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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

In der ehemaligen Klosteranlage Salem am Bodensee haben neue Museen eröffnet, deren Spannbreite von Meisterwerken der Kunstgeschichte bis hin zu technikhistorischen Objekten reicht

Mönche als Technikfreaks



Kloster und Schloss Salem

Kloster und Schloss Salem

Schwer schlug das Schicksal in der kalten Nacht vom 9. auf den 10. März 1697 zu. Ein schadhafter Ofen in einer Gesindestube verursachte einen rasch über Abtei- und Konventgebäude des Klosters Salem herziehenden Großbrand. Nur mit Mühe konnte das Übergreifen auf die Münsterkirche verhindert werden. Denn nach dem Brandausbruch herrschte Chaos; die Zisterziensersmönche vermochten keine geordnete Feuerbekämpfung zu organisieren. Eine aus Überlingen beorderte Spritze kam zu spät. Die zwischen 1615 bis 1622 von Balthasar Seuff errichteten Klostergebäude wurden völlig zerstört. Bereits am 30. April 1697 schlossen die Mönche mit dem Vorarlberger Baumeister Franz Beer den Vertrag für einen bis 1707 realisierten Neubau. Hierbei war nun vorbeugender Brandschutz angesagt. Massive Backsteingewölbe, Steinplattenböden in den Gängen und effiziente Wasserleitungen gelangten zur Ausführung, mehr noch: Repräsentativ wurden in den Toreinfahrten des Mittelrisalits der Prälatur zwei große Feuerspritzen aufgestellt.


Die um 1700 von der Konstanzer Spritzenbaufirma Rosenlecher gefertigten High-Tech-Geräte, mächtige Maschinen auf zweiachsigem Fahrwerk, eine davon mit großem Wasserkasten, waren flexibel und rasch einsetzbar. Alle Eintretenden müssen auch heute noch an der „Klosterfeuerwehr“ vorbei, die als Zeichen des Fortschritts ein Gefühl der Sicherheit vermittelte. Die fotogenen Spritzen bildeten den Grundstock weiterer Anschaffungen von Geräten und Ausrüstungsgegenständen zur Brandbekämpfung. 1976 konnte in Salem das erste Feuerwehrmuseum eröffnet werden. Heute umfasst der Fundus 2.500 Objekte, darunter über 60 große Spritzen. Die Sammlungen wurden im vergangenen Jahr neu geordnet und zeitgemäß arrangiert.

Vorbei an den erhaltenen historischen Spritzen der Feuerwache in der Prälatur bietet sich dem Besucher eine kurze Abfolge der Brandbekämpfungsgeschichte. Über Jahrhunderte wichtigstes Löschgerät war die Menschenkette zur Weiterreichung von Ledereimern, abgelöst von zunächst hölzernen, später aus Bronze oder Messing gefertigten Stockspritzen. Geradezu symptomatisch für die Verbindung von Kunst und Technik scheint das in den Parcours eingefügte Deckenfresko Cosmas Damian Asams aus der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Amberg von 1717, wo der Barockmaler eine hölzerne Spritze im Einsatz festhielt. Da vor allem Glockengießer nötige Guss- und Verarbeitungstechniken nicht rostender Metalle für Zylinder, Kolben, Stahlrohre beherrschten, spezialisierten sich viele von ihnen auf die Produktion immer leistungsfähigerer Handdruckspritzen, die bald auf von Menschen oder Pferden gezogenen Fahrgestellen montiert wurden. Weitere Flexibilität sowie zielgerichtete Brandbekämpfung bot der Ersatz von Stahlrohen durch genähte Lederschläuche, die ab dem 17. Jahrhundert zum Einsatz gelangen.

Viele dieser Details mitsamt einer Anzahl großer, auf Fahrgestellen montierter Spritzen leiten zu Highlights der bildenden Künste jener Zeit über. Mehrere Dutzend Gemälde und Plastiken des Hochparterresaales führen die Geschichte und Ausstattung des Klosters vor Augen. Die Exponate im Klostermuseum gruppieren sich um einen tänzelnden Zyklus aus sieben erhaltenen von ursprünglich acht Skulpturen mit ausdrucksstarker Mimik und raumgreifender Erregung. Die bewegten Figuren, sechs männliche und eine weibliche Gestalt, stammen aus einem antikisierenden Bildprogramm des Jahres 1735, das der Barockkünstler Joseph Anton Feuchtmayer für den Marstall schuf.

Seit September vergangenen Jahres hat das Badische Landesmuseum Karlsruhe in der Prälatur die Ausstellung „Meisterwerke der Reichsabtei“ eingerichtet. Eines der Glanzstücke ist der Salemer Marienaltar des Memminger Meisters Bernhard Strigel, der nun nahezu an den ursprünglichen Standort zurückgekehrt ist. Für die Maria geweihte Siechenkapelle von Abt Johannes II. 1507/08 in Auftrag gegeben, überlebte er den Großbrand des Klosters, wurde aber in mehrere Stücke zerstreut, die Kapelle im 18. Jahrhundert abgerissen. Nun präsentiert sich das Werk aus der Übergangszeit zwischen Gotik und Renaissance nach 500 Jahren wieder komplett. Die Verbindung von Merkmalen Albrecht Dürers mit innovativen malerischen Ansätzen altniederländischer Kunst, vor allem aber die als älteste nächtliche Szene in der deutschen Kunstgeschichte geltende Darstellung der Geburt Christi begründen den Wert von Strigels Malerei.

Unter den weiteren Schnitz- und Goldschmiedearbeiten, Historiengemälden, Bauspolien und Zeichnungen ist vor allem ein raumhohes hölzernes Entwurfsmodell des Baumeisters Johann Caspar Bagnato von Interesse, den Abt Anselm II. 1753 mit dem Entwurf eines neuen Vierungsturmes beauftragte. Aus statischen Gründen musste der 60 Meter hohe, mit 16 Glocken bestückte Turm 1807 wieder durch einen kleinen Dachreiter ersetzt werden. Virtuelle Animationen verdeutlichen im Folgenden einzelne Phasen der schlossartigen Anlage aus zwei Vierflügeltrakten, die ein lang gestreckter Mittelbau verbindet.

In einer ehemaligen Scheune des Sennhofs setzt sich die museale Präsentation fort. Hier fanden nun die vormals eng und unübersichtlich aufgestellten Stücke des Feuerwehrmuseums ausreichend Platz. In der unteren Halle demonstrieren große Spritzenwagen die Entwicklung vom Muskelkrafteinsatz hin zu dampfbetriebenen Pumpen und Spritzen, vom Pferdewagen und dessen Ablösung durch Dampfantrieb ab 1901 bis hin zum Einsatz des Verbrennungsmotors ab 1911. Bereits im 19. Jahrhundert legten gummierte Schläuche die Grundlage für längere Einsatzdauer, größere Wurfweite und stetige Wasserförderung. Im Obergeschoss schlagen vielfältige Exponate den Bogen über die Geschichte des Meldewesens, Organisation oder Personaleinsatz in die heutige Zeit.

In dem ausgedehnten, in weitläufige Gartenanlagen eingebetteten Ensemble, in dem aktuell 450 Menschen leben und arbeiten, sind neben den Museen heute die 1920 etablierte Internatsschule, ein Brennereimuseum, eine Glaswerkstatt, eine Schmiede, ein Weinkeller und Räume des Weingutes „Markgraf von Baden“, die großherzogliche Domänen-, Forst- und Wirtschaftsverwaltung und kunsthistorisch bedeutende Raumgruppen in originaler Ausstattung beheimatet. Vor allem die hochgotische Basilika mit ihrer klassizistischen Alabasterausstattung sollte man sich ebenso wenig entgehen lassen wie den fürstlich ausgelegten historischen Marstall aus dem Jahr 1730.

Das vor kurzem restaurierte ehemalige Sommerrefektorium mit seinen prächtigen barocken Stuckaturen variiert zwischen klösterlicher Askese und dem Bedürfnis nach Repräsentation. Hier in der Residenz des Prälaten, also des Abtes, führt der Rundgang durch die recht einfach ausgestatteten Treppenhäuser und Gänge, die klassizistische Bibliothek, das Vor- und Sekretärzimmer, durch das gleichfalls im zarten Rokoko ausstaffierte Empfangszimmer, das Schlafzimmer, die Privatkapelle und das Audienzzimmer in den Kaisersaal als prächtigsten Raum der Prälatur. Überlebensgroße Statuen von Königen und Kaisern sowie Büsten von Päpsten feiern den herausragenden Status der Reichsabtei.

Hervorgegangen aus einer 1134 begründeten Stiftung wuchs das rasch zur Konsistorialabtei avancierte Zisterzienserkloster. Reichsfrei und vom Konstanzer Bischof unabhängig, ausgestattet mit Privilegien, war Salem eine ansehnliche wirtschaftliche und kulturelle Blüte beschieden. Dies bildete die Grundlage für den Aufstieg zu einem der reichsten und mächtigsten Klöster. Im Zuge der Säkularisation 1802 an das Haus Baden fallend, residiert bis heute die badische großherzogliche Familie im rückwärtigen Trakt mit den Fürstenzimmern der Prälatur, der in ihrem Eigentum verblieb. Alle anderen Bestandteile fielen im Rahmen eines Teilverkaufs im Jahr 2009 an das Land Baden-Württemberg unter Obhut der Staatliche Schlösser und Gärten. Als Zweigmuseum werden die kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe betreut.

Das Kloster und die Museen in Salem sind in den Sommermonaten bis zum 1. November täglich von 9:30 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags ab 10:30 Uhr geöffnet. In den Wintermonaten bis Ende März samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Neueinrichtung der Museumssammlungen ist ein Begleitband erschienen, der im Shop im Eingangspavillon 24,95 Euro kostet.

Kontakt:

Kloster und Schloss Salem

DE-88682 Salem

Telefon:+49 (07553) 916 53 36

Telefax:+49 (07553) 916 53 37

E-Mail: schloss@salem.de



04.05.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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historische handgezogene Handdruckspritzen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts im Saal der Prälatur
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Die neu arrangierte Sammlung großer
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Bernhard Strigel, Der Salemer Marienaltar, 1507/08
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Das Schlafzimmer des Abtes

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Ledereimer samt Eimerkette beim Löschen

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Cosmas Damian Asam, Stockspritze im Einsatz, 1717

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Ansicht vom Kloster und Schloss Salem von Süden

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Das Sekretärzimmer des Abtes

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Bernhard Strigel, Der Salemer Marienaltar, 1507/08

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Architekturmodell des dreigeschossigen Vierungsturmes von Johann Caspar Bagnato

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Der Abtsalon in Kloster Salem

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Gesamtanlage von Kloster und Schloss Salem aus der Luft

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Der Kaisersaal in Schloss Salem

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historische handgezogene Handdruckspritzen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts im Saal der Prälatur

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