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Tracey Emin trifft im Wiener Leopold Museum auf Hausgott Egon Schiele

Der exzentrische Blick auf sich selbst



Tracey Emin im Leopold Museum vor Egon Schieles Gemälde „Sitzender Männerakt“

Tracey Emin im Leopold Museum vor Egon Schieles Gemälde „Sitzender Männerakt“

Das Engagement, zeitgenössische Kunst im historischen Kontext zu präsentieren, ist eine seit Jahren bewährte Strategie großer Sammlungseinrichtungen mit dem Ziel, die eigenen Schätze im frischen Kontext zu zeigen. Auch in Wien wird diese Ausstellungspraxis mit großem Elan betrieben: im Kunsthistorischen Museum gab es in den letzten Jahren unter anderem Präsentationen von Jan Fabre und Lucian Freud, und das Obere Belvedere zeigte Werke von Carsten Höller, Jeff Koons oder Jasper Johns. Derzeit präsentiert das Leopold Museum eine Gegenüberstellung neuer Werke von Tracey Emin mit denen von Egon Schiele. Drei Generationen trennen den exzentrischen Local Hero und die Engländerin, aber es zeigt sich, dass die beiden ähnliche Antriebsfedern und verwandte Ausdrucksweisen haben.


Wenn über die Werke von Tracey Emin geschrieben wird, dann geschieht dies stets in Verbindung mit ihrer persönliche Geschichte, ihren Provokationen und Alkoholexzessen. Die Kunst der 1963 in London geborenen Emin ist eng an ihre Biografie gekoppelt. „Als ich geboren wurde, hielten sie mich für tot“, beginnt die Künstlerin ihre Autobiografie „Strangeland“ aus dem Jahr 2005. Ihr verzögerter erster Schrei als Baby ist für sie das frühe Zeichen einer Gefährdung, die sie bis zum jetzigen Zeitpunkt ihres Lebens begleitet. Die Erzählungen aus ihrer Jugend in der provinziellen Küstenstadt Margate kennt man in Bruchstücken aus ihren Werken. Es wird von sexuellem Missbrauch durch einen Freund der Familie berichtet, von Nahrungsverweigerung, von einer Vergewaltigung im Alter von 13 Jahren und danach erfolgtem Schulabbruch.

1980 entschloss sich Tracey Emin zunächst für ein Modedesign-Studium, besuchte zwei Jahre später die Druckereiklasse des Maidstone College of Art und studierte ab 1986 am Londoner Royal College of Art. Jay Jopling ermöglichte ihr 1994 in seiner Londoner Galerie die erste Einzelausstellung. Zwei Jahre später zeigte Emin in der South London Gallery ihre Installation „Everyone I Have Ever Slept With 1963-1995“, ein Zelt mit den Namen von über 100 Personen, mit denen sie in diesem Zeitraum geschlafen hatte. Anlässlich der Turner Prize-Ausstellung präsentierte sie 1999 der britischen Öffentlichkeit ihr heute bekanntestes Werk „My Bed“ und wurde schlagartig zu einer der meistdiskutierten Künstlerinnen in den Medien.

Die forcierte Zurschaustellung von provokanten intimen Erlebnissen ist bis heute Tracey Emins bevorzugte Strategie und folgt dem Bemühen, jene Aspekte einer Persönlichkeit zu offenbaren, die üblicherweise vom Gefühl der Scham zensiert im Privaten bleiben. In ihren Zeichnungen, Gouachen, Neon-, Bronze- und Textilarbeiten konserviert Emin diese Erfahrungen. In einer Serie bestickter Leinwände sticht sie die Gestimmtheiten der Körper förmlich in den Untergrund ein: rasche Striche und fahrig gesetzte Schatten lassen den Ursprung aus den Zeichnungen erkennen. Das Trägermaterial wellt sich, es ist buchstäblich das Laken, auf dem die Akte zu liegen kommen. „Distant Memory“ lautet der Titel eine dieser Arbeiten. Das Gesicht der Dargestellten ist geschwärzt, wird ausgelöscht und fordert gerade durch seine Annullierung doch die Aufmerksamkeit. „Wie in einem Vexierbild wechselt die Lesart“, schreibt Thomas Trummer in seinem Katalogbeitrag zur Wiener Ausstellung, „entweder als eine Attacke auf das Ich oder als Weise seiner Immunisierung“. Waffe oder Schild – als Maske, sagt Emin selbst, „sei es ein Austausch mit mir selbst“.

Als Kontrapunkt zu den großformatigen Stickarbeiten hat Tracey Emin eine kleine Zeichnung von Egon Schiele ausgewählt. In „Mädchen mit entblößter Scham“ von 1911 wird das Genital der Dargestellten durch den hochgehobenen, grünen Mantel förmlich eingerahmt und mit der gleichen Wertigkeit behandelt wie deren Gesicht. Entsprechungen und Widersprechungen dieser Art gibt es einige. Es sind jedoch vor allem die kleinformatigen, rasch gearbeiteten Gouachen von Tracey Emin, die am eindrücklichsten mit den unvollendet wirkenden Arbeiten von Egon Schiele korrespondieren. Seltsam naiv und platt wirken dagegen die weiß patinierten Bronzeblöcke mit Inschriften wie „Without him she had no mirror“, auf denen unbeholfen geformte Frauenkörper ihr Spiel mit Schlange, Schwein, Hirsch und Fuchs treiben.

„Ich kenne keinen anderen Künstler, der den Blick mit solcher Intensität auf sich selbst gerichtet hat“, so Emin, die in der Ausstellung unter dem Titel „Those who suffer love“ auch einen Animationsfilm zeigt, der aus 300 Monotypien einer masturbierenden Frau besteht. Ihre Verbindung zu Schiele sieht die Künstlerin vor allem darin, dass „er sich wie ich selbst zum Thema nimmt“. In der hölzernen Installation „It’s Not the Way I Want to Die“ von 2005 reinkarniert sie einen lange zurückliegenden Kindheitstraum über die Hochschaubahn im Lunapark „Dreamland“ und verbindet ihn mit Schieles asymmetrischen „Berg am Fluss“ von 1910 zu einer Stimmungslandschaft.

Tracey Emin ist auf unermüdliche Weise imstande, sich zur Zeugin ihrer selbst zu machen. Das einzige Thema von Tracey Emin ist Tracey Emin. Je mehr man über die Künstlerin weiß, desto mehr Bedeutung gewinnen die Memorabilien, die einen Großteil ihrer Werke ausmachen. Ohne biografische Hintergrundinformation jedoch muss Emins Werk zwangsläufig unverständlich bleiben und lässt bei aller ungefilterten Selbstentblößung die künstlerische Verve vermissen. Die Konfrontationen zwischen Schiele und Emin sind inhaltlich stellenweise überraschend, entlarven jedoch die qualitative Divergenz, die sich in der Zusammenschau von Emins Arbeiten mit denen ihres expressionistischen Vorgängers schonungslos aufdrängt.

Die Ausstellung „Tracey Emin / Egon Schiele. Where I Want to Go“ ist bis zum 14. September zu sehen. Das Leopold Museum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog für 22,90 Euro erschienen.

Kontakt:

Leopold Museum

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 700

Telefax:+43 (01) 525 701 500

E-Mail: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org



07.08.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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24.04.2015, Tracey Emin | Egon Schiele. Where I Want to Go

Bei:


Leopold Museum

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Egon Schiele, Stehender Jüngling, Kopf gebeugt, 1910
Egon Schiele, Stehender Jüngling, Kopf gebeugt, 1910

Variabilder:

Egon Schiele, Stehender Männerakt, 1910
Egon Schiele, Stehender Männerakt, 1910

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Egon Schiele, Selbstbildnis als Akt, 1912
Egon Schiele, Selbstbildnis als Akt, 1912

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Egon Schiele, Liegende (»Stürzende«) mit langem Haar,
 1917
Egon Schiele, Liegende (»Stürzende«) mit langem Haar, 1917

Variabilder:

Egon Schiele, Männlicher sitzender Akt nach
 links gewandt, 1918
Egon Schiele, Männlicher sitzender Akt nach links gewandt, 1918

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Tracey Emin im Leopold Museum vor Egon Schieles Gemälde
 „Sitzender Männerakt“
Tracey Emin im Leopold Museum vor Egon Schieles Gemälde „Sitzender Männerakt“

Künstler:


Egon Schiele







Egon Schiele, Stehender Jüngling, Kopf gebeugt, 1910

Egon Schiele, Stehender Jüngling, Kopf gebeugt, 1910

Egon Schiele, Stehender Männerakt, 1910

Egon Schiele, Stehender Männerakt, 1910

Egon Schiele, Selbstbildnis als Akt, 1912

Egon Schiele, Selbstbildnis als Akt, 1912

Egon Schiele, Liegende (»Stürzende«) mit langem Haar, 1917

Egon Schiele, Liegende (»Stürzende«) mit langem Haar, 1917

Egon Schiele, Männlicher sitzender Akt nach links gewandt, 1918

Egon Schiele, Männlicher sitzender Akt nach links gewandt, 1918




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