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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Bücher, alte und neuere Grafik, Handschriften sowie moderne und zeitgenössische Kunst bei Venator & Hanstein in Köln

Die lächelnde Cédille



Eine Einführung in das heimliche Leben eines diakritischen Zeichens ermöglicht „La cédille qui sourit“. Robert Filliou und George Brecht entwickelten 1969 dieses Multiple, das seinen Anfang wohl in einer deutschen Streichholzschachtel mit einer rot geschriebenen Fünf fand. In der Ziffer erkannten beide die Form einer Cedille, des gekrümmten Häkchens unter einem c in den romanischen Sprachen, das eine besondere Aussprache markiert. Daher ziert den Deckel ihres Multiples seltsamerweise ein Streichholz. Der Titel der „Lächelnden Cedille“ war der Name des Ateliers und der Galerie, die beide im südfranzösischen Villefranche-sur-Mer von 1965 bis 1968 betrieben. In der Tat war es aber sehr schwierig, die Künstler dort zu besuchen, da sie oft abwesenden waren und eher in einem nahe gelegenen Café verweilten. Daher ist auf der Box auch die ehemalige Adresse der Werkstatt angegeben. Obwohl das Atelier in Südfrankreich aufgegeben wurde, scheint es durch das Multiple weiterzuleben, da es im III. Punkt heißt „Was das Cedille sein wird (ist)“. Ganz im Sinne der Kunstströmung Fluxus, der Filliou und Brecht angehörten, durchfließen Humor und das Absurde diese Arbeit und lassen sie gerade deswegen zu einem ständigen Quell der Freude werden.


Tatsächlich war „La cédille qui sourit“ der Ausstellungskatalog des Städtischen Museums Mönchengladbach, den Museumschef Johannes Cladders mit 20 losen Blättern, einem kleinen Schreibblock und zwei Heftchen mit dem Verzeichnis der ausgestellten Exponate sowie einer Streichholzschachtel der Marke „Haushaltsware 5 Pf“ der Deutschen Zündwaren-Monopolgesellschaft bestückte. Das Kölner Auktionshaus Venator & Hanstein offeriert das Katalogmultiple nun in seiner kommenden Versteigerung am 25. und 26. September für 2.000 Euro und hat zudem einen reichen Fundus an moderner und zeitgenössischer Grafik, Büchern, alter Grafik, Manuskripten und Autographen zusammengetragen. Neben Reiseliteratur und topografischen Werken, Kunstliteratur und Naturwissenschaften, dem Nachlass eines Bauhäuslers steht auch die größte private Sammlung zu Clemens August von Bayern des Kölners Joachim Maas zum Verkauf.

Alte Grafik

Durch die Auflösung einer alten rheinischen Sammlung konnten Venator & Hanstein über 30 Blätter von Rembrandt akquirieren. Hauptstück ist das kleine „Selbstbildnis, von vorn gesehen, im Barett“ um 1634. Der große Hut mit wellenartigen Formen wird durch Rembrandts Locken gehalten, die sein freundliches Gesicht umspielen. Es scheint, als ob sich darauf ein leises Lächeln im Oberlippenbart versteckt (Taxe 15.000 EUR). Während das Selbstportrait unvermittelt wirkt, liegt eine Spur Steifheit in der Radierung „Bildnis eines Knaben“ von 1641. Der Grund mag sein, dass der Junge Prinz Wilhelm II. von Oranien ist, dessen ernste Miene Rembrandt im Profil festhielt (Taxe 6.000 EUR). Gleich hoch ist auch Albrecht Dürers feiner und früher Holzdruck aus der „Großen Passion“ um 1496/1510 veranschlagt. Zentral schwebt der auferstandene Christus, umgeben von Wolken und Puttenköpfen, über der Grabesplatte. Zu seinen Füßen lagern im dunkleren Grund Soldaten, von denen mehrere schlafen. Nur einer scheint die Auferstehung wahr zu nehmen und mit einer Handgeste zu kommentieren. Bei den Alten Meistern beteiligen sich zudem noch Giovanni Benedetto Castiglione mit seinem Tronie eines „Bärtigen alten Mannes mit Kappe nach rechts“ (Taxe 1.200 EUR), Hendrik Goudt mit seinem von Adam Elsheimer inspirierten Kupferstich „Tobias mit dem Fisch in Begleitung des Engels“ aus dem Jahr 1608 (Taxe 2.000 EUR) oder Heinrich Vogtherr d.J. mit seinem großformatigen, aus vier Blöcken zusammengesetzten Holzschnitt der „Auferstehung Christi“ um 1540 an der Auktion (Taxe 3.000 EUR).

Einem idyllischen Bild des Familienlebens kommt Angelika Kauffmanns Radierung „Die Mutter mit dem Kind, das einen Apfel hält“ aus dem Jahr 1763 nahe. Die Frau lehnt sich aus einem Fenster und hält das sich reckende Mädchen sicher im Arm. Beide lächeln den Betrachter herzlich an (Taxe 750 EUR). Darüber hinaus liegen einige Blätter Giovanni Battista Piranesis mit klassischen Rom-Ansichten (Taxen zwischen 400 bis 900 EUR) und die luftig bewegte Komposition „Die Heilige Familie kommt an einer Scharfherde vorbei“ aus der Folge „Fuga in Egitto“ des Rokoko-Malers Giovanni Domenico Tiepolo vor (Taxe 3.500 EUR). Paul Troger beteiligt sich mit der Radierung „Die Heiligen Cosmas und Damian pflegen Kranke“ (Taxe 800 EUR). Das Grafikangebot aus dem 19. Jahrhundert ist mit vier Arbeiten sehr überschaubar. Félix Buhots „Le Petit Enterrement“ um 1880 lässt zwei schwarze Gestalten aufgrund eines Regensschauers zu einer Menschenmenge mit Schirmen rennen. Buhot fängt den Effekt des kalten Regens ein, indem die Konturen auf der nassen Straße verschwimmen lässt (Taxe 300 EUR). 3.600 Euro soll dann noch die in 160 Exemplaren 1897 erschienene Mappe „Aus Worpswede. Neue Folge“ mit zwölf Radierungen von Hans am Ende, Fritz Mackensen, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler kosten.

Bücher und Handschriften

Die teuersten Lose befinden sich bei den älteren Drucken und Manuskripten. Das unumstritten kostspieligste Werk ist mit 60.000 Euro ein deutscher Plenar von Günther Zainer aus Augsburg. Es handelt sich um die zweite textlich veränderte Ausgabe, die zu den seltenen Exemplaren zählt, da es noch das erste Blatt besitzt. Hier ist es ein Salvator Mundi-Holzschnitt mit Umschrift. Das 1474 erschienene Buch vereint Evangelien und Episteln nach der Ordnung des Kirchenjahres. Diese ergänzen Auslegungen zu den Sonntagsevangelien. Die 54 Holzschnitte mit biblischen Szenen sind ebenso wie die reichen Initialen alt koloriert, etwa die Frauen am Grabe am Grabe Christi, die nur den Engel antreffen und in prächtigem Königsblau und zartem Rot gewandet sind. Denselben Wert darf auch das schöne ornithologischen Buch „The Birds of Europe“ von John Gould für sich beanspruchen, das 1832 bis 1837 in fünf Bänden erschien und 449 kolorierte Lithografien enthält.

Die Hälfte des Schätzwertes teilen sich gleich mehrere Werke. Stellvertretend seien die Venedig-Ansichten Michele Marieschi aus dem Jahr 1741 erwähnt. Die Veduten schuf der Maler nach eigenen Gemälden. Die vorliegende Radierfolge liegt im ersten Zustand vor und ist komplett. 30.000 Euro stehen ebenfalls auf der Pergamenthandschrift „Glossatura maior super epistolas Pauli apostoli“ des Petrus Lombardus. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde der Text wohl in der Diözese Trier geschrieben und mit großen romanischen Initialen versehen. Nur 3.000 Euro weniger stehen auf dem Etikett des umfangreichen frühen Drucks des „Decretum Gratiani“ durch den Gutenberg-Schüler Nicolas Jenson in Venedig aus dem Jahr 1477. Das Werk vereint Exzerpte zum Kirchenrecht aus mehreren Quellen. In enger preislicher Folge steht die seltene Erstausgabe von Friedrich Schillers „Die Räuber“ aus dem Jahr 1781 (Taxe 25.000 EUR). Mit einer Schätzung von 20.000 Euro gehen etwa Leonardo de Utinos „Sermones aurei de sanctis“ von 1475 oder die kolorierten Drucke eines privat zusammengestellten Sammelbandes zu exotischen Pflanzen um 1780/1820 ins Rennen.

Sammlung zu Clemens August von Bayern

Joachim Maas’ Sammlung zu Clemens August von Bayern, die am Freitag ab 11:30 Uhr versteigert wird, umfasst 195 Objekte. Den Auftakt bildet ein repräsentatives Portrait in Öl, das um 1746 nach dem in Bonn aufbewahrten Gemälde von Georges Desmarées entstand. Es zeigt den Fürsten als Hochmeister des Deutschen Ordens in einem bronzen schillernden Harnisch über einem samtenen blauen Rock mit dem Deutschordenskreuz. Neben ihm liegt der Kurhut, um den ein weiß-goldener Stoff drapiert ist (Taxe 21.000 EUR). Die Sammlung greift aber auch über Clemens August hinaus, da einige Objekte den Blick auf die Familie der Wittelsbacher des späten 17. und 18. Jahrhunderts lenken. Neben mehreren Portraitdrucken, wie dem Kupferstich von Joseph Clemens von Bayern, Erzbischof und Kurfürst von Köln um 1773 (Taxe 750 EUR, umfasst sie auch Bücher aus der Bibliothek Clemens Augusts’, die Politik und das Hofleben dank mehrerer Briefe ebenso wie das Thema des Kurfürsten als Kriegs- und Bauherr. Abschließend bietet die Kollektion einen Blick auf seine Nachfolge und die Kurfürstliche Universität zu Bonn.

Moderne und zeitgenössische Kunst

Bei den Werken der modernen und zeitgenössischen Kunst besticht Monika Baers nahezu puristisches Aquarell von 1998. Einzig zwei rote nach oben blickende Augen mit langen Wimpern bilden das Motiv des Blattes (Taxe 400 EUR). Ähnlich simpel sind die Mittel in fünf Blättern der Serie „Bleistift Text“ von Ferdinand Kriwet. In den zwei 1976 datierten Arbeiten „Nr. 2“ und „B 6“ nutzte er Bleistift auf einer weiß grundierten Leinwand und platzierte die Wörter, deren Umrisse er in Druckschrift nachfuhr, oberen linken Rand oder in anderen Bild als Kreis. Die kontinuierlich versetzte Wiederholung der Buchstaben führt schließlich zu einem dichten Linienmuster in „Bleistift-Text Nr. 2“ und zu der fast plastischen Wirkung eines Reifens bei „Bleistift-Text B 6“ (Taxe je 4.000 EUR). Nicht minder effektvoll nehmen sich Victor Bonatos Serigrafien mit Spiegelfolienprägung um 1973/74 aus. Auf schwarzem Grund sind 36 silbern glänzende Kugeln zu sehen, die durch eine Art Schweif zu geometriefreudig fliegenden Kometen oder quadratisch angeordneten Gewehrkugeln werden (Taxe 900 EUR).

Ebenfalls dem Abstrakten zugewandt ist Peter Brünings schwarz-rote Farblithografie von 1956. Scheinbar zufällig setzte er festere und luftig rasche breite dunkle Striche über ein ähnlich feuerrotes Konstrukt (Taxe 400 EUR). Als Kollege aus dem Informel tritt Rolf Cavael mit einer erdfarbenen Gouache samt schwarzen Tuschekritzeleien für 1.500 Euro hinzu. Eine Farbkomposition aus Rot und Blau setzte Markus Prachensky 2001 ein. Die zwei Farblithografien „California Revisited“ lassen den Betrachter den Malprozess durch die auf schwarzem Grund gesetzten Farbflecken und Pinselstriche nachvollziehen (Taxe je 800 EUR). Bei Zdenek Sýkora sind es fünf Farbbahnen, die sich 1996 auf seiner Serigrafie zur liegenden „Line No 63“ verbinden (Taxe 1.800 EUR). Seinen künstlerischen Ursprung in der gestischen Malerei dokumentiert Konrad Klapheck in der schwarz-grauen Gouache „6 Figuren“ von 1958 (Taxe 2.000 EUR). Bei Willi Müller-Hufschmid sind es Schichtungen identischer Balkenformen, mit denen er eine unbetitelte Tuschezeichnung von 1961 strukturiert hat (Taxe 1.200 EUR).

Jean-Gabriel Domergues Schaffen ist einer gefälligen Bildsprache und dem gesellschaftlichen Leben der oberen Zehntausend verpflichtet. So lässt er in seinen Ölgemälden ein mondänes Paar „Au Derby“ (Taxe 6.000 EUR) oder „Im Theater“ auftreten, wobei die überschlanke Dame mit diamantenem Collier und Diadem eine manierierte Pose einnimmt, als wäre sie sich bewusst, dass sie bildlich festgehalten wird (Taxe 3.600 EUR). Diese Form der Überzeichnung charakterisiert auch drei Farbserigrafien Ertés aus der Folge „Numbers“ von 1980. So besteht die Ziffer 2 aus einer im Profil gezeigten, halbnackten weißen Frau, deren blaue Haare an Marge Simpson erinnern und den oberen Schwung der Ziffer dekorativ ausführen (Taxe 400 EUR). Da hat Max Beckmanns Kaltnadelradierung „In der Trambahn“ von 1922 doch mehr existenzielles Gewicht (Taxe 4.000 EUR). Die Klassische Moderne hat zudem drei wolkig-rhythmisierte Kompositionen František Kupkas für bis zu 600 Euro, Karl Peter Röhls noch zackigeres Tuscheaquarell einer Explosion für 3.000 Euro oder sechs gefällige Aquarelle Carl Rüdells mit Landschaften und Stillleben für bis zu 750 Euro zu bieten.

Streben nach Eleganz kennzeichnet F.C. Gundlachs Modefoto „Grit, Berlin“ von 1955. Ungleich ernsthafter ist Shepard Faireys Dreiviertelprofil des Künstlers Ai Weiwei. Dieses 2013 ausgeführte Halbportrait ist auf die Farben Schwarz, Rot und Gold reduziert (Taxe je 400 EUR). Ein Kollege Ais ist Wang Guangyi. Er darf mit drei Farblithografien von 2006 aufwarten, die zur Serie „Great Criticism“ gehören. Der Chinese kombiniert hier Propagandabilder der Kulturrevolution und Logos bekannter westlicher Marken, wie Coca Cola und Gilette, und verweist damit auf die Tatsache, dass politische Propaganda und Werbung zwei Formen der Gehirnwäsche sind. Entsprechend ist bei zwei Bildern ein „No“ eingefügt (Taxe je 700 EUR). Mit je 10.000 Euro liegen Karel Appels Farbflächengouache von 1958, aus der sich zwei gespenstische Figuren herausschälen, und Marino Marinis achteilige bunte Pferd-Reiter-Suite „From Shakespeare II“ aus dem Jahr 1978 an der Spitze dieses Auktionsteils. Zwei „Siamkatzen“ gestaltete HAP Grieshaber 1964 in einem Farbholzschnitt zu einem ineinander verwobenen Wollknäuel (Taxe 6.500 EUR).

Detailverliebt sind die Radierungen von Felix Hollenberg, die er zwischen 1913 und 1922 anfertigte. In „Die Alte Linde“ nimmt der Baum im Mittelgrund die dominierende Rolle ein. Die feine Ausführung lässt die Rinde und die sich windenden dicken langen Äste voller Laub plastisch hervortreten. Selbst das Gras ist in einzelnen kurzen Strichen charakterisiert, so dass erst auf den zweiten Blick die Aussicht auf den weiteren Verlauf der Landschaft auffällt. Mit sechs weiteren Blättern, teils in verschiedenen Zuständen, kostet die Position 400 Euro. Auch die weiteren Konvolute Hollenbergs mit bis zu 16 Landschaftsgrafiken verlangen höchstens 900 Euro. Lorenzo Bonechi Farblithografie aus dem Jahr 1992 nutzt das Kolorit und Geometrie der Ikonenkunst. Es fehlt in dieser eigentümlich surrealen Felsenlandschaft jedoch an Figurenpersonal. Anstelle des Goldgrundes setzt Bonechi einen farbintensiven dunkelblauen Hintergrund ein, vor dem die helle stilisierte Landschaft in Ocker- und Grüntönen hervorleuchtet (Taxe 400 EUR).

Um Landschaft geht es auch immer in Massimo Vitalis Fotografien; nur bevölkert er sie teils mit Menschenmassen und bleicht die Farbe stark aus, dass seine Bilder wie ein anämisches Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen wirken, so auch sein „VW Lernpark“ von 2007 oder der „Greenwich Park # 4375“ von 2012 (Taxe je 5.000 EUR). Weniger unschuldig ist die Lithografie „Bar II“ des britischen Pop Art-Künstlers Allen Jones. Das Werk von 1988 leitet den Blick des Betrachters dank eines Schlaglichts auf eine nackte Frau, die mit gespreizten Beinen auf einem Klavier in einer gut besuchten Bar sitzt. Der Pianospieler verschmilzt mit dem Instrument (Taxe 1.000 EUR). Hubert Schmalix beteiligt sich an der Auktion mit vier Gouachen von 2003, auf denen er nackte junge Frauen in sadomasochistischer Pose präsentiert (Taxe je 1.500 EUR).

Frei von Erotik und voller Unschuld hingegen ist die Naive Kunst des Kroaten Mijo Kovacic, etwa die Hinterglasmalerei „Bildnis eines Bauern“ von 1971 (Taxe 900 EUR) oder die in selber Technik ausgeführte Küstenlandschaft von 1965 (Taxe 1.200 EUR). Weitere naive Malerei gibt es mit Gyorgy Stefulas Traumlandschaft „La Belle et la Bête“ von 1980 (Taxe 2.500 EUR) oder wiederum als Hinterglasbilder die „Vier Jahreszeiten“ von Ivan Lackovic (Taxe 1.800 EUR). Auch Hanns Lamers hat diese Technik bei seiner stilisierten biblischen Szene „Adam und Eva“ unter dem Baum der Erkenntnis angewandt (Taxe 1.500 EUR). In eine innere Vorstellungswelt entführt Friedrich Schröder-Sonnenstern mit den Mischwesen auf seiner Farbzeichnung „Der blinde betende Löwe, oder die geschändete Kraft“ von 1952 (Taxe 2.000 EUR). Horst Antes hat mit seinem Kopffüßler ebenfalls ein Zwittergeschöpf entwickelt, das in einem Aquarell von 1966 die Hände erschreckt vors Gesicht hält (Taxe 2.500 EUR). Mutationen sind zudem das Thema in der gleichnamigen Serie von Cornelia Schleime, in der Frauen eine Verbindung mit der Tier- und Pflanzenwelt eingehen (Taxe je 1.800 EUR).

Reich ist die Auktion mit Multiples bestückt, und hier mischt Robert Filliou kräftig mit, so mit seinen drei „Opimistic Boxes # 1, 2, 3, 4/5“ samt rosafarbenem Keramiksparschwein (Taxe 1.800 EUR) oder dem simplen Backstein, auf den er 1984 „Sans Objet / Without Object“ gestempelt hat. Auch Joseph Beuys war von der gesellschaftspolitisch gestalterischen Kraft der Multiples angetan und legte 1981 in der Edition Staeck „Das Wirtschaftswert-Prinzip“ mit 34 Bildpostkarten und einer Tüte Speisebohnen auf (Taxe 2.400 EUR). Franz Erhard Walther steuert dann noch sein genähtes Werkstück „Sockel. Hand und Arm unten“ aus dem Jahr 1969 (Taxe 2.000 EUR), George Brecht den nutzlosen „The Bottle Bottle-Opener“ von 1966/80 und Rosemarie Trockel ihr weißes Hemd mit aufgesticktem schwarzem Fleck unter dem Titel „Collection Désir“ von 1989 bei (Taxe je 1.500 EUR).

In die Tiefen des banalen Alltags steigt auch Hans-Peter Feldmann hinab und macht in „Gebäck“ und „Kaffeeservices“ mit jeweils fünf Farbfotografien die Geschmacklosigkeiten der Werbe- und Produktfotografie deutlich (Taxe je 3.000 EUR). Etwas mythologischer ist die Assemblage „Büchse der Pandora“ von Ursula Schultze-Bluhm. Das Quadrat ist mit unterschiedlichen Tierfellen in Weiß, Blau, Rot und Braun sowie einigen Federn bedeckt. Da das Objekt geschlossen ist, mag man spekulieren, ob weitere Übel der Welt in der unheilvollen, aber sehr schön verpackten Büchse enthalten sind (Taxe 900 EUR). Das Haptische tritt auf bei Günter Weselers mit grauem Fell bezogenem „Atemobjekt B 24/68“ von 1968 zutage (Taxe 400 EUR).

Die Auktion „Bücher, Graphik, Autographen“ beginnt am 25. September um 10 Uhr, die Auktion „Moderne und zeitgenössische Graphik. Moderne, illustrierte Bücher“ am 26. September um 10 Uhr. Die Vorbesichtigung ist im Kunsthaus Lempertz bis zum 24. September von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.venator-hanstein.de.

Kontakt:

Venator & Hanstein KG

Cäcillienstraße 48

DE-50667 Köln

Telefax:+49 (0221) 257 55 26

Telefon:+49 (0221) 257 54 19



22.09.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann/Ulrich Raphael Firsching

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Venator & Hanstein

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Teure Bücher und preisschüchterne Bilder

Veranstaltung vom:


25.09.2015, Auktionen 136/137 - September 2015

Kunstwerk:

Collection de Fleurs. Sammelband mit 261 kolor.
 Kupferstichen. Um 1780-1820.
Collection de Fleurs. Sammelband mit 261 kolor. Kupferstichen. Um 1780-1820.

Kunstwerk:

John Gould, Birds of Europe. 5 Bände. London 1837.
John Gould, Birds of Europe. 5 Bände. London 1837.

Kunstwerk:

Clemens August von Bayern. Nach Georg Desmarées. Öl auf Leinwand.
Clemens August von Bayern. Nach Georg Desmarées. Öl auf Leinwand.

Kunstwerk:

M. Marieschi, Magnificentiores
 selectioresque urbis Venetiarum prospectus. Venedig 1741.
M. Marieschi, Magnificentiores selectioresque urbis Venetiarum prospectus. Venedig 1741.

Kunstwerk:

Albrecht Dürer. Auferstehung Christi. Holzschnitt aus der Großen Passion.
 M. 124 Ib; B ill.15 Ib.
Albrecht Dürer. Auferstehung Christi. Holzschnitt aus der Großen Passion. M. 124 Ib; B ill.15 Ib.

Kunstwerk:

Rembrandt. Bildnis eines Knaben. 1641. Radierung. NH 195 II; B. 310.
Rembrandt. Bildnis eines Knaben. 1641. Radierung. NH 195 II; B. 310.







John Gould, Birds of Europe. 5 Bände. London 1837.

John Gould, Birds of Europe. 5 Bände. London 1837.

Taxe: 60.000 -  EURO

Losnummer: 161

Clemens August von Bayern. Nach Georg Desmarées. Öl auf Leinwand.

Clemens August von Bayern. Nach Georg Desmarées. Öl auf Leinwand.

Taxe: 21.000 -  

Losnummer: 250

Jean Gabriel Domergue. Im Theater. Öl auf Hartfaserpappe. Signiert.

Jean Gabriel Domergue. Im Theater. Öl auf Hartfaserpappe. Signiert.

Taxe: 3.600 -  

Losnummer: 1018

Clemens August von Bayern. Miniatur in geschnitztem, vergoldetem Holzrahmen. Aquarell u. Gouache auf Pergmament.

Clemens August von Bayern. Miniatur in geschnitztem, vergoldetem Holzrahmen. Aquarell u. Gouache auf Pergmament.

Taxe: 3.600 -  

Losnummer: 254

F. Schiller, Die Räuber. Frankfurt und Leipzig 1781. - Erste Ausgabe der ersten öffentlichen Ausgabe.

F. Schiller, Die Räuber. Frankfurt und Leipzig 1781. - Erste Ausgabe der ersten öffentlichen Ausgabe.

Taxe: 25.000 -  EURO

Losnummer: 772

Petrus Lombardus, Glossatura maior ... Lateinische Handschrift auf Pergament.  2. Hälfte des 12. Jhs.

Petrus Lombardus, Glossatura maior ... Lateinische Handschrift auf Pergament. 2. Hälfte des 12. Jhs.

Taxe: 30.000 -  

Losnummer: 708

Plenarium, deutsch.  Episteln und Evangelien. Augsburg 1474.

Plenarium, deutsch. Episteln und Evangelien. Augsburg 1474.

Taxe: 60.000 -  EURO

Losnummer: 689

HAP Grieshaber. Siamkatzen. 1964. Farbholzschnitt auf Königlich Japan. Ex. 7/VIII. Signiert.

HAP Grieshaber. Siamkatzen. 1964. Farbholzschnitt auf Königlich Japan. Ex. 7/VIII. Signiert.

Taxe: 6.500 -  EURO

Losnummer: 1079

M. Marieschi, Magnificentiores selectioresque urbis Venetiarum prospectus. Venedig 1741.

M. Marieschi, Magnificentiores selectioresque urbis Venetiarum prospectus. Venedig 1741.

Taxe: 30.000 -  

Losnummer: 29

Collection de Fleurs. Sammelband mit 261 kolor. Kupferstichen. Um 1780-1820.

Collection de Fleurs. Sammelband mit 261 kolor. Kupferstichen. Um 1780-1820.

Taxe: 20.000 -  

Losnummer: 149

Gratianus,  Decretum. Venedig 1477.

Gratianus, Decretum. Venedig 1477.

Taxe: 27.000 -  

Losnummer: 673

Karel Appel. Ohne Titel. 1958. Aquarell, Gouache und Kreide. Signiert.

Karel Appel. Ohne Titel. 1958. Aquarell, Gouache und Kreide. Signiert.

Taxe: 10.000 -  

Losnummer: 931




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