Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 07.12.2018 Auktion 268 'Siebenbürgische Kunst und Rumänische Moderne'

© Auktionshaus Dr. Fischer - Heilbronn

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Vor allem mit einer Stuttgarter Privatsammlung konnte Irene Lehr bei ihrer Auktion mit Kunst des 20. Jahrhunderts punkten

Ganz konstruktiv



Das war ein Fest für die konkret-konstruktivistische Kunst. Fast ausverkauft, hieß es für den Abschnitt „Konstruktive Tendenzen“, mit dem die Berliner Auktionatorin Irene Lehr ihre vergangene Versteigerung beendet hatte. Von den darin zusammengefassten 145 Kunstwerken einer Stuttgarter Privatsammlung konnte sie 139 losschlagen und somit eine extrem hohe Zuschlagsquote von fast 96 Prozent erreichen. Bei günstigen Schätzungen kamen auch gute einzelne Ergebnisse heraus. Vor allem die ZERO-Künstler und ihr Umfeld, die in den 1960er Jahren die klassische Malerei zugunsten neuer thematischer Bildformen aufgaben, stießen auf rege Nachfrage. Preislicher Höhepunkt waren die 29.000 Euro für Walter Leblancs „mobilo-static (Torsion)“. Der Franzose hatte dafür um 1965 gelbes Polyvinylband über einen schwarzen Kasten gespannt, einmal gedreht und die sonst plane Bildfläche zu einer dreidimensionalen geometrischen Struktur geöffnet. Angedacht waren hierfür nur 9.000 Euro. Ähnlich erging es Adolf Luthers quadratischem „Spiegelobjekt“ aus 49 kleinen konvexen Spiegeln von 1967/68, das sich mit dem Licht und seiner Brechung im Glas beschäftigt. Aus 12.000 Euro wurden am Ende 20.000 Euro.


Bei Helmut Federle und seinem geometrisch abgezirkelten „Corner Field Painting XLV“ von 2001 in Grau und Schwarz war der Unterschied zwar nicht ganz so groß, aber mit einem Zuschlag von 22.000 Euro immer noch einträglich (Taxe 18.000 EUR). Abnehmer fanden zudem alle 31 Positionen von Hermann Glöckner, zumeist über den Taxen. Begehrt waren vor allem seine „Faltgrafiken“ aus den 1970er und frühen 1980er Jahren, bei denen Glöckner die durch die Faltungen ausgeschiedenen Flächen zusätzlich mit kräftigen Grundfarben hervorgehoben hat. So kam seine „Durchdringung in Schwarz und Weiß vor Rot“ von 1971 auf 10.500 Euro, seine „Schwarze und rote Klammer“ vor 1981 auf 9.500 Euro und „Aufwärts“ von 1981 auf 7.500 Euro (Taxe je 5.000 EUR). Selbst seine farblich noch unbearbeitete „Spitze Verklammerung“ von 1980 entlockte den Bietern 8.000 Euro (Taxe 3.000 EUR). Auch die Druckgrafik trug mit Josef Albers’ grau-gelber Quadratschachtelung „I-S LXXIIIb“ von 1973 für 2.100 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder Heinz Macks serieller Reihung „Struktur in Schwarz (Vibration I)“ von 1959 für 2.200 Euro zum Gelingen der Auktion bei (Taxe 900 EUR).

Mit einer vergleichbaren Wiederholung desselben Musters gestaltete Herbert Zangs sein fischgrätartiges „Scheibenwischerbild in Rot“, das sich bei 3.400 Euro gut behauptete (Taxe 800 EUR). Diesen Wert spielte auch Ludwig Wildings kleinteilig und verwirrendes Fadenmuster auf runder serigrafierter Plexiglasscheibe von 1967 ein, die mit dem darunter liegenden serigrafierten Karton ein optisches Verwirrspiel erzeugt (Taxe 1.800 EUR). Walter Giers war mit seinen elektronischen Schöpfungen erfolgreich, die ebenfalls das Licht zum Thema haben, so mit dem technoiden „Stroboskopbild“ von 1969 bei 4.200 Euro (Taxe 1.000 EUR) oder der zufallsprogrammierten „Lichtwölbung“ von 1978 bei 5.400 Euro (Taxe 3.000 EUR). Als „Lichtmalerei“ ist Kuno Gonschiors serieller Farbraum in dunklem Grünblau von 1984/85 zu verstehen, der mit kurzen Pinselstrichen Wahrnehmungsphänomene untersucht. Hier schaukelten sich die Gebote der Sammler auf 4.800 Euro hoch (Taxe 3.000 EUR).

Wie Leblanc arbeiteten etliche Künstler mit der Erweiterung der Bildfläche in den Raum, etwa Jiri Hilmar bei seiner schwarz-weißen Papierfaltung „4/4“ von 1970 für 3.800 Euro (Taxe 4.000 EUR), Henk van der Plas bei zwei weißen quadratischen Multiples mit schwarzen Quadratstrukturen von 1979 für 1.300 Euro (Taxe 500 EUR) oder Klaus Staudt bei seiner schattenwerfenden Papierfaltung „remember“ von 2011 für 2.600 Euro (Taxe 1.800 EUR). Solchermaßen ging Alan Reynolds 1984 bei seinem nun 3.200 Euro teuren Relief „Structures – Group II (7)“ vor; hier sind es zarte schwarze Schattenlinien, die die weiße Fläche unterteilen (Taxe 1.500 EUR). Die Dreidimensionalität hat dann Erich Hausers scharfkantige und spitze Edelstahlplastik „Artline Design 1“ von 1987 erreicht, die es auf 3.200 Euro brachte (Taxe 2.000 EUR).

In die „Konstruktiven Tendenzen“ waren auch einige Positionen eingereiht, die eher der gestischen Malerei zuzuordnen sind, sich aber dennoch gut schlugen, darunter Giuseppe Spagnulos kraftvolle schwarze Pinselstriche von 1990 für 6.600 Euro (Taxe 3.000 EUR). Auch über die Stuttgarter Privatsammlung hinaus hatte es die informelle Kunst leicht, die Kunden zu überzeugen. Fritz Winter tat es mit seinen Farbakzenten über zarten schwarzen Pinselzügen von 1963 bei 6.500 Euro (Taxe 4.000 EUR) und Fred Thieler mit der in Rot und Violett gehaltenen und zusätzlich mit Stoff collagierten Mischtechnik von 1965 bei 13.000 Euro (Taxe 10.000 EUR). Gerhard Hoehme begnügte sich bei dem verweißten „Mediator E. – zwischen Zahl und Brief“ aus der Serie der „Damastbilder“ samt heraushängenden Schnüren von 1977 nicht mit 4.500 Euro, sondern erst mit 6.500 Euro. Bei Otto Greis’ dunkler „Interstellarer Nocturne“ von 1953 waren es dann 4.000 Euro (Taxe 1.200 EUR).

Auch wenn der Hauptteil der Auktion nicht mehr ganz die Spitzenverkaufsquote erreichen und die Kundschaft doch einige Positionen ohne Gegenwehr zum Limitpreis mitnehmen konnte, freute sich Irene Lehr hier immer noch über einen extrem hohen Zuschlagswert von 89 Prozent. Einige der Favoriten mussten sich mit weniger als erwartet begnügen, etwa Theodor Rosenhauers südliche Zigeunersiedlung „Baltschik“ in Bulgarien von 1971 mit 18.000 Euro (Taxe 20.000 EUR), Georg Tapperts expressionistisches „Mädchen mit Hut und Schleier“ von 1917 mit 23.000 Euro oder George Minnes symbolistische Bronze „Kniender Jüngling“ von 1898/1903 mit 30.000 Euro (Taxe je 35.000 EUR). Auch für Werner Heldts charakteristisches nachdenklich stimmendes Aquarell „Stillleben mit Stadtlandschaft“ von 1950 und Hans Baluscheks kraftvoll schnaubende „Lokomotiven“ in einem Berliner Bahnhof zur Winterzeit von 1922 gaben die Preise auf 24.000 Euro beziehungsweise 12.000 Euro nach (Taxe 30.000 und 15.000 EUR).

Auf der anderen Seite standen aber einige einträgliche Ergebnisse. Dem Rumänen Ion Tuculescu gefielen die 36.000 Euro für seine verträumt magische „Nächtliche Landschaft“ von 1943 (Taxe 15.000 EUR), Ernst Thoms die 12.000 Euro für seine veristische Gouache „Arbeiter an der Bar“ (Taxe 4.000 EUR) und Adolf Hölzel, der sich insgesamt recht wacker schlug, die 20.000 Euro für seinen Glasfensterentwurf „Abstrakte Komposition nach dem Septimenschlüssel“ von 1932 (Taxe 12.000 EUR). Aus der Klassischen Moderne konnten zudem noch Philipp Bauknechts gemäßigt expressive Bergwelt „Davoser-See mit Seehorn“ um 1916 bei 8.000 Euro zum Doppelten der Schätzung, Paul Kuhfuss’ ebenfalls ruhig liegender „Achensee“ in Tirol von 1926 bei 7.000 Euro (Taxe 3.000 EUR) oder Kurt Haase-Jastrows farblich aufgewühlter Obersee in seinem Gemälde „Berge in den Alpen“ von 1922 bei 2.200 Euro überzeugen (Taxe 2.000 EUR). Harry Deierling stellte seine Strandansicht mit mehreren unaufgeräumt abgestellten „Booten“ von 1927 für 5.500 Euro zur Verfügung (Taxe 5.000 EUR) und Max Schlichting seine Uferpromenade in Venedig mit Blick auf Santa Maria della Salute von 1902 in ausgesuchtem Kolorit für 2.400 Euro (Taxe 800 EUR).

Unerwartet waren die 7.000 Euro für den Farbholzschnitt „Vor dem Chion-in, Kyoto“ aus dem Jahr 1900, bei dem sich Emil Orlik thematisch und formal von japanischer Kunst inspirieren ließ. Anvisiert waren hier nur 1.000 Euro. Auch die Kühle der Neuen Sachlichkeit war gefragt. So wanderte der „Spaziergänger“ in Neuruppin von Ernst Fritsch aus dem Jahr 1923 erst bei 4.500 Euro davon (Taxe 4.000 EUR), Walter Nesslers stille Stadtansicht des Albertplatzes in Dresden von 1937 spielte 3.400 Euro ein (Taxe 1.000 EUR), und Rudolf Schlichters Bleistiftzeichnung der kessen „Rita“ in Rückenansicht aus den 1920er Jahren lugte für 2.300 Euro über ihre Schulter (Taxe 1.200 EUR). Selbst der unbekannter Maler der Neuen Sachlichkeit, der um 1930 einen Jungen und ein Mädchen auf einer Holzkiste im Atelier mit großen Augen und auf der Rückseite eine weite Elblandschaft malte, war über die 6.500 Euro frohgemut (Taxe 4.000 EUR).

Durch die verschiedenen Stilphasen hindurch war auch die Gattung Stillleben gesucht, so Hermann Max Pechsteins Tuschezeichnung „Stillleben mit Birnen und Cognacflasche“ von 1943 für 2.200 Euro (Taxe 2.800 EUR) und Erich Lindenaus neusachlicher „Getrockneter Wiesenstrauß mit reifen Quitten“ von 1947 für 2.500 Euro (Taxe 2.000 EUR). In die 1950er datierte dann schon Ernst Hassebrauks bunt-heiteres „Stillleben mit Hortensie und Paradiesvogel“, das 2.400 Euro erzielte (Taxe 2.000 EUR). Neoexpressiv wurde es mit Marwans pastosem „Kleinem Stillleben mit Tisch“ von 1982 für 6.800 Euro (Taxe 3.000 EUR), dem Farbholzschnitt „Stillleben mit Krügen“, den Markus Lüpertz mit Aquarellfarbe und Ölkreide übermalt hat, für 3.200 Euro (Taxe 2.200 EUR) und Karl Horst Hödickes „Stillleben mit Reibe und Presse“ von 2003 für 6.500 Euro (Taxe 6.000 EUR) sowie Bernhard Heisigs Blumenstrauß aus Rosen in Rottönen vor strahlend gelbem Tuch von 1975 für 14.000 Euro (Taxe 18.000 EUR). Kein Glück hatte Heisig indes mit dem Soldaten auf seinem Gemälde „Zu Woyzeck“ von 2004 bei 24.000 Euro.

Anderen Künstlern aus der ehemaligen DDR war mehr Erfolg beschieden, allen voran Harald Metzkes, der seine vier Positionen komplett abgeben konnte. Für sein 1986 entstandenes „Briefleserstillleben“ mit zwei Äpfeln und roter Wasserkanne heimste er 4.400 Euro (Taxe 3.000 EUR) und für sein melancholisches Selbstportrait als Harlekin von 1955 gute 20.000 Euro ein (Taxe 15.000 EUR). Dem Menschenbild hatten sich zudem noch Horst Strempel 1946 mit seinem düsteren Nachkriegsbild „Kinder“ aus der wichtigen Serie „Nacht über Deutschland“ für 7.000 Euro und Eberhard Göschel 1975 in seiner monochrom hellbraunen „Warschauer Pietà“ für 4.800 Euro gewidmet (Taxe 2.000 EUR). Mahnend ging es auch in Herbert Kitzels Gouache „Rufer III“ um 1955, die sich von 1.500 Euro auf 2.700 Euro verbesserte. Josef Hegenbarth schuf um 1949 dagegen mit seiner für 5.200 Euro verkauften Gouache von Baron Münchhausen, der sich und sein Pferd soeben an den Haaren aus dem Sumpf zieht, eine heiter-ironische Illustration zu der gleichnamigen Erzählung. Johannes Heisig zeigte sich 1982 in seinem Selbstportrait „Summertime Blues“ völlig unbekleidet und damit verletzlich, was die Bieter mit 7.500 Euro honorierten (Taxe 5.000 EUR).

Die Abstraktion gab es aber auch in der DDR. Dafür steht neben Glöckner etwa Carlfriedrich Claus, der 1977 auf seinen zehn Blättern der Mappe „Aurora“ zu Zitaten verschiedener Autoren kleinteilige, versponnene Welten erschuf. Sie brachte es auf 4.800 Euro. Von Max Uhligs titelgebendem „Busch im Feld“ ist auf der aus dichten Schraffuren aufgebauten Leinwand von 1992 auch nichts mehr zu erkennen. Hier kamen 4.500 Euro zusammen (Taxe je 4.000 EUR). Etwas höher notierte Stefan Plenkers’ gleichfalls unkenntliche „Maskerade II“ von 1989 mit 4.700 Euro (Taxe 4.500 EUR). Aus Italien traten noch Mario Bionda mit seiner wolkigen Strichzeichnung von 1958 für 1.100 Euro (Taxe 400 EUR) und Giorgio Griffa mit seinen sieben ausfransenden violetten Vertikalen von 1981 für 12.000 Euro hinzu (Taxe 5.000 EUR). Auch Lucio Fontanas kleine Gelegenheitsarbeit, für die er um 1955 auf dem Papier des Albergo Italia im ligurischen Carcare fünf Löchlein bohrte, blieb nicht unentdeckt und verließ das Berliner Auktionshaus erst bei 6.500 Euro (Taxe 2.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



12.05.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


25.04.2015, Kunst 20. Jahrhundert - Moderne Kunst aus Lateinamerika

Bei:


Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Bericht:


Eisenbahnen, also bin ich

Kunstwerk:

George Minne, La Grand Agenouillé (Kniender Jüngling), 1898/1903
George Minne, La Grand Agenouillé (Kniender Jüngling), 1898/1903

Kunstwerk:

Adolf Hölzel, o.T. (Entwurf für das Fenster: Abstrakte Kompositionen nach dem Septimenschlüssel), um 1932
Adolf Hölzel, o.T. (Entwurf für das Fenster: Abstrakte Kompositionen nach dem Septimenschlüssel), um 1932







Adolf Hölzel, o.T. (Entwurf für das Fenster: Abstrakte Kompositionen nach dem Septimenschlüssel), um 1932

Adolf Hölzel, o.T. (Entwurf für das Fenster: Abstrakte Kompositionen nach dem Septimenschlüssel), um 1932

Taxe: 12.000,- EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 205

George Minne, La Grand Agenouillé (Kniender Jüngling), 1898/1903

George Minne, La Grand Agenouillé (Kniender Jüngling), 1898/1903

Taxe: 35.000,- EURO

Zuschlag: 30.000,- EURO

Losnummer: 335




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce