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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Im August wäre der rheinische Maler Hann Trier 100 Jahre alt geworden. Drei große Ausstellungen würdigen ihn nun in heimatlichen Gefilden

Weiche Strukturen mit einem harten Kern



Hann Trier, o.T., o.J.

Hann Trier, o.T., o.J.

Spontan, zuweilen auch recht kraftvoll fließen amorphe Körper über die Bildoberfläche. Befreit von Dogmen, konstruktivistischen oder realistischen Anmutungen, folgte der Maler Hann Trier inneren Vorstellungen von Emotionalität und Rhythmik der Farben und Formen. Im Fluidum der informellen Künste bestechen seine Bilder durch eigenständige Auslegungen. So spontan sie aber auch erscheinen mögen: Minutiös plante Trier die Anordnung von Farbabstufungen und Helligkeitswerten. Ein differenziertes Linienspiel und ein netzartiger Bildaufbau vor zum Teil bewegten Farbhintergründen bestimmen seine Gemälde. In großer Geste pflegte Trier, gezackte Linien, Bänder oder Bündel von Konturen teils wirrend aufzutragen. Trotz aller verwickelten Geflechte haben sie fast immer einen harten Kern, bestimmen Symmetrie und Zentrierung das grobe Gerüst.


Die Dramatik steigerte Trier durch Hell-Dunkelgegensätze sowie nebeneinander stehende warme und kalte Farbabstufungen. Fast nie finden sich grelle Töne. Seine Bilder tönte er zunächst erdfarben, später in hellgrauem Kolorit ab und ließ sie ins Flaumige und Grafische gleiten. Diejenigen, die genau hinsehen und das Werkschaffen mit dem Lebenslauf in Verbindung bringen, erkennen Bezüge zur Realität und motivische Anklänge an die Natur. Den in seinem Domizil in der Toskana geschaffenen Gemälden ist ein anderer Farbkanon zueigen, als jenen im Atelier und Hauptwohnsitz in der Eifel entstandenen. Hier wie dort beeinflussten Ausblicke in die Natur und Lichteinwirkungen das Werkschaffen. Diese Komponenten gelten selbst für die wenigen, dafür umso nachhaltiger wirkenden Arbeiten in prominenten öffentlichen Räumen ab den 1970er Jahren. Hann Trier, von Gestalt her ausgesprochen klein und hager, drängte sich nie in den Vordergrund.

Seine Bedeutung als wichtiger deutscher Maler nach 1945 unterstreichen nun drei Ausstellungen im Umkreis Kölns, der Stadt, in der Hann Trier zusammen mit seinem jüngeren Bruder Eduard Trier aufwuchs, dem Kunsthistoriker und langjährigen Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie und des Kunsthistorischen Instituts der Bonner Universität. Unter dem Titel „Hann Trier zum 100. Geburtstag“ veranstalten derzeit das Museum Ratingen und das Landesmuseum Bonn eine zweiteilige Werkübersicht, während im September im Kölner Käthe Kollwitz Museum unter der Überschrift „Hann Trier – Ich tanze mit dem Pinsel“ Aquarelle und Zeichnungen präsentiert werden.

Hann Trier wurde am 1. August 1915 in Kaiserswerth geboren, das damals noch nicht zu Düsseldorf gehörte. Das nahe Ratingen war Heimat und Wirkungsort des Informellen Peter Brüning, wodurch sich die Spezialisierung des dortigen Museums auf die gestische Nachkriegskunst und damit auch der Ausstellungsteil „Der Junge und der Unbekannte. Hann Trier zum 100. Geburtstag“ erklärt. Über 60 Werke von den Anfängen bis zum Jahr 1971 sind hier versammelt. Frühe Bilder aus den 1930er Jahren führen den gegenständlichen Beginn seines künstlerischen Schaffens vor Augen. Trier, der zwischen 1934 und 1938 an den Kunstakademien in Düsseldorf und Berlin studierte, arbeitete nach langem Kriegseinsatz zunächst als Bühnenbildner in Nordhausen, wohnte dann zeitweilig in Alfter bei Bonn, bevor er mehrere Jahre bis 1955 den südamerikanischen Kontinent bereiste und in Medellín lebte. Nach einer Gastdozentur an der Hamburger Kunsthochschule, wurde er 1957 als Professor an die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin berufen. Georg Baselitz war wohl sein prominentester Schüler.

Die Motive auf seinen Bildern der späten 1940er Jahre entsprechen noch dem Duktus der frühen Nachkriegszeit: Spitze expressive Formen, gepaart mit organischen Milderungen, und das erdfarben-dunkel abgetönte Kolorit verraten kubistische Anklänge. Mit Beginn seiner Reisetätigkeit in den 1950er Jahren holte Trier zu großen Gesten aus; die Fassungen wirken befreit, die Farben tendieren ins Wässrige. 1951 verwendete der französische Kunstkritiker Michel Tapié erstmals das Wort „Informel“. Auch Triers Bilder fließen nun stärker in Bewegungen, Rhythmen und dynamischen Schwüngen. Spinnen, Geflechte, ungewohnte Farbabstufungen überlagern sich teilweise in seinen „Strickbildern“, die das Wetter, die Landschaft und Lebensfreude Südamerikas spiegeln.

Ab 1957 praktizierte Hann Trier die zweihändige Malweise. Aus simultanen Schwüngen und Gegenschwüngen der jeweils linken und rechten Hand resultieren auffallend formale Kongruenzen in nahezu symmetrisch angelegten Kompositionen. Eine Serie aus den 1960er Jahren zeigt von einer mittig angesetzten Vertikalen ausgehende kräftige Linien, die an ein Körpergerippe denken lassen. Ende der 1960er Jahre beginnt eine Phase, in der sich große Aufträge in öffentliche Räumen für Hann Trier ankündigen. Hier setzt die Ausstellung im Bonner Landesmuseum ein, in dem der künstlerische Nachlass verwahrt wird. Wandfüllende Farbfotografien und Malutensilien stellen Triers penibel genau eingerichtetes und fast klinisch adrettes Atelier vor, das sich in seinem 1972 bezogenen und 2015 aufgegebenen Wohn- und Atelierhaus bei Mechernich in der Nordeifel befand. Neben dem bereits 1967 in Castiglione della Pescaia in der Toskana eingerichteten Studio war dies sein bevorzugter Aufenthaltsort. Raumhohe Fotowände gewähren zudem Einblicke in das Arbeitszimmer seiner Ehefrau, der Soziologieprofessorin Renate Mayntz, im Eifler Domizil, dessen Decken und Wände Hann Trier 1985 in hellen feinstufigen, fast femininen Farbklängen ausmalte.

Zum Teil erstmals öffentlich präsentierte Entwürfe machen Triers besonderes Verhältnis zu Raum und Komposition deutlich: 1971 erhielt er den Auftrag, die Deckengemälde im Weißen Saal des Knobelsdorff-Flügels und im Treppenhaus des Schlosses Charlottenburg zeitgenössisch zu fassen. Trotz seiner körperlichen Beschwerden stellte er sich dieser Herausforderung und verband das friderizianische Rokoko mittels lichter, duftiger, barock anmutender Farben kongenial mit der Jetztzeit. Es folgten weitere Aufträge für wichtige öffentliche Bauten. Decken und Wände des Bibliothekslesesaales des Philosophischen Seminars der Universität Heidelberg, eine Supraporte im vorläufigen Bonner Parlament im Wasserwerk, Wandgestaltungen für das Wallraf-Richartz-Museum in Köln oder das Deckenbild im Speisesaal der deutschen Botschafterresidenz am Heiligen Stuhl gehören dazu. Wohl am umstrittensten dürfte der Baldachin im überdachten Innenhof des Kölner Rathauses sein, ein frei hängendes Deckenbild, das die Kölner liebevoll als „Wolke“, „Reibekuchen“ oder „fliegendes Plumeau“ titulieren.

Unter den rund 50 Exponaten in Bonn werden auch unbekannte Seiten des Künstlers vorgestellt: Neben Dessins für Kleider oder Krawatten sind dies auch Werbe- oder Plakatentwürfe. Den Abschluss bildet ein kurz vor dem Tod des Malers am 14. Juni 1999 in seinem toskanischen Atelierhaus entstandenes „Wortbild“. Hann Trier liebte Sprachen und Wortspiele, was sich in spielerisch eingefügten Versatzstücken von verschlagenen, aber magisch anziehenden Buchstaben äußert, die nichts anderes bezwecken, als die Aufmerksamkeit des Betrachters zu erzielen. Der überaus gebildete, hoch geehrte, mehrfache Documenta-Teilnehmer hat intensiv sein Leben mit Kunst erfüllt und die Kunst der deutschen Nachkriegsjahrzehnte mit ausschweifendem Leben.

Die Ausstellung „Der unbekannte Trier. Hann Trier zum 100. Geburtstag“ ist noch bis zum 4. Oktober im LVR-Landesmuseum Bonn, der Teil „Der Junge und der Unbekannte. Hann Trier zum 100. Geburtstag“ bis zum 1. November im Museum Ratingen zu besichtigen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 20 Euro kostet, ferner ein Poesieband mit eigenen Texten und Gedichten zu 24 Euro.

Kontakt:

Museum Ratingen

Peter-Brüning-Platz 1

DE-40878 Ratingen

Telefon:+49 (02102) 550 41 81

Telefax:+49 (02102) 550 94 18

E-Mail: museum@ratingen.de



17.08.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


30.07.2015, Der unbekannte Trier. Hann Trier zum 100. Geburtstag

Veranstaltung vom:


31.07.2015, Der Junge und der Unbekannte. Hann Trier zum 100. Geburtstag

Bei:


Museum Ratingen

Bei:


Rheinisches Landesmuseum Bonn

Variabilder:

Hann Trier, o.T. (Hungertuch), o.J.
Hann Trier, o.T. (Hungertuch), o.J.

Variabilder:

Hann
 Trier, Primavera, 1964
Hann Trier, Primavera, 1964

Variabilder:

Hann Trier, Die Schleuder, 1950
Hann Trier, Die Schleuder, 1950

Variabilder:

Hann
 Trier, Wendekreis II, 1966
Hann Trier, Wendekreis II, 1966

Variabilder:

Hann Trier,
 Zerberus, 1948
Hann Trier, Zerberus, 1948







Hann Trier, o.T. (Hungertuch), o.J.

Hann Trier, o.T. (Hungertuch), o.J.

Hann Trier, Primavera, 1964

Hann Trier, Primavera, 1964

Hann Trier, Die Schleuder, 1950

Hann Trier, Die Schleuder, 1950

Hann Trier, Wendekreis II, 1966

Hann Trier, Wendekreis II, 1966

Hann Trier, Zerberus, 1948

Hann Trier, Zerberus, 1948

Hann Trier, o.T., o.J.

Hann Trier, o.T., o.J.

Hann Trier, Cocktailkleid von Renate Mayntz-Trier

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Hann Trier, Entwurf zum Deckengemälde im Schloss Charlottenburg Berlin, o.J.

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Hann Trier, Baldachin, 1979

Hann Trier, Baldachin, 1979

Hann Triers Atelier in seinem Haus in Vollem bei Mechernich

Hann Triers Atelier in seinem Haus in Vollem bei Mechernich

Hann Trier, Entwurf zur Wand- und Deckengestaltung für das Arbeitszimmer in Vollem/Mechernich, 1985

Hann Trier, Entwurf zur Wand- und Deckengestaltung für das Arbeitszimmer in Vollem/Mechernich, 1985

Hann Trier, Arabeske, 1971

Hann Trier, Arabeske, 1971




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