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Vor 50 Jahren starb der Sammler und Kunstmäzen Eduard von der Heydt. Das nach ihm benannte Museum in Wuppertal zeigt nun einen Querschnitt seiner kosmopolitischen Sammeltätigkeit

Praktizierte Weltkunst



in der Ausstellung „Weltkunst. Von Buddha bis Picasso. Die Sammlung Eduard von der Heydt“

in der Ausstellung „Weltkunst. Von Buddha bis Picasso. Die Sammlung Eduard von der Heydt“

Vor 100 Jahren mischte eine kleine Gruppe vermögender Bankierssöhne das Kunstgeschehen auf. Visionärer Weitblick und weltweite Umtriebigkeit, Kunstsparten und Kulturen übergreifende Interessen und das Agieren in einem Geflecht tonangebender bildungsbürgerlicher Kreise bestimmten ihr Wirken. Neben dem interkulturell erzogenen Diplomaten Harry Graf Kessler (1868-1937) oder dem Folkwang-Gedanken verfallenen Karl Ernst Osthaus (1874-1921) gehört Eduard von der Heydt (1882-1964) als wichtige Figur in diese exquisite Gruppe. In den 1920er bis 1940er Jahren galt seine Kollektion als bedeutendste private Kunstsammlung in Europa. Rund 500 Werke europäischer Kunst, überwiegend der klassischen Moderne, und etwa 3000 Objekte außereuropäischer Kunst hatte er sich zugelegt. Erster Teil macht heute den essentiellen Kern des städtischen Wuppertaler Kunstmuseums aus, das 1962 in Referenz an seinen wichtigsten und größten Mäzen in „Von der Heydt-Museum“ umbenannt wurde. Die Artefakte aus Südostasien, Afrika oder Ozeanien fanden im Züricher Museum Rietberg ihr Zuhause.


Erstmals nun führt eine Schau beide Sammlungsteile in der größten Auswahl zusammen, die es je gab. Die über 320 Exponate beinhalten lediglich zehn Prozent des gesamten Fundus. Der Titel „Weltkunst. Von Buddha bis Picasso. Die Sammlung Eduard von der Heydt“ verweist bereits im Titel darauf, dass den Besucher Kunst von überall erwartet. Einleitend gewährt die Ausstellung in Wuppertal einen Rückblick auf die Familiengeschichte und die Sammeltätigkeit von Eduards Vater August von der Heydt, der auch das Museum gründete. Niederländer des 17. Jahrhunderts, vor allem aber Gemälde der Impressionisten und Expressionisten versammelte August in seinen Wuppertaler Wohnräumen, ergänzt unter anderem von Plastiken Wilhelm Lehmbrucks, Bernhard Hoetgers, Max Klingers oder Edgar Degas’. Schon allein dieser Fundus vereint reihenweise kapitale Spitzenwerke, etwa Ernst Ludwig Kirchners „Frauen auf der Straße“ von 1914 mit seltsam belanglos schauenden Dirnen oder Gemälde von Gustave Courbet, Wassily Kandinsky, Emil Nolde oder Kees van Dongen, der August von der Heydt auch porträtierte. 18 Bilder von Paula Modersohn-Becker betonen beider Freundschaft. In Etappen übereigneten August und später auch dessen Söhne August und Eduard diese Werke dem Wuppertaler Museum.

Eduard von der Heydt wurde 1882 in Wuppertal geboren. Er wuchs in dem kunstaffinen Umfeld auf und sammelte nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Genf Berufserfahrungen in einem New Yorker Bankhaus. 1910 gründete er in London ein eigenes Bankhaus, das er während des Ersten Weltkrieges verlor. Ab 1915 arbeitete er in Den Haag für den Auswärtigen Dienst, bevor er sich 1920 in Amsterdam im Bankgeschäft neu etablierte. Hier kam die asiatische Kunst ins Spiel: In der seinerzeit nach Paris, Hamburg und New York wichtigsten Handelsmetropole außereuropäischer Kunst konnte von der Heydt, angeregt durch einen Buddha-Kopf im Schaufenster einer Galerie, die Kollektion des Sinologen Raphael Petrucci aus 400 chinesischen und japanischen Artefakten erstehen. Sie wurde der Grundstein für viele weitere Erwerbungen asiatischer, ozeanischer und afrikanischer Objekte. Im Keller seines Wohnhauses an der Keizersgracht 22 eröffnete Eduard von der Heydt dann 1922 das „Nederlands Museum voor Oost-Aziatische Kunst“.

Zahlreiche Stücke stellen in der Wuppertaler Präsentation das Arrangement im Amsterdamer Museum nach. Auch nachfolgende Stationen im schillernden Leben des Eduard von der Heydt deuten in Kombination mit nachgebauten Wohnsituationen die Aura der Kunstwerke an. Dazwischen schiebt sich ein Saal mit einem fundiert analysierten Netzwerk aus Wissenschaftlern, Sammlern und Händlern. Eduard von der Heydt erwarb seine Werke vorwiegend bei renommierten Galeristen. Spekuliert hat er mit Kunst nie, aber war natürlich auf einen Wertzuwachs bedacht. Anhand sorgfältig recherchierter Lebenswege von Kunstwissenschaftlern, vor allem aber Händlern wie Justin K. Thannhauser, Daniel-Henry Kahnweiler, Karl Nierendorf oder Alfred Flechtheim schoben hier die Kuratoren quasi eine Kunsthandelsgeschichte im Kleinen ein.

Nach 1924 verlagerte von der Heydt seinen Wohnsitz ins niederländische Seebad Zandvoort, wo er direkt am Küstenstreifen ein Gebäudeensemble unter Beteiligung des Bildhauers Bernhard Hoetger in der Form einer Mischung als Museum, Privatwohnung und Lunchroom erstellen ließ. Als Kulisse und Treffpunkt des internationalen Jetsets dienend, gehörte der ehemalige Kaiser Wilhelm II. zu jenen häufigen Gästen, die von der Heydt finanziell beriet. In der Ausstellung wird der mit afrikanischen Masken und Speeren bestückte, dem „Café Muluru“ angeschlossene Kunstraum ebenso rekonstruiert wie der meeresseitig durchfensterte Gang, vor dessen Scheiben neben der „Jungen Frau“ von Georg Kolbe Figuren aus Afrika und Asien Aufstellung fanden.

Die chronologisch den Lebensstationen folgende Schau setzt sich fort mit einer Installation seines Arbeitszimmers im 1927 bis 1939 zeitweise aus geschäftlichen wie gesellschaftlichen Gründen bewohnten Berliner Bungalow am Golfplatz am Wannsee, den er von Marcel Breuer ausgestalten ließ. Entgegen dem opulenten Stilmix in Zandvoort herrschte hier formal reduzierte Klarheit und Kühle aus schlichten Linienführungen mit Stahl und Glas vor. Hier bevorzugte Eduard von der Heydt Werke von Salvador Dalí, ein Ölbild von László Moholy-Nagy oder Gemälde von Max Beckmanns.

Die letzte Lebensstation des quirligen Sammlers und Bankiers liegt in der Schweiz. Als ihn Marianne von Werefkin 1923 zum Monte Verità bei Ascona führte, fing er sofort Feuer. Hier im Zentrum lebensreformerischer Bewegungen spielten Philosophie, der Geist Asiens und Religionen des Ostens eine wichtige Rolle. Ab 1926 erwarb er sukzessive Grundstücksparzellen und ließ ab 1927 vom prominenten rheinischen Architekten Emil Fahrenkamp ein modernes Hotel im Bauhausstil errichten. Er betrachtete es als Ort des Geistes, an dem der Gast den Einklang von Kunst und Natur erfahren sollte. Wiederum führte er hier Meisterwerke europäischer Moderne mit Objekten außereuropäischer Kunst zusammen. Im legendären „Lufthemd“ empfing er hier sowie in seinem kleinen nahegelegenen Privathaus Besucher aus aller Welt, die ihn wegen seiner Diskretion und seines undurchdringlichen Lächelns den „Buddha von Monte Verità“ nannten.

Auch wenn die Kunst im Vordergrund der Ausstellung steht, wird eine dunkle Seite nicht verschwiegen. Ab 1937 Schweizer Staatsbürger, geriet Eduard von der Heydt in seiner Eigenschaft als Aufsichtsrat der Thyssen-Bank in den Sog verdeckter Finanzoperationen militärischer Dienste. Von 1933 bis zu seinem Austritt 1939 war er zudem Mitglied der NSDAP. In einem 1948 eröffneten Militärstrafprozess wurde er freigesprochen. Gewiss strategisch intendiert, hatte er bereits 1946 mit der Stadt Zürich einen Erbvertrag unterzeichnet. Wäre er verurteilt worden, hätte er die Schweiz verlassen müssen und seine Sammlung mitgenommen. So konnte 1949 in der Villa Wesendonck der Umbau zum Museum Rietberg beginnen. Bereits in den 1930er Jahren hatte er damit begonnen, seine auf 70 Museen weltweit verteilten Stücke etappenweise in die Schweiz zu transferieren.

Eduard von der Heydts Operieren auf dem Kunstsektor ging von der Gleichwertigkeit aller Künste aus, war geprägt vom Gedanken einer „Ars una“, einer universalen Weltkunst von überall, in der mittelalterliche oder expressionistische Skulpturen ohne Hierarchie neben asiatischen Kultfiguren oder Bildern von Vincent van Gogh, Edvard Munch, Pablo Picasso oder Paul Gauguin ihren Platz hatten. Das Verdienst von der Heydts ist es, die Tür zur dieser Sicht nachhaltig aufgestoßen zu haben. Andere bedeutende Sammler wie Peter Ludwig oder auch die großen Biennale- oder Documenta-Schauen führten diese Tendenz zur weiteren Entfaltung. Daneben war Eduard von der Heydt die allgemeine Zugänglichkeit zur Kunst wichtig.

Nach seinem Ableben vermachte er mangels Nachfahren dem Museum seiner Vaterstadt sein mehrere Millionen D-Mark schweres Vermögen. Aus dessen Erträgen soll das Museum Neuankäufe tätigen können. So sind von 1964 bis heute aus der Heydtschen Stiftung über 100 Erwerbungen ins Museum gekommen, darunter erstrangige Arbeiten von Edgar Degas, Fernand Léger, Alfred Sisley und Lucio Fontana bis hin zu Francis Bacon, Klaus Rinke oder Neo Rauch. Auf einer Zwischenebene präsentiert das Museum 60 davon. Die Sammlung der Superlative entwickelt sich dank Eduard von der Heydt auf hohem Niveau weiter.

Die Ausstellung „Weltkunst. Von Buddha bis Picasso. Die Sammlung Eduard von der Heydt“ ist bis zum 28. Februar 2016 zu sehen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr sowie an Neujahr von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museumsshop 25 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de



07.10.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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