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Ernesto Neto hat für Thyssen-Bornemisza Art Contemporary im Wiener Augarten einen bezaubernd-sinnlichen sakralen Ort geschaffen und erweist damit den indigenen Völkern seiner Heimat Brasilien die Ehre

Im Heiligen der Kunst



2005 war er schon einmal in Wien und verzauberte den hölzernen, leeren Dachboden eines Hauses in der Innenstadt. Für seine aufsehenerregende Installation in der TBA21, damals noch in der Himmelpfortgasse, befüllte und arrangierte Ernesto Neto Lycra-Säcke mit duftenden Kräutern und Gewürzen. Die zu riesigen Tropfen geformten Säcke forderten die Besucher auf, berührt und befühlt zu werden und sich auf eine Entdeckungsreise durch den Speicher zu begeben, den Neto mit seinen an die Brut fremder Lebewesen erinnernden Säcken zu einer Wunderkammer transformiert hatte. Die gedämpften Geräusche, die von außen hereindrangen, und das Licht, das milchig durch Spalten der Dachziegel fiel, taten ein Übriges, um die Atmosphäre verwandeln.


Derzeit sind neue Installationen des Brasilianers im Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21) im Wiener Augarten zu sehen. Während gleichzeitig die Kunsthalle Krems eine Retrospektive von Netos knapp zwanzigjähriger künstlerischer Produktion zeigt, präsentiert TBA21 die neuesten Projekte des Künstlers. Aktuell beschäftigt sich der 1964 in Rio de Janeiro geborene Neto mit den schamanistisch-spirituellen Traditionen der indigenen Völker des Amazonas und verwebt diese mit seiner markanten Formensprache.

In den klaren, mit Oberlichtfenstern hell beleuchteten Räumen im Wiener Augarten fand Ernesto Neto freilich eine ganz andere Ausgangssituation vor, als seinerzeit im leerstehenden Speicher des Barockhauses, der mit seiner spezifischen Atmosphäre bereits einiges zur Gesamtwirkung beitrug. Allerdings hat Neto, der sich wiederholt zum White Cube als Illusion eines neutralen Ausstellungsraumes äußerte, bereits unlängst im Arp Museum Rolandseck bewiesen, dass seine sinnesfreudigen Rauminstallationen einen spannenden Kontrapunkt zu der klaren Architektur des US-amerikanischen Architekten Richard Meier bilden können.

Empfangen von einer diffusen Helligkeit, wandeln die Besucher barfuß durch eine pastellfarbene Landschaft, einen „inneren Raum des Rituals und des Heilens“, steigen über flauschige Fußböden oder Schilfmatten, nehmen auf Polstern Platz, relaxen in Hängematten und probieren verschiedene Gegenstände aus: Maracas, Federn, die brasilianischen Blasrohre „Kuripe“, manche von der Decke hängend, andere zum Gebrauch auf Tischen aufliegend. Langgezogene, farbige Stalaktiten hängen von der Decke. In ihren weichen Ausbeulungen stecken Reis, Styroporkugeln und stark duftende Gewürze. Neto bricht spielerisch mit der Sachlichkeit der Architektur und beschert dem Pavillon eine überraschende Sinnlichkeit. Das spirituelle Zentrum der Ausstellung bildet „KupiForesUniXawa“, eine aus bunten Bändern geknüpfte zeltartige Struktur von 2015, die der Zusammenkunft, des Feierns und Kontemplation dient.

Seine Kunst sieht Ernesto Neto in der Tradition des Neo-Konkretismus der 1960er Jahre mit seinen richtungsweisenden Exponenten Lygia Clark und Hélio Oiticica. Die Bewegung verstand sich als direkte Reaktion auf die Repressionen der Militärdiktatur, die in Brasilien bis 1985 andauerten. In bewusster Abgrenzung zu einer rationalen Kunstauffassung entwickelten die Neo-Konkretisten performative Installationen, in denen das Ritualhafte bestimmend war. Die Grenze zwischen Kunst und Leben sollte ebenso aufgehoben werden wie die Abgrenzungen der Kategorien zwischen den künstlerischen Disziplinen.

Prägende Eindrücke erhielt Ernesto Neto aber vor allem durch die Rituale der Huni Kuin. Vor zwei Jahren reiste er in den Regenwald und lernte das indigene Volk kennen, das an der Grenze zwischen Brasilien und Peru lebt. Das Volk der Kaxinawá, die Huni Kuin, die „echten Menschen“, wie sie sich in ihrer eigenen Sprache nennen, bildet die größte Gruppe unter den 14 indigenen Völkern mit brasilianischen Bundesstaat Acre. Sie konnten nach der Assimilierung vergleichsweise viel von ihrem Kulturgut erhalten. Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern, Pflanzenheilern und Schamanen der 37 Huni Kuin-Gemeinschaften aus dem Gebiet des Jordão-Flusses, schuf Neto in Wien einen Ort der Transformation, der Begegnung und der Heilung als Ausdruck seines neuen schamanisch-spirituell geprägten Weltbilds. Dieses steht im Zeichen der „Novo Mundo / Novo Tempo“ – einer Zeit des Austausches und des Strebens nach indigener Selbstbestimmung und Souveränität – und deutet auf einen Transformationsprozess und auf die Bemühungen der Huni Kuin hin, sich mit der Welt auszutauschen, um gemeinsame neue Wege zu beschreiten.

Es seien vor allem die Pflanzen, erläutert Ernesto Neto, die in den Ritualen der Huni Kuin die Lehrmeister seien. Folglich ist das „Geheime Buch des Heilens“, das Una Isĩ Kayawa, ein wichtiges Element und eingebettet in das kuratorische Konzept der Ausstellung. Das Buch beinhaltet Beschreibungen der mehr als 100 Pflanzenarten, die bei den indigenen Therapien zum Einsatz kommen. Für die Huni Kuin ist die Pflanzenkunde ein Ehrfurcht gebietendes Geheimnis, dem mit größter Achtsamkeit begegnet werden muss. In dieser Verbindung, im Aru Kuxipa – dem „Heiligen Geheimnis“ – liege für auch für Ernesto Neto die einzig mögliche Zukunft begründet. Netos persönlicher Tribut an die Kultur der Huni Kuin entfaltet einen feinsinnigen Ausstellungsparcours, der sich von einem Initiations- und Aktivierungsbereich über einen Raum des Rituals bis hin zu einem Ort der Vertiefung und des Wissens öffnet, um in den vielfältigen Stimmen der überlieferten Mythen und des Gesangs seinen Ausklang zu finden.

Die Ausstellung „Ernesto Neto und die Huni Kuin. Aru Kuxipa | Sacred Secret“ ist bis zum 25. Oktober zu erleben. Thyssen-Bornemisza Art Contemporary im Augarten hat mittwochs und donnerstags von 12 bis 17 Uhr, freitags bis sonntags von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:

TBA21 - Thyssen-Bornemisza Art Contemporary

Scherzergasse 1A

AT-1020 Wien

Telefax:+43 (01) 513 98 56 22

Telefon:+43 (01) 513 98 560

E-Mail: office@tba21.org



05.10.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


19.07.2015 , Ernesto Neto

Bei:


TBA21 - Thyssen-Bornemisza Art Contemporary

Künstler:

Ernesto Neto










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