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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik Alter Meister sowie des 19. Jahrhunderts stehen bei Karl & Faber auf dem Plan

Dürers große Theorien



Franz Anton Maulbertsch, Christus erscheint dem heiligen Thomas, 1764

Franz Anton Maulbertsch, Christus erscheint dem heiligen Thomas, 1764

Gut aufgestellt ist das Programm des Münchner Auktionshauses Karl & Faber für seine kommende Versteigerung mit alter Kunst. Die annähernd 400 Losnummern setzen sich aus einem vielfältigen Allerlei teils großer und kostspieliger Berühmtheiten sowie nicht ganz so namhafter Künstler zusammen, deren Arbeiten auch Besitzer übersichtlicher Geldbeutel zum Kauf anregen. Spannend für Liebhaber süddeutscher Rokokomalerei ist eine Wiener Privatsammlung. Teils musealen Charakter haben die Gemälde, die als Bozzetti für Kirchenausstattungen dienten und neutestamentarische Szenen, Martyriumsdarstellungen oder Klosterstiftungen schildern. Besonders glanzvoll sticht die Szene „Christus erscheint dem heiligen Thomas“ von Franz Anton Maulbertsch heraus. Die Ölskizze von 1764 markiert die Grundlage für den Auftrag eines Hochaltargemäldes in der Augustinerkirche St. Thomas im mährischen Brünn. Maulbertsch wählte einen dunklen, gotischen Innenraum, aus dem die zentrale Figur des auferstandenen Christus’ schlaglichtartig hervortritt. Die expressive Physiognomie und die große Farbpalette des Inkarnats zeugen von der virtuosen Meisterschaft des Künstlers. Links zu Christus kniet Thomas im Halbschatten und richtet seinen Arm in Richtung der Seitenwunde des Heilands; einige Apostel ringen sich um das Geschehen. Die durch die Lichtregie sowie die vielen bewegten Gesten aufgebaute Dramatik unterstreicht die mystisch-bewegte Gesamtkomposition. Das österliche Gemälde war bis zum Jahr 1982 im Niederösterreichischen Landesmuseum öffentlich ausgestellt und kam im Anschluss über das Wiener Dorotheum in die heutige Privatsammlung. Wer sich dieses Schmuckstück sichern will, sollte 80.000 bis 120.000 Euro bereithalten.


Gemälde Alter Meister

Ebenfalls aus jener Sammlung, deren Aufbau der 2010 verstorbene Kunsthistoriker und Museumsdirektor Rupert Feuchtmüller betreut hat, stammt „Das Martyrium der heiligen Agathe“ von Johann Wolfgang Baumgartner. Die Ölskizze ist ein um 1762 entstandener bewegt-dramatischer Entwurf für ein augsburgisches Kalenderblatt und geht für 13.000 bis 15.000 Euro ins Rennen. Dazu gesellt sich Baumgartners „Martyrium des heiligen Hilarius“, eine Stichvorlage für Joseph Giulinis „Tägliche Erbauung des wahren Christen“, die zwischen 1753 und 1755 als Quartalsbände von der Gesellschaft der freien Künste und Wissenschaften in Augsburg herausgegeben wurde (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). Johann Michael Holzhey schuf um 1757 seine „Stiftung des Benediktinerklosters in Isny“, ein Modell für das Hauptfresko im Mittelschiff der ehemaligen Benediktinerkirche St. Georg in Isny (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Die günstigen Arbeiten in dieser kohärenten Sammlung sind die Pendants „Die Auferweckung des Lazarus“ und „Christus erlöst die Heiden“, die der Eichstätter Maler Johann Chrysostomus Winck in ebenfalls ungestümen Gestus wohl für die private Andacht ausfertigte (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR).

Zu dieser Privatsammlung würde auch die Grisaille „Der heilige Joseph mit dem blühenden Reis, kniend vor Engel“ passen, die Johann Georg Bergmüller zugeschrieben wird (Taxe 2.500 EUR). Feine flämische Malerei kommt von Theobald Michau zum Aufruf, der sich bei seiner „Hügeligen Landschaft mit Kirchgängern im Abendrot“ noch im 18. Jahrhundert am Breughel-Stil orientierte. Zart und geschmeidig wirkt der Pinselstrich, mit dem die zierlichen Figürchen in den Vordergrund der warm-dämmrigen Landschaft gesetzt wurden. Über ihren Köpfen ragt ein kleiner Hügel empor, an dessen Spitze eine Kirche steht, die ebenfalls von feingliedrig gearbeiteten Menschen umringt wird. Das anmutige, freundliche Kolorit und die friedliche Stimmung des gemeinschaftlichen Beisammenseins der einfachen, in Bauernkleidung gehüllten Menschen könnten bis zu 18.000 Euro einbringen. Ebenfalls flämisch sind die Pendants mit Blumensträußen in venezianischen Glasvasen, die nach einer Vorlage von Daniel Seghers in Öl auf Kupfer gearbeitet wurden (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Gemälde Neuerer Meister

Johann Nepomuk Mayrhofer schuf um 1800 ebenfalls ein reich gefülltes Stillleben mit Blumen, Früchten und Insekten. Die nachbarocke Opulenz der Komposition spricht für sich, die saftigen Früchte und blühenden Blumen erreichen durch den dunklen Hintergrund eine zusätzliche optische Steigerung (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). Friedrich Nerly ist derweil für eine Ölmalerei mit dem vielsagenden Titel „Glaube, Liebe, Hoffnung“ verantwortlich. In Form eines nächtlichen Friedhofs sucht er in diesem Frühwerk um 1830 nach der tieferen Bedeutung des Lebens. Märchenhaft blitzt hinter dunklen Baumstämmen in einem Schrein eine geheimnisvolle rötliche Lichtquelle auf, das weiße Licht des nicht sichtbaren Mondes bricht sich in der Wasseroberfläche des Hintergrunds. Visionär sucht der Künstler nach Erlösung, eine aus der Komposition herausragende Steinsäule, die von einem Kreuz bekrönt wird, soll Abhilfe schaffen und den Betrachter den christlichen Glauben nahebringen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

1856 stellte Gustav Adolf Hahn in seinem Ölgemälde „Venedig, am Campo de l’Abazia“ das Eingangsportal des Corte Nova aus dem 14. Jahrhundert dar. Die spätgotische in warmen Tönen geschilderte Zierarchitektur besiedelte der Maler mit zwei venezianischen Frauen und einem Fischer, die sich auf den Stufen vor dem Portal zur entspannten Unterhaltung niedergelassen haben (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). In der Malerei des 19. Jahrhunderts fehlt Carl Spitzweg nicht. Wer ausgedehnte Wanderungen in den bayrischen Alpen liebt und dem harmonischen Zusammenspiel von Licht und Farbe zugeneigt ist, macht keinen Fehler, wenn er sich den Ölkarton „Heuernte im Hochgebirgstal“ um 1870 für bis zu 70.000 Euro sichert. Spitzwegs kleinere Arbeit „Auf dem Weg zur Alm winkt ein Bursche vorn der Sennerin in der fremden Hütte“ gibt es schon für 20.000 bis 25.000 Euro.

Mehrere Werke haben sich der alten freien Reichsstadt Nürnberg teils mit nostalgischem Zug verschrieben. Zu haben sind Friedrich Carl Mayers „Brautportal der Sebalduskirche in Nürnberg“ von etwa 1857 mit Festgesellschaft in Renaissancetracht (Taxe 1.500 EUR), Max Emanuel Ainmillers um 1830 gemalter Blick in den gotischen Chor der Lorenzkirche mit dem Sakramentshaus und dem diesmal zeitgenössisch gekleideten Personal (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), Anton Dolls schwarz gewandete Menschen in der verschneiten Karolinenstraße mit der Fassade der Lorenzkirche als Fluchtpunkt (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder August Fischers idyllische Sicht von einer Wäscherin am Pegnitzufer über mittelalterliche Häuser auf die mächtige Kuppel der 1874 eingeweihten Synagoge am Hans-Sachs-Platz (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Dann dominiert noch die oberbayrische Voralpenlandschaft. Otto Fedder legt im Jahr 1900 die Horizontlinie mit den Bergen im Hintergrund recht hoch und lässt darunter die Isar fast versickern (Taxe 2.000 EUR). Während Ludwig Willroider für seinen „Vorfrühling am Starnberger See“ einen Landschaftsausschnitt wählt (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), bieten Eduard Schleich d.Ä. bei seinem Chiemsee im Sonnenuntergang und Fritz Bamberger bei seinem Starnberger See mit Anglerstaffage weite Panoramablicke (Taxe je 2.500 EUR). Eine duftige Landschaftsstimmung offeriert Charles-François Daubigny mit der „Vieille Route à Auvers“ unter Regenwolken für 12.000 bis 15.000 Euro. Hans Thoma steuert noch seine Adoptivtochter „Ella am halbrunden Fenster“ von 1887 bei (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), Otto Pilny seine steril-erotische „Orientalische Wüstenszene mit Sklavin“ bei (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR), und mit Louis Abel-Truchets gedeckten Tisch auf sommerlicher Wiese gelangt man schon in nachimpressionistische Gefilde (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Grafik und Zeichnungen Alter Meister

So richtig auftrumpfen möchte das Auktionshaus mit dem allzeitbeliebten Evergreen Albrecht Dürer. Ein besonderer Hingucker sind seine drei kunsttheoretischen Schriften in den deutschen Ausgaben. Ursprünglich aus der Sammlung des englischen Architekten und Entwerfers Charles Robert Ashbee gelangte der seltene Erstdruck in Schweizer Privatbesitz. Die Abhandlungen „Underweysung der messung, mit dem zirckel un richtscheyt“, „Etliche underricht, zu befestigung der Stett, Schlosz, und Flecken“ und „Hierin sind begriffen vier bücher von menschlicher Proportion“ gehören zu den Höhepunkten europäischer Buchkunst und erlauben tiefe Einblicke in die wissenschaftlichen Überlegungen Dürers. Der dreiteilige Sammelband, illustriert mit zahlreichen Holzschnitt und versehen mit dem wohl originalen Pergamenteinband aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts, enthält ausführliche Abhandlungen über Maßtheorien, die Proportions- und die Befestigungslehre. Wer 160.000 bis 200.000 Euro über hat, kann sich den epochalen Wälzer ins Bücherregal stellen.

An freien künstlerischen Druckgrafiken Dürers hält die Versteigerung beispielsweise den bekannten Kupferstich „Der heilige Eustachius“ für 30.000 bis 40.000 Euro, den Holzschnitt „Christus nimmt Abschied von seiner Mutter“ aus dem „Marienleben“ für 6.000 bis 7.000 Euro oder dem Kupferstich „Der heilige Georg zu Pferd“ von 1505/08 für 20.000 bis 25.000 Euro bereit. In diese Preiskategorie greift auch Dürers frühes Memento Mori „Das Wappen mit dem Totenkopf“ bei 20.000 bis 30.000 Euro aus. Noch in die späte Gotik datiert Martin Schongauers Darstellung des Apostel Petrus vor 1480 aus seiner Folge der zwölf Apostel (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Zudem bereichert Albrecht Altdorfer das Angebot der Druckgrafiken. Sein um 1520/30 entstandener Kupferstich „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ ist kaum briefmarkengroß und verlangt 1.000 Euro.

Aufwändiger arbeite Hans Baldung Grien um 1514 seinen Holzschnitt „Der Engel vertreibt Adam und Eva aus dem Paradies“ aus. Der tiefschwarze Druck lebt von der Dynamik der Schilderung. Der strafende Engel kommt von links ins Geschehen, sein rechter Arm ist erhoben, seine Hand hält ein großes Schwert. Adam erscheint als Rückenakt, Eva hingegen zeigt dem Betrachter ihr verzweifeltes Gesicht (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Dass sich nicht nur Dürer mit der Melancholie beschäftigte, beweist die kleinformatige „Melencolia“ von Hans Sebald Beham aus dem Jahr 1539. Der Kupferstich mit der geflügelten und sinnierenden weiblichen Gestalt ist eines der Hauptblätter des Renaissance-Künstlers und möchte 10.000 bis 12.000 Euro sehen. Mehr zur Sache geht es bei seinem unzüchtigen Paar von 1529; doch der Tod hat sich ihnen schon genähert (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Charakteristisch in Themenwahl und Darstellungsart für den Manierismus ist Allaert Claesz’ Kupferstich „Eine nackte Königin auf dem Thron, von einem Drachen bedroht“ von 1553 (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR).

Bei Rembrandt Harmensz van Rijn steht dann wieder die Selbstbefragung als Mensch und Künstler im Vordergrund. Dafür listet der Katalog etwa die kleinformatige Radierung „Selbstbildnis mit glatt herabfallendem Kragen“ um 1631 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR) und das ebenso etwas fragende „Selbstbildnis mit Pelzmütze“ von 1630 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Daneben gibt es von Rembrandt die Personenschilderungen „Junger Mann mit Samtbarett“ von 1637, hinter dem man den etwas verfrorenen Theologen und Prediger Petrus Sylvius vermutet (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), „Ein Bettler mit einem hohen Hut, auf einen Stock gelehnt“ von 1639 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) oder „Bärtiger Greis mit Pelzmütze“ von 1631 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Giovanni Antonio Canal ist für sieben radierte Veduten aus Venedig verantwortlich. Die Schätzungen beginnen bei 1.600 Euro für den „Mercato al Dolo“ und ziehen sich bis zu 2.500 Euro für die „Procuratie Niove e S. Ziminian V“ hinauf. Als sächsischer Hofmaler brachte sein Neffe Bernardo Bellotto die venezianische Vedutenkunst mit nach Dresden und nahm 1750 die barocke Stadtanlage eindrucksvoll in der „Perspective de la Place de la grande Garde“ mit der Frauenkirche am rechten Bildrand auf (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR).

Im Bereich der Aquarelle und Zeichnungen können vor allem Frans Snyders und sein Stillleben mit Fischotter, Hummer, Krebsen, Austern und Fischen auftrumpfen. Für das in brauner Feder, schwarzer Kreide und blauer Aquarellfarbe gearbeitete Büttenblatt will ein süddeutscher Sammler 5.000 bis 7.000 Euro sehen. Ein großzügiger Strich und lebhafte Lichtführung kennzeichnen Jan Philipsz van Bouckhorsts Blatt „Christus und die Ehebrecherin“ von 1618 (Taxe 3.000 EUR). Als Vorzeichnung für eine Aquatintaradierung erstellte Georg Philipp Rugendas d.Ä. die für heutige Rezipienten ungewohnte „Fröhlichkeit im Feldlager“ (Taxe 1.500 EUR).

Der Mannheimer Künstler Johann Franz von der Schlichten portraitierte sich um 1750 unprätentiös als jungen Mann mit etwas knolliger Nase (Taxe 1.000 EUR), wohingegen Mauro Gandolfi lieber den „Kopf einer weiblichen Heiligen“ in leichter Verzückung mit Rötel zeichnete (Taxe 1.200 EUR). Auf Januarius Zicks Pastell blickt Maria in Tondo bescheiden nach unten (Taxe 900 EUR). Dramatisch geht es dann wieder in Daniel Duprés Gouache „Auf der Flucht vor einem Gewitter“ aus den 1780er Jahren zu: Vor einem Schloss, auf das zwei Reiter eiligst zustreben, tobt schon der Sturm und hat bereits einen Baum entwurzelt, der auf eine Schafherde mit Hirten zu stürzen drohte (Taxe 1.800 EUR). Franz Kobell ließ sich 1819 von einer südlichen Gebirgslandschaft mit hohen Bäumen im linken Vordergrund und einer Stadt im Mittelgrund zu einem frohgemuten Tuscheblatt inspirieren (Taxe 1.200 EUR).

Grafik und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

Dass eine Druckgrafik zu den wichtigsten Arbeiten der Neueren Meister gehört, ist selten. Wie schon vor fünf Jahren offerieren Karl & Faber das eindrucksvolle Portrait Johann Christian Reinharts, das erst in jüngerer Zeit dem spanischen Historienmaler José de Madrazo y Agudo zugewiesen werden konnte. Die Radierung zeigt den gefeierten Deutschrömer wohl um 1810 im Alter von rund fünfzig Jahren, der sich mit energisch übergeworfenem Mantel selbstbewusst dem Betrachter zuwendet, und soll 10.000 bis 12.000 Euro einspielen. Der 1761 in Hof geborene Reinhart selbst steuert die mit brauner Feder entwickelte arkadische Waldlandschaft mit Reiter und zwei Hunden von 1830 für 4.000 bis 5.000 Euro und seinen ausgewogenen Blick auf „Castella Gandolfo“ von 1792 aus der Folge „Malerisch radirte Prospecte aus Italien“ für 300 Euro bei.

Italien war seit mit des 18. Jahrhunderts das Sehnsuchtsland vieler Deutscher, die sich dort oft fest niederließen. Davon zeugen etwa noch Johann Martin von Rohdens Zeichnung eines Flussbetts mit einigen Häusern im Hintergrund und einem großen lavierten Felsen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), Rudolf Wiegmanns fein ausgearbeitetes Blatt mit der Piazetta in Venedig (Taxe 1.400 EUR) oder Friedrich Moosbruggers Blick auf das hochaufgetürmte Städtchen Subiaco mit der Brücke San Francesco im Vordergrund von 1829 (Taxe 1.800 EUR). Auch Heinrich Reinhold interessierte sich für die italienische Landschaft und fand in der Serpentara eine Baumgruppe, die er mit schwarzer Feder schraffierte (Taxe 1.200 EUR), ebenso Carl Friedrich Heinrich Werner, der 1850 die Pontinischen Sümpfe mit einigen Reihern aquarellierte (Taxe 1.800 EUR). Den Menschen rückten dagegen Carl Wagner in seinem 1824 mit Feder und Bleistift gezeichneten Mädchen in Albaner Tracht unter dem Titel „Francesca Bella“ (Taxe 1.200 EUR) und Johann Erdmann Hummel in seinem Aquarell einer abendlichen Andacht vor einem Bildstock bei Verbania um 1792/99 in den Mittelpunkt (Taxe 1.600 EUR).

Anders hat sich ein rheinischer Privatmann orientiert und in den 1960er Jahren eine Sammlung mit Aquarellen und Zeichnungen der Düsseldorfer Malerschule zusammengetragen. Deutsche Romantik spricht hier aus Caspar Scheurens Blick in ein Nebental des Rheins mit Turmruine (Taxe 800 EUR) oder Johann Wilhelm Schirmers gotischer Kirchenruine im Wald (Taxe 900 EUR), während seine zehn Jahre jüngere Studie eines entwurzelten Baumes von 1842 schon einen Zug ins Realistische aufweist (Taxe 1.500 EUR). Als Vorlage für seine Adaptionen nach Goethes „Torquato Tasso“ diente Carl Ferdinand Sohn das feine und intime Blatt „Die beiden Leonoren“ (Taxe 800 EUR). Auf eine literarische Vorlage griff auch Eduard Julius Friedrich Bendemann zurück und illustrierte 1837 aus dem Hohelied Salomos den Vers „Mein Freund ist mein und ich bin sein, der unter Rosen sich weidet“ (Taxe 1.500 EUR). Heiter und humorvoll hat Marc Louis Benjamin Vautier einen Maler mit Staffelei und Sonnenschirm gezeichnet, der in einem Städtchen von neugierigen Zuschauern umringt wird (Taxe 1.200 EUR), ebenso Anton Burger sich selbst beim Zeichnen im Atelier (Taxe 900 EUR).

Michael Zeno Diemer hat sein „Gewitter an der Küste von Ligurien“ hauptsächlich mit schwarzer Aquarellfarbe gestaltet. Mit Deckweiß erhält die stürmische Komposition, die im Hintergrund eine steil aufragende Felswand und im Vordergrund ein geneigtes Segelboot vorsieht, aufwühlende Effekte (Taxe 1.000 EUR). Franz von Stuck nutze hingegen das Schwarz seiner Kreide um 1889 für die humorvolle Schilderung eines „Spaziergangs am Abend (Faun und Nymphe)“ (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Für das „Portrait einer Dame mit Haarband und Kleid“ nutzte Stuck auch farbige Pastellkreide und gab dem Blatt einen samtig weichen Habitus. Der kesse Blick der Dame über ihre Schulter hinweg zum Betrachter sowie ihr sympathisches Lächeln hauchen dem schönen Geschöpf zusätzlich Vitalität ein. Für 12.000 bis 14.000 Euro könnte die schwarzhaarige Schönheit sich in die Herzen des Publikums lachen.

Die Auktion „Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts“ beginnt am 8. Mai um 11 Uhr. Eine Vorbesichtigung ist vom 30. April bis zum 7. Mai zu unterschiedlichen Zeiten möglich.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



30.04.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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