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Die Zeichnung hat längst ihren angestammten Platz auf dem Papier verlassen. Das macht die Albertina in Wien in einer facettenreichen Schau mit Arbeiten junger Künstler deutlich und befragt das Medium nach seinem zeitgenössischen Diskursvermögen

Im Drawingroom



Die Vitalität des Mediums Zeichnung hat die Albertina in den vergangenen Jahren mit Ausstellungen zu Robert Longo, William Kentridge oder zuletzt mit der Personale Elaine Sturtevants mehrfach demonstriert. Nun präsentiert das Wiener Museum in einer groß angelegten Überblicksausstellung eine spannende Auswahl an aktuellen Positionen und beweist damit eindrücklich, welche inhaltlichen und formalen Möglichkeiten sich im Medium der zeitgenössischen Zeichnung befinden. 1977 gab es die gleiche Befragung an das Medium Zeichnung gemeinsam mit dem Museum of Modern Art in New York. Die damals ausgewählten Künstler wie Amerikas Größen Andy Warhol oder Jasper Johns hatten zwar den Sprung in Assemblage, Objektkunst und Film längst vollzogen; die Schau blieb damals aber streng am Papier orientiert.


Im Titel „Drawing Now“ lehnt sich die Albertina nun an den renommierten Pariser „Salon du Dessin Contemporain“ an, der in diesem Frühjahr mit seiner Präsentation zeitgenössischer Zeichnungen bereits das zehnte Jahresjubiläum feiern konnte. In Wien geben 36 Positionen einen Einblick in die vielfältigen Spielarten des Zeichnens der letzten zehn Jahre. Für die meisten Beteiligten hat die Zeichnung nicht mehr allein Skizzencharakter, ist nicht allein Ideennotation, sondern wird als eigenständiges Medium eingesetzt, mit dem sowohl gedankliche Vorstellungsräume ausgelotet, als auch räumliche Zusammenhänge erforscht werden.

Unter den kleineren Formaten, wie beispielsweise den spontanen Zeichnungen von Tomma Abts, fallen vor allem die auf gebrauchten Briefumschlägen und Buchdecken und mittels Bleistift und Gouache entstandenen Miniaturen von Michaël Borremans auf. Angelockt durch die augenscheinliche Skurrilität der winzigen Figuren, wird man bei näherer Betrachtung mit geheimnisvollen Geschehnissen und schauderhaften Details konfrontiert, die Borremans in seine meist von einem erhöhten Blickpunkt aus gesehenen Szenen einbettet. Meisterhaft gelingt es dem Belgier, Zu- und Missstände der heutigen Gesellschaft anzudeuten. Die Inhalte bleiben jedoch verrätselt, nichts ist eindeutig oder präzise erklärbar.

Tacita Dean und Jockum Nordström verwenden die Zeichnung in Kombination mit der Collagetechnik. Erinnerungen und Fantastik stehen gleichwertig nebeneinander. „Märchen für Erwachsene“ erzählt der schwedische Künstler Nordström in seinen ungenauen Bleistiftzeichnungen und den aquarellierten und ausgeschnittenen Figuren, die er zu comicartigen Szenenfolgen arrangiert. Die in England geborene Tacita Dean schuf eine Serie von Tableau-Collagen zu Robert Walser. Für „Berlin and the artist“ von 2012 verwendete sie Postkarten und Fotografien, die sie auf einem Flohmarkt entdeckt hatte, sowie originale Bleistift- und Tuschzeichnungen von Martin Stekker, einem kaum bekannten Zeitgenossen Robert Walsers. Die Fundstücke setzt Dean in Zusammenhänge, ohne – wie so oft in ihren Arbeiten – Aufschluss über einen zusammenhängenden Erzählstrang zu geben. Dean offeriert eine Geschichte, die unstet zwischen Fiktion und Wirklichkeit schwankt, in diesem Fall die Begegnung zwischen einem einst berühmten Schriftsteller, für den erst seit Kurzem wieder Interesse erwächst, und einem Künstler, der im selben Jahr wie dieser geboren wurde und dessen eigenes Werk, das Dean sich aneignet und poetisch in einen neuen Kontext stellt, unbeachtet geblieben ist.

Auch Marcel van Eeden verbindet Biografien. Er rekonstruiert in seinen Kreide- und Bleistiftzeichnungen Zeitgeschichte der 1920er bis 1960er Jahre. Als Vorlagen für die meist schwarz-weißen Blätter verwendet er Zeitschriften oder Fotos und Texte, die alle vor 1965, dem Jahr seiner Geburt, entstanden sind. Nie wählt van Eeden historisch bedeutsame Ereignisse, sondern alltägliche Orte oder banale Situationen. Charakteristisch für seine bebilderten Geschichten, die zum Teil auf wahren Begebenheiten basieren, ist der an den Film Noir erinnernde Eindruck, der durch die fotorealistischen Darstellungen und die Verwendung von Schwarz-Weiß-Kontrasten bedingt ist. Die 1962 in Moskau geborene Künstlerin Olga Chernysheva, die zunächst Animationsfilm studierte, zeigt ausschließlich kleinformatige Kohlezeichnungen auf Papier. Sie dokumentiert Arme, Bettler und Obdachlose, denen sie in den Straßen ihrer Heimatstadt begegnet und etikettiert die an Käthe Kollwitz erinnernden Portraitstudien mit am Computer geschriebenen, ausgedruckten und in die Zeichnungen geklebten englischen und russischen Titel, wie bei den 2012 entstandenen Arbeiten „Person proteced by a book“ oder „Person protected by a pipe“.

Sandra Vásquez de la Horra zeichnet auf gefundenen Papiersorten, etwa alten Geschäftsbüchern, und überzieht das Papier im Anschluss mit Wachs. Die 1964 in Sydney geborene Toba Khedoori setzt ihre Zeichnungen von lapidaren Dingen, wie den an eine Wand gelehnten Stock in „Untitled, Stick“ von 2005 oder „Untitled, White Windows“ von 2005/06, direkt in das mit Wachs bedeckte Papier und experimentiert mit dem Abstraktionsgehalt der solitären Gegenstände. Mithu Sen ritzt ihre Zeichnungen in Plexiglas, und Marc Bauer setzt unzählige seiner Zeichnungen auf Plexiglasplatten zu Filmen zusammen. Die Auseinandersetzung mit dem Raum durch Eingriff in denselben demonstrieren Monika Grzymala und Fritz Panzer. Auch Constantin Luser, 1976 in Graz geboren, experimentiert mit Bild- und Ideengeflechten im Raum. Aus seiner Hand stammt eine dreidimensionale Installation, die Wandzeichnung und filigrane, im Ausstellungsraum hängende Drahtobjekte miteinander verbindet.

Eine besonders schöne Serie hochformatiger Arbeiten, die quasi im Zentrum der Ausstellung präsentiert wird, stammt von Jorinde Voigt. Die 1977 in Frankfurt geborene Künstlerin ist vor allem für ihre anmutigen Spiralbögen und schlaufenförmigen Parallellinien bekannt, die gedehnt und miteinander verwoben sind. In Wien präsentiert Voigt fünf Arbeiten, eine Werkfolge aus den Jahren 2013/14, die sie in Auseinandersetzung mit der 1982 entstandenen Abhandlung „Liebe als Passion. Zur Kodierung von Intimität“ des Soziologen Niklas Luhmann entwickelt hat. Doch geht es keineswegs um Textillustration, sondern um die subjektive künstlerische Aktualisierung einzelner Sätze und Begriffe. Auf den weißen Papiergründen tummeln sich zartgliedrige Netze, Verwebungen und Liniengespinste, die Voigt mittels Bleistift und Tinte entwirft, und treffen auf malerisch entwickelte Farbflächen in Gelb und Rottönen, die von blauen oder grünen miróhaft schwebenden Figurationen begleitet werden.

Geht man dem Begriff „Drawingroom“ nach, so stößt man darauf, dass seine Bedeutung ursprünglich nichts mit Zeichnen zu tun hat, sondern einen Raum in einem Haus bezeichnet, in dem Gäste unterhalten werden sollen. Es handelt sich um einen Salon, ein Gesellschaftszimmer, das die Plattform für anregende Gespräche und Diskussionen rund um aktuelle, gesellschaftsrelevante Themen offeriert. In diesem Sinne befragt die Wiener Ausstellung das Medium Zeichnung auf seinen zeitgenössischen Diskurs. Abstraktion und Figuration, Intimität, Austausch mit dem Betrachter, Zeit und Auflösung der individuellen Handschrift, Introspektion und Fantastik stehen gleichwertig nebeneinander.

Die Ausstellung „Drawing Now 2015“ ist noch bis zum 11. Oktober zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 12,90 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der für 29 Euro im Museumsshop erhältlich ist.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 534 83 199

Telefon:+43 (01) 53 48 30



23.09.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


29.05.2015, Drawing Now 2015

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