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Journal

Das Kunstfestival Beaufort nimmt erneut die belgische Küste in Beschlag

Im Fahrwasser der Gezeiten



A Dog Republic, Musée Promenade und Iconostase, 2015

A Dog Republic, Musée Promenade und Iconostase, 2015

Naturbelassene Ursprünglichkeit strahlt die Dünenlandschaft in Raversijde bei Ostende aus – ein seltener Anblick im ansonsten recht dicht besiedelten 67 Kilometer langen belgischen Küstenstreifen. Nur wären da nicht die immer noch bedrohlich wirkenden Bunkeranlagen samt vorspringenden Geschützrohren des Anfang der 1940er Jahre angelegten Atlantikwalls. Eigenartige Eingriffe verleihen dem Ganzen momentan jedoch eine neue Note. Am auffälligsten ist die aus 700 Metallringen geschaffene Konstruktion am Ende eines Wellenbrechers. Das gewaltige Konstrukt verschwimmt aus der Ferne mit dem Meer und mindert so seine Monumentalität. Jede Flut hinterlässt hier Spuren aus Algen, Muscheln und Abfällen, jeder Gezeitenwechsel bringt Veränderungen. Unweit dieses Werks der Künstlergruppe „A Dog Republic“ liegt eine dicke Betonplatte auf dem Strand, die sich bei näherem Hinsehen als reduziertes Fragment der Mondoberfläche herausstellt. Die Künstlerin Ingrid Luche verbindet die Unendlichkeit des Meeres mit der des Universums und verweist zugleich dialogisch zur Signifikanz des Ortes auf die nach kriegerischen Konfrontationen zurückbleibenden Mondlandschaften.


Elemente wie Zeit, Poesie oder Träume bestimmen neben örtlichen und geschichtlichen Inhalten die meisten der Kunstwerke der diesjährigen Beaufort Triennale für zeitgenössische Kunst an der belgischen Küste. Unter dem Titel „Beyond Borders“ geht das 2003 erstmals aufgelegte Ausstellungsprojekt im öffentlichen Raum in die fünfte Ausgabe. Unterstützt von drei Co-Kuratoren hat Phillip Van den Bossche, Direktor des Ostender Museums „Mu.ZEE“, das Konzept für die diesjährige Ausrichtung inhaltlich erneut. Anstatt auf sechs Monate begrenzte er die Ausstellungsdauer auf drei Monate und legte den Fokus auf interdisziplinäre und interaktive Projekte. Ebenso war für ihn das Partizipationsprinzip bestimmend bei der Auswahl der 34 Künstler. Eine Reihe von Veranstaltungen mit Performances, Lesungen, Film- oder Musikvorführungen an zehn Küstenorten sollen das Gestade als gemeinschaftlichen Raum hervorheben. Drei Naturgebiete bilden diesmal Schwerpunkte der Gruppenschau: Das Reservat „De Nachtegaal“ bei De Panne an der Grenze zu Frankreich, die Dünen Raversijde in der Mitte bei Ostende sowie der Naturpark „Het Zwin“ bei Knokke direkt an der Grenze zu den Niederlanden.

Geradezu symptomatisch für die Bestrebungen, nunmehr weniger eine Ausstellung im klassischen Sinn, sondern eher eine Art Laboratorium, eine Aneinanderreihung von Improvisationen zu inszenieren, steht die 2011 gegründete Künstlergruppe „A Dog Republic“. Kopf des Teams aus dem Musiker Krist Torfs und den Künstlern Jean-Baptiste Decavèle, Nico Dockx und Helena Sidiropoulos ist der 1923 in Ungarn geboren Architekt Yona Friedman. Seine mobile und modulare Architektur versteht er als hierarchielose, veränderbare Gemeinschaftskonstruktion. Jeder interpretiert Bauen anders – auch ein Haustier, im Falls Friedmans ein Hund. Und so wurde „A Dog Republic“ gebeten, entlang der gesamten Küstenlinie ein Mehrfachprojekt zu gestalten. Im Naturreservat „De Nachtegaal“ wurde zwischen einer Baumgruppe ein Netz aus verknoteten Bambusstangen installiert. Im Rahmen von Workshops soll dies während der Laufzeit verändert werden.

Bleiben wir in „De Nachtegaal“. Die Zufahrt überspannt eine bunte Fahnengirlande des gebürtigen Amerikaners Otto Berchem. Er hat ein Farbenalphabet entwickelt, mit dem er Konzepte auf visuelle Weise darzustellen versucht. „Between Parentheses“ sollen die die Worte hier vermitteln, während der zweite Teil der Arbeit über dem Eingang zum Naturpark „Het Zwin“ als „Islands of the past“ zu deuten ist. Den Infopavillon errichtete der Katalane Martí Anson als Kopie eines einfachen, von seinem Vater unter den unsäglichen Bedingungen der Franco-Herrschaft erstellten Sommerhauses. In dem auf temporäre Weltausstellungsprojekte anspielenden „Catalan Pavilion, Anonymous Architect“ bieten Ständer von Thomas Galler gestaltete Postkarten feil, die amerikanische Bomber über den Pyramiden von Gizeh zeigen – ein ironischer Blick auf den Einfluss der Medien und ihre Rolle bei der historischen Bildgestaltung.

Daneben tröpfelt die „Sex Machine“ des Amerikaners Oscar Tuazon. Aus einem Kastanienbaum rieselt Wasser nach unten. Trotzdem verdorrt der Baum, doch die Hoffnung, dass er Leben wieder erlangt, bleibt. „Foreigners Everywhere - Ausländer überall“ steht in Neonschrift über der Terrasse des Besucherzentrums – ein Verweis des Künstlerkollektivs Claire Fontaine auf den Rassismus. Außen bemalt, innen verspiegelt, so überführt Liesbeth Doms’ „Spionagespiegel“ zum Bild. Von den „Formen dieses Meeres“ der Frankfurterin Katinka Bock ist nur ein mit grünem Wachstuch überspanntes Boot zu sehen, ein Film mit einer Performance und die dabei dem Meer übereigneten blauen Keramikskulpturen ergänzen die dreiteilige Installation der Konzeptkünstlerin. An abstrakte, minimalistische Kunst und an Piet Mondrian erinnert Marc Bijl mit seinen „Zwei Mirakeln“ aus Dodekaedern nahe des Ausgangs.

Zeit nehmen sollte man sich für den Parcours über die Bunkeranlagen des Atlantikwalls in Raversijde. Der Herner Künstler Thorsten Brinkmann hat mitten auf den Appellplatz eine große Holzkiste aufgebaut. Ein kleiner Eingang führt ins altertümlich eingerichtete Innere, wo mysteriöse Requisiten das Gefühl vermitteln, in einen fremden, anderen Raum eingedrungen zu sein. In einem Bunker erzählt der Filmemacher Nicolas Provost, wie illegal eingewanderte Farbige an einem Nudistenstrand anschwemmen. Der Blick durch den Mauerschlitz darüber erlaubt gleichzeitig die Ansicht der Realität. Eher zum Schmunzeln sind die Skulpturen aus deformierten Maschinengewehren des Italieners Alessandro Pessoli in der Tiefe eines Nachbarbunkers oder der Anstrich eines Hauses in der Form grünweiß rautengemusterter Tischtücher durch Lily van der Stokker: mit weiblicher Häuslichkeit konfrontiert sie die militärische Männerwelt. Innen sind obsessive Dokumentationen des jungen belgischen Zeichners Rinus van de Velde sowie auf Abstand bedachte Bilder von Charif Benhelima, deren Grundgedanken Prozesse des Schauens und Entdeckens sind. Durch Blumenbeete, deren Muster das militärische Tigerabzeichen neu kontextualisieren, verleiht der junge belgische Künstler Kasper Bosmans zum Abschluss dem Ort eine folkloristische, feierliche, ja freundschaftliche Note.

Ganz am Ende im „Het Zwin“, dem bekannten Naturschutzgebiet direkt an der Grenze zu den Niederlanden, empfangen den Besucher zwei originelle Beiträge. Wiederum mischen sich persönliche Befindlichkeiten, politisch-historische Aspekte und direkte Bezüge zum Ort. Der Engländer Mark Wallinger gestaltete eine Infobude in der Form einer Kricket-Anzeigetafel, auf der Interessierte Spielverläufe verfolgen können. Nach neuesten Erkenntnissen wurde der als urtypisch britisch geltende Nationalsport in Flandern um 1550 erstmals dokumentiert, bevor er auf die Insel gelangte. Auf einer Anhöhe steht die schon im letzten Jahr auf der Art Basel installierte, von Matias Faldbakken geschaffene Arbeit „20.000 Gun Shells“. Der Boden eines Holzhauses ist von rutschigen Patronenhülsen bedeckt. Außen klingt das so, als würden Gläser zerbrechen oder Muscheln zertreten – ähnlich einem Nachhall im Fahrwasser der Gezeiten.

Die Orte der Gruppenausstellung sind bis zum 21. September täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

www.beaufort2015.be



01.09.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Martí Anson, Catalan Pavilion. Anonymous Architect, 2013

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