Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 19.10.2019 Friedrich Kallmorgen

© Winterberg|Kunst

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die Gemäldegalerie der Akademie der Künste in Wien nimmt in der Ausstellung „Lust am Schrecken“ Ausdrucksformen des Grauens in Malerei und Skulptur früherer Jahrhunderte in den Blick

Im Gruselkabinett der Kunst



Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650

Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650

Die Hände vor den Augen und den festen Vorsatz im Kopf, erst dann wieder hinzusehen, wenn das Schlimmste vorbei ist – eine typische Szene für Zuschauer von Horrorfilmen, die wenige Sekunden später gebannt wieder den Bildern folgen. Die anschaulichen Darstellungen von Unglücken und Misshandlungen, die via Film, Fernsehen und Internet bequem in die eigenen vier Wände übertragen werden, historisierende Spektakel wie „Game of Thrones“, Nachrichten über Verkehrsunfälle, Flugzeugabstürze und Explosionen oder abstoßende Berichte über menschliche Dramen, Überfälle und Foltermethoden faszinieren viele Menschen gerade durch die Mischung aus Entsetzen und Schauer. Tatsächlich stößt das Grauen nicht nur ab, sondern übt im Gegenteil auch eine starke Faszination auf den Menschen aus.


Woher kommt die Lust am Schrecken? Mit dieser Frage hat sich eine sehenswerte Ausstellung in der Gemäldegalerie für Alte Meister in der Akademie der bildenden Künste in Wien bis Mitte März befasst. 1822 schenkte Graf Lamberg-Sprinzenstein seine rund 800 Gemälde umfassende Sammlung der Kunstakademie mit dem Auftrag, die Bilder öffentlich auszustellen. Umringt von Ateliers und Hörsälen ist die Gemäldegalerie aufgrund ihrer zwischen Künstlerateliers und Klassenräumen etwas versteckten Lage im ersten Stock der Akademie am Schillerplatz fast noch ein Geheimtipp unter den Wiener Museen.

Die Schau „Lust am Schrecken – Ausdrucksformen des Grauens“ widmete sich dem merkwürdigen Faktum, dass die kunstvolle Wiedergabe einer schrecklichen Begebenheit im Betrachter zugleich Gefühle von Lust und Entsetzen hervorruft, also ebenso faszinieren wie erschauern lässt. Insgesamt 70 Gemälde und Skulpturen von der Renaissance bis zum Klassizismus, überwiegend aus der eigenen Sammlung und ergänzt durch einige kostbare Leihgaben, wurden in sieben epochenübergreifenden Themensträngen in den Sammlungsräumlichkeiten gezeigt.

Gleich im Eingangsbereich der Sonderausstellung etwa zeugt ein Gipsabguss der Laokoon-Gruppe von der Ausdrucksstärke griechischer Kunst. Als Ideal der antiken poetisch-gemäßigten Ausdrucksform des Dramas ist die spätklassische Laokoon-Gruppe, die den grausamen Todeskampf des Laokoon und seiner beiden Söhne wiedergibt, von der Renaissance bis zur Aufklärung ein Leitbild der künstlerischen Affektgestaltung. In plastischen und zeichnerischen Nachbildungen nimmt die Ausstellung ästhetisch wie motivisch mehrfach Bezug auf die Skulptur.

Auch Peter Paul Rubens hat sich intensiv mit der Skulptur des Laokoon auseinandergesetzt und sie mehrfach gezeichnet. Die bis hin zu den Komplementärfarben ihrer Gewänder antithetisch dargestellten Figuren des Nordwinds Boreas und der Nymphe Oreithyia, die von ihm entführt wird, nehmen deutlich Bezug auf die Laokoon-Gruppe. Das Gesicht des Boreas, des bärbeißigen Herrschers der Winde, variiert das – wie Vergil schreibt – von Wut und Schmerz verzerrte Antlitz des Laokoon. Gestik und Körperhaltung der Oreithyia finden sich in der verzweifelten Abwehr seiner sich qualvoll windenden Söhne.

„Der Tod kann kommen“ ist der nächste Teil der Ausstellung betitelt, der sich der Philosophie der Stoa widmet und das Sterben in den Mittelpunkt rückt. Hier sind etwa Anton Marschalls hölzerne, totenschwarz gefasste Büste des Seneca oder Angelo Carosellis gegen 1620 datierbares großes Querformat „Der Selbstmord des Cato“ zu sehen. Auf dem Gemälde reißt sich der Verteidiger der römischen Republik in theatralischer Geste die tief klaffende Wunde unter der Brust, die er sich selbst zugefügt hat, mit gekrümmten Fingern weit auf. Bestrafung und Qual in der Unterwelt ist Thema des Kapitels „Und schleuderte ihn in den Tartaros“. Versammelt sind unter anderem Gioacchino Asseretos zwischen 1640 und 1649 entstandenes Bildnis des Tantalus und eine Darstellung des Giganten Tityus von Giovanni Battista Langetti, der mit großer Eindringlichkeit die furchtbaren Qualen schildert, die Tityus im Tartaros erdulden muss, während ihm zwei Geier die mit jedem Vollmond nachwachsende Leber aus dem Leib zerren.

Ein umfangreiches Kapitel widmet die Ausstellung den „Starken Frauen“. Die Virtuosität des malerischen Vortrags und die Wiedergabe starker Affekte stehen im Zentrum der Darstellungen grauenhaft schöner Heroinen und spektakulärer Inszenierungen mythologischer Heldentaten des frühen italienischen 17. Jahrhunderts, darunter Cristofano Alloris „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ von 1613, Francesco Cairos „Lucretia“ um 1635 und eine beeindruckende Version der „Judit“ von Artemisia Gentileschi um 1612. Das frühe Hauptwerk der jungen Malerin, von Biografen oft mit ihrer kurz vorangegangenen Vergewaltigung in Verbindung gebracht, bringt die grausame Szene ganz nah an den Betrachter heran – Aug in Aug mit dem grauenvoll brechenden Blick des Holofernes und seinem aus der Wunde sickernden Blut.

Dem Themenkreis Naturgewalt, Erhabenheit und Größe geht die Schau in einem weiteren Kapitel nach. An Stelle der klassisch-harmonischen Schönheit der traditionellen Landschaftsmalerei tritt ab Mitte des 18. Jahrhunderts die Darstellung des Gewaltigen und Übermächtigen in der Natur. Aus sicherer Distanz lassen sich in der Wiener Ausstellung ein unheilvoller Blitzeinschlag von Francesco Casanova um 1805/06 sowie der Ausbruch des Vesuvs in Darstellungen von Michael Wutky, Josef Rebell und Pierre-Jacques Volaire studieren.

Einen zentralen Platz nimmt auch das Hauptwerk der Sammlung ein, das „Jüngste Gericht“ von Hieronymus Bosch, mit seinen erschreckenden und zugleich faszinierenden Dämonen, Teufeln und gegen die Regeln der Schöpfung geschaffenen Monstern. Es hängt im Mittelpunkt einer Gruppe von Gemälden und Skulpturen, die sich in einem weiteren Ausstellungsteil der dunklen Seite widmet und das vielfältige Fortleben von Boschs monströsen Phantasiebildgestalten bis ins frühe 19. Jahrhundert illustriert. Darunter befinden sich mehrere Versionen der „Versuchung des heiligen Antonius“ und Hexensabbate von Salvator Rosa, Joos van Craesbeeck bis Alessandro Magnasco.

Den Abschluss bildet der umfangreiche Themenkomplex von Vergänglichkeit und Angst vor dem Tod mit Memento Mori-Allegorien und einem Tödlein mit Sanduhr, einer kleine Bronzestatue aus dem späten 16. Jahrhundert. Spannend wäre es, wenn das herausragende Konvolut expliziter Gewalt- und Schreckensdarstellungen in einer erweiterten Fassung und an anderer Stelle auch an zeitgenössische Darstellungen anknüpfen würde, um die Janusköpfigkeit der heutigen Gesellschaft zu entlarven.

Der Katalog ist im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen und kostet 29 Euro.

Kontakt:

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Schillerplatz 3

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 586 33 46

Telefon:+43 (01) 588 16 225

E-Mail: gemgal@akbild.ac.at



25.03.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 10

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Variabilder (8)

Veranstaltung vom:


12.12.2014, Lust am Schrecken - Ausdrucksformen des Grauens

Bei:


Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Variabilder:

Laokoon-Gruppe, um 140 v. Chr.
Laokoon-Gruppe, um 140 v. Chr.

Variabilder:

Cornelis Cornelisz van Haarlem, Der Fall des Ixion, um 1588
Cornelis Cornelisz van Haarlem, Der Fall des Ixion, um 1588

Variabilder:

Artemisia Gentileschi, Judit, um 1614/20
Artemisia Gentileschi, Judit, um 1614/20

Variabilder:

Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera, 1620
Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera, 1620

Variabilder:

Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650
Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650

Variabilder:

Angelo Caroselli, Der Selbstmord des Cato
Angelo Caroselli, Der Selbstmord des Cato

Variabilder:

Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650
Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650







Laokoon-Gruppe, um 140 v. Chr.

Laokoon-Gruppe, um 140 v. Chr.

Cornelis Cornelisz van Haarlem, Der Fall des Ixion, um 1588

Cornelis Cornelisz van Haarlem, Der Fall des Ixion, um 1588

Artemisia Gentileschi, Judit, um 1614/20

Artemisia Gentileschi, Judit, um 1614/20

Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera, 1620

Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera, 1620

Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650

Joos van Craesbeeck, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1650

Angelo Caroselli, Der Selbstmord des Cato

Angelo Caroselli, Der Selbstmord des Cato

Michael Wutky, Die Spitze des Vesuvs beim Ausbruch, 1779

Michael Wutky, Die Spitze des Vesuvs beim Ausbruch, 1779




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce