von den Landschaftsmalern zum Sonderbund

Bericht:


Aufstieg unter Schadow

Variabilder:

Johann Wilhelm Schirmer, Eifellandschaft bei Gerolstein,
 1844
Johann Wilhelm Schirmer, Eifellandschaft bei Gerolstein, 1844

Variabilder:

Die Villa Römer in Leverkusen-Opladen
Die Villa Römer in Leverkusen-Opladen

Variabilder:

Das Museum Zitadelle Jülich
Das Museum Zitadelle Jülich







Johann Wilhelm Schirmer, Eifellandschaft bei Gerolstein, 1844

Johann Wilhelm Schirmer, Eifellandschaft bei Gerolstein, 1844

Die Villa Römer in Leverkusen-Opladen

Die Villa Römer in Leverkusen-Opladen

Das Museum Zitadelle Jülich

Das Museum Zitadelle Jülich

Felix Mendelssohn Bartholdy, Notenblatt „Rheinisches Volkslied“ – O Jugend, o schöne Rosenzeit!, 9. Januar 1841

Felix Mendelssohn Bartholdy, Notenblatt „Rheinisches Volkslied“ – O Jugend, o schöne Rosenzeit!, 9. Januar 1841

Carl Friedrich Lessing, Schloss am Rhein, 1843

Carl Friedrich Lessing, Schloss am Rhein, 1843

Caspar Scheuren, Souvenirblatt Eifel, 1865

Caspar Scheuren, Souvenirblatt Eifel, 1865

Caspar Scheuren, Titelblatt des „Rhein-Albums“, Düsseldorf 1865

Caspar Scheuren, Titelblatt des „Rhein-Albums“, Düsseldorf 1865

Johann Wilhelm Schirmer, Burg Are bei Altenahr, 1831/33

Johann Wilhelm Schirmer, Burg Are bei Altenahr, 1831/33

Carl Ludwig Fahrbach, Blick auf den Altenberger Dom, 1894

Carl Ludwig Fahrbach, Blick auf den Altenberger Dom, 1894

Henry Ritter, Akademiedirektor Wilhelm von Schadow, 1845

Henry Ritter, Akademiedirektor Wilhelm von Schadow, 1845

Henry Ritter und Wilhelm Camphausen, Schattenseiten der Düsseldorfer Maler nebst verkürzten Ansichten ihrer letzten Leistungen, 1844/46

Henry Ritter und Wilhelm Camphausen, Schattenseiten der Düsseldorfer Maler nebst verkürzten Ansichten ihrer letzten Leistungen, 1844/46

Caspar Scheuren, Weite Winterlandschaft mit einer Burganlage, 1840er Jahre

Caspar Scheuren, Weite Winterlandschaft mit einer Burganlage, 1840er Jahre

Johann Wilhelm Schirmer, Jagdschloss mit Jägerstaffage, 1830

Johann Wilhelm Schirmer, Jagdschloss mit Jägerstaffage, 1830




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce