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Die Non-Profit-Kunstorganisation Triangle in Marseille feiert ihr 20jähriges Bestehen mit extravaganten Ausstellungen, Performances und Diskussionen. Über allem schwebt der Fragenkomplex: Wie verändert sich künstlerische Praxis in Zeiten multipler Autorenschaft, künstlerischer Wissensproduktion und experimenteller Cross-Over-Praktiken in populären Medienkulturen? Doch es gibt noch weitere interessante Ausstellungen in Marseille…

Ein Dreieck mit Strahlkraft



in der Ausstellung „Moucharabieh“

in der Ausstellung „Moucharabieh“

Ein einlullender Elektrosound durchdringt die Ausstellungshalle „Panorama“ im vierten Stock des Kulturzentrums „La Friche Belle de Mai“, einer ehemaligen Tabakfabrik in Marseille mit imposanter Dachterrasse. Hier feiert jetzt die Künstlerinitiative „Triangle France“ ihr 20jähriges Bestehen mit einer innovativen Gruppenausstellung, Performances, einem ungewöhnlichen Round-Table-Gespräch und anderen Veranstaltungen. Céline Kopp, seit September 2012 Direktorin von Triangle, hatte die Designerin Clémence Seilles gebeten, ein Setting für die Gruppenausstellung „Moucharabieh“ zu entwerfen. Die 1984 geborene Künstlerin, die bereits in den Studios von Atelier van Lieshout in Rotterdam und Jerszy Seymour in Berlin gearbeitet hat, bespielt einen Abschnitt des Raums mit einem flachen Swimmingpool, in dem sich Besucher die Füße kühlen können. Übermütige Künstler stürzten sich am Eröffnungsabend gleich ganz in den Pool.


Ein weiteres Kernstück des Ausstellungssettings ist eine Art Konferenztisch, bei dem die Hierarchien aufgehoben sind. Die Tischplatte und die in Blau gehaltenen Sitzbänke befinden sich quasi auf einer Ebene. An diesem Tisch nahmen zu einer Diskussionsrunde am Eröffnungswochenende die drei bisherigen Direktorinnen von Triangle France, einige Künstler und weitere Protagonisten der französischen Kunstszene Platz und debattierten unter dem Motto „Géométrie de mes rêves“ – Geometrie meiner Träume – eher spielerisch und assoziativ über die Künstlerinitiative Triangle. Eine modifizierte Kaffeemaschine von Thomas Teurlai produzierte dazu eine zweifelhafte braune Brühe, und nach der anstrengenden Diskussion servierte Laure Jaffuel im Rahmen der gemeinsam von ihr und der Amsterdamer Experimentalplattform Deborah Bowmann konzipierten Performance „T.A.Z.“ eine Art Kräuterelixier oder Wunschpunsch in einer mit Elektrosound unterlegten post-hippiesken Tee-Performance.

20 Jahre Triangle France

Doch was ist eigentlich Triangle? Die Non-Profit-Organisation für zeitgenössische Kunst ging ursprünglich 1982 aus einem Künstler-Workshop in Upstate New York hervor. Damals kamen die Teilnehmer aus den drei Ländern USA, Kanada und Großbritannien, weshalb man den Namen Triangle wählte. Mittlerweile erstreckt sich das Triangle Netzwerk auf über 40 Länder weltweit. In Frankreich hat es seinen Sitz in „La Friche Belle de Mai“. Triangle France bringt internationale Künstler und Ausstellungen nach Marseille, unterstützt Produktionen, gibt Werke als Kommissionen in Auftrag und veröffentlicht Publikationen. Herzstück von Triangle ist ein Artist-in-Residence-Programm. Neun bis zwölf Künstler pro Jahr kommen nach Marseille und beziehen dort Ateliers auf Zeit. Gleichzeitig schickt Triangle französische Künstler zum Austausch ins Ausland. Gefördert werden vor allem junge, vielversprechende Kunstschaffende, die an einem Punkt ihrer Karriere stehen, wo sie internationale Erfahrung brauchen. Der Ruf der Talentschmiede Triangle ist sehr gut und reicht weit über Südfrankreich hinaus. Simon Starling, Jim Lambie und Laure Prouvost waren zum Beispiel bereits zu Gast. Regelmäßig kommen auch internationale Kuratoren nach Marseille, um bei Triangle France neue Künstler zu entdecken.

Die Jubiläumsausstellung „Moucharabieh“ bezieht sich im Titel und im Setting auf die Maschrabiyya, ein architektonisches Element aus der arabischen Bautradition. Das dekorative Holzgitter an den Fenstern der Häuser und Paläste dient gleichzeitig der Wahrung der Privatsphäre, dem Sonnenschutz, der Belüftung und der regulierten Belichtung. Der Blick geht von innen nach außen, ohne dass der Betrachter selbst erkannt werden kann. Formal bezieht sich Clémence Seilles in ihrer Installation der Schau auf diese Tradition der orientalischen Architektur. Die integrierten Kunstwerke stammen von ehemaligen Triangle-Stipendiaten und anderen internationalen Künstlern. So zeigt die 1983 geborene Niederländerin Hedwig Houben ein Video, in dem sie sich mit der Schönheit, dem Misslingen und dem Gelingen von Skulpturen aus der Sicht einer Bildhauerin auseinandersetzt. Eine konzeptuelle Arbeit mit kühl vorgetragener selbstreferenzieller Geste.

Konzeptuelle Retrospektive von Margaret Honda

Zum 20jährigen Jubiläum von Triangle hat Céline Kopp, die etwa als Kuratorin in Los Angeles gearbeitet hat, unter dem Titel „Sculptures“ noch eine zweite Ausstellung realisiert, die sich retrospektiv mit dem Werk der US-Künstlerin Margaret Honda, Jahrgang 1961, auseinandersetzt. Für ihre aktuelle Installation „Sculpture“ hat die in Los Angeles lebende Konzeptkünstlerin den gesamten Ausstellungsraum in eine einzige 24 Meter lange und 18 Meter breite, labyrinthartige Skulptur verwandelt, die aus einer Unterkonstruktion aus Holz und weiß gestrichenen Trockenbauwänden besteht. Honda hat die Grundrisse der weltweit 15 Studios nachbauen lassen, in denen sie während ihrer Karriere als Künstlerin bisher gearbeitet hat. Nackte Wände entsprechend der jeweiligen Raumhöhe, sonst nichts. Jeder Raum hat seinen eigenen Eingang. Sie sind aneinander gebaut, aber nicht miteinander verbunden. Honda verzichtet konsequent darauf, Decken, Böden, Fensteröffnungen und andere narrative Details nachzubilden. Zudem gibt es weder eine chronologische noch eine an geografischen Kriterien orientierte Abfolge. Dennoch erfährt der Betrachter beim Durchschreiten der Installation jeden Raum und sein Volumen ganz anders.

Durch die Anordnung der Räume auf einer rechteckigen Grundfläche entsteht in deren Zentrum ein ziemlich dunkler negativer Raum, eine Art „Void“. Margaret Honda zeigt hier ihre zweite Arbeit, den rund dreiminütigen, konzeptuellen Film „Wildflowers (Fleurs Sauvages)“ von 2015. Der Titel bezieht sich auf das Phänomen der in der südkalifornischen Wüste jedes Frühjahr für rund acht Wochen blühenden Wildblumen, die Sonntagsausflügler und Hobbyfotografen gleichermaßen wegen ihrer psychedelischen Farbvielfalt anlocken. Danach bleichen sie aus und verlieren ihre Farbigkeit. Im Alter von neun Jahren ist auch Margaret Honda mit ihren Eltern einmal dorthin gefahren. Der Ausflug wurde, wie damals üblich, auf einem Kodachrome-Diafilm festgehalten. Einer dieser vermeintlich ganz besonderen „Kodachrome Moments“, wie er milliardenfach in Familienalben oder Diamagazinen archiviert ist.

Die Tatsache, dass Kodak die Kodachrome-Farbfilmentwicklung 2010 eingestellt hat, veranlasste Margaret Honda zu einem Experiment: Sie erwarb zwei Magazine mit Kodachrome-16-Millimeter-Film, deren Haltbarkeit vor 50 Jahren abgelaufen ist und filmte damit die Blumen. Anschließend ließ sie das Material im Schwarz-Weiß-Prozess entwickeln. Das Ergebnis: Kein erkennbares Bild – nach dem Startband mit herunterzählendem Countdown sieht der Betrachter nur noch weißes Licht. Eine sonore Stimme aus dem Off – es ist die von Morgan Fisher, Hondas Lebenspartner und ebenfalls ein legendärer Experimentalfilmer – liest derweil Beschreibungen der einzelnen Blumen, ihrer Farben und Blütenstrukturen vor. Während also nichts Konkretes zu sehen ist, ist der Betrachter aufgefordert, sich beides vorzustellen: eine psychedelisch bunte Blumenwiese und deren filmische Übersetzung in die einst unsere Erinnerungen konservierende, jetzt aber verlorengegangene Kodachrome-Ästhetik.

Das dritte und letzte Werk der Ausstellung ist die ebenfalls konzeptuell angelegte und aus diesem Jahr stammende Publikation „Writings“, die als limitierte Edition in einer Auflage von 150 Exemplaren erschienen ist. Beginnend mit der aktuellen Installation „Sculpture“, beschreibt Margaret Honda auf 90 Seiten und in umgekehrter Chronologie alle ihre bisher entstandenen Arbeiten. Auf Bilder verzichtet sie. Kurator Tenzing Barshee präsentiert diese ortsspezifische Arbeit, die Margaret Honda als Retrospektive versteht, ebenfalls im Zentrum „La Friche Belle de Mai“. Honda wird damit zum ersten Mal umfassend in Europa gezeigt. Zweite Station der Ausstellung wird 2016 das Künstlerhaus Bremen sein. Honda will dann mit einer neuen Arbeit auf ihre Installation in Marseille antworten.

Cool in Corbusiers Cité Radieuse

Szenenwechsel. Etwas außerhalb vom Zentrum Marseilles liegt die Cité Radieuse, eine der berühmten Wohnmaschinen von Le Corbusier, die zwischen 1947 und 1951 erbaut wurde. Hier befindet sich in der ehemaligen Turnhalle im neunten Stock der Ausstellungsraum MAMO. Parallel zum Jubiläum von Triangle haben die beiden jungen Kuratorinnen Charlotte Cosson und Emmanuelle Luciani hier die Gruppenausstellung „Cool as a State of Mind“ realisiert. Die beiden untersuchen seit einiger Zeit den Begriff „cool“ in der Populärkultur, der Hochkultur und der Bildenden Kunst aber auch seine Wurzeln in den afrikanischen Yoruba- und Igbo-Gesellschaften um 3.000 vor Christus. In der sehenswerten, ausgesprochen frischen Schau geht es um „das Coole“ als Geisteshaltung. Klischees vom coolen Strandleben in Kalifornien werden gemixt mit Repräsentationen des Coolen aus europäischen und nord-amerikanischen Untergrundbewegungen in Musik, Kunst und Film.

Für die Ausstellung konnten Cosson und Luciani einige hochkarätige Leihgaben kalifornischer Künstler wie Mike Kelley, Paul McCarthy und Ed Ruscha, aber auch jüngere Positionen etwa von Sterling Ruby nach Marseille holen. Die meist skulpturalen Arbeiten und einige Videos der Schau „Cool as a State of Mind“ kommen leichtgängig, farbig und poppig daher: körperhaft in Eiscremefarben, aus fragilen oder ephemeren Elementen zusammengebaut, gesampelt mit betörendem Sound und kühl kalkulierender Pose. Zeitgenössische Kunst am Puls der Zeit an ganz verschiedenen Orten in Marseille. Der Übervater der Pop Art, Andy Warhol, ist dann noch mit seinen berühmten „Time Capsules“ im Musée d’Art Contemporain (MAC) zu sehen, kombiniert mit der Musik „Songs for Drella“ von Lou Reed und John Cale. Ein Grund mehr, in diesem Frühjahr nach Marseille zu fahren.

Die Ausstellungen „Moucharabieh“ und „Margaret Honda: Sculptures“ sind in „La Friche Belle de Mai“ bis zum 19. April zu sehen. „Cool as a State of Mind“ läuft im Centre d’art de la Cité Radieuse bis zum 26. April und „Andy Warhol. Time Capsules“ im Musée d’Art Contemporain bis zum 12. April.

Kontakt:

La Friche Belle de Mai

41 rue Jobin

FR-13003 Marseille

Telefon:+33 (04) 95 04 95 95

www.trianglefrance.org



24.03.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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in der Ausstellung „Moucharabieh“
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Laure Jaffuel und Deborah Bowmann, T.A.Z. A moment, 2015
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Emmanuelle Luciani und Charlotte Cosson
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in der Ausstellung „Moucharabieh“
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Laure Jaffuel und Deborah Bowmann, T.A.Z. A moment, 2015
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Pool von Clémence Seilles in der Ausstellung „Moucharabieh“
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Pool von Clémence Seilles in der Ausstellung „Moucharabieh“
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in der Ausstellung „Moucharabieh“

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Laure Jaffuel und Deborah Bowmann, T.A.Z. A moment, 2015

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Emmanuelle Luciani und Charlotte Cosson

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Laure Jaffuel und Deborah Bowmann, T.A.Z. A moment, 2015

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Pool von Clémence Seilles in der Ausstellung „Moucharabieh“

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Pool von Clémence Seilles in der Ausstellung „Moucharabieh“

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Round-Table-Gespräch in der Ausstellung „Moucharabieh“

Round-Table-Gespräch in der Ausstellung „Moucharabieh“

Pool von Clémence Seilles in der Ausstellung „Moucharabieh“

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