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„Monet und die Geburt des Impressionismus“ im Frankfurter Städel

Die perfekte Oberfläche



Claude Monet, Das Hôtel des Roches Noires in Trouville, 1870

Claude Monet, Das Hôtel des Roches Noires in Trouville, 1870

Es ist voll derzeit im Frankfurter Städel, und die Lage wird sich wohl auch nicht wesentlich entspannen, wenn die Öffnungszeiten ein weiteres Mal fast rund um die Uhr verlängert, aber zugleich der ausstellungsübliche Endspurt die Besucherzahlen noch einmal in die Höhe treiben wird. Seit Mitte März lädt das Haus am Schaumainkai zu einer der größten Impressionisten-Präsentationen in der wahrlich nicht spärlich bestückten Riege von Ausstellungen zur französischen Kunst des späten 19. Jahrhunderts ein, die derzeit landauf, landab die Museumsprogramme füllen und doch immer wieder ihr begeistertes Publikum finden. Über 350.000 Menschen haben „Monet und die Geburt des Impressionismus“ schon gesehen; bis zum Laufzeitende am 28. Juni soll die Marke von 400.000 geknackt werden. Damit wäre die Ausstellung die bestbesuchte in der 200jährigen Geschichte des Städels.


Sie befasst sich mit dem Beginn der Bewegung im Paris der Zeit um 1870 und trumpft mit einer klugen, auf wesentliche Aspekte fokussierten Auswahl ebenso auf wie mit der qualitätvollen Fülle an Klassikern aus eigenen und fremden Beständen. Herzstück der Ausstellung ist Claude Monets aus hauseigener Sammlung stammendes „Mittagessen“ aus den Jahren 1868/69, eine häusliche Alltagsszene in Format und Habitus einer Historienszene und gerade deswegen ein Bürger- und Akademieschreck zu einer Zeit, da Kunst noch Hehres, Ewig-Unvergängliches zu zeigen oder sich, wenn sie dies nicht zu leisten vermochte, gefälligst auf Kabinettformat zu beschränken hatte. Monet setzte sich großzügig über diese Vorgaben hinweg und konfrontierte den Betrachter mit einer fast banalen Szene aus seiner eigenen Privatsphäre: Zwei Frauen und ein kleines Kind – dieses gezeugt überdies in wilder Ehe – sowie ein Hausmädchen warten auf den Familienvater. Nichts darin rechtfertigt nach akademischen Gesichtspunkten den pompösen künstlerischen Aufwand, mit dem Monet das große Ganze beschreibt wie auch die Einzelheiten schildert.

Der Maler musste denn auch hinnehmen, dass sein Gemälde 1870 zusammen mit anderen seiner Werke von der Jury des Salon de Paris abgelehnt wurde, wovon sich Monet und die allmählich wachsende Gruppe seiner Mitstreiter jedoch nicht dauerhaft beirren ließen. Nachdem bereits der Salon des Refusés den zahlreichen Abgewiesenen gelegentlich ein Forum geboten hatte, veranstalteten Monet, Pierre-Auguste Renoir, Camille Pissarro, Alfred Sisley, Edgar Degas, Paul Cézanne und Berthe Morisot zusammen mit einer Reihe heute weniger bekannter Künstler 1874 kurzerhand ihre eigene Gruppenausstellung im Atelier des Fotografen Nadar. In einer Mischung aus Verständnislosigkeit und Ärger zog der Kritiker Louis Leroy bekanntlich über die hier ausgestellten Werke her und verspottete sie als bloße „Impression“. Die wohl erfolgreichste Marke der Kunstgeschichte war damit geboren.

Freilich, so ganz ohne Vorbilder und Vorläufer kamen auch die Impressionisten nicht aus. In einer schmalen, aber konzisen Auswahl zeigt der Städel einige prägnante Werke von Künstlern wie Jean-Baptiste Camille Corot, Charles-François Daubigny, Théodore Rousseau, Gustave Courbet und Eugène Boudin und scheut sich auch nicht, heute als etwas gefällig vernachlässigte Künstler wie Félix Ziem oder Johan Barthold Jongkind in diese Liste aufzunehmen. Von ihnen allen hat Monet profitiert, und der Einfluss eines bestimmten Künstlers auf eine seiner Schöpfungen in der Zeit des Suchens um die Mitte der 1860er Jahre ist bisweilen mit Händen zu greifen. Gleiches gilt für die um Monet herum gruppierten Künstler wie den 1870 gefallenen Frédéric Bazille oder Pissarro.

Das Suchen äußerte sich auch in der Motivwahl. Versucht sich Monet anfangs in mehr oder weniger figurenreichen Interieurs ebenso wie in Stillleben, so zeigt sich spätestens in seiner Uferpartie „La Grenouillère“ von 1869, dass sein eigentliches Metier die Landschaft ist. Hier erst kann er sein Vorliebe und vor allem sein Talent für atmosphärische Verdichtungen, das Spiel von Licht und Farbe und die reine Konzentration auf das Malerische voll entfalten. Dass die Landschaft dabei weit gefasst ist und sich keineswegs auf die Schilderung unberührter Natur beschränkt, machen seine Stadtansichten wie der Blick aus der Vogelperspektive auf den „Boulevard des Capucines“ von 1873/74 deutlich, wie überhaupt der technische Fortschritt, eiserne Brücken etwa oder Dampflokomotiven, bei Monet und seinen Gefährten auf ein bemerkenswert reges Interesse stößt.

Es ist einerseits verblüffend, dass die Künstler des Impressionismus auf diese offenkundigen Entwicklungen einer modernen Zeit reagieren, dass sie beispielsweise den gravierenden Stadtumbau von Paris mit seinen monströsen Bauten des Historismus wahrnehmen. Es können ihnen andererseits aber auch die Schattenseiten dieser Entwicklung nicht entgangen sein, die sozialen Probleme infolge der zunehmenden Industrialisierung und die Verarmung ganzer Gesellschaftsschichten. Wie können sie – trotz Exils – auch nichts mitbekommen haben von den Schlachten des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und den Straßenkämpfen und Massakern während der Pariser Kommune, die rund 30.000 Menschen das Leben kosteten? Nach einem Niederschlag dieser Ereignisse im Werk der Impressionisten aber sucht man vergebens, ein Anhauch von Trübsinn und Weltschmerz umwölkt ihre Bilder nicht eine Sekunde lang. Sie bleiben heiter und unbeschwert wie eh und je.

In einem Seitenkabinett der Ausstellung ist eine Fotografie mit den abgeschlagenen Köpfen Hingerichteter der Pariser Commune zu sehen. Das kleine Bild setzt sich im Hinterkopf des Betrachters fest wie ein böser Geist, doch er findet in den Bildern Monets und seiner Malerkollegen dafür keine Entsprechung. Sie bleiben perfekte Oberfläche, Ausdruck operettenhafter Leichtigkeit und unerschütterlicher Gegenentwurf zur Düsternis der wirklichen Welt. Die Brillanz handwerklich-technischer Mittel gepaart mit einem Revoluzzertum, das sich dem Betrachter stellt, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen und die Luft zum Atmen zu rauben, gleichsam Avantgarde ja, aber nicht zu viel – das sind die Rezepte, nach denen die bis heute anhaltende Anziehungskraft impressionistischer Malerei funktioniert. Die Frankfurter Ausstellung lässt keine andere Wahl, als diese Leistung einer künstlerischen Erscheinungsform uneingeschränkt, aber auch mit Staunen anzuerkennen.

Die Ausstellung „Monet und die Geburt des Impressionismus“ ist bis zum 28. Juni zu sehen. Das Städel Museum hat täglich von 10 bis 21 Uhr, am 26. und 27. Juni von 10 bis 24 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Für Kinder bis zu 12 Jahren ist der Eintritt frei. Der rund 300seitige Katalog aus dem Prestel Verlag kostet im Museum 39,90 Euro.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de



16.06.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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