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Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die Kunsthalle Wien nimmt die Sammeltätigkeit von Künstlern unter die Lupe und fragt nach deren Konzepten

Individuelle Geschichten



Während die Sammlungen privater Kunstliebhaber derzeit eine außerordentliche Aufmerksamkeit erfahren, wirft die Kunsthalle in Wien mit ihrer aktuellen Ausstellung „Individual Stories“ einen Blick auf eine andere Sammlerspezies: die Schau würdigt das individuelle Sammeln zeitgenössischer Künstlern und Künstlerinnen und präsentiert Kollektionen von zwanzig Kunstschaffenden, die sich aus formalen, ästhetischen oder konzeptionellen Gründen Sammlungen anlegen. Den präsentierten Archiven und Sammlungen zugrunde liegen entweder künstlerische Methoden, die zum Teil unabhängig von jeweils eigenen Kunstschaffen entstehen oder sie erfahren selbst den selbst den Status von Kunstwerken.


Mit dieser Thematik reiht sich die Wiener Ausstellung, die von dem Leiter der Kunsthalle, Nicolaus Schafhausen, sowie von Luca Lo Pinto und Anne-Claire Schmitz, der Leiterin von „La Loge“ in Brüssel, kuratiert wurde, in eine Folge von Präsentationen, die seit einiger Zeit forciert Sammlungen von KünstlerInnen in den Fokus gerückt haben. So zeigte beispielsweise das Kunstforum Montafon 2014 die Ausstellung „Vom Jagen und Sammeln“, im selben Jahr das Marta in Herford die Schau „Freundliche Übernahme“ oder der Kunstverein Wolfsburg bereits 2012 die Präsentation „Heb mich auf!“, in der Künstlersammlungen von mehr oder weniger wertloser Dingen in den Fokus gestellt wurden. Bereits Ende der 1990er Jahre konstatierten die Organisatoren der Ausstellung „Deep Storage. Arsenale der Erinnerung“ im Münchner Haus der Kunst, dass „Sammeln, Speichern und Archivieren in der Gegenwartskunst Konjunktur“ haben. Das Sammeln von und das künstlerische Arbeiten mit Alltagsgegenständen gehören seit den 1960er Jahren zu den folgenreichsten und fruchtbarsten Methoden.

Wenn Künstler etwas sammeln, dann nehmen sie zunächst etwas wahr, schenken Dingen besondere Aufmerksamkeit und bewahren sie vor dem Verschwinden. Andererseits jedoch verschwindet das einzelne Objekt in der Sammlung und wird zum Sammlungsstück. Es wird in eine Ordnung eingefügt. Im Nebeneinander der einzelnen Gegenstände entwickelt sich ein spezielles Gefüge mit bestimmten Relationen und Bedeutungen. Sammeln ist ein Produzieren nach ästhetischen Gesichtspunkten: ein Konzept wird realisiert und ist damit, so der Untertitel der Schau, sowohl Portrait des Sammlers als auch Ausdruck einer bestimmten Methodologie, weist den Gegenständen eine kulturelle Relevanz zu und lädt sie mit ästhetischem Gewicht auf.

Am radikalsten demonstriert diese künstlerische Wertschöpfung wohl die 1951 in Los Angeles geborene Künstlerin Barbara Bloom. Ihre Sammelleidenschaft richtet sich auf Gegenstände, die bei näherer Betrachtung wie Erinnerungen an ihre ehemaligen Besitzer wirken und als Neuzusammenstellung von Gedächtnisspuren fungieren. Alltägliches und Gewöhnliches, wie beispielsweise Fußspuren, die jemand auf einem Teppich hinterlassen hat oder Lippenstiftsabdrücke auf einem Sektglas werden zu Verweisen auf die ehemalige Anwesenheit der Benutzer und das Interagieren zwischen Subjekt und Objekt. In ihren Arrangements lädt Bloom diese scheinbar unbedeutenden Spuren mit Geschichten und Geschichte auf, ohne dass zu verifizieren wäre, welche Bedeutung die Objekte tatsächlich für jemand besitzen.

Bei vielen der in Wien gezeigten Exponate handelt es sich jedoch um Sammlungen, die traditionell und über längere Zeiträume entstanden. Herbert Brandl hat für seinen Beitrag vier Vitrinen aufgestellt, die ursprünglich aus dem Kunsthistorischen Museum stammen und die wie Skulpturen im Ausstellungsraum präsentiert werden. Brandl versteht seine Sammlung als Arbeitsmaterial, das immer wieder in seine Malerei einfließt. Seine Kollektion verschiedenartiger Messer und Schwerter animierte ihn zu einer Gruppe von Arbeiten, deren Landschaften und Horizonte nach eigenen Angaben auf die Maserungen und Reflexionen der gesammelten Klingen zurückzuführen sind. Sein österreichischer Kollege Hubert Scheibl gewährt im Rahmen von „Individual Stories“ einen Einblick in seine Sammlung stark vergrößerter Modelle von Pflanzen und Bakterien, die ursprünglich als Lehrobjekte hergestellt und über Jahre zusammengetragen wurden. Scheibl interessiert sich vor allem für die in der Natur vorkommenden abstrakten Strukturen, vegetabilen Ornamente sowie pflanzlichen Genesen und Metamorphosen. Gleichzeitig lassen sich in den Pflanzenmodellen unterschiedliche Formen und Strukturen erkennen, die den Künstler seit langem in seiner künstlerischen Arbeit begleiten.

Das Projekt „Fountain Archives“ (2008-heute) des 1970 in Vendôme geborenen Objekt- und Installationskünstler Saâdane Afif ist eine fortlaufende Sammlung aller Publikationen, die eine Reproduktion von Marcel Duchamps berühmten Readymade „Fountain“ aus dem Jahr 1917 beinhalten. Afif reißt die jeweilige Seite, auf der das Pissoir abgebildet ist, heraus, signiert sie und lässt sie rahmen. Die Publikationen, aus denen die Seiten stammen, werden in einem Bücherregal aufbewahrt und nach dem Datum geordnet an dem sie gefunden wurden. Das ständig wachsende Bücherregal versteht sich als Archiv von Duchamps „Fountain“, aus dem der ursprüngliche Auslöser entfernt wurde.

Ein Vertreter des dokumentierenden Sammelns ist auch der 1969 in Brüssel geborene Jacques André. Schon seit den 1990er Jahren setzt sich André in seinen konzeptuellen Arbeiten mit Fragen des Konsumverhaltens und unserer Beziehung zu materiellen Gütern auseinander. In seinem Projekt der „achats en répétition“ versucht der Künstler, Kopien bestimmter Gegenstände, wie zum Beispiel von Schallplatten und Büchern, zusammenzutragen. Die Gemeinsamkeit der gekauften Waren liegt darin, dass sie meist in den 1970er Jahren produziert wurden. In Wien präsentiert André seine Kollektion in einem überdimensionalen Regal, in dem drei gleichnamige Schallplatten einer Rockgruppe ebenso vertreten sind wie Wilhelm Reichs Schriften zur sexuellen Revolution.

Der 1941 in Hilden bei Düsseldorf geborene Hans-Peter Feldmann systematisiert und organisiert Fotografien und Abbildungen, aber auch banale Gegenstände, die das Alltagsleben prägen. Für „Individual Stories“ hat Feldmann eine Kollektion hochhackiger Damenschuhe nach eigenen Kriterien arrangiert. Eine größere Herausforderung als die bunten Fetischobjekte stellt hingegen die Sammlung der 1952 in München geborenen und in Rom lebenden Künstlerin Michaela Maria Langenstein dar. Fundstücke aus der Natur, etwa Blätter, die von Insekten und vom Hagel durchbohrt und durchlöchert wurden, Gräser, Kiesel und kleine Knochen hat die Künstlerin in Vitrinen arrangiert. An den Objekten interessiert Langenstein vor allem deren „Kleinheit“ und ihre „angebliche Unscheinbarkeit“, die für die Künstlerin jedoch einen großen Wert darstellen und Ausgangspunkt sind für ihre analogen schwarz-weißen Fotografien und Fotogramme. In ihnen verfremdet Langenstein die Vegetation zu surrealen Bildwelten.

Solch individuelle Sammlungen von Künstlern und Künstlerinnen wären „Wissensarchitekturen“, heißt es in der Kunsthalle, „Filter zwischen dem Individuum und der Welt“. Das Thema der Wiener Ausstellung ist spannend, und wer sich Zeit nimmt und die begleitende Broschüre studiert, wird einige Fragen beantwortet bekommen, die die Ausstellung selbst nicht gibt. Zu unklar sind die Unterscheidungen zwischen künstlerischen, meist installativen Ansätzen, die offensiv aus Sammlungen heraus entwickelt werden und anderen, eher indirekt wirkenden Verbindungen zwischen Sammlung und Werk. So bleibt die Ausstellung „Individual Stories“ am Ende vor allem selbst eine Sammlung: eine lose Zusammenstellung singulärer Kollektionen zeitgenössischer KünstlerInnen, die in ihrer Präsentationsform eher dem traditionellen Sammeln folgt, als grundsätzliche Fragestellungen untersucht, wie zum Beispiel nach der gegenwärtigen Praxis des Sammelns in Museen. Vielleicht wäre es auch aufschlussreich gewesen, Sammlungen gänzlich anderer Art zu präsentieren, wie beispielsweise die von Gregor Weichbrodt und Hannes Bajohr über Monate zusammengetragenen fast 300.000 Postings von „Pegida“-Fans auf deren Facebook-Seite, aus denen das Kunstprojekt „Glaube Liebe Hoffnung“ entstand. Möglicherweise verrät der die Ausstellung dokumentierende Katalog mehr. Der ist aber derzeit gerade erst im Entstehen.

Die Ausstellung „Individual Stories. Sammeln als Porträt und Methodologie“ ist noch bis zum 11. Oktober zu sehen. Die Kunsthalle Wien hat täglich von 10 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 521 891 201

Telefax:+43 (01) 521 891 217

E-Mail: office@kunsthallewien.at



29.09.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


26.06.2015, Individual Stories - Sammeln als Porträt und Methodologie

Bei:


Kunsthalle Wien

Künstler:

Saâdane Afif

Künstler:

Jacques André

Künstler:

Michaela Maria Langenstein

Künstler:

Hubert Scheibl

Künstler:

Herbert Brandl

Künstler:

Barbara Bloom

Künstler:

Hans-Peter Feldmann










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