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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Alicja Kwade in der Kunsthalle Nürnberg

Elementar



Unter den verhältnismäßig jungen Künstlerinnen ist die 1979 im polnischen Katowice geborene Alicja Kwade derzeit eine der meistgefragten. Nach ihrem Studium an der Berliner Akademie der Künste zwischen 1999 und 2005 wurde sie bald zu einer Reihe renommierter Gruppenausstellungen eingeladen, darunter im Museum für Moderne Kunst Frankfurt 2011, im Kunstverein Hannover 2012, im Neuen Berliner Kunstverein 2013 oder in der Frankfurter Schirn 2014. Parallel fanden bereits Einzelausstellungen in bedeutenden Institutionen statt wie im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen 2010, in der Kunsthalle Bremerhaven 2011 oder 2013/14 im Haus Esters in Krefeld. Jüngst gewann Kwade den mit 10.000 Euro dotierten Hector-Kunstpreis der Kunsthalle Mannheim, der alle drei Jahre im Bereich Bildhauerei, Objektkunst und Rauminstallation vergeben wird.


Derzeit hat die Künstlerin in der Kunsthalle Nürnberg eine weitere Einzelausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum St. Gallen entstand und dort bereits bis Mitte Februar zu sehen war. Kwade bespielt in Nürnberg alle sieben verfügbaren Ausstellungsräume zuzüglich Projektraum, Foyer und Arkadengang im Eingangsbereich. Formal lässt sich ihre Kunst zunächst als ziemlich minimalistisch beschreiben. Im ersten Raum beispielsweise sind lediglich ungefähr auf Augenhöhe wie ein Fries umlaufend 1.500 Uhrzeiger von Armbanduhren so fixiert, dass jeder Zeiger gegenüber dem links vorangegangenen gleichsam um eine Stunde vorrückt. Hauptexponat des zweiten Raumes sind vier Vitrinen mit Gläsern, die den pulverisierten Inhalt von zermahlenen und in ihre jeweiligen Bestandteile getrennten Gegenständen – einem Damenfahrrad, einer Lampe und einem Radio – enthalten.

Raum drei zeigt drei grammophonartige große Trichter aus Corten-Stahl, an deren Grund jeweils ein tickender Wecker montiert ist. Im vierten Raum liegen drei Stapel mit jeweils den gleichen Metallplatten auf dem Boden: Aluminium, Zink, Blei, Kupfer, Zinn, Nickel, Silber und Gold sind in ihrer Ausdehnung jeweils nach demjenigen Wert bemessen, den sie an einem bestimmten Tag im Verhältnis zu fünf Gramm Gold besessen haben. Eine Installation aus verschiedenförmigen Sandsteinen mit dem Titel „Die Menge des Moments“ beherrscht den fünften Raum: Auf der einen Seite als säuberliche Quader hochkant aufgestellt, verwandeln sie sich gleichsam über behauene Quader, dann unvollendete und vollendete Kugeln schließlich zu Sand – wenn man die Leserichtung nicht umdrehen und die Verwandlung von Sand über Kugeln zu vollendeten Quadern sehen möchte. An der Wand hängt überdies eine tickende Uhr, bei der sich die ganze Uhr weiterdreht, der Zeiger dagegen auf seiner Position bleibt.

22 kleine Phiolen mit den Elementen, aus denen der menschliche Körper besteht, säuberlich nebeneinander appliziert und unter Glas gerahmt, bilden das „Selbstporträt“ in Raum sechs; man fühlt sich auf den ersten Blick an die Tablettenbilder Damien Hirsts erinnert. Im siebten und letzten Raum schließlich läuft die Videoinstallation „Kreisel“, bei der ein Metallkreisel sich 240 Mal in Zeitlupe um die eigene Achse dreht und auch die beim Rotieren entstehenden Geräusche durch die Verlangsamung gedehnt erklingen. Im Foyer steht ein um 180 Grad gebogenes Rennrad, bei dem also der Vorder- den Hinterreifen berührt, im Projektraum schließlich vier Lampen, die sich in einem Spiegel sozusagen selber anschauen.

Die Themen, um die Alicja Kwades Kunst kreist, sind also Zeit, Vergänglichkeit, Ewigkeit, zeitbedingter Wert, die Elemente, aus denen Alles besteht einschließlich der menschlichen Physis, und in gewisser Hinsicht auch die Vergeblichkeit menschlichen Treibens, gerade im Hinblick auf den so oft beklagten Mangel an Zeit. Umgesetzt werden diese Themen auf sinnbildliche Weise, prägnant, beschränkt auf wenige Bestandteile, aber durchaus aufwendig und nicht zuletzt sicherlich kostspielig. Manches wirkt lapidar, manches erheiternd, der Zugriff erfolgt mal ironisch, mal gewinnt man den Eindruck betonter Ernsthaftigkeit. Immer aber bleiben das Werk und seine Aussage verhältnismäßig leicht überschaubar und klar verständlich.

Es bedarf also gewissermaßen einer besonderen Antenne, um der Kunst Alicja Kwades etwas abzugewinnen. Der Autor gesteht offen, dass er über diese Antenne nicht verfügt. Die von der Künstlerin behandelten Themen sind zweifellos elementar und fundamental – man könnte auch sagen: existentiell –, die erzielten Einsichten aber auch selbstverständlich, um nicht zu sagen: trivial. Die einzelnen Schöpfungen sind in ihrer edlen Materialität und ihrem unaufdringlichen Auftreten schön anzuschauen. Es hat sich gezeigt, dass sie sich beispielsweise als hochdekorative Ausstattung von Räumen oder Gärten mit bestimmter Bezogenheit auf den jeweiligen Ort vorzüglich eignen und dort ihren passenden Platz finden. Zu tieferem Nachsinnen aber haben diese gedanklich geradlinigen, in jeder Hinsicht unproblematischen, letztlich kanten- und reibungslosen Kunstwerke nicht angeregt.

Die Ausstellung „Alicja Kwade. Warten auf Gegenwart II“ läuft bis zum 24. Mai. Die Kunsthalle Nürnberg ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, für Besucher unter 18 Jahren ist er kostenlos, ebenso mittwochs ab 18 Uhr. Ein Ausstellungsbuch wird nach Ende der Ausstellung erscheinen.

Kontakt:

Kunsthalle Nürnberg

Lorenzer Straße 32

DE-90402 Nürnberg

Telefax:+49 (0911) 231 37 21

Telefon:+49 (0911) 231 28 53

E-Mail: kunsthalle@stadt.nuernberg.de



13.04.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


12.03.2015, Alicja Kwade. Warten auf Gegenwart II

Bei:


Kunsthalle Nürnberg

Künstler:

Alicja Kwade










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