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Wittenberg widmet sich erstmals ausschließlich dem Werk Lucas Cranachs d.J. und versucht, dessen individuelle Merkmale und Anteile an der Produktion seiner bedeutenden Kunstwerkstatt aufzudecken

Viele Hände, ein Stil



Lucas Cranach d.J., Das Abendmahl (Epitaph für Prinz Joachim von Anhalt), nach 1565

Lucas Cranach d.J., Das Abendmahl (Epitaph für Prinz Joachim von Anhalt), nach 1565

In der fürstlich ausgestatteten Tafelstube des Dessauer Schlosses hat sich eine Runde zum letzten Abendmahl versammelt. Doch statt Gesichter der Jünger tragen die mit Jesus um den Tisch Versammelten jene maßgeblicher Reformatoren, darunter Martin Luther und Philipp Melanchthon. Rechts im Vordergrund gibt sich der Mundschenk durch einen Siegelring mit geflügelter Schlange als Lucas Cranach d.J. zu erkennen. Er übernimmt als Maler dieses großformatigen Ölbildes aus dem Jahr 1565 zugleich die Rolle des bildlichen Vermittlers: Der auffallend rot gefärbte Wein symbolisiert zu gleich die Farbe als Medium des Malers.


Dieses als Epitaph für Prinz Joachim von Anhalt gedachte Gemälde leitet die rund 140 Exponate umfassende erste Ausstellung über das Werkschaffen des jüngeren Cranach ein. Am 4. Oktober 1515 wurde er im heutigen Cranach-Hof am Wittenberger Marktplatz geborenen. Daher entschlossen sich die Luthergedenkstätten, Leistungen und Charakteristiken des stets im väterlichen Schatten stehenden Künstlers an diesem Ort herauszuarbeiten. Gleich das erste Ölgemälde stellt wesentliche Aspekte vor. Wurden vom Vater die Reformatoren einzeln oder paarweise wiedergegeben, vereint der Sohn sie zur Gruppe und integriert sie ins biblische Geschehen, wodurch sie zu Trägern des wahren Glaubens erhoben werden sollen. Diese klare Anschaulichkeit führt zur unmittelbaren Ansprache der Gläubigen.

Der von der Cranach-Werkstatt durchgängig getragene „Cranach-Stil“ prägte der ältere Cranach vor und wurde vom jüngeren erfolgreich beibehalten. Dies wird schon im ersten, den Lebensstationen gewidmeten Abschnitt deutlich. Schon als Zehnjähriger begann er seine Ausbildung in der väterlichen Werkstatt. Nach dem tragischen Tod des älteren Bruders Hans Cranach in der Folge eines Fiebers 1537 in Bologna amtierte Lucas d.J. als alleiniger Erbe des Atelierbetriebs, den er spätestens ab 1550 eigenverantwortlich leitete. Über ein Dutzend Mitarbeiter waren in der Bildermanufaktur permanent beschäftigt. Sein gesamtes Leben verbrachte Cranach in der Stadt an der Elbe, in der er auch als Kommunalpolitiker, Geschäftsmann und Unternehmer erfolgreich agierte und am 25. Januar 1586 verstarb.

Das gesamte Werkschaffen von Vater und Sohn Cranach war eingebettet in die homogene „Produktpalette“ des straff arbeitsteilig organisierten Betriebes, weshalb sich Anteile Einzelner selten genau bestimmen lassen. Die Cranachs erfanden eine Reihe von Motiven, die so erfolgreich waren, dass sie teils schon im Entstehungsjahr von anderen variiert und kopiert wurden. Vor allem verbinden sich mit der Cranach-Werkstatt lutherisch geprägte Glaubensbilder, die hier ihren Ursprung haben. Altäre, Epitaphien, Druckgrafiken vermittelten den Menschen die neue Lehre. Bis heute werden die Vorstellungen vom Aussehen der Reformatoren von zeitgenössischen Porträts der Cranachs bestimmt, die an Eindringlichkeit, Verständlichkeit und Widererkennbarkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Mit Martin Luther und seinen Kreisen freundschaftlich verbunden, sprangen die Cranachs geschickt auf eine für sie ertragreiche Auftragsentwicklung auf.

Über diese Erfolgsbasis hinaus arbeiteten Vater und Sohn Cranach auch für weitere Auftraggeber: Fürstenhöfe wie die sächsischen Kurfürsten, Hofbeamte, gehobenes Staatsbürgertum aus Gelehrten, Politikern, Handelsleuten. Für diese schufen sie Porträts, allegorische, historische, didaktische oder landschaftliche Szenen, die allesamt durch gleichbleibende Qualität und strenge Typisierung gekennzeichnet sind. Heute sind über 1.500 Bilder von Lucas Cranach d.Ä. bekannt. Experten vermuten, dass dies rund ein Viertel der gesamten Produktion des Betriebs unter seiner Ägide ausmacht. Nach der Gründung 1508 war die Cranach-Werkstatt rasch zu einer der größten und produktivsten Kunstwerkstätten Europas aufgestiegen. Der Tod Lucas Cranachs d.J. läutete schlagartig das Ende ein. Den Schluss markiert der Verkauf wichtiger Arbeitsrequisiten und Bildvorlagen im Jahr 1588.

Eingebunden in eine einheitliche serielle Manufakturproduktion war Lucas Cranach d.J. in der Herausbildung eigener künstlerischer Ausdrucksformen eingeschränkt. Die Ausstellung im Wittenberger Augusteum macht deutlich, dass er vor allem zurecht als Porträtist Anerkennung fand und kompositorisch, koloristisch sowie gestalterisch auch eigene Richtungen einschlug. Neue kunsttechnologische Methoden halfen, begründete Ansätze einer Händescheidung aufzudecken. Das aufgeschlagene, offene Buch als unverfälschtes Wort Gottes in den Händen von Reformatoren oder die außerhalb von Herrschaftspräsentationen unüblichen überlebensgroßen wie imposanten Ganzfigurenporträts sind eindeutig auf Lucas Cranach d.J. zurückzuführen. Bei identischen Accessoires oder Gewandungen wurden teils nur die Gesichter ausgetauscht. Der Einsatz von Schablonen und die daraus resultierenden Formalisierungen waren Teil der ökonomisch austarierten Produktion.

Wie Motive kopiert, variiert und nach Vorgaben der Cranachs zu gestalten waren, belegen durch Infrarotreflektografie sichtbar gewordene Unterzeichnungen. Sie legen die kraftvollen, prägnanten Konturlinien bei Lucas Cranach d.Ä. offen. Eine schnelle, routinierte Arbeitsweise mit kurzen, knappen Linienzügen in fast kritzelig anmutenden Bewegungen prägen dagegen die Vorzeichnungen bei seinem Sohn. Lucas Cranach d.J. löste sich vom idealisierten Schematismus der Serienbildnisse eines Vaters, arbeitete mehr individuell. Die Wachheit und zupackende Präsenz des Vaters wechselte unter ihm zu einer eher flächigen, zarten Bildkonvention. Die Antlitze Lucas Cranach d.J. zeigen sich detailreicher ausgearbeitet und weniger steif angelegt. Gerne verwendete er kräftige frische Farben. Wie strikt Mitarbeiter den Unterzeichnungen bei der malerischen Feinausführung zu folgen hatten, zeigen neben deckungsgleichen Übernahmen notierte Farbangaben, die bei Röntgenuntersuchungen sichtbar wurden.

Unbestrittener Höhepunkt der Wittenberger Ausstellung ist die Präsentation von 13 Zeichnungen aus dem Musée des Beaux-Arts de Reims, die noch niemals gemeinsam zu sehen waren. Über verschlungene Wege gelangten die nunmehr eindeutig Lucas Cranach d.J. sicher zuzuordnenden Porträtzeichnungen von Mitgliedern des sächsischen Herrscherhauses 1752 in den Besitz der Stadt Reims. Vergleiche mit ausgeführten Gemälden deuten auf den Vorbildcharakter der Blätter hin. Da von den Dargestellten weitere Porträtaufträge zu erwarten waren, legte Sohn Cranach mit den Vorzeichnungen Muster an, die dem Werkstattteam rasch neues Duplizieren gestatteten.

Auch Lucas Cranach d.J. musste zeitgenössischen Trends Tribut zollen. Die Abschnitte großer religiöser Konfrontationen waren zu seiner Zeit vorüber, und seine Bilder waren weitaus weniger polemisch, kritisch und aggressiv, als es noch bei seinem Vater der Fall war. Dies zeigt ergänzend zum Ausstellungsteil im Augusteum eine Satellitenschau in der Wittenberger Stadtkirche. Hier, wo Cranach d.J. getauft, getraut und bestattet wurde, versammeln sich neben dem von Vater und Sohn geschaffenen Reformationsaltar zahlreiche Epitaphien des jüngeren. Hier wie auch als Zweitfassung im Hauptteil präsent ist sein bedeutendes Bild „Weinberg des Herrn“. In Kleidung und Porträts setzte er die biblische Erzählung ins Reformationsjahrhundert. Links verwüsten katholische Würdenträger den Weinberg und fordern mehr Lohn, während rechts ausgewählte Reformatoren ohne Bezahlung den Weinberg pflegen. Heute wird das berühmte Bild weniger polemisch interpretiert und als Appell zur Einigkeit verstanden, bei der verschiedene Strömungen gleichberechtigt nebeneinander existieren.

Die Ausstellung „Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckungen eines Meisters“ ist bis zum 1. November zu besichtigen. Das Augusteum hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29,90 Euro kostet.

Kontakt:

Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Collegienstraße 54

DE-06886 Lutherstadt Wittenberg

Telefon:+49 (03491) 420 30

Telefax:+49 (03491) 420 32 70

E-Mail: info@martinluther.de

www.cranach2015.de



20.08.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Lucas Cranach d.J. und Werkstatt, Weinberg des Herrn, 1582
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Lucas Cranach d.J. und Werkstatt, Weinberg des Herrn, 1582

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Lucas Cranach d.J., Wappen, 1581

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Lucas Cranach d.J., Der Sündenfall (Adam und Eva), 1549

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Lucas Cranach d.J., Ruhende Quellnymphe, 1550

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Lucas Cranach d.J., Porträts eines 44jährigen Mannes und einer 38jährigen Frau, 1566

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Grabstein von Lucas Cranach d.J. in der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg

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Lucas Cranach d.J., Auferstehung Christi mit Stifterfamilie (Epitaph der Familie Badehorn), 1554

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Lucas Cranach d.J., Herkules bei Omphale, 1535

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Lucas Cranach d.J., Katharina von Braunschweig-Grubenhagen, um 1540

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Lucas Cranach d.J., Bildnis eines Knaben (ein Sächsischer Prinz), um 1540

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Lucas Cranach d.J., Studien von Köpfen und Händen, um 1558

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Lucas Cranach d.J., Miniatur der Prachtbibel des Erzbischofs Sigismund von Brandenburg, 1560/61

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