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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Bei der zeitgenössischen Kunst von Ketterer in München steht ZERO an der Spitze

Missmutiger Elefantenpudel



Günther Uecker hat in seinem Leben viel genagelt. Seine ersten Nagelbilder datieren in die späten 1950er Jahre. Heute ist Uecker 85 Jahre alt und nagelt noch immer. Kein Wunder also, dass er in der kommenden Auktionsrunde bei Ketterer in München die meisten Objekte im sechsstelligen Bereich stellt. Zehn sind es an der Zahl. Im Katalog geht es los mit einer „Lichtscheibe“ von 1967, die schon die typischen Merkmale seiner Nagelbilder vereinigt: Der flache Bildträger, von dem die Nägel abstehen und ihn damit zum dreidimensionalen Relief erweitern, die monochrom weiße Bemalung, die alle Farben in sich vereinigt, die Wechselwirkung von Licht und Schatten und die daraus resultierende Dynamik, die hier durch die motorische Drehung der Scheibe noch verstärkt wird. 150.000 bis 250.000 Euro hat Ketterer hierfür vorgesehen. Nur ein Jahr jünger ist Ueckers „Serielles Nagelobjekt“, das trotz gleichbleibenden Materials in seinem Bezug auf das Quadrat und in der strengen Anordnung der Nägel eine andere Wirkung entfaltet. Mit 140.000 bis 180.000 Euro ist es ein wenig günstiger angesetzt.


Schon aus Jahr 1965 stammt Günther Ueckers noch nicht weiß übergangene „Struktur“, in der die Nägel freier angeordnet sind und sich zur rechten oberen Ecke verdichten (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). In einer unbetitelten Arbeit von 1989 scheinen sie sich wie ein Wasserfall über die Leinwand zu ergießen (Taxe 220.000 bis 260.000 EUR), und im „Weißen Feld“ von 1991 formt sie ein Wind, tanzenden Blumen einer Wiese gleich (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Preislich an der Spitze der Uecker-Suite stehen eine „Reihung weiß“ von 1993, die die Bildfläche schlaff herabhängt rhythmisiert, und die einer Insel im weiten Meer gleichende „Hommage à Paul Scheerbart (Scheerbartwesen)“ aus den späten 1960er Jahren für jeweils 300.000 bis 400.000 Euro. Die jüngste Arbeit ist gerade Mal drei Jahre alt. In „Verletzungen-Verbindungen No.3“ macht Uecker das Martialische des Entstehungsprozesses deutlich, überführt es zugleich aber in die Schönheit der Kunst (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR).

Roman Ketterer ist stolz auf diesen Aufmarsch an ZERO-Kunst am 13. Juni. Der Chef des Münchner Auktionshauses verweist auf die bahnbrechende Versteigerung der Sammlung Lenz Schönberg bei Sotheby’s im Februar 2010, die nur 49 Positionen enthielt. Ketterer kommt auf rund 120 ZERO-Werke, darunter fast 100 Unikate. „Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr den Weltrekord für ein Werk Günther Ueckers und zahlreiche Spitzenzuschläge für Arbeiten seiner Weggefährten erzielen konnten, blicke ich mit viel Spannung und Optimismus auf die kommende Auktion“, so Robert Ketterer. „Es freut mich besonders, dass allein das Dreigestirn Mack, Piene und Uecker mit über 60 Losen vertreten ist.“ Rund 20 Losnummern entfallen dabei auf Otto Piene. Unter seinen Feuer- und Rauchbildern sticht die fast magische Mondlandschaft „Green Fire Flower“ aus dem Jahr 1963 hervor (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Bei Heinz Mack sind es dann vor allem die glänzenden und mit Licht spielenden Relief-Arbeiten aus den 1960er Jahren, die das Publikum anlocken sollen. So hat er 1968 einen hochformatigen Lichtrelief-Kasten Gerhard Richter gewidmet, und in der Tat fühlt man sich dabei an die abstrakten Rakelbilder des deutschen Malerstar erinnert (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Adolf Luthers bevorzugtes Material war das Licht, das er in seinen Hohlspiegelobjekten anschaulich machte. Seine „Energetische Reihung“ von 1980 besteht aus 104 seriell angeordneten Hohlspiegeln, die den Raum reflektieren, ihn optisch dynamisieren und zu einer sensorischen Irritation beim Betrachter führen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Um die räumliche Wirkung der Farbe ging es Gotthard Graubner. Dazu entwickelte er seit Anfang der 1960er Jahre seine „Farbraumkörper“, mit Watte und Nylonstoff überspannte Bildträger, in denen sich die Farbe fließend und atmend ausbreitet. Sein quadratisches Ein-Meter-Format von 1971/74 in braun-grauer Farbverdichtung ist für 40.000 bis 60.000 Euro zu haben. Zu ZERO und seinem Umfeld rechnen die Experten auch Herbert Zangs. In seinen Faltungen, die ab 1953 entstanden, setzte sich der Krefelder Künstler gleichfalls mit den Fragen von Zwei- und Dreidimensionalität sowie mit der Bedeutung der Nichtfarbe Weiß auseinander. Ein frühes, fast ein Meter hohes Exemplar dieser Werkreihe listet der Katalog für 28.000 bis 34.000 Euro.

Recht vergleichbar geht der Niederländer Jan Schoonhoven 1973 in seinem „Relief 72-73-M-14“ vor, lediglich die Ausführung der querrechteckigen Felder ist etwas präziser (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Zu den internationalen ZERO-Vertretern zählen noch einige Italiener: Enrico Castellani bezaubert in seiner reliefierten Leinwand „Superficie bianca“ von 1979 mit einem reizvollen Spiel von Licht und Schatten (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), und Dadamaino nimmt in der lamellenartigen Streifenstruktur „La ricerca del colore“ die Farbe Blau zu anderen Farbwerten unter die Lupe. Die zehnteilige Arbeit von etwa 1967 soll 40.000 bis 60.000 Euro einspielen. Gekrönt wird die ZERO-Folge von einem „Concetto Spaziale“ Lucio Fontanas. 1960 setzte er einen diagonalen, leicht gekrümmten Schnitt auf eine nicht allzu große weiße Leinwand und öffnete damit die plane Bildfläche in den Raum. 800.000 bis 1,2 Millionen Euro erhoffen sich Ketterer und eine nordrhein-westfälische Privatsammlung für das Werk.

Gegen diese ZERO-Übermacht nehmen sich die klassischen malerischen Positionen in der Auktion „Nach 1945“ fast bescheiden aus. Eine der ältesten Positionen sind Willi Baumeisters „Urzeitgestalten“ von 1947, die schemenhaft über einen ockerfarbenen Bildgrund geistern (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Sieben Jahre danach hat der Stuttgarter seinen Spätstil mit den schwebenden Farbflächen entwickelt. Auch in „Mo“ aus der berühmten Serie „Montaru“ dominiert eine schwarze Farbfläche das Bildzentrum, von der sich kleinere Farbwolken abspalten und die von anderen Primärfarben an den Rändern begleitet wird (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Aus dem deutschen Informel treten noch Emil Schumacher mit seinem roten, von schwarzen Gräben durchfurchten „Alf I“ von 1962 (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR), Fritz Winter mit seiner dunklen Leinwand „Mit Roten Flecken“ von 1954 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), Julius Bissier mit seinem kleinen, zarten Aquarell „A 26.6.63“ von 1963 (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR) oder Otto Ritschl mit den farbkräftigen und zackigen Bildformen auf einer „Komposition“ des Jahres 1958 hinzu (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

„Farbe hingegen badet in kosmischer Sensibilität. … Sie ist wie die Feuchtigkeit in der Luft. Farbe ist materialisierte Sensibilität. Farbe badet in allem und badet alles“. Besser als mit diesen Worten Yves Kleins kann man seine kleine Papierarbeit „Monochrome bleu (IKB 148)“ von 1959 nicht beschreiben (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Auch Günther Förg setzt in seinem fast zehn Meter breiten „Washington Square II“ aus dem Jahr 2000 auf Einfarbigkeit; doch überlagert er die drei schwarzen Leinwände mit einem transparenten Raster aus vertikalen und horizontalen weißen Feldern und Streifen (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR). Abstrakt bleibt es mit Gerhard Richters rot und blau überrakeltem Offsetdruck von 2008, der nichts mehr von dem zugrunde liegenden Motiv erkennen lässt (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), Pierre Soulages’ dunklen lastenden Balken über hellbrauner Fläche in „Brou de noix 1999-3“ (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) oder Aurélie Nemours’ streng geometrischer Verteilung von weißen Flächen auf quadratischer schwarzer Leinwand von 1986 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Mit der Pop Art hält dann wieder die Figuration Einzug ins Kunstgeschehen. Andy Warhol macht mit der Serigrafie des Portraits von „Joseph Beuys“, auf die er 1980 Diamantstaub hat rieseln lassen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), seiner bunten Goethe-Adaption von 1982 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und seinen „25 Cats name Sam and one Blue Pussy“ von 1954 auf sich aufmerksam (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Auch Chuck Close interessiert sich für das Menschenbild. In seinem überlebensgroßen Pigmentdruck „Kate“ hat er 2013 das Gesicht des britischen Supermodels Kate Moss aus tausenden kleiner rechteckiger Farbplättchen in verschiedenen Grau- und Schwarztönen zusammengesetzt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Bei Robert Longo ist der Schwarz-Weiß-Kontrast ebenfalls bestimmend, so auch in der Kohlezeichnung eines in verdrehter Pose sich windenden Anzugträgers aus der Serie „Men in the cities“ (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Unter den „Jungen Wilden“ findet sich Rainer Fetting, der 1997 in „Imagine New York“ die Hochhäuser des Big Apple in den Nachthimmel stapelt (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). In der zehnteiligen Folge „Komposition mit Kochen“ um 1992/93 oszilliert Markus Lüpertz zwischen abstrakten Farbwelten und Gegenstandseindruck. Die Gouachen sind mit 60.000 bis 80.000 Euro veranschlagt. Auch die jüngere Künstlergeneration ab etwa Jahrgang 1960 aufwärts, die Ketterer zum weiderholten Mal in einem eigenen Katalog zusammengefast hat, geniert sich nicht um die einstmals streng getrennten Welten von Figuration, Abstraktion und Ornament, sondern bedient sich spielerisch aus allen. So malt Jonas Burgert aus den Versatzstücken einer eingestürzten Wohnungswand mit Kreuzmuster, einer kargen Flusslandschaft, zwei Menschen und einem Schäferhund eine rätselhafte Szene. Der zweite Teil aus dem groß angelegten „Potsdam-Zyklus“ soll 60.000 bis 80.000 Euro einspielen. Auch Matthias Weischers menschenleere Räume, die er mit Objekten, Verweisen auf die Kunstgeschichte genauso wie mit ungegenständlichen Farbflächen bestückt, zielen aufs Neosurreale ab. Dafür stehen die Bilderrätsel „Podest“ von 2009 und „Läufer“ von 2010 (Taxe je 25.000 bis 30.000 EUR).

In diese Preiskategorie ordnen sich auch drei Gemälde Dirk Skrebers ein. Zwei stammen aus der Serie „It rock us so hard – Ho Ho Ho“ von 2002, in der er uns nüchtern und emotionslos der Dramatik eines Autounfalls gegenüberstellt, in „Killer Wheels 5.0“ lässt Skreber dann Autoreifen spritzend durch die Luft sausen. Einen melancholischen Ton schlagen Gert und Uwe Tobias 2011 in dem zweimal abgezogenen Farbholzschnitt eines Zwitterwesens aus Harlekin und Fabelgeschöpf vor nachtblauem Himmel an (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Rut Blees Luxemburg wendet sich 1999 in dem goldbraunen Fotoausschnitt eines Treppenabgangs zum Wasser ebenfalls „Nach Innen“ (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Kraftvoll, laut und aufdringlich agiert dagegen Jonathan Meese in seiner übermalten Collage „Total duty put in your mouth; Baby; go home to Humpty Dumpty, d’ont cry“ von 2008 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). An den Neoexpressionismus der 1980er Jahre knüpft André Butzer in einem titellosen Gemälde mit drei kindlich-naiven Gestalten in einer Landschaft von 2007 an (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Virtuos geht Karin Kneffel in ihrem „Teppich Schlafzimmer“ von 2007 vor und scheint durch eine unscharfe Spiegelung im Fußboden einen neuen Raum zu öffnen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Abstrakt wird es dann wieder bei einem Streifenbild Anselm Reyles von 2007, das fast wie ein exaktes Kunstwerk des Minimalismus wirkt, aber durch Knitterfalten, Unebenheiten und Farbkleckse gestört wird (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR). Auf den ersten Blick handelt es sich bei einem schwarz lackierten, gestuften Holzdreieck um ein nonfigurative Faltarbeit, hätte Katja Strunz 2007 nicht als Fundstück oben auf den Zeiger einer Uhr platziert, der eine Zeitebene in das Kunstwerk holt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Als tragisch-komische Figur hat Jon Pylypchuk 2006 mit „I miss you, danger, and all ist elements“ einen zerlumpten alten Pudel mit Elefantenrüssel geschaffen, der übellaunig in seinem Ruhesessel sitzt und zum Symbol der Einsamkeit und Überalterung der Gesellschaft wird (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Peter Buggenhout hat seinen amorphen Klotz „The Blind Leading the Blind #26“ von 2008, der wie ein Meteorit vom Himmel gefallen scheint, mit Staub bedeckt und negiert damit jede Symbolik und jeden Wert (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Eher auf eine visuelle Anziehungskraft setzt Carsten Höller in seinem rotierenden „A-Rad“ von 1997. Die Glühbirnen, die auf einem Kreis und auf neun A-Buchstaben sitzen, leuchten periodisch auf und rufen Assoziationen an ein Karussell, ein Feuerrad oder an Bewegung und Energie hervor (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Auch Björn Dahlems Objektarrangement „Homunculus Samurai (Sinn Ninja)“ von 2006 setzt mit seinem DVD-Player und der Leuchtstoffröhre auf technische und leuchtende Mittel, greift mit der glitzernden Kopfmaske und der in eine Zellstruktur eingepassten Weinflasche auch metaphysische Komponenten auf und könnte die Modellstruktur einer geheimen Wissenschaft sein (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 12. Juni um 13 Uhr und wird am 13. Juni ab 15:30 Uhr mit den hochpreisigen Werken der „Kunst nach 1945“ fortgesetzt. Die Besichtigung ist noch bis zum 12. Juni täglich von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.kettererkunst.de.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



09.06.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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