Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Rebellion aus dem Geist der Einsiedlerhütte. Im Kunstverein in Hamburg nähert sich der kalifornische Künstler und Filmemacher James Benning zwei sehr unterschiedlichen Vertretern der amerikanischen Zivilisationskritik: dem Philosophen Henry David Thoreau und dem als „Unabomber“ bekannten Mathematiker und Terroristen Theodore Kaczynski

Ein Zug wird kommen



Etwas Zeit und Geduld sollte man für den Besuch der Ausstellung „Decoding Fear“ des amerikanischen Experimentalfilmers und Künstlers James Benning, Jahrgang 1942, im Kunstverein in Hamburg schon mitbringen. Rund anderthalb Tage würde es laut Auskunft von Kunstvereinsdirektorin Bettina Steinbrügge dauern, sich alle hier gezeigten Filme in voller Länge anzusehen. Doch das ist gar nicht unbedingt nötig, geht es doch mehr um die ambivalenten Stimmungen, die diese vermitteln.


Vielleicht sollte man den Rundgang am Ende des Parcours beginnen, um sich mit Bennings spezieller, extrem statischer Bildsprache vertraut zu machen. In der Zweikanal-Video- und Filminstallation „RR/BNSF“ führt er dem Betrachter die Weite und Endlosigkeit der amerikanischen Landschaft eindrucksvoll vor Augen. Für den mit einem klassischen Filmprojektor präsentierten 16-mm-Film „RR“ ist Benning an 43 Orte gereist, um vorbeifahrende Güterzüge zu filmen. Jede der Panoramaeinstellungen beginnt mit einer ruhigen Landschaftsaufnahme. Es folgt die ratternde Vorbeifahrt eines kilometerlangen Monsterzuges. Danach herrscht die gleiche Stille wie zuvor. „BNSF“ wird auf der gegenüberliegenden Wand als HD-Video gezeigt. Benning suchte hierfür nur einen Ort auf, wartete dort aber auf jeden Zug, der diesen passierte. Bahnstrecken als Lebensadern der kapitalistischen Warenströme. Kilometerlange Güterzüge als Symbole des „American Dream“.

Solchermaßen auf die amerikanische Landschaft und ihre technische Überformung durch den Menschen eingestimmt, macht James Benning den Besucher mit zwei zentralen Vordenkern und Protagonisten der amerikanischen Zivilisationskritik bekannt, die unterschiedlicher nicht sein könnten, dann aber doch erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen: dem Philosophen Henry David Thoreau (1817-1862) und dem Mathematiker und später als „Unabomber“ bekannt gewordenen Theodore „Ted“ Kaczynski, Jahrgang 1942. Gleich im Entrée der Schau wird der Betrachter mit handschriftlichen Kopien aus deren Schriften konfrontiert, einem Ausschnitt aus Thoreaus Hauptwerk „Walden oder Leben in den Wäldern“, einer Art Bibel des Aussteigertums und der Zurück-zur-Natur-Bewegung, und einem Tagebuchausschnitt Kaczynskis. Hier beschreibt der für zahlreiche abgerissene Gliedmaßen und den Tod von drei Menschen verantwortliche Briefbombenverschicker seine krude Seelenverwandtschaft mit Motten, Würmern und Spinnen, denen er niemals etwas zu zuleide tun könne. Der Rückzug aus der akademischen Welt – beide haben in Harvard studiert –, das Lob des einfachen Lebens in der Natur, die selbstgewählte Einsamkeit, das Niederschreiben der jeweiligen Weltsicht in technologiefeindlichen und zivilisationskritischen Schriften eint die beiden. Ihr ganz unterschiedliches Verhältnis zur Gewalt trennt sie.

Die augenscheinlichste Gemeinsamkeit aber stellen ihre jeweils selbstgebauten Waldhütten dar. In Hamburg präsentiert James Benning vereinfachte Nachbauten davon. Der Besucher kann sie betreten und erhält so ein Gefühl für ihre Proportionen. Zuhause auf seinem Grundstück in der Sierra Nevada hat Benning die beiden Hütten originalgetreu aus Holz nachgebaut. In der Hamburger Schau sind mehrere, jeweils mehrstündige Filme zu sehen, in deren Mittelpunkt der Kamerablick auf und aus diesen Hütten steht. Der Betrachter erlebt diese primitiven Rückzugsorte zu verschiedenen Jahreszeiten, er lauscht der jeweiligen Geräuschkulisse, und er hört auch James Bennings Stimme, die aus dem Off Texte von Thoreau und Kaczynski vorliest.

Was den Experimentalfilmer und Künstler James Benning umtreibt, sind Fragen wie diese: In welcher Architektur ist welches Denken entstanden? Warum wird der eine Terrorist und der andere nicht? Ergänzt wird die Ausstellung übrigens noch um etliche Repliken von Gemälden, Zeichnungen, Quilts und anderen Objekten, die Benning nach Vorlagen diverser Outsider-Künstler gefertigt hat. Und so verlässt man die Schau in den diesmal stark abgedunkelten Räumen des Kunstvereins mit dem Gefühl, etwas Neues und zugleich Beunruhigendes erfahren zu haben.

Die Ausstellung „James Benning – Decoding Fear“ ist bis zum 10. Mai zu sehen. Der Kunstverein in Hamburg hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Für Mitglieder, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Der 220seitige Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther König kostet 19,90 Euro.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



15.03.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


14.02.2015, James Benning – Decoding Fear

Bei:


Kunstverein in Hamburg

Künstler:

James Benning










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce