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Ein Themenjahr des Landes Sachsen-Anhalt nimmt die Kunst der Reformationszeit in den Blick. Im Zentrum steht dabei Lucas Cranach d.J.

Mit Martin Luther vermögend werden



Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Das Muster existiert bis heute als Erfolgsgarant: Ein unverkennbarer Stil und auf Wiedererkennbarkeit angelegte und einprägsame Sujets können durchaus breite Ströme potentieller Kunstkäufer anlocken. Neben Albrecht Dürer gilt Lucas Cranach d.Ä. als der herausragende Maler der deutschen Renaissance. Mehr noch: Zusammen mit seinem Sohn Lucas Cranach d.J. erwies er sich als genialer Bildpropagandisten der Reformation und prägte das Image Martin Luthers aber auch Philipp Melanchthons für nachfolgende Zeiten. Je nach Stimmung und Anforderungen stellten die Maler Reformatoren als gütige Prediger, würdige Gelehrte, energische Rebellen oder erlöste Tote dar. Weitläufig verwandtschaftlich verbunden sowie über politische Ämter, Mitgliedschaften oder unternehmerische Betätigung weit vernetzt, verbanden sich bei den Cranachs vor 500 Jahren Religion und Kunst zur beiderseitigen Erfolgsstory. „Reformation – Bild und Bibel“ nennt sich das heuer in Sachsen-Anhalt begangene Themenjahr, dessen zentraler Beitrag die Landesausstellung zu Lucas Cranach d.J. ist. Anlässlich seines 500. Geburtstags wird dies die weltweit erste Retrospektive des bislang stets im Schatten seines Vaters stehenden Erben.


Der Weg zu perfekt agierenden Starkünstlern der Reformation gründet im fränkischen Städtchen Kronach, wo Lucas Cranach d.Ä. zu Beginn der 1470er Jahre als Lucas Maler das Licht der Welt erblickte. Nach einer Ausbildung in Wien und der Heirat stand er ab 1505 als Hofmaler in Diensten des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen und zog in Wittenberg einen professionellen Werkstattbetrieb auf. In Wittenberg nannte er sich dann „Lucas aus Crana“, etwas später dann werbewirksam „Lucas Cranach“, abgeleitet von Kronachs lateinischer Bezeichnung „urbs crana“. Der Mythos Cranach war begründet. Berühmt und europaweit bekannt wurde er als gefragter Hof- und Porträtmaler. Seine Bildnisse von Luther und Melanchthon hatten seinerzeit eine ähnliche Wirkung wie heutige Hochglanzmagazine mit Millionenauflage.

Cranach Senior und Junior setzten die Ideen und Personen der Reformation bildlich um. So wurde die regelwidrige Liaison zwischen Luther und seiner 1525 angetrauten Nonne Katharina von Bora mit einer Bildoffensive gesellschaftswürdig ausgelegt. Zeitweise beschäftigte Cranachs Werkstatt bis an die 30 Mitarbeiter. Straff organisiert, gelang ihr eine hohe Effizienz. Durch Vorlagengestaltungen diverser Typen und Szenen, die übernommen, variiert oder neu komponiert wurden, steigerte sie die Bildproduktion. Die serielle, auf Verständlichkeit angelegte Anfertigung von Gemälden innerhalb kurzer Zeit führte zu einem reichen Ausstoß von Werken in der turbulenten reformatorischen Zeit, wobei in den im Grunde bilderfeindlichen Jahren die Werkstatt trotzdem zahlreiche Aufträge erhielt.

Mit den Porträts von Luther und seinen Mitstreitern verlieh das erfolgreich agierende Kunstunternehmen der Reformation Gesichter und entwickelte neue Bildformen für den protestantischen Glauben. Ab 1518 halfen die beiden Söhne Hans und Lucas in der großen familiären Kunstmanufaktur mit, in der auch Möbel, Dekor und Designgegenstände vom Kerzenleuchter bis zum Altar im neuen Stil der Renaissance kreiert wurden. Nach dem Tod des ältesten Sohnes Hans auf einer Italienreise im Jahr 1537 übernahm der zweitälteste Lucas die Werkstattleitung. Bis zum Gang Lucas’ d.Ä. ins Exil nach Augsburg 1550 dürften Vater und Sohn gemeinsam die Aufträge abgewickelt haben.

Das Augusteum, das Vorderhaus des Wittenberger Lutherhauses, dient ab dem 26. Juni als Austragungsort der großen Ausstellung „Lucas Cranach der Jüngere – Entdeckung eines Meisters“. Die größte Schwierigkeit bei den thematisch nach mythologischen Sujets, Porträts oder religiösen Bildern gruppierten Exponaten bestand in der eindeutigen Identifizierung als jene von Lucas Cranach d.J. Da die Cranachsche Werkstatt mehr eine Marke, weniger einen individuellen Stil entwickelte, stehen Fragen der Zuordnung seit Jahren im Fokus wissenschaftlicher Diskussionen. Mittels Infrarotuntersuchungen sind die Kuratoren bestrebt, genauere Fakten zu erhalten. Sicher scheint, dass der ältere Cranach eher dicker mit dem Pinsel gemalt hat, während dem Sohn eine dünnere, krakeligere Handschrift zu eigen war. Nach Übernahme der Werkstatt durch den Sohn veränderte sich die Schwerpunktsetzung hin zu einer Dominanz explizit protestantischer Themen. Zudem werden die Darstellungen figurenreicher, aufwendiger und farbenfroher als es bei dem Älteren der Fall war. Alle ab 1550 entstandene Werke sind dagegen eindeutig dem jüngeren zuzuschreiben.

Die Ausstellung will auch anschaulich machen, wie die Werkstatt auf den Markt reagierte. Die enorme Nachfrage etwa bei Porträts bewältigte sie beispielsweise, indem mittels Serienanfertigung den gleichen Figuren lediglich individuelle Köpfe aufgesetzt wurden. Experten haben überschlagen, dass rund 5.000 Gemälde in Cranachs Werkstatt produziert wurden. Ist zunächst kein drastischer stilistischer Bruch zum älteren Cranach festzustellen, macht sich in Folge der Massenproduktion allerdings eine gewisse Verflachung bemerkbar. Biografisch versucht die Ausstellung die Annäherung an Cranach d.J. Der 1515 in Wittenberg geborene und ebendort 1586 verstorbene hatte neun Kinder aus zwei Ehen und agierte als umtriebiger wie ungemein geschäftstüchtiger Bürger inmitten eines breit angelegten beruflichen und persönlichen Netzwerkes.

Neben der Ausstellung sind weitere Arbeiten in der Mutterkirche der Reformation, der Wittenberger Stadtkirche St. Marien, zu besichtigen. Die Kirche, in der Martin Luther seit etwa 1514 predigte und in der Lucas Cranach d.J. nach seinem Tod am 25. Januar 1586 seine letzte Ruhestätte fand, wurde in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert. Nach strahlendiagnostischen Untersuchungen weiter erforscht, befreit von Übermalungen und akribisch gereinigt, zeigt sich der von Vater und Sohn Cranach gemeinsam ab 1539 geschaffene und 1547 im Chor aufgestellte Reformationsaltar nunmehr in ursprünglich heller Farbgebung. Die Gesichtszüge treten jetzt weitaus feiner hervor, die Konturen und Schattierungen folgen denen der Entstehungszeit. Neben Taufe, Predigt, und Beichte auf den Seitenflügeln setzt die Mitteltafel mit der Abendmahlszene in lutherischem Verständnis reformatorisches Gedankengut ins Bild. Weitere Gemälde vom jüngeren Cranach und Epitaphe in der Kirche gelten als bedeutende Zeugnisse der Reformationsgeschichte. Darüber hinaus lohnt sich ein Blick in die Cranachhöfe am Markt. In dem Gebäudeensemble betrieb der Maler seine Werkstatt nebst der Buchdruckerei und einem Apothekenhandel mit Papier, Farben, Wachs, Zucker, Sandstein und Gewürzen.

Da die sich Anhaltische Fürstenfamilie eng mit der Reformation verband, führte der Weg der Cranachs oft in die 40 Kilometer entfernte Residenzstadt Dessau. Sehenswert ist hier in der Johanniskirche das Dessauer Abendmahl von Cranach d.J. In dem selbstbewussten wie anspruchsvollen Zeugnis der Reformation zeigt er, wie Protagonisten der neuen Kirche mit Gottes Sohn das Abendmahl feiern. „Cranach in Anhalt“ lautet der Titel einer Ausstellung in der Anhaltischen Gemäldegalerie zu Dessau, die ebenfalls ab Ende Juni bildsprachliche Unterschiede zwischen Vater und Sohn Lucas Cranach verdeutlichen möchte.

Einen besonderen Akzent wird die Ausstellung „Cranach im Gotischen Haus“ im Wörlitzer Gartenreich vom 16. Mai bis zum 4. Oktober setzen. In dem zwischen 1773 und 1813 in Etappen errichteten frühesten Beispiel neugotischer Architektur auf dem europäischen Festland brachte Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau seine rund 600 Bilder starke Gemäldekollektion unter. Rund 30 Werke der beiden Cranachs und ihrer Werkstätten waren darunter; 20 haben sich bis heute erhalten. Die Ausstellung versucht, in historischer Hängung die ehemalige Gemäldegalerie komplett zu rekonstruieren und den früheren Zustand zu vermitteln, wobei nicht mehr als Leihgaben zu akquirierende Bilder durch Kopien ersetzt werden.

Kontakt:

Schloss Wörlitz

Schloss Wörlitz

DE-06786 Wörlitz

Telefon:+49 (034905) 203 02

E-Mail: ksdw@ksdw.de

www.cranach2015.de



07.04.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Das Gotische Haus im Wörlitzer Gartenreich

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Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Rückseite des Reformationsaltars in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Rückseite des Reformationsaltars in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Innenansicht der St.-Johannis-Kirche in Dessau

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Lucas Cranach d. J., Christus am Ölberg, 1561

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Lucas Cranach d.J., Das Abendmahl, 1565

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Marktplatz und Rathaus von Wittenberg mit der Stadtkirche im Hintergrund

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Der „Rittersaal“ im Gotischen Haus

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Das „Geistliche Kabinett“ im Gotischen Haus

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Lucas Cranach d.J., Moritz von Sachsen, um 1545

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Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Mitteltafel des Reformationsaltars in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Lucas Cranach d.Ä. und d.J., Mitteltafel des Reformationsaltars in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, 1539/47

Die Stadtkirche St. Marien in Wittenberg

Die Stadtkirche St. Marien in Wittenberg

Das Gotische Haus im Wörlitzer Gartenreich

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