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Die Wiener Albertina zeigt derzeit das rege Schaffen der Kammermaler des Erzherzogs Johann von Österreich, der sich nicht nur aufgrund seines Adelstitels und seiner Tätigkeit als Feldmarschall einen Namen machte. Die Förderung von Kunst, Kultur und Industrie lag ihm ebenfalls am Herzen

Träumen ist menschlich



Matthäus Loder, Wasserfälle im Tischlerkar bei Gastein, 1827

Matthäus Loder, Wasserfälle im Tischlerkar bei Gastein, 1827

Erzherzog Johann von Österreich liebte die Berge, die Menschen, die Tiere und das Landleben. Nicht umsonst unterhielt das 1781 in Florenz geborene Mitglied des Hauses Habsburg zeit seines Lebens insgesamt fünf renommierte Akademie-Maler, die ihm – treu ergeben und stets an seiner Seite – eine Flut an alpinen Darstellungen lieferten, sei es zu Forschungs-, Dokumentations- und Expeditionszwecken oder sei es als Wohltat für die Augen und für die Seele, wenn sich sein Herz in turbulenten Zeiten nach Harmonie und Einklang mit faszinierenden Naturformationen sehnte. Die Albertina führt den Besucher der Ausstellung „Von der Schönheit der Natur – Die Kammermaler Erzherzog Johanns“ in sieben Räumen chronologisch durch das Leben des Erzherzogs und präsentiert ihn als Freund und Förderer von Kunst, Industrie, Landwirtschaft und Eisenbahnwesen sowie von Kultur und Bildung. So ergänzen Schaukästen mit Modellen landwirtschaftlicher Geräte, die Johann realisieren lassen wollte, die rund 150 aufgehängten Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen. Eines wird dabei offenbar: will man den Erzherzog kennenlernen, kommt man an seinen Malern und deren bildnerischen Zeugnissen nicht vorbei.


Der erste persönliche Hofmaler, den Johann anstellte, war Johann Kniep, der schon in seiner Ausbildungszeit an der Wiener Akademie zur Landschaftsklasse gehörte. Nicht verwunderlich ist darum seine Affinität für Lichtphänomene, wie sie die Natur liefert. Als Kniep 1802 an den Grazer Herzogshof kam, widmete er sich treu den Wünschen seines Auftraggebers und vor allem steirischen Gebirgsansichten, romantischen Tälern, die von Bergketten umgeben sind. Samtig-nebliges Morgenlicht lässt sein Wald- und Bergleben erwachen. Knieps Schilderungen tragen sowohl romantische Idealzüge als auch streng dokumentarische, fast kühle Merkmale in sich. Seine Farbpalette wechselt zwischen natürlichen Erdtönen und übersteigertem Smaragdgrün, das durch violette und rosafarbene Himmelsformationen begleitet wird. Seine am Geschmack des Auftragsgebers orientierten Gemälde sollten den Beginn einer stetig wachsenden Sammlung markieren, die der „Steirische Prinz“ anzulegen begann und im Laufe der Jahre auf eine Fülle von circa 1400 Blätter ausweitete. Diese rege Sammeltätigkeit unterstreicht die geistige Gesinnung des Erzherzogs und beweist sein Interesse für künstlerische Aktivitäten.

Karl Ruß war der zweite, den Erzherzog Johann berief. Seine Wirkungsstätte wurde die Gegend rund um das Anwesen Thernberg in Niederösterreich, das Johann 1807 erwarb und mit Vorliebe als Ort des Sammelns, Erfindens, Träumens und Ruhens nutzte. Ruß erlernte an der Wiener Akademie die Historienmalerei und befasste er sich, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Kniep, vorrangig mit aufwendigen Trachten. In akribischer Detailtreue entstanden vielerlei Ansichten von Festtrachten oder auch Alltagsgewändern. Des Erzherzogs Interesse für volkstümliche Phänomene und die Pflege tradierter Brauchtümer förderte die Anfertigung solcher Arbeiten. Zudem schuf Ruß Innenansichten verschiedener Räumlichkeiten auf Johanns Anwesen. Der intime, private, fast abgeschiedene Charakter dieser Wohnraumbeschreibungen lässt des Erzherzoges Bedürfnis nach Zurückgezogenheit spürbar werden, die Sehnsucht nach privater Vertrautheit und ungetrübter Stille. Als Freund des Freiherrn Josef von Hormayr, der in engem Kontakt zum Wiener Hof sowie Andreas Hofer und damit an der Spitze des Tiroler Volksaufstandes gegen Bayern stand, fiel Johann dann bei seinem Bruder Kaiser Franz I. in Ungnade. Dieser verbot ihm nach der sogenannten „Alpenbundaffäre“ 1812/13 auf Lebzeiten die Einreise nach Tirol.

In der Steiermark wandte sich Johann von Österreich ebenfalls dem Volk zu. Als tatkräftiger Modernisierer rief er eine Staatsbibliothek sowie ein Archiv und darüber hinaus das Bankwesen ins Leben und engagierte sich stark im Ausbau der technisierten Landwirtschaft. Karl Ruß füllte in seiner Zeit als Kammermaler bis zum Jahr 1818 seine Trachtenansichten also nicht von ungefähr mit vielerlei landwirtschaftlichen Geräten, dem Leben der Bauern und Bäuerinnen und dem sorgsamen Umgang mit Tier und Natur an. Die Nähe des Machthabers zum Volk wird in den Bildern offenbar, sein Interesse für eine gesunde und fortschrittliche Lebensweise zeigt sich hier.

Jakob Gauermann erreichte 1818 den Hof des Herzogs. Er kam von der Stuttgarter Akademie, bewegte sich aber bereits seit einigen Jahren in steirischen Künstlerkreisen. Auch er wurde hauptsächlich mit der Anfertigung detailgetreuer Landschaften beauftragt. Bemerkenswert geradlinig formuliert Gauermann das alltägliche Treiben auf den steirischen Almen und den Viehweiden. Genreszenen bleiben skizziert und sind ebenfalls korrekt ausgeführt. Als Ideallandschaften transportieren seine Bergansichten das schwärmerische Gemüt seines Auftraggebers. Gauermanns Mischtechniken auf Bleistiftgrundierungen, die er mit Aquarell koloriert und mit Deckweiß und Tusche akzentuiert hat, beweisen das große Engagement des Malers, den Anforderungen Johanns gerecht zu werden. Er suchte den Spagat zwischen Vedute und Idylle. Aus seiner Hand stammen die meisten alpinen Ansichten, die den Hauptbestand der Landschaftsdarstellungen in der Ausstellung bilden.

Matthäus Loder kam als Freund von Karl Ruß an den Hof Johanns. Als er 1816 seinen Dienst des Kammermalers antrat, wurde er, ursprünglich als Landschaftsmaler engagiert, zum Chronisten der Lebensstationen seines Auftraggebers, allen voran der nicht unkomplizierten Liebe des Erzherzoges zu der Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl. 1819 lernte Johann das bürgerliche, damals 15jährige Mädchen bei einem seiner alljährlichen Ausee-Besuche kennen. Der unüberwindbare Standesunterschied erlaubte keine Vermählung. Mit dem Erwerb eines Hochofens mit Wohnhaus und Waldbesitz wollte er dem Mädchen eine bürgerliche Existenz bieten. 1823 hielt Johann um ihre Hand an. Als der Wiener Hof davon erfuhr, leistete er massiven Widerstand und verbot ihm die Heirat. Lediglich als „Hausfrau“ dürfe er seine Anna unterhalten. Es sollten sechs weitere Jahre vergehen, bis der Kaiser der Hochzeit zustimmte. Die Vermählung fand 1829 auf dem Brandhof in heimlicher Atmosphäre statt.

Matthäus Loder hielt die wichtigsten Stationen dieser schwierigen Liebesgeschichte in kleinformatigen Malereien für das Stammbuch Annas fest. In liebevoller Hingabe sind die zarten Bildchen in das kostbare Buch montiert. Szenen wie die Ankunft am Toplitzsee, heimliche Treffen in einer Laube, schwermütige Abschiede und letztlich die langersehnte Vermählung im Brandhof lassen den Betrachter die geistige und persönliche Nähe des Malers zu Johann, außerdem die unerschütterliche Liebe zwischen Johann und Anna spüren. Loder war es auch, der sich oft mit seinem Auftraggeber auf Reisen begab. So bilden die letzten drei Ausstellungsräume eine Dokumentation von Johanns regem Reisefieber. Alpenidylle, Wasserfälle, Wintersportszenen und das Leben auf der Alm erstrahlen in leuchtendem Kolorit und entschiedenen Weißhöhungen.

Thomas Ender kam 1828 an den Hof und begleitete Johann ebenfalls auf Expeditionen, die zunehmend abenteuerlicher wurden und unter anderem über Tirol führten, da des Erzherzogs Einreiseverbot 1833 aufgehoben wurde. So findet der Betrachter bei Ender viel unberührte Natur, menschenleere Gletscher und lebensfeindliche Naturphänomene. Besonders eindrucksvoll kommt ein von ihm geschaffenes rund zwei Meter langes Panorama daher, das den Blick über das Innsbrucker Stubaital schildert. Nicht mehr die Idylle steht hier im Vordergrund, vielmehr die Faszination für den Puls des Unberührten, die Macht der Natur. Ender selbst sagte: „Ich habe Tirol so lieb gewonnen wie ein geborener Tiroler; eine größere Sehnsucht nach den Bergen dieses schönen Landes kann wohl niemand haben als ich.“ Mit dieser Empfindung stand er Johann freilich in nichts nach, war auch dieser im Herzen ein Tiroler.

Ab 1837 entstand eine Serie von Donauansichten, außerdem besuchte Johann die russische Kaiserfamilie in Baktschiserai. Die abenteuerliche Tour über die Krim zum Bosporus dokumentierte Thomas Ender in farbigen Malereien. Ein weiteres, eindrucksvolles Panoramaformat fertigte er 1837 von einem Stadtblick auf Konstantinopel an. Die letzte Reise des Erzherzoges führte ihn und sein Gefolge nach Südtirol, wo mit der Sicht auf den Gardasee vom Monte Baldo aus ein weiteres Panorama entstand. Es besticht durch seine überragende Farbigkeit und Naturtreue. Fast fotorealistisch umgesetzt, scheint der Betrachter selbst auf jenem Berg zu stehen und die beeindruckende Aufsicht auf das klarblaue Gewässer zu genießen.

1859 starb Erzherzog Johann in Graz. Er interessierte sich zeitlebens für die Belange des einfachen Volks, wollte Lebensverbesserungen herbeiführen und begab sich dafür auch in den Konflikt mit dem Habsburger Hof. Als volksnaher und einfühlsamer Adeliger erfreute er sich großer Beliebtheit, sein Hang zum Träumerischen ließ ihn menschlich wirken. Seine Bemühungen für eine finanzielle Verbesserung der Situation für einfache Bauern und die Gründung von Ämtern, unabhängigen Kontrollbehörden und wissenschaftlichen Einrichtungen bewiesen gleichzeitig seine politischen Fähigkeiten und seinen scharfen Verstand. Seine Kammermaler waren ihm treue Weggefährten, Freunde und enge Vertraute, die ihm stets loyal und wohlwollend zur Seite standen und Johanns Leben in ihren Bildern verewigten.

Die Ausstellung „Von der Schönheit der Natur – Die Kammermaler Erzherzog Johanns“ läuft bis zum 31. Mai. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 11,90 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der für 29 Euro im Museumsshop erhältlich ist.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



27.05.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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Johann Kniep, Admont mit dem Hochtor, 1808
Johann Kniep, Admont mit dem Hochtor, 1808

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Leopold Kupelwieser, Erzherzog Johann im Rock mit grünem Aufschlag,
 1828
Leopold Kupelwieser, Erzherzog Johann im Rock mit grünem Aufschlag, 1828

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Matthäus Loder, Der Ankogel bei Bad Gastein, 1827
Matthäus Loder, Der Ankogel bei Bad Gastein, 1827

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Matthäus Loder, Erzherzog Johann und Anna Plochl im Boot (I.), um
 1824/25
Matthäus Loder, Erzherzog Johann und Anna Plochl im Boot (I.), um 1824/25

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Matthäus Loder, Vermessungsarbeiten auf der
 Sonnschienalm, um 1820/21
Matthäus Loder, Vermessungsarbeiten auf der Sonnschienalm, um 1820/21

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Matthäus Loder, Die Burg Strechau über Rottenmann, 1826
Matthäus Loder, Die Burg Strechau über Rottenmann, 1826

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Matthäus Loder, Das Gespräch bei Irdning (Verlöbnis), 1822
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Johann Kniep, Admont mit dem Hochtor, 1808

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Leopold Kupelwieser, Erzherzog Johann im Rock mit grünem Aufschlag, 1828

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Matthäus Loder, Der Ankogel bei Bad Gastein, 1827

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Matthäus Loder, Erzherzog Johann und Anna Plochl im Boot (I.), um 1824/25

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Matthäus Loder, Vermessungsarbeiten auf der Sonnschienalm, um 1820/21

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Matthäus Loder, Die Burg Strechau über Rottenmann, 1826

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Matthäus Loder, Das Gespräch bei Irdning (Verlöbnis), 1822

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Karl Ruß, Bauernpaar aus Passail, 1813

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Karl Ruß, Leobnerinnen, 1810/11

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Jakob Gauermann, Brunn bei Wildalpen, 1812

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Jakob Gauermann, Ansicht von Bad Aussee, 1821

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Thomas Ender, Ausguss des oberen Sulzbacher-Venedigers, 1829

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