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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Kunstforum der Bank Austria in Wien verhandelt die aktuelle Landschaftsfotografie

Landschaft als metaphorischer Ort



„Die wahre Landschaft ist im Kopf.“ Mit dieser pointierten Formulierung bringt der schwedische Kulturwissenschaftler Orvar Löfgren in einem Aufsatz über die identitätstiftende Funktion von Landschaften zum Ausdruck, dass die Landschaft weniger in der „Welt da draußen“ liegt, als vielmehr im „Auge des Betrachters“. Landschaft sei demnach nicht einfach die Welt, die wir sehen, sie wird vielmehr durch die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten, konstruiert. „Landscape in my Mind“, eine Ausstellung mit zeitgenössischen Landschaftsfotografien, die derzeit im Wiener Bank Austria Kunstforum zu sehen ist, verfolgt die verschiedenen Bedeutungsebenen von Landschaft und nimmt schon im Titel Bezug auf eine Haltung, in der sich die künstlerische Wiedergabe von Landschaft als Ideenkonzept erfüllt.


Die Werke von insgesamt 17 Künstlerinnen und Künstlern sind ein Querschnitt durch die Landschaftsräume der aktuellen Kunstfotografie. Mit Axel Hütte, Thomas Ruff, Elger Esser, Thomas Struth oder Andreas Gursky vereint die Ausstellung die großen Namen der aktuellen Fotografie, untermischt mit einigen weniger bekannten Positionen. Die meist großformatigen Tableaus eint der Anspruch, weniger reine Dokumentationen mittels Kamerablick zu sein, als mit der Kamera gemalte Bilder – künstlerische Übersetzungen der Wirklichkeit, die in hohem Maße verfremdet und symbolisch aufgeladen wird. Häufig wird die reine Lichtzeichnung der Fotografie mittels Unschärfeeffekten, am Computer erzeugten Bildern oder im Netz gefundenen Motiven zur Bühne für nachträgliche Manipulationen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Werke der 1963 in Wien geborenen Künstlerin Julie Monaco. Ihre wildromantischen Bilder von Ozeanen und Gebirgen geben zwar vor, Fotografien zu sein, sind aber rein computergenerierte Produkte, die eine abgelichtete Landschaft simulieren. Auch Elger Esser und Jörg Sasse sehen sich mehr als „Bildermacher“ denn als Fotografen. Anstelle einer sachlichen Perzeption von Landschaft, wie sie etwa Thomas Struth vorführt, forcieren sie in ihren Arbeiten emotionales Empfinden, das Gefühle von Überwältigung, Melancholie und Unbehagen auszulösen vermag.

Anders Thomas Ruff: der ehemalige Becher-Schüler, der in den vergangenen zehn Jahren angeblich kein einziges eigenes Foto mehr gemacht hat, beschäftigt sich mit Archivbildern. Die in der Ausstellung versammelten Arbeiten stammen aus drei verschiedenen Serien der letzten zwanzig Jahre und sind durch das Interesse des Künstlers an der Astronomie verbunden. Neben Arbeiten aus der bekannten Serie „Sterne“ sind in der Ausstellung Beispiele aus den Werkblöcken „ma.r.s.“ und „jpeg“ zu sehen. Für die ma.r.s.-Bilder dienten Ruff Weltallnegative der NASA als Ausgangspunkt. Für jpeg vergrößerte Ruff Bilddaten so lange, bis nur mehr die rasterartige, grobe Pixelstruktur der Vorlagen erkenntlich ist.

Ein weiterer Fotograf der Becher-Schule ist Axel Hütte, der mit seinen Arbeiten in der Tradition der Reisefotografie des 19. Jahrhunderts steht. Hüttes Ansatz ist jedoch nicht dokumentarisch, sondern rezeptionsästhetisch. Die Fotografie dient ihm als Mittel zur Vergegenwärtigung und Vermittlung sinnlicher Phänome der Natur. Axel Hütte beschreibt seine Strategie etwa als „halluzinatorisch-realistisch“, weil er sich die Macht der Imagination zunutze macht, um Phänomene, die auf seinen Arbeiten gar nicht zu sehen sind, zu erzeugen, etwa das Gefühl von Schwindel am Abgrund eines Felsens oder von Weite in einem von dichtem Nebel verhangenen Alpenpass.

Auch bei Elger Esser wird Landschaft nicht voraussetzungslos dargestellt. Er bedient sich alter Postkarten und damit eines tradierten Landschaftsbildes aus den Anfängen des Tourismus. Esser überträgt die Motive mittels moderner Vergrößerungstechniken in eine zeitgenössische Bildsprache, wodurch die Körnung der historischen Vorlage sichtbar wird. Das verblichene Kolorit der dargestellten Szenen erzeugt einen Eindruck von Patina, die dem fotografischen Bild eine zeitliche Entrücktheit verleiht. Sie ist auch Indiz dafür, dass Esser eine Welt vorführt, die aus der Perspektive bereits vorhandener Bilder betrachtet wird. Diese wird zum Ausgangspunkt für ein reflexives Bild- und Medienverständnis, in dem jede Referenz zur Realität als schon immer vermittelt ausgestellt und die Konstruktion des Bildes auf einer Metaebene thematisiert wird.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die 1968 in Siegen geborene Künstlerin Sonja Braas. Sie fotografiert Dioramen aus naturhistorischen Museen, wodurch ein gleitender Übergang unterschiedlicher Wirklichkeitsebenen erzeugt wird: die Landschaft als Fake. Der 1952 in Bozen geborene Walter Niedermayr beschäftigt sich mit der touristischen Nutzung alpiner Landschaften: Snowboarder und Skifahrer, Seilbahnen und Lifte werden zum Motiv der Erschließung der Natur durch den Menschen. Durch die Einnahme eines überhöhten Standpunktes rücken die Menschen in seinen Tableaus in extreme Ferne, geraten zu streumusterartigen Konfigurationen auf der blendend weißen Schneefläche. Zur ‚Utopie der unberührter Landschaft’ befragt, meinte Niedermayr: „Ich suche Orte, in denen Menschen auftreten, die in der Landschaft etwas machen, sie besetzen und gestalten. Es gibt eigentlich nur noch die so genannte Kulturlandschaft – in verschiedensten Ausformungen. Naturlandschaft gibt es nicht mehr.“ Der Berg gerät vom neoromantischen Sujet zum Konsumgut.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Margherita Spiluttini. Auch sie setzt vom Menschen berührte Landschaften ins Bild und thematisiert in ihren Aufnahmen das Kräfteverhältnis zwischen Natur und Mensch. Ihre Arbeit „Grimselpassstraße 1, Schweiz“ demonstriert exemplarisch das Spannungsverhältnis zwischen unwegsamer Natur und Kontrolle über dieselbe durch den Menschen. Ihre spektakulären Motive fotografiert Spiluttini mit sachlicher Gelassenheit, selbst extreme Perspektiven entbehren pathetischer Überhöhung. Auf diese Weise entsteht in ihren Arbeiten ein ambivalentes Verhältnis zwischen der Bedeutungsebene der Motive und deren formaler Umsetzung: so dienen die Straßen und Pässe zwar der Fortbewegung, zugleich wirken die Aufnahmen jedoch unbelebt und statisch. Eine Zeitlichkeit wird vor Augen geführt, der auch das Fehlen von Menschen in Spiluttinis Fotografien entspricht. Der Mensch wird lediglich auf seine Bauwerke reduziert. Dem Betrachter stellt sich letztlich die Frage, was an Spiluttinis Aufnahmen mehr beeindruckt: Die Monumentalität der Natur oder die Bauwerke, die diese zu überwinden versuchen.

Die Ausstellung „Landscape in my Mind. Landschaftsfotografie heute. Von Hamish Fulton bis Andreas Gursky“ ist bis zum 26. April zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum hat täglich von 10 bis 19 Uhr, freitags von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



06.04.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


11.02.2015, Landscape in my Mind - Landschaftsfotografie heute. Von Hamish Fulton bis Andreas Gursky

Bei:


Bank Austria Kunstforum

Künstler:

Walter Niedermayr

Künstler:

Sonja Braas

Künstler:

Jörg Sasse

Künstler:

Julie Monaco

Künstler:

Thomas Struth

Künstler:

Elger Esser

Künstler:

Thomas Ruff










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