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Im August wäre der Architekt Paul Schneider-Esleben 100 Jahre alt geworden. Ausstellungen in München und Düsseldorf würdigen nun das innovative Schaffen eines der tonangebenden deutschen Architekten der Nachkriegszeit

In vielem der Erste



Paul Schneider-Esleben, Haniel-Garage, Düsseldorf, 1950-1953

Paul Schneider-Esleben, Haniel-Garage, Düsseldorf, 1950-1953

Was für eine kraftvolle architektonische Geste! Raumhohe Glaswände erleuchten das Innere und nachts die Umgebung. Auch tagsüber kann man durch den markanten Glaskubus am Düsseldorfer Stadtrand hindurchschauen. „Was kommt da herum – ich meine, in welchem Stil wollen Sie das nun verkleiden? Haben Sie an Marmor, Granit, Bruchstein oder Backstein gedacht?“, frage der Bauherr des Parkhauses, der Großindustrielle Franz Haniel, den Architekten Paul Schneider-Esleben im Jahr 1952 kurz vor der Eröffnung der „Haniel-Garage“. Der neue „Garagendom“ war eine Sensation. Lediglich dreibeinige Stockwerkrahmen aus Beton bilden das Grundgerüst. An weit ausladenden Kragarmen hängen scheinbar leicht schwebend die beheizbaren Ein- und Ausfahrtsrampen an dünnen Stahlseilen. Amerikanischen Ideen folgend schließt sich aufgeständert auf einbeinigen Stahlbetonböcken ein Motel an. Nur wenige Bauten verkörpern so elegant die Aufbruchsstimmung der 1950er Jahre wie dieses Parkhaus, mit dem der Planer international für Furore sorgte.


US-Magazine ließen den Neubau ablichten und präsentierten ihn in ihren Blättern, und auch der deutsche Starfotograf Albert Renger-Patzsch fertigte nach Anweisungen des gerade mal 37jährigen Architekten Aufnahmen. Dieses Bauwerk trug neben zwei weiteren dazu bei, dass Paul Schneider-Esleben einen wichtigen Platz ist in der ersten Reihe deutscher Nachkriegsarchitekten einnimmt. Der kunstgeschichtliche Rang seiner heute meist denkmalgeschützten Bauten ist unbestritten. In München und an seiner Düsseldorfer Hauptwirkungsstätte rufen Ausstellungen das Werkschaffen des in Vergessenheit geratenen Baumeisters nun wieder in Erinnerung.

Der Sohn des Architekten Franz Schneider und seiner Frau Elisabeth Esleben wird am 23. August 1915 als Paul Schneider in Düsseldorf geboren und hängt schon früh den mütterlichen Nachnamen an. Nach ersten Tätigkeiten im väterlichen Büro und dem Abitur beginnt er 1937 das Architekturstudium an der Technischen Hochschule Darmstadt. Nach siebenjähriger kriegsbedingter Unterbrechung kann er das Studium 1946 wieder aufnehmen und im Folgejahr mit dem Diplom abschließen. Nach einer kurzen Spanne als Mitarbeiter des Architekten Rudolf Schwarz übernimmt er 1948 das väterliche Büro in Düsseldorf. Hier arbeitet er bis zu seinem Tod, der ihn fast 90jährig am 19. Mai 2005 auf seinem „Gut Engelsberg“ bei Fischbachau in Bayern ereilt. Fußend auf seiner Tuschesignatur PSE verwandelten sich schon zu Lebzeiten die Initialen zum beliebten Rufnamen und inszenierten eine Marke.

Das Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne wartet mit einer klassischen Architekturausstellung auf. Bereits im Jahr 1994 übergab Paul Schneider-Esleben seinen viele tausend Zeichnungen, Fotografien und Modelle umfassenden Vorlass dieser Institution, die nun ausgewählte Projekte chronologisch geordnet zu einer Überblicksschau vereint hat. In seiner Heimatstadt Düsseldorf beleuchtet eine zweiteilige Schau zunächst das Gesamtwerk in der Architektenkammer. Ein Ableger fokussiert speziell vor Ort das kurz nach der Haniel-Garage entstandene, zweite bedeutende Werk von Schneider-Esleben. Es geht um das ehemalige Mannesmann-Hochhaus direkt neben dem von Peter Behrens entworfenen und 1912 eingeweihten Altbau am Düsseldorfer Rheinufer.

Im Oktober 1955 startete der Bau und wurde bereits im Oktober 1958 vollendet. Gerade erst 38 Jahre alt, konnte sich Paul Schneider-Esleben 1954 in einem beschränkten Wettbewerb der Mannesmann AG als Sieger durchsetzen und den ersten Büroturm in Stahlskelettbauweise in der BRD realisieren. Vorgegeben war der Rückgriff auf das firmeneigene Produktsortiment. So fanden die in Kaltwalzstraßen produzierten nahtlosen Stahlrohre als offene Stützen in der Sockelzone Verwendung – damals eine Sensation, heute sind Stahlrohrstützen Regel im Hochhausbau. Als erstes nach dem Krieg erhielt es zudem eine Vorhangfassade. Deren vorfabrizierte Sandwich-Paneele wurden außen in den Konzernfarben Blau und Weiß emailliert und betonen wiederum das Firmenmarketing. High-Tech-Ausstattung und kompromisslose Modernität dokumentieren den Anschluss an internationale Standards. Der Gleichförmigkeit des Rasters entspricht das nüchterne, egalitär-neutral gestaltete Innere als Merkmal einer neuen Unternehmenskultur. Mannesmann setzte deutschlandweit mit dem bedingungslos modernen, schlanken, aufstrebenden Baukörper ein prägnantes Zeichen. Deutlich kontrastiert dessen Eleganz zum konservativen Nachbarn. Respektvoll zurückgesetzt, entstand ein Vorplatz für Norbert Krickes dynamische Stahlknotenplastik „Große Mannesmann“.

Der Ausstellungsteil in der Architektenkammer ergründet das facettenreiche Schaffen Paul Schneider-Eslebens. In ländlichen Gegenden, bei Schulen und privaten Wohnhäusern der Region dominieren eher traditionelle heimatliche Bauweisen. Dennoch offenbaren sie latent moderne Formen und fortschrittliche Konzepte. Dabei bezog sich Paul Schneider-Esleben gerne auf amerikanische Bauten. Frank Lloyd Wrights Duktus wird etwa beim Jagdhaus Haniel oder seinem eigenen Weingut nahe Saint-Tropez spürbar. Unter den privaten Wohnhäusern gilt der 1951 geplante Bungalow für Emil Riedel als erstes Objekt seiner Art in der Bundesrepublik. Verspielte Nierentischästhetik sucht man bei Schneider-Esleben vergebens. Eine Ausnahme bildet lediglich der Neubau der Kirche St. Rochus in Düsseldorf. Die Form des 1955 vollendeten „Atomeis“ entwickelte Schneider-Esleben aus Transformierung der Planungen Georg Dientzenhofers für die barocke Wallfahrtskirche Kappl bei Waldsassen mittels einer Konstruktion aus drei paraboloiden Betonschalen in die Jetztzeit.

In den 1960er Jahren hielt der Brutalismus Einzug in die Baukunst. Das von Kenzo Tanges Konzeptionen stark inspirierte und 1991 abgerissene Stufenhochhaus für die ARAG-Versicherung in Düsseldorf, ein Ordenshaus für die Jesuiten in München oder aber Schneider-Eslebens drittes bedeutendes Werk, der Flughafen Köln-Bonn, verkörpern durchgängig sein Streben nach klar strukturierten, geometrischen Körpern auf der Basis von Modulen samt rational ordnenden Grundrissen. Als erster Drive-in-Airport Europas gibt der ab 1963 konzipierte und 1970 eröffnete Staatsflughafen der Bonner Republik überzeugend eine moderne Visitenkarte ab. Drei einen Innenhof rahmende, stufenterrassierte Riegel bilden jeweils ein pyramidal ansteigendes Sechseck, deren bugartige Schmalseiten Assoziationen an Passagierdampfer wecken. Dezentral docken sternförmig Flugsteigköpfe an. Innen erwecken weite helle, von plastisch gestalteten Sichtbetonkonstruktionen eingehüllte Zonen eine einzigartige Atmosphäre von Leichtigkeit in der brutalistischen Schwere.

Die Präsentation in der Architektenkammer greift auch weniger bekannte Aspekte im Schaffen Schneider-Eslebens auf. Sie visualisiert etwa Entwürfe für Möbel, Schmuckdesign oder Skizzen des begnadeten Karikaturenzeichners. Schneider-Esleben nahm sich beispielsweise den bekannten Düsseldorfer Galeristen Alfred Schmela vor, in dessen Galerie er oft auf Vernissagen anzutreffen war und Kunstwerke erwarb. Sein Faible für die bildenden Künste durchzieht in mehrfacher Hinsicht auch seine berufliche Tätigkeit. Wie sehr er um deren Integration bemüht war, zeigt sich bei der 1961 bezogenen Rolandschule in Düsseldorf. Der im Kern aus zwei parallelen Trakten bestehende Bau, die durch verglaste Zwischenglieder miteinander verbundenen sind, ähnelt auffallend Ludwig Mies van der Rohes Wishnick Hall in Chicago. Die Schule überrascht innen durch die Integration von Werken der ZERO-Künstler Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker sowie einen liegenden „Hampelmann“. Die besteigbare Spielpuppe aus Teakholz und Hanfseilen schuf Joseph Beuys. Sie wurde als vermeintliche Gefahrenquelle schon bald wieder entfernt. Besonders begierig verfolgte Schneider-Esleben unmittelbar nach Fertigstellung die Erfassung aller Bauten durch Architekturfotografen. Liselotte Strelow, Albert Renger-Patzsch oder Inge Goertz-Bauer schufen fein austarierte Ablichtungen, deren Ästhetik Modernität und Aufbruchsstimmung atmen. Bis heute strahlen die weitgehend erhaltenen Bauten von Paul Schneider-Esleben diese Tugenden aus.

Die Ausstellung „Paul Schneider-Esleben. Architekt“ ist bis zum 18. Oktober im Architekturmuseum der TU München zu besichtigen. Die Pinakothek der Moderne hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist ein Begleitband im Hatje Cantz Verlag erschienen, der nach einem Einführungsteil aus kurzen Essays exemplarisch 23 Bauten Schneider-Eslebens vorstellt. Er kostet 35 Euro.

In Düsseldorf verteilt sich die zweiteilige Ausstellung des Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW M:AI unter dem Gesamttitel „Paul Schneider-Esleben – Das Erbe der Nachkriegsmoderne“ bis zum 23. September auf zwei Orte. Im Mannesmann-Hochhaus geht es unter der Überschrift „Ikone des Wirtschaftswunders“ speziell um dieses Gebäude. Im Haus der Architekten am Zollhof 1 firmiert sie unter dem Titel „Die Marke PSE. Architektur zwischen Erhalt und Abriss“. Geöffnet ist bei freiem Eintritt an beiden Orten montags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr, freitags bis 17 Uhr sowie zusätzlich am 13. und 20. September von 10 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung des M:AI ist ein kostenloses Magazin erschienen.

Haus der Architekten
Zollhof 1
D-40221 Düsseldorf

Telefon: +49 (0)211 – 49 67 0
Telefax: +49 (0)211 – 49 67 95

Kontakt:

M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW

Leithestraße 33

DE-45886 Gelsenkirchen

Telefon:+49 (0209) 925 780

Telefax:+49 (0209) 925 78 25

E-Mail: info@mai.nrw.de



11.09.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Paul Schneider-Esleben in München

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Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf,
 1955-1958
Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Variabilder:

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus
 in Düsseldorf, 1955-1958
Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Variabilder:

Paul Schneider-Esleben, New York, 1956
Paul Schneider-Esleben, New York, 1956

Variabilder:

Paul Schneider-Esleben
Paul Schneider-Esleben

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Paul Schneider-Esleben, Kirche St.
 Rochus in Düsseldorf-Pempelfort, 1953-1955
Paul Schneider-Esleben, Kirche St. Rochus in Düsseldorf-Pempelfort, 1953-1955

Variabilder:

Paul Schneider-Esleben, Rolandschule, 1961
Paul Schneider-Esleben, Rolandschule, 1961

Variabilder:

Paul Schneider-Esleben, Haus Zindler
 in Düsseldorf-Himmelgeist, 1966
Paul Schneider-Esleben, Haus Zindler in Düsseldorf-Himmelgeist, 1966







Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, New York, 1956

Paul Schneider-Esleben, New York, 1956

Paul Schneider-Esleben

Paul Schneider-Esleben

Paul Schneider-Esleben, Kirche St. Rochus in Düsseldorf-Pempelfort, 1953-1955

Paul Schneider-Esleben, Kirche St. Rochus in Düsseldorf-Pempelfort, 1953-1955

Paul Schneider-Esleben, Rolandschule, 1961

Paul Schneider-Esleben, Rolandschule, 1961

Paul Schneider-Esleben, Haus Zindler in Düsseldorf-Himmelgeist, 1966

Paul Schneider-Esleben, Haus Zindler in Düsseldorf-Himmelgeist, 1966

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, 1955-1958

Paul Schneider-Esleben, Haniel-Garage, 1950-1953

Paul Schneider-Esleben, Haniel-Garage, 1950-1953

Paul Schneider-Esleben, Flughafen Köln-Bonn, 1963-1970

Paul Schneider-Esleben, Flughafen Köln-Bonn, 1963-1970

Paul Schneider-Esleben, Flughafen Köln-Bonn, 1963-1970

Paul Schneider-Esleben, Flughafen Köln-Bonn, 1963-1970




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