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Christian Höhn hat Bahnhöfe auf fünf Kontinenten fotografiert. Seine Ergebnisse sind nun im Nürnberger DB Museum zu sehen

Bühnen der Ästhetik



Bahnhofsbauten prägen seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Erscheinungsbild großer Städte. Mit dem gleichfalls neuen Typ des Warenhauses stiegen sie zu Dominanten der Stadtsilhouetten auf, was bis dahin den Kirchen und Rathäusern vorbehalten war. Bahnhöfen wohnt die Funktion öffentlicher Bühnen inne. Diese optischen Szenerien mit viel Lärm, Wasserdampf und flirrenden Lichtern inspirierten seit den Impressionisten, allen voran Claude Monet, viele bildende Künstler. Bahnhöfe sind Durchgangstationen des Lebens, aufwendig gestaltet mit imperialen Triumphbögen vergleichbaren Portalen, vor denen sich dramatische oder emotionale, meist aber alltägliche Momente abspielen.


Für das DB Museum in Nürnberg hat der 1968 geborene Fotograf Christian Höhn zehn Monate lang fünf Kontinente bereist, um in großformatigen Aufnahmen gezielt die Stellung weltstädtischer Bahnhöfe im baulichen Kontext festzuhalten. Fast wandgroß sind die mehr als ein Dutzend Bahnhofsbauten nun im Nürnberger Museum aufgebracht. Bei der Auswahl der Gebäude war ihre Rolle in Romanen sowie in der Lyrik maßgeblich. So sind dem kunstvollen Panorama Zitate aus der Literatur beiseite gestellt, wie etwa Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“, das neben der fast schon surreal wirkenden Fotografie des New Yorker Grand Terminals platziert ist. Um 1914 vollendet und heute inmitten typischer Wolkenkratzer gelegen, ist der Bahnhof mit 500.000 Besuchern täglich das meistfrequentierte Gebäude der Metropole.

Das Spektrum der Bauten erstreckt sich vom 1851 eröffneten Moskauer Bahnhof bis hin zum 1958 errichteten Hauptbahnhof Pekings oder dem wenig später noch unter den Vorzeichen der Apartheid geplanten Empfangsgebäude der Bahn im Kapstadt, das zuletzt zur Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010 aufwendig umgestaltet wurde. Christian Höhn versteht es, elegant einen individuellen Blick unter Anwendung weiträumiger Perspektiven auf die Bauten zu richten. Er bevorzugt dabei die Zeit der Dämmerung und richtet seine Kamera oft von weit oben auf das Objekt des Interesses. Mittig breitet sich dann – perspektivisch in die Tiefe fluchtend – die blickbestimmende große Bahnhofshalle aus.

Gestalterisch bezieht sich Christian Höhn auf den klassischen Landschaftsprospekt. Dabei werden gezielt ephemere Details wie aufgewühlte Personenströme oder Bewegungen von Transportmitteln optisch in den Hintergrund gedrängt. Die Sujets strahlen Ruhe aus. Dezidiert rückt Höhn so die Wahrnehmung der Architekturästhetik in den Fokus. Sie wird auch von Verwischungsspuren nicht gemindert, die Wolken- oder Verkehrsbewegungen auf seinen Fotografien verursachen. Im Gegenteil: Unterschwellig bieten sie einen gelungenen Kontrast zur präzisen Detailschilderung unbewegter Elemente.

Zu den besonderen Objekten gehört der Hauptbahnhof im indischen Mumbai, der als weltweit einziger seit 2004 auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Bei den Planungen des 1888 bis 1898 errichteten Baus ließ sich der Architekt Frederick William Stevens von dem kurz zuvor vollendeten Bahnhof St. Pancras in London inspirieren und schuf eine Synthese aus Neugotik und indischer Ornamentik. Deutschland ist mit dem zwischen 1880 und 1910 errichteten Dresdener Hauptbahnhof vertreten, einer gelungenen Kombination historisierender Elemente mit der Ästhetik eines modernen Industriestahlbaus.

Der Betriebsamkeit großstädtischer Stationen stehen anmutig wirkende, kleinere Haltepunkte gegenüber. In der verschneiten Bergwelt auf 3089 Metern Höhe in den Schweizer Alpen steht der biedere Bahnhof Gornergrat, der unterhalb des Matterhorns wie das Modell einer Spielzeugeisenbahn anmutet. Im luftig-offenen Kolonialstil gibt sich das Stationsgebäude an den Victoria Falls in Simbabwe, während in die unendliche Weite des australischen Kontinents auslaufenden Gleisstränge nicht nur jedwede Architektur vertilgen, sondern auch den „Zug nach Nirgendwo“ in den Sinn rufen. Niemand weiß, wohin die Gleise führen, doch ganz sicher werden Bahnhöfe auch weiterhin in das Schaffen vieler Künstler einfließen.

Die Ausstellung „One Station – Poesie der Bahnhöfe“ ist bis zum 31. Mai zu besichtigen. Das DB Museum hat täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Geschlossen bleibt das Haus an Karfreitag und 1. Mai. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre 2,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 19,90 Euro kostet.

Kontakt:

DB Museum Nürnberg

Lessingstraße 6

DE-90443 Nürnberg

Telefon:+49 (0180) 444 22 33



01.03.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


12.12.2014, One Station – Poesie der Bahnhöfe. Fotografien von Christian Höhn

Bei:


DB Museum Nürnberg

Künstler:

Christian Höhn










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