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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Moderne Kunst bei Ketterer in München legt ihren Schwerpunkt auf den deutschen Expressionismus

Die Tochter des Vermieters



Hermann Max Pechstein beherrscht in dieser Frühjahrssaison das Angebot der deutschen Auktionshäuser. Nach der Villa Grisebach in Berlin und Karl & Faber in München kann auch Ketterer mit zwei kapitalen Werken des großen deutschen Expressionisten aus den besten Schaffensjahren aufwarten. Das ältere von beiden ist das „Bildnis Charlotte Cuhrt“ aus dem Jahr 1910, mit dem sich Pechstein im Frühjahr 1911 auf der vielbeachteten dritten Schau der Neuen Secession in Berlin präsentierte. Der Kunsthistoriker Max Raphael sah hier die „besten jungen Künstler“ und die „hoffnungsvollen Träger einer entwicklungsfähigen Zukunft“ versammelt. Mit seinen weiteren Worten in der Katalogeinleitung trifft Raphael genau den Kern von Pechsteins Portrait: „Ein jedes Objekt ist nur Träger einer Farbe … und das gesamte Werk zielt nicht auf den Eindruck der Natur sondern auf den Ausdruck der Empfindungen. Es verschwindet das Nachbilden zugunsten eines Neubildens“. So ist die 15jährige Tochter seines Vermieters Max Cuhrt, dessen stattliches Wohnhaus am Kurfürstendamm Pechstein malerisch ausgestaltete, in ein fast schreiend rotes Kostüm gekleidet. Auch der ebenfalls rote Teppich kontrastiert mit der grünen Wand und dem sonnengelben Schrank. Waren zuvor Pechsteins Bildnisse noch von einer postimpressionistischen Fleckigkeit und lockerem Pinselstrich geprägt, bricht sich sein Expressionismus nun in den klar begrenzten, leuchtenden Farbflächen radikal die Bahn. Dafür wollen Ketterer und der Einlieferer 400.000 bis 500.000 Euro sehen.


Ein Jahrzehnt später entsteht dann die ausdrucksstarke Figurenkomposition „Im Freien“. Es ist die Landschaft um das Fischerdorf Nidden an der Kurischen Nehrung, die Hermann Max Pechstein zu dem Drei-Personen-Stück inspiriert hat. Die expressive Stärke liegt hier in der Schärfe der Kontur, die noch eher auf den typischen Brücke-Stil hinweist als das „Bildnis Charlotte Cuhrt“. Sie beherrscht und strukturiert die Gruppe der Kinder, die Pechstein formal eng miteinander verbindet. Dazu gesellt sich die Kraft der Farbe, die die Kombination menschlicher Jugend und einer von den Gezeiten gezeichneten Landschaft durchzieht (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Damit ist Pechsteins Auftritt am 13. Juni in München aber noch nicht erschöpft. Von den Künstlerfesten und Maskenbällen, denen Pechstein und seine Malerkollegen trotz der entbehrungsreichen Zeit in Berlin frönten, bringt er eine flott skizzierte und mit Ölkreide farbig übergangene „Maskenfrau“ von 1910 mit (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Auch von Pechsteins Brücke-Kollegen kann die Auktion einige Objekte bieten. Ebenfalls der Farbe huldigt Emil Nolde um 1930 in seinem Blumenaquarell „Weiße Lilien und Dahlien“, die sich vor dem dunkelblauen Himmel strahlend abheben (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR), während er sich bei dem weiblichen „Insulanerkopf“ um 1915 eher für die Exotik des Motiv erwärmt hat (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Neben einigen schnell und sicher hingeworfene Zeichnungen um 1909/10, darunter das „Nackte Paar im Spiegelbild“ wohl mit einem Selbstbildnis (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) oder den mit Gouache farblich akzentuierten „Badenden“ an den Moritzburger Teichen (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR), steuert Ernst Ludwig Kirchner auch einige Druckgrafiken bei. In nur drei Exemplaren ist die auf gelbem Velin gedruckte Lithografie „Knabe mit Katze“ von 1920 bekannt (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Um die tradierte Allegorie der weiblichen Inspiration geht es Kirchner 1907 in dem Holzschnitt „Maler und Modell – Dichter und Weib“, die optisch zu einer Einheit verschmelzen (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Inspiration könnte er bei Edvard Munchs Farbholzschnitt „Kopf bei Kopf (Mann und Weib sich küssend)“ von 1905 gefunden haben; denn auch bei dem Norweger wachsen die beiden Gestalten scheinbar aus einem Körper heraus (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Auch die zweite große Künstlergruppe des deutschen Expressionismus, der Blaue Reiter, kommt bei Ketterer zu ihrem Recht. Als Vorstudie zu dem Gemälde „Stillleben mit weißem Pferd“ von 1912 schuf Alexej von Jawlensky schon um 1908/09 das kantige und konturbetonte Fragment „Stillleben mit grünem Reiter“. Es wurde erst vor einigen Jahren auf der Rückseite des „Tellers mit Äpfeln“ unter einem grauen, wohl von Jawlensky eigenhändig ausgeführten Anstrich entdeckt und 2005 im Frankfurter Städel Museum restauriert (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Auch von dem Apfelstillleben aus dem Jahr 1932 in reizvollem Kolorit aus großflächig eingesetztem Blau mit Rot und Grün trennt sich nun eine deutsche Privatsammlung und will dafür 140.000 bis 180.000 Euro sehen. Daneben überzeugen die Werke Gabriele Münters. Sie greift 1912 ebenfalls die Gattung Stillleben auf und erweist mit der „Blauen Blume (Narzissen mit Zinerarie)“ sowohl der deutschen Romantik als auch ihrer Künstlergruppe ihre Reverenz (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR). Subtiler setzt Münter das Blau 1932 in der „Landschaft mit altem Mann“ ein; doch auch hier sticht die Farbe in der Schürze des Bärtigen und den Bergen im Hintergrund hervor (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Das Blau spielt auch eine wichtige Rolle in der eleganten „Dame mit Sonnenschirm im Herbstlaub am Ammersee“, das Edward Cucuel um 1914/18 mit sonnigen Gelb-, Orange- und Brauntönen kontrastiert. Um 1907 hatte sich der Amerikaner in München der Künstlergruppe „Scholle“ angeschlossen und fand in Leo Putz seinen Mentor. Jener malte um 1904 erstmals seine spätere Frau Frieda Blell im Schlosspark des Barons Hirsch in Planegg in nachimpressionistisch indifferent-flüchtigem Stil (Taxe je 50.000 bis 70.000 EUR). Expressiv wird es noch einmal mit Egon Schieles 1912 in delikatem Bleistiftstrich ausgeführter Zeichnung „Liegender Akt mit erhobenen Beinen“ (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR) und Dorothea Maetzel-Johannsens „Überredung“ von 1919. Auf dem kantigen Aktbild mit der unsicheren Beziehung zweier Frauen in gekünstelt verschränkter Körperhaltung hat die Hamburgerin rückseitig ein Portrait ihres Mannes Emil Maetzel gemalt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

In einer verschachtelten Stadtlandschaft hat ihr Hamburger Kollege Heinrich Stegemann 1921 seine Frau Ingeborg mit schwarzer Katze fast erstarrt platziert und macht auf die soziale Enge der dynamisch wachsenden Städte aufmerksam (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Auch Karl Hofer beschäftigt sich immer wieder mit dem Thema Weiblichkeit. Am Ende seiner Frühphase tritt um 1912 eine „Sitzende im Gemach“ als etwas manieristisch schmalgliedriger Halbakt in gedämpft zartfarbiger Palette wie im Theater zwischen zwei Vorhängen auf (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Die leichte Melancholie bricht sich in seinen späteren, herberen Gemälden „Drei Mädchen“ und „Porträt von zwei Frauen“ von 1943 deutlicher Bahn (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR). Als Plastiker tritt Georg Kolbe mit dem braun patinierten Bronzeakt „Kniende“ von 1928 hinzu, der aufgrund der Nummerierung wohl für den Export in die USA bestimmt war. Der Lebzeitenguss soll 40.000 bis 60.000 Euro einspielen. Ihm zur Seite steht der italienisch-französische Bildhauer Antoniucci Volti mit seinen archaisch ruhenden Drei Grazien wohl aus den 1960er Jahren (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Bei Dodo, alias Dörte Clara Wolff, ist es dann ein laszives Straßenmädchen, das sie 1933 in ihrem Aquarell zu einer erotischen Madonna mit Heiligenschein stilisiert (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Die Berliner Künstlerin hielt auch die gelangweilt elegante Welt der Großstadt fest. Dafür stehen ihre Blätter „Das rote Abendkleid“, eine gleich hoch bewertete Illustration für den „Modenspiegel“ aus dem Jahr 1928, und die androgynen Tennisschönheiten in der Satire „So ist das Leben“ von 1929 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Auf das gesellschaftliche Leben reflektiert auch Christian Rohlfs um 1921 in seiner „Sängerin I“; doch geht es ihm in dieser Temperamalerei in erster Linie um die Farbwirkung von Rotbraun, Blau und Weiß (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). „Die ferne Geliebte“ hat Conrad Felixmüller 1918 in einer Lithografie verewigt. Laut Ketterer wurde erst ein weiteres Exemplar der vierfarbigen Variante auf dem Auktionsmarkt angeboten (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Mit Felixmüller hält dann aber auch endlich die Männerwelt Einzug ins Auktionsgeschehen. Wie Soldaten paradieren die jungen Pfadfinder Erich Kaden, Fritz Oehlschläger und sein Sohn Luca 1930 mit wehenden Fahnen; vielleicht deutet der düstere Himmel schon auf die großen Irritationen der Zeit hin (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ebenfalls aus dem Soldatenleben speist sich der flächig, monumental und vor neutralem Hintergrund ins Bild gesetzte „Wachsoldat“, den Helmut Kolle wohl um 1930 und damit ein Jahr vor seinem frühen Tod malte (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Für das Maritime interessieren sich Paul Klee in seiner zarten „Zeichnung zum gelben Hafen“ von 1921/26 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und sein Bauhaus-Kollege Lyonel Feininger in der dunkel aquarellierten, leicht kristallinen Tuschezeichnung „West Deep III“, wo er regelmäßig die Sommermonate an der Ostsee verbrachte (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Auf die lyrische farbleuchtende Naturstimmung eines Franz Marc rekurriert der Schweizer Jean-Bloé Niestlé um 1920 mit seinem stilisiert abstrahierten Ölgemälde „Der kranke Fuchs“ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ganz die Gefilde der Gegenständlichkeit verlässt dann Kurt Schwitters in seiner dadaistischen Collage „But But“. Die späte Merzzeichnung aus dem Jahr 1947 ist für 40.000 bis 60.000 Euro zu haben.

Die Auktion beginnt am 11. Juni ab 12 Uhr mit den günstigen Werken und wird am 13. Juni ab 14 Uhr mit dem Hauptprogramm der Klassischen Moderne fortgeführt. Die Besichtigung ist noch bis zum 12. Juni täglich von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.kettererkunst.de.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



11.06.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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