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Sturtevant in der Wiener Albertina

Rebellin der Wiederholung



Für einen Laien sind die Gemälde, Zeichnungen, Mischtechniken von Elaine Sturtevant nicht zu unterscheiden von den Vorlagen, mit denen sich die 1924 geborene US-amerikanische Künstlerin seit den frühen 1960er Jahren beschäftigte. Sturtevant wiederholte Kunstwerke von Freunden und Künstlerkollegen wie etwa Roy Lichtenstein, Jasper Johns, Andy Warhol, Frank Stella oder Joseph Beuys ganz bewusst, mit großem Gespür für die künstlerischen Novitäten ihrer Zeit und zeitnah zur Entstehung dieser Werke. Das Ergebnis sind Wiederholungen, duplizierte Originale, wobei Sturtevant ihre Adaption nur selten hinsichtlich des Formats, der Motivdetails, der Technik oder der Präsentation modifizierte.


Als das Frankfurter Museum für Moderne Kunst Elaine Sturtevant 2004 eine große Werkschau widmete, löste das noch eine ganze Reihe aufgeregter Reaktionen aus. Denn was sollte daran Kunst sein, wenn jemand akribisch kopierte, Jasper Johns’ Zahlenreihen bis ins kleinste Detail gleichsam noch einmal schuf oder Marcel Duchamps Entwurfsskizzen nebst handschriftlichen Anmerkungen eins zu eins kopierte und dem Kunstwerk damit die Aura des Auratischen nahm? Nun zeigt die Wiener Albertina, in Kooperation mit dem MMK in Frankfurt und dem Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart in Berlin und zeitgleich zu den Wiener Ausstellungen von Jasper Johns im Oberen Belvedere und zur großen Pop Art-Ausstellung im MUMOK eine Auswahl von über 100 Zeichnungen aus dem gesamten künstlerischen Schaffen Sturtevants von 1964 bis zur Gegenwart und bietet damit die Gelegenheit, die Simultaneität der Werke zu denen ihrer Zeitgenossen nachzuvollziehen.

Während der 1960er Jahre lebte und arbeitete die in Lakewood, Ohio geborene Künstlerin in New York City. Elaine Sturtevant widmete sich in dieser Zeit ihrem künstlerischen Umfeld und damit den Prototypen amerikanischer Pop Art-Künstler. In New York entstanden in den Jahren 1965 und 1966 ihre sogenannten „Composite Drawings“, für die die Künstlerin in einer Art Collagetechnik unterschiedliche Motive verschiedener Künstler auf einem Blatt zusammenfügte. So treffen Warhol „Flowers“ auf die berühmte Geste Uncle Sams „I want you for the U.S. Army“. Und wenn sie in einem weiteren Beispiel einen Frauenakt von Tom Wesselmann mit Lichtensteins „Hot Dog“ 1966 in iher Arbeit „Working Drawing Wesselmann Great American Nude Lichtenstein Hot Dog“ kombiniert, erhöht Sturtevant die sexuellen Konnotationen ungleich subtiler, als dies Kollege Mel Ramos mit seinem „Verna Burger“ ein Jahr zuvor gelang.

Elaine Sturtevant war ihrer Zeit voraus. Lange bevor der französische Poststrukturalist Gilles Deleuze in „Differenz und Wiederholung“ (1968) den Begriff des Simulacrums einführte, produzierte sie bereits Mitte der 1960er Jahre in der von männlichen Kollegen dominierten New Yorker Kunstszene ihre provozierenden Doppelgänger. Sie kopierte Andy Warhols „Flowers“, Jasper Johns’ „Flags“ oder Frank Stellas Streifenbilder und verkleidete sich für ein Fotoportrait täuschend echt als Joseph Beuys. Später baute sie Anselm Kiefers bleiernen Kampfflieger nach und beschäftigte sich noch als Achtzigjährige mit großem Gespür für die Erfolgreichen des Kunstmarkts wie Robert Gober, Paul McCarthy und Félix González-Torres.

Nicht immer ließen sich das die meist männlichen Heroen des Kunstbetriebs gefallen. Von Andy Warhol wird zwar berichtet, dass er Sturtevant seine Seidensiebe zur Verfügung stellte und auf die Frage nach seiner Technik antworte: „Keine Ahnung. Frag Elaine!“ Galerist Leo Castelli dagegen soll versucht haben, ihre Werke aufzukaufen, um sie zu beseitigen. Claes Oldenburg war wütend über ihre Wiederholung seines „Stores“ und Eva Beuys ließ gerichtlich erwirken, dass 1989 aus einer Ausstellung in der Kölner Galerie Paul Maenz ein Stuhl mit Fettecke wieder abgebaut werden musste. Ein Missverständnis, das erst nach langen Auseinandersetzungen bereinigt werden konnte.

Seit 1966 pendelte Sturtevant regelmäßig zwischen New York und Paris und wandte sich 1967 Marcel Duchamp zu, der zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Ihre Auswahl an Duchamp-Zeichnungen, die sie für ihre Zwecke adaptierte, ist signifikant. Die in Wien ausgestellte Serie der „Duchamp Rotary Discs“ illustriert überzeugend das Prinzip der gegenläufigen Bewegung wie in einem Loop. Dabei weist die Idee der animierten Zeichnungen in der Art eines optischen Spielzeugs bereits auf das Spätwerk der Videoarbeiten Sturtevants.

Sturtevant war vor allem eine Künstlerkünstlerin. Erfolg hatte sie in den 1960er und 1970er Jahren nur wenig. 1973 fand im Everson Museum im Staat New York ihre erste Museumsausstellung statt, die sich mit Gemälden, Installationen und Filmen um drei völlig verschiedene Künstler drehte: Andy Warhol, Joseph Beuys und Marcel Duchamp. Es sollte aber noch Jahre dauern, bis die subtile Strategie wert geschätzt wurde, mit der Sturtevant die unsterbliche Produzentenrolle ihrer männlichen Kollegen in Frage stellte.

1974 zeigte Eliane Sturtevant in ihrer vorerst letzten Einzelausstellung in der New Yorker Onnasch Gallery ausschließlich Werke, die in der Auseinandersetzung mit Joseph Beuys ab 1969 entstanden waren, also zu einem Zeitpunkt, zu dem wohl kaum jemand in Amerika das Werk von Beuys wirklich kannte. Erstaunlich sind vor allem ihre Aneignung von dessen Zeichenstil und der freie Umgang damit. Anschließend unterbrach Sturtevant für zehn Jahre ihre künstlerische Arbeit und zog sich komplett aus dem Kunstbetrieb zurück.

Ab Mitte der 1980er Jahre setzte Sturtevant ihr zeichnerisches Werk fort. In ihren sogenannten „Reversal Series“ widmete sie sich nochmals Roy Lichtenstein und Jasper Johns, um sich fortan mit der jüngeren Generation um Keith Haring und Paul McCarthy zu beschäftigen. Sturtevant wurde im Kontext der Appropriation Art verstanden und diskutiert, erlangte gar den Status einer Wegbereiterin jener Kunstrichtung, die in den späten 1970er Jahren die Adaption bestehender Bildideen zur künstlerischen Strategie erhob, auch wenn sie das Label für sich stets ablehnte. „Meine Kunst hat sich nicht wirklich verändert“, meinte sie lakonisch zu ihrem verspäteten Erfolg, „der gesellschaftliche, politische und Kunstmarktkontext hat sich geändert“. Im Gegenzug warf man ihr vor, nur Werke von männlichen Kollegen benutzt zu haben. „I have nothing to do with feminism“, betonte die Künstlerin zwar immer wieder, doch hat sie die Geschlechtszuordnungen des Kunstbetriebs allein durch die Ablegung ihre Vornamens schon früh überlistet.

Sturtevant, die im vergangenen Jahr starb, war eine Rebellin, die die Idee der Wiederholung mit einer kritischen Distanz zum Objekt forcierte. Der Künstlerin ging es weniger um Appropriation, als um Wiederholung durch das Infragestellen von Wahrheit und der Bedeutung von Dingen. Sie konzentrierte ihre Aufmerksamkeit auf die Essenz: nicht auf das Eigentum, sondern auf die Beziehung zwischen materiellem Besitz und Kunst. Sturtevant gelang diese subversive, befreiende Aneignung bei gleichzeitig höchster Wertschätzung für das adaptierte Werk. Sie hatte Respekt vor der Materie eines Kunstwerks und war gleichzeitig völlig respektlos. Nicht zufällig legte sie sich mit den Adaptionen zu „Krazy Kat“ nach Öyvind Fahlström, der in seinen Werken der 1960er Jahre häufig den gleichnamigen Comic von George Herriman zitierte, ein Alter Ego zu, das sich ab 1965 wie ein roter Faden durch das gesamte zeichnerische Werk Sturtevants zieht.

Die Ausstellung in der Wiener Albertina, die sich bis auf wenige Objekte und Gemälde auf das zeichnerische Werk Elaine Sturtevants konzentriert, ist naturgemäß weniger spektakulär, als ihre 2004 im Frankfurter MMK präsentierte Schau, für die das Museum komplett ausgeräumt wurde. Zudem müssen sich Sturtevants Nachschöpfungen in den neu eingerichteten „Tietze Galleries for Prints and Drawings“ der Albertina leider völlig unpassend auf einem breiten, roten Streifen über weißem Grund behaupten. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, der verlässt die Ausstellung vielleicht mit dem befreienden Gefühl, dass man die Bedeutung der Kunstgeschichte leichter nehmen sollte, vielleicht sogar auch die der Museen. Dass aber der Kunstmarkt begierig gerade das Widerständige vereinnahmt, zeigt der Auktionserfolg von Sturtevants „Lichtenstein, Frighten Girl“ von 1966, das im vergangenen November bei Christie’s in New York ungeachtet eines Schätzpreises von 600.000 bis 800.000 Dollar für brutto 3,41 Millionen Dollar verkauft wurde.

Die Ausstellung „Sturtevant – Drawing Double Reversal“ ist bis zum 10. Mai zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 11,90 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



10.04.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


14.02.2015, Sturtevant - Drawing Double Reversal

Bei:


Albertina

Künstler:

Elaine Sturtevant










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