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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Züricher Auktionshaus Koller glänzt wieder mit gehobenen Einrichtungsgegenständen und Kunsthandwerk

Ein Hauch von Versailles



François Duquesnoy, Silène dormant à l’âne retif, um 1620/30

François Duquesnoy, Silène dormant à l’âne retif, um 1620/30

Das Wort „Château“ mag bei den Meisten die Assoziation an die Schlösser der Loire wachrufen, bei anderen Glanz und Gloria des Absolutismus, den wohl kein Schloss besser repräsentiert als Versailles. Allerdings braucht man zwingend kein Château, um die eigenen vier Wände glamouröser zu gestalten. Ein sicherer Weg, die Aufmerksamkeit von Besuchern zu erregen, bieten die verspielten und oft goldlastigen Arbeiten aus dem kecken Rokoko. Wem dieser Stil zu überbordend ist, mag in dem ruhigeren klassizistischen Barock eines François Duquesnoy in Gestalt des marmornen Hochreliefs „Silène dormant à l’âne retif“ um 1620/30 mit gekonnter Widergabe der unterschiedlichen Stofflichkeiten für 70.000 bis 120.000 Franken oder in einer wohl Innsbrucker Renaissanceschatulle von 1629 mit Freimaurersymbolen für 5.000 bis 8.000 Franken geeignete Käufe für die heimische Dekoration finden. Neben diesen Kunstwerken bietet die kommende Auktion bei Koller in Zürich eine große Auswahl an kostbaren Teppichen, Porzellan, Silber, Fayence und Möbeln.


Sessel, Tische, Stühle, Kommoden und Schränke

Bei den Sitzgelegenheiten stechen die zwei Fauteuils „A la reine“ in der Art von Johann Adam Pichler hervor. Das wohl um 1720/30 in München nach Vorlagen von Josef Effner entstandene Paar weist im vergoldeten Gestell feine durchbrochene Schnitzereien von Muscheln, Akanthus, Rosetten und Satyrköpfen auf (Taxe 80.000 bis 140.000 SFR). Den Prachtexemplaren aus München ähnelt ein Rokoko-Sessel „aux cartouches“ aus Würzburg um 1750. Das Holz ließ wohl die Werkstatt von Ferdinand Tietz unvergoldet, so dass der strahlend blaue Seidenbezug alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR). Wer gleich mehrere Sitzgelegenheiten sucht, findet unter anderem in dem wohl in der Provence entstandene Ameublement „aux animeaux“ des 18. oder 19. Jahrhunderts ein geeignetes Ensemble: Die Rückenlehnen des Kanapees, der acht große Fauteuils und sechs Stühle sind mittig mit Tieren verziert (Taxe 36.000 bis 56.000 SFR). Eine gezügelte Variante des Fauteuils „à la reine“ sind zwei Pariser Stühle aus der Zeit um 1730, bei denen die Mischung aus geflochtener und stoffbezogener Rückenlehne auffällig ist (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR).

Wohl eine Gemeinschaftsarbeit von Johann Adam Pichler und Josef Effner ist bei den Tischen eine überbordende Konsole „aux cartouches“ aus den Jahren 1735/45. Sie reiht in enger Folge Rocaillen, Blätter und anderen vergoldeten Zierrat aneinander. Darüber liegt eine mehrfach profilierte grau marmorierte „Campan“-Platte (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Etwas früher entstand in Paris um 1725/35 eine Konsole, die der Pracht der deutschen Kollegin kaum nachsteht, aber aufgrund von Restaurierungen und ihrer halben Größe nur 10.000 bis 15.000 Franken verlangt. Die Gattung Konsole bedienen zudem ein holzsichtiges Exemplar aus Paris um 1720, das aufgrund seiner Drachenfüße mit Jean Bernard Honoré Turreau in Verbindung gebracht wird (Taxe 9.000 bis 14.000 SFR), und zwei italienische Arbeiten, die schon aus dem Empire stammen. Jeweils als Paar ausgeführt, verweist das römische Exemplar mit seinen Greifenfüßen auf die martialische Epoche (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR), während sein Gegenpart aus der Lombardei oder dem Piemont der Ägyptenmode der Zeit huldigt (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Frankreich wartet auf dieser Stilstufe etwa mit einer Demilune-Konsole von Georges Jacob II. und François Honoré Georges Jacob-Desmalter aus Mahagoni auf, bei der die geflügelten Frauenbüsten am Ende der hohen Stützen die halbrunde Platte aus Carrara-Marmor tragen (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Zum Schreiben gebrauchte man im Frankreich des frühen und mittleren 18. Jahrhunderts gerne das Bureau-Plat. Hier liegt die Arbeit auf einem flachen Tisch, wie bei einer schwarz gefassten Version aus Paris um 1730, bei der sich der vergoldete Bronzezierrat besonders effektvoll abhebt (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Eine diametral andere Vorstellung illustriert Christophe Wolff bei seinem Zylinderbureau um 1760, das sich besonders durch die Felderungen mit einer Marketerie aus geflochtenen Bändern auszeichnet. Hier kann man die Mühsal des Alltags wegsperren (Taxe 28.000 bis 48.000 SFR). Ähnlich arbeitete um 1765/70 wohl der Bamberger Johann Michael Bauer bei seinem Schreibtisch mit dem seltenen Mechanismus eines kaschierbaren Zylinders: Auch hier wird die Arbeit versteckt, wenngleich bei abgeklapptem Zylinder das Möbel wie ein Bureau-Plat auftritt. Die schlichte Eleganz ist gilt als ein frühes Beispiel der „englischen Möbel“. Inventaraufkleber verorten das Stück in Schloss Baden (40.000 bis 70.000 SFR). Die Raffinesse der Wandlungsmöbel zeichnet zudem zwei Spieltische aus, die durch ihre abnehmbaren Beine leicht zu transportieren sind. Sie sollen um 1785 bei David Roentgen in Neuwied produziert worden sein, was sich auch im Schätzpreis von 200.000 bis 300.000 Franken niederschlägt.

Eine barocke Aufsatzvitrine von etwa 1720 lokalisieren die Experten bei Koller ebenfalls in Mainfranken und ziehen zum Vergleich Möbel von Carl Maximilian Mattern heran, der da mit 15 Jahren aber etwas jung gewesen sein muss. Den Korpus definiert ein ansprechendes Spiel aus konvexen und konkaven Wölbungen, den architektonisch gegliederten Aufsatz ziert eine Wappenkartusche wohl der Familie Vallentini aus Dalmatien im stark gekehlten und gesprengten Gebälk (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Ein Brandstempel auf dem runden Gueridon verweist auf fürstliche Vorbesitzer in Skandinavien oder Dänemark. Die wahrscheinlich um 1840 entstandene Arbeit aus Wien besteht aus ebonisiertem Holz mit reichen Bronzebeschlägen und einer mit Blumen bemalten Porzellanplatte (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Gar königliche Herkunft deutet die Etikette eines Bureau mit Cartonnier im Louis XV-Stil vom Ende des 19. Jahrhunderts an: König Georg V. von Großbritannien war der einstige Besitzer. Dieser Tisch mit seinem allseits verglasten und geschweiften Corpus stammt wohl aus Paris. Darüber steht ein bogenförmiger Cartonnier-Aufsatz mit sechs Schubladen (Taxe 25.000 bis 45.000 SFR).

Zieht man ihre Häufigkeit in Betracht, waren Kommoden wohl das beliebteste Möbel des 18. Jahrhunderts. Eines der auffälligeren Beispiele ist eine Pariser Arbeit der 1720er Jahre mit „marqueterie au jasmin“. Die edle Einlegearbeit der kraftvollen Blumenbouquets charakterisiert das Möbel (Taxe 45.000 bis 75.000 SFR). Eine weitere mit floralem Zierrat versehene Kommode ist Pierre Migeon IV. zugeschrieben und steht mit ihrer Entstehung um 1750 schon auf der Stilstufe des Rokoko (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Bei Nicolas Berthelmis Variante breiten sich Bronzebeschläge als ein Gestaltungselement über das prismenartige Würfelfurnier der drei Schubladen aus (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Ähnlich verfährt Mathieu Criaerd um 1745/55 bei seiner rund zwanzig Jahre jüngeren, nur zweischübigen Kommode (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR). Weniger ornamentfreudig ist dann schon Pierre Garniers Kommode „a rideaux“ von 1760/65, deren Korpus vom vertikalgestreiften Muster des Amaranthholzes beherrscht wird (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).

Der beginnende Klassizismus erfreute sich an fernöstlicher Kunst, was eine Lackkommode des Pariser Meisters Jean-François Leleu um 1772/75 bezeugt (Taxe 140.000 bis 180.000 SFR). Zu den teuersten Arbeiten gehört die um 1785 datierte Kommode mit der Signatur von Nicolas Louis Cyrille Lannuier. Das zentrale Bild mit der Allegorie der Musik ist einem Gemälde François Bouchers entnommen (Taxe 140.000 bis 240.000 SFR). Auch Italien meldet sich zu Wort und zwar mit dem in Neapel tätigen Francesco Abbiati; er soll um 1800 in strenger Kubusform seine Kommode mit zentralem Vasen- und Blattgirlandenmedaillon geschaffen haben (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Schränke gibt es dagegen wenige. Hier tut sich vor allem der ansehnliche Nussbaumschrank aus Bordeaux um 1750 hervor, bei dem neben typischer Rokokozier vor allem die Felderung der Türen mit mittig platzierten Medaillons auffällt (Taxe 50.000 bis 90.000 SFR).

Kleinere Dekorationselemente

Mit 50.000 bis 90.000 Franken treten zwei bronzene Kaminböcke um 1760/70 an, für die wahrscheinlich Jacques Caffiéri sich etwas lustig Tierisches hat einfallen lassen: Auf einem Bock sitzt eine Katze, die den Hund auf dem anderen anfaucht. In diese Zeit datiert auch das Girandolenpaar von François Rémond, wohl in Zusammenarbeit mit Dominique Daguerre. Hier trägt die Leuchter ein auf einem Steinbock reitender Amor (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Aus der Zeit des Empire stammen die Friedrich Bergenfeldt zugeschriebenen Ziervasen „Aux enfants“, die er nach den Entwürfen von Andrei Nikiforowitsch Woronichin in St. Petersburg um 1805/10 fertigte. Die braun patinierten Bronzegefäße in Amphorenform, die auf einem dunkelroten Marmorsockel stehen, umspielen im vergoldeten Beiwerk von Sirenenkindern, Muscheln, Schilf, Fischen, Greifen und Schwänen das Thema Wasser (Taxe 50.000 bis 100.000 SFR).

Ferner gehören mehrere Schatullen diverser Epochen zum Angebot der Versteigerung, darunter auch eine frühbarocke Arbeit aus Thüringen. Das sogenannte „Römhilder Kästchen“ wird um 1630/50 datiert und besteht aus ebonisiertem Weichholz und reliefiertem Alabaster sowie Bein in architektonischer Gliederung (Taxe 5.000 bis 9.000 SFR). Farbfreudiger tritt ein Pariser Exemplar mit Boulle-Marketerie hervor. Die Kassette von etwa 1700 besticht mit dem roten Schildpatt und dem polychromen Rankenmuster aus Messing-, getöntem Horn- und gefärbten Holzeinlagen (Taxe 18.000 bis 28.000 SFR). Vierzig Jahre früher kreierte wohl der von Kardinal Mazarin geförderte Ebenist Pierre Gole seine Schatulle. Das Schildpatt durchzog er mit floralen Einlegearbeiten aus getönten Edelhölzern (Taxe 50.000 bis 90.000 SFR).

Eine opulente Arbeit Louis Mynuels um 1715/25 tut sich bei den Pendulen hervor. Neben der Boulle-Marketerie glänzen vor allem die vergoldeten Bronzebeschläge aus einer Pariser Meisterwerkstatt. Das bastionsförmige Gehäuse mit Minerva-Aufsatz steht mit Tatzenfüßen auf einem geschweiften Sockel (Taxe 120.000 bis 200.000 SFR). Das Zifferblatt der großen Standuhr „A equation du temps“ aus der Zeit um 1750/60 mit Stunden-, Minuten-, Datums-, Monats- und Tierkreisanzeige wurde von Ferdinand Berthoud signiert. Der Schweizer Uhrmacher arbeitete hier wohl mit Balthazar Lieutaud zusammen, der das Gehäuse in geschwungenen Louis XV-Formen mit vergoldeten Bronzerocaillen beisteuerte (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR). Aus England stammt die mit Blumen auf grünem Grund bemalte Kaminpendule im Stil George III. von 1800/20. Die Londoner Uhrenfirma Markwick Markham & Borrell hat zudem einen Automaten mit fahrenden Bötchen und ein Musikwerk eingebaut (Taxe 5.000 bis 9.000 SFR).

Für das Licht sorgt eine Pariser Bronzewerkstatt, die um 1750 nach Vorlagen Juste-Aurèle Meissonnier eine Applike mit drei Armen asymmetrisch die Wand entlangschlängeln lässt (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR). Deutlich strenger und symmetrischer sind die vier klassizistischen Wandleuchter „aux cors de chasse“ mit Jagdhornmotiven und Eichenlaub aus dem Umkreis von Edmé-Jean Gallien und Pierre Bureaux von 1770 (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Zur Gruppe der kostspieligen Bronzearbeiten gehört das fein ausgearbeitete und gut 160 Zentimeter hohe Paar der Torcheren „aux sirènes“ von 1775/80. Die Arbeit war wohl ein Spezialauftrag, der Georges Jacob zugewiesen wird. Am vergoldeten Fuß der hohen Leuchteruntersätze aus Holz sitzen drei Nixen, die den kannelierten und dekorierten Schaft halten. Hier stehen 150.000 bis 250.000 Franken auf dem Etikett.

Skulptur

Die Skulptur greift bis in die Antike zurück. Den Anfang macht ein bemalter Sarkophagdeckel mit der geflügelten Geburts- und Totengöttin Nephthys aus der Spätzeit Ägyptens, die mit der 26. bis 31. Dynastie zwischen 664 und 332 vor Christus gleichgesetzt wird (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Dann folgt der Marmorkopf eines Magistraten aus dem 1. Jahrhundert. Der in Südfrankreich behauene Marmor ist an Kinn und Nase etwas beschädigt, doch ist die Weichheit der leicht erschlafften Wangen des älteren Mannes gut geschildert (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR). Deutlich jünger und wohl aus der Tiroler Gegend stammend ist der thronende Christus in der Art des Leonhard von Brixen von 1460/70. Der Gottessohn sitzt auf einer Bank und neigt sein Haupt leicht nach links, während seine Gestalt üppige Falten umhüllen. Zwei der himmlischen Diener suchte der Barock in der Art des neapolitanischen Schnitzers Aniello Stellato festzuhalten. Die Engel um 1630/40 gehen forschen Schrittes voran, so dass ihr Gewand flattert und ihre Locken das jugendliche Gesicht umspielen (Taxe je 25.000 bis 35.000 SFR).

Neben Duquesnoy repräsentiert Nicolas Coustou den französischen Hochbarock und zwar mit der Marmorgruppe zweier spielender Kinder von 1711 (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Ferner wird die Nummer 25 aus der Serie von Franz Xaver Messerschmidts „Charakterköpfen“ dem neuen Besitzer sicherlich lange Freude bereiten. Denn der Patient einer Magnet-Kur kneift die Augen zusammen und erinnert im Gesichtsausdruck an eine Person, die unerwartet etwas Saures schmeckt. Das ausdrucksstarke Minenspiel wurde um 1816 nach Messerschmidts Original in Kunststein gegossen (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Freunde der Spätrenaissance könnte eine wohl im 18. oder 19. Jahrhundert in Rom gegossene Kopie nach Giambolognas berühmten „Merkur“ interessieren (Taxe 50.000 bis 90.000 SFR). Am Ende steht einen Silberarbeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Der historistische „Rapt“ aus der Hand Émile Froment-Meurices und Alfred-Désiré Lansons handelt von einem leicht anzüglichen Menschenraub einer jungen Frau durch einen mittelalterlichen Ritter. Hierfür erwartet Koller hohe 250.000 bis 350.000 Franken.

Porzellan und Silber

Silber gibt es zudem schon am 23. März, wenn Koller mit dem Kunsthandwerk seine Auktionswoche eröffnet. Eines der ältesten Stücke ist ein teilvergoldeter und wohl aus Zürich stammender Fußbecher um 1600 mit einer Meistermarke, die mit dem Wappen der Familie Spross korrespondiert (Taxe 2.000 bis 4.000 SFR). Mit 12.000 bis 18.000 Franken muss man in einen Dresdner Deckelbecher deutlich mehr investieren, für dessen Wandung Johann Siegmund Bohrisch im letzten Drittel des 17. Jahrhundert Talerklippen vom Büchsenschießen zur Einsegnung Kurfürsts Johann Georg IV. hergenommen hat. Sucht man günstigere Arbeiten, böte sich die kleine Berner Kaffeekanne auf drei Bockfüßchen an. Emanuel Jenner I. gravierte sie um 1700 allseitig mit geschwungenem Blattwerkdekor und dem Wappen der Neuenburger Fürstenfamilie Petitpierre (Taxe 1.200 bis 1.800 SFR).

Freude an Feingliedrigem und Prunkvollem zeichnet den Fußkelch aus, den wohl der Wiener Meister Johann Adam Kölbel 1777 schmiedete. Der Fuß ist eng mit feinen Akanthusranken und Früchtebouquets überzogen. Die zylindrische vergoldete Kuppa weist eine durchbrochene silberne Halterung auf, die von detailfreudigem Rankenwerk überzogen ist (Taxe 3.800 bis 5.800 SFR). Den Höchstpreis beim Silber beansprucht eine Augsburger Lavabogarnitur um 1698 von Michael Hueter. Das große Neunpass-Becken mit profilierter Fahne, plastischem Bandelwerk und einem Muschelfries sowie die Helmkanne mit Fischhenkeln lassen mit ihrer Teilvergoldung das Silber erstrahlen. Diese vornehme Arbeit will mit 50.000 bis 80.000 Franken umworben werden.

Im zurückhaltenden Empire-Stil sticht die Deckelterrine mit originalem Futteral hervor, die Antoine Boullier zwischen 1797 und 1809 in Paris schuf. Den Fuß dekoriert ein schlichtes Kreuzband, während die Wandung glatt belassen ist und einzig zwei weibliche Köpfe als Griffe aufweist. Mittig auf dem Deckel thront ein Schwan mit erhobenen Schwingen (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR). Einer ähnlich einfachen Formensprache folgen auch die vier Kerzenstöcke, die der Augsburger Johann Daniel Halbmaier 1825/26 mit Blattrelief, Widderköpfen und Palmetten sparsam schmückte (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). Im Kontrast dazu bietet der allegorische Tafelaufsatz der Göttin Ceres von 1880 von Émile Froment-Meurice einen Blickfang auf dem Esstisch für jeden Anlass (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR).

Eine frühlingshafte Frische verbreitet beim Porzellan die gewölbte Vierpassform einer gelben Meißner Zuckerdose um 1735 mit Kauffahrteiszenen (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Höher angesetzt ist die weiße Teekanne mit Wachteldekor aus dem Japanischen Palais um 1729/31. Die im Kakiemon-Stil bemalte Kanne mit geradem Abschluss gehörte einst Kurfürst Friedrich August II. (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Dieser Kurfürst sandte als König August III. von Polen eine Meißener Teedose an Königin Maria Amalia von Neapel und Sizilien, Prinzessin von Sachsen. Um 1745/46 dekorierte Gottlob Sigmund Birckner den edlen Behälter mit dem Allianzwappen der zwei Herrscherhäuser, Motiven aus der italienischen Komödie, Parklandschaften und Holzschnittblumen auf goldenem Grund, die durch eine Goldspitzenbordüre gerahmt werden (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Um 1800 entstand wohl in Deutschland eine Tabatière, die in rechteckiger Form auf kupfergrünem Mosaikfond Figuren in Purpurcamaieu zeigt (Taxe 1.800 bis 2.500 SFR).

Château de Martheray

Direkt am Genfer See liegt das Château de Martheray, das bis Oktober 2014 die Sammlung Costa-Rossi beherbergte. Sie wird nun bei Koller versteigert. Einen Schwerpunkt bilden Arbeiten aus dem Barock und dem 19. Jahrhundert. Die Schätzpreise beginnen bei einigen Hundert Schweizer Franken und erreichen maximal 30.000 bis 50.000 Franken. Dieser Wert ist einer barocken Tapisserie des 17. Jahrhunderts aus Aubusson vorbehalten, auf der Alexander der Große in einer dicht gedrängten und vielfigurigen Szene den Triumphzug seines Heeres anführt. Eher dem Ornamentalen verpflichtet ist die Wappen-Tapisserie aus dem spanischen-flandrischen Raum von 1560 (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).

Bei den Gemälden nutzt der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Mailand tätigen Maestro di Palazzo Lonati Verri das Thema der Arche Noah als Vorwand zur Darstellung europäischer Tiere, wie Kühe, Rehe, Ziegen, Hunde oder farbfreudige Vögel. Denn man sieht weder Noah noch die Arche im Gemälde (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Der Urheber einer galanten Szene mit Jakobspilger, der einer Dame eben Blumen mit seinem Hut reicht, lässt sich zudem nicht eindeutig bestimmen. Die Signatur deutet auf Jean-Baptiste van Loo hin, der Zusatz „fis“ Louis-Michel van Loo. Die Kleidung der Figuren entspricht der Mode um 1727/28. Da haben beide schon gemalt (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).

Eine feine Eleganz verströmt die aus Nussbaum und Ulme gefertigte Kommode italienischer oder französischer Herkunft des 18. Jahrhunderts. Der leicht trapezförmige, dreiseitig bombierte Korpus hält drei Schubladen mit Fischgrätmuster und goldenen Bronzebeschlägen vor (Taxe 6.000 bis 10.000 SFR). Sucht man seinen Salon prunkvoll zu gestalten, bietet sich das wohl in Rom geschnitzte barocke Sofa in Gold und Dunkelblau an (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Ein kleiner Spieltisch stammt aus dem Schweden vom Ende des 18. Jahrhunderts und wurde in klassizistischer Formensprache aus Nussbaum, Mahagoni und Obsthölzern gefertigt (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR).

Die Auktion beginnt am 23. März um 11 Uhr mit Silber und Porzellan, am 26. März um 9 Uhr mit den Objekten aus Château de Martheray und um 13:30 Uhr mit den Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Die Besichtigung ist bis zum 22. März in Zürich täglich von 10 bis 19 Uhr möglich. Der Internetkatalog ist unter www.kollerauktionen.ch abrufbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



23.03.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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23.03.2015, Kunst, Antiquitäten, Teppiche, Schmuck, Uhren und Bücher

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Koller Auktionen AG

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Émile Froment-Meurice und Alfred-Désiré Lanson, Reiterstandbild „Le Rapt“, Paris um 1885/90
Émile Froment-Meurice und Alfred-Désiré Lanson, Reiterstandbild „Le Rapt“, Paris um 1885/90

Kunstwerk:

Jacques Caffiéri zugeschrieben, Paar
 Kaminböcke „Le Chien et le Chat“, Paris um 1760/70
Jacques Caffiéri zugeschrieben, Paar Kaminböcke „Le Chien et le Chat“, Paris um 1760/70

Kunstwerk:

François Rémond, Paar Girandolen „A L’Amour et le
 Bouquetin“, Paris um 1765/70
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Kunstwerk:

Mathieu Criaerd, Kommode, Paris um 1745/55
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Jean-Joseph de Saint-Germain, Pendule „L’enlevement d’Europe“,
 Paris um 1750
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Kunstwerk:

Pierre Garnier, Kommode „A Rideaux“, Paris um 1760/65
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Kunstwerk:

Pierre Migeon IV zugeschrieben, Kommode „A Fleurs“, Paris um 1750
Pierre Migeon IV zugeschrieben, Kommode „A Fleurs“, Paris um 1750







Pierre Garnier, Kommode „A Rideaux“, Paris um 1760/65

Pierre Garnier, Kommode „A Rideaux“, Paris um 1760/65

Taxe: 20.000 - 30.000 SFR

Zuschlag: 15.000,- SFR

Losnummer: 1115

 Porzellanmanufaktur Meißen, Teedose aus dem Toilette-Service für Königin Maria Amalia von Neapel und Sizilien, Meißen, um 1745/46

Porzellanmanufaktur Meißen, Teedose aus dem Toilette-Service für Königin Maria Amalia von Neapel und Sizilien, Meißen, um 1745/46

Taxe: 40.000 - 60.000 SFR

Zuschlag: 68.000,- SFR

Losnummer: 1732

Thronender Christus, Tirol, um 1460/70

Thronender Christus, Tirol, um 1460/70

Taxe: 25.000 - 35.000 SFR

Zuschlag: 25.000,- SFR

Losnummer: 1012

Friedrich Bergenfeldt zugeschrieben, Paar Ziervasen „Aux Enfants“, St. Petersburg um 1805/10

Friedrich Bergenfeldt zugeschrieben, Paar Ziervasen „Aux Enfants“, St. Petersburg um 1805/10

Taxe: 50.000 - 100.000 SFR

Zuschlag: 65.000,- SFR

Losnummer: 1224

Nicolas Coustou, Junge und Mädchen beim Spielen, 1711

Nicolas Coustou, Junge und Mädchen beim Spielen, 1711

Taxe: 80.000 - 120.000 SFR

Losnummer: 1061

 Porzellanmanufaktur Meißen, Tasse und Untertasse mit apfelgrünem Fond, Meißen, um 1740

Porzellanmanufaktur Meißen, Tasse und Untertasse mit apfelgrünem Fond, Meißen, um 1740

Taxe: 4.000 - 6.000 SFR

Losnummer: 1720

Kommode „A Bureau-Plat „Aux Bustes de Femme“, Paris, um 1730“, Paris, um 1720/30

Kommode „A Bureau-Plat „Aux Bustes de Femme“, Paris, um 1730“, Paris, um 1720/30

Taxe: 90.000 - 140.000 SFR

Losnummer: 1072

François Honoré Georges Jacob-Desmalter und Georges Jacob II, Demilunekonsolen „Aux Femmes ailees“, Paris um 1800/05

François Honoré Georges Jacob-Desmalter und Georges Jacob II, Demilunekonsolen „Aux Femmes ailees“, Paris um 1800/05

Taxe: 40.000 - 60.000 SFR

Losnummer: 1248

David Roentgen und Werkstatt zugeschrieben, Paar Spieltische „A Mecanisme“, Neuwied um 1785

David Roentgen und Werkstatt zugeschrieben, Paar Spieltische „A Mecanisme“, Neuwied um 1785

Taxe: 200.000 - 300.000 SFR

Zuschlag: 200.000,- SFR

Losnummer: 1184

Jean-Joseph de Saint-Germain, Pendule „L’enlevement d’Europe“, Paris um 1750

Jean-Joseph de Saint-Germain, Pendule „L’enlevement d’Europe“, Paris um 1750

Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 35.000,- SFR

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Kommode „A Fleurs“, Paris, um 1720/30

Kommode „A Fleurs“, Paris, um 1720/30

Taxe: 45.000 - 75.000 SFR

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Schatulle „Römhilder Kästchen“, Thüringen, um 1630/50

Schatulle „Römhilder Kästchen“, Thüringen, um 1630/50

Taxe: 5.000 - 9.000 SFR

Losnummer: 1018




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