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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Die Kunstschule, an der die russische Avantgarde entstand: Der Martin-Gropius-Bau in Berlin stellt WChUTEMAS vor, das fast vergessene russische Gegenstück zum Bauhaus

Bauhaus auf Russisch



Wladimir Fjodorowitsch Krinski, Experimentell-methodische Studienarbeit zum Thema „Farbe und räumliche Komposition“, 1921

Wladimir Fjodorowitsch Krinski, Experimentell-methodische Studienarbeit zum Thema „Farbe und räumliche Komposition“, 1921

Gegründet wurde sie schon kurz nach der Oktoberrevolution: die Moskauer Kunstschule WChUTEMAS, neben dem Bauhaus die international wohl wichtigste Avantgarde-Schmiede der Moderne. Die „Höheren künstlerisch-technischen Werkstätten“ erfreuten sich von Anfang an großer Beliebtheit. Gleich im ersten Jahr wurden 2.000 Studierende aufgenommen. Voller Tatkraft und Optimismus, vielleicht auch Naivität, machte man sich in der jungen Sowjetunion daran, eine modernere, bessere Gesellschaft aufzubauen. El Lissitzky, Naum Gabo, Wassily Kandinsky, Alexander Rodtschenko, Warwara Stepanowa und Wladimir Tatlin sind lediglich die bekanntesten unter den zahlreichen Künstlern und Architekten, die an insgesamt acht Fakultäten unterrichteten.


Der Martin-Gropius-Bau in Berlin stellt die legendäre Akademie aktuell in der Ausstellung „WChUTEMAS – Ein russisches Labor der Moderne“ vor. Angesichts der Fülle des künstlerischen Ausstoßes konzentriert sich die Schau auf den Fachbereich Architektur. Rund 250 Zeichnungen, Fotomontagen, Gemälde und Modelle, alle aus dem Staatlichen Schtschussew Museum für Architektur in Moskau, vermitteln profunde Einblicke. Der Betrachter muss allerdings die Bereitschaft mitbringen, sich in die Fülle des oft kleinteiligen Materials einzusehen. „Im WChUTEMAS sollte man, nicht frei von totalitären Anwandlungen, helfen, den ‚Neuen Menschen‘ zu formen. Welch grotesken und schrecklichen Folgen das Denken vom ‚Neuen Menschen‘ haben würde, war zu Beginn der 1920er noch nicht absehbar“, charakterisiert Gereon Sievernich, der Direktor des Martin-Gropius-Baus, die Programmatik des Instituts.

Dieser „Neue Mensch“, den man sich als allseits kulturell interessiertes, sozialistisches Musterwesen vorstellte, benötigte natürlich auch eine inspirierende architektonische Umgebung. Am WChUTEMAS ersann man daher experimentelle Bautypen aller Art: vom kugelförmigen Zeitungskiosk über Bahnwärterhäuschen in verwegener Schneckenhausoptik bis hin zu konstruktivistischen Bank- oder Bibliotheksgebäuden oder utopischen Kathedralen der Völkerverständigung. Wäre all das gebaut worden und hätte es sich bis heute erhalten, dann wäre Russland ein Mekka für Architekturtouristen aus aller Welt. Doch leider meist nur auf dem Papier ersannen WChUTEMAS-Entwerfer architektonische Kompositionen, die wie Vorläufer von Frank O. Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao wirken. Sie entwickelten komplexe Dachlandschaften, die den Vergleich mit Jørn Utzons Sydney Opera House nicht zu scheuen brauchen, und sie konzipierten aufwendig verschachtelte, organisch wirkende Gebäudeensemble, die an Zaha Hadids oder Daniel Libeskinds dekonstruktivistische Entwürfe erinnern.

Fast allen Plänen gemeinsam ist die offensichtliche Skepsis gegenüber dem Primat des rechten Winkels. Vorherrschend sind beinahe schwerelos wirkende Bauwerke voller Kurven und Schwünge. Das Fach „Raum“ war für alle Studierenden obligatorisch. Hier galt es, anhand praktischer Aufgaben architektonische Prestigeprojekte wie Theater, Kinos oder Sportstadien für „Das Neue Moskau“ zu entwickeln. Realisiert wurde davon allerdings so gut wie gar nichts. Dennoch wurde international sehr bewusst wahrgenommen, was sich am WChUTEMAS tat. Es gab enge Kontakte zum Bauhaus, Ausstellungen in New York, und sogar Alfred H. Barr, der Gründungsdirektor des Museum of Modern Art, reiste 1928 nach Moskau, um sich vor Ort von der Aufbruchsstimmung ein Bild zu machen.

Auf Hoffnung folgte Enttäuschung. 1927 wurde die Schule in WcHUTEIN, in „Höheres künstlerisch-technisches Institut“, umbenannt. Statt querdenkerische Künstler sollte sie fortan gradlinige Ingenieure hervorbringen. 1930 war dann endgültig Schluss. Im Zuge der stalinistischen Säuberungsaktionen wurden alle Avantgardebestrebungen als sektiererisch gebrandmarkt, der „Sozialistische Realismus“ und der überbordend ornamentale „Zuckerbäckerstil“ wurden zur alles dominierenden Staatsdoktrin erklärt.

Die Ausstellung „WChUTEMAS – Ein russisches Labor der Moderne. Architekturentwürfe 1920-1930“ ist bis zum 6. April zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro; bis 16 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet 20 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



01.03.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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