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In der Bonner Bundeskunsthalle visualisiert eine Ausstellung die seit 500 Jahren andauernde Inspiration der Künste durch Michelangelo

Unter dem Eindruck des Genies



Seiner herausragenden Begabung durchaus bewusst, konnte Michelangelo um 1490 beim Abzeichnen der Fresken Masaccios nicht davon lassen, seine Mitschüler zu foppen. Der angehende Bildhauer Pietro Torrigiani versetzte dem jüngeren Kameraden aus Neid und Bosheit dann einen Schlag. Folglich zeigte Michelangelos Nase lebenslang die Nachwehen des daher rührenden Bruchs und wurde fortan das Markenzeichen des Genies. Gleich zu Beginn einer rezeptionsästhetischen Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle vermitteln dies zwei von Daniele da Volterra und Auguste Rodin geschaffene Büsten. Von der Wirkung Michelangelo Buonarrotis auf die künstlerische Nachwelt erzählt die Schau in der Bundeskunsthalle und weist auf die manchmal kultische Verehrung hin, die ihm jahrhundertelang als „gottbegnadeter“ und erstmals in der Geschichte freier Künstler gezollt wurde.


Der Auftakt der Ausstellung ist den Bildnissen und Mythen des Künstlers gewidmet. Geprägt von Tragik und Einsamkeit, modifizierte sich Michelangelos Vita zum Idealbild eines modernen Künstlerlebens. Daniele da Volterras Büste findet sich auch auf einem in direkter Nachbarschaft platziertem Selbstbildnis von Sir Joshua Reynolds, womit der britische Maler um 1780 seine Ansprüche definierte und sich künstlerisch-programmatisch vorstellte. 100 Jahre später hielt der römische Historienmaler Francesco Jacovacci den Besuch Michelangelos am Sterbebett der geschätzten Dichterin Vittoria Colonna fest. Der alte Künstler beugt sich über die Tote auf dem Sterbebett, küsst sie und lässt sich seine linke Hand von einer männlichen Begleitung umfassen. Nochmals 100 Jahre später kreierte Fritz Wotruba in seinem letzten Zeichnungs- und Figurenkomplex eine unvollendete Hommage an Michelangelo.

Die instruktive Bonner Schau führt durch fünf Jahrhunderte Kunstgeschichte, wobei besonders Skulpturen im Vordergrund stehen. Bereits zu Lebzeiten stieg Michelangelo Buonarroti zur Legende auf. Von Zeitgenossen über unmittelbare Nachfahren bis zu Künstlern der Gegenwart erstreckt sich die in fünf Jahren Vorbereitungszeit getroffene Auswahl an 228 Werken von 44 Künstlern. Das künstlerische Potential des Vorbildes vermittelt der Dialog vom frühen Raffael bis hin zu Henry Moore. Wie kann es gelingen, ungebrochen – abgesehen von der Zeit des Rokoko – ein halbes Jahrtausend Wirkungsgeschichte zu schreiben und selbst den heutigen Kunstschaffenden noch etwas zu sagen?

Das nächste Kapitel versucht am Beispiel von Aktstatuen Ursachen und Leistungen von Michelangelos Nachwirken auf den Grund zu gehen. Die so genannten „Louvre-Sklaven“, in Bonn als Gipsabdrücke präsent, wurden zu Chiffren einer menschlichen Tragik. Wie kaum ein anderes Werk boten sie den Künstlern der Moderne Anregungen. Die Idee des Unvollendeten als Verkörperung der Schicksalshaftigkeit hinterließ ihre Spuren in der Malerei, wie etwa bei Paul Cézannes Studien und Adaptionen für seine Badenden. Auguste Rodins Figur „Das eherne Zeitalter“ ist ohne Inspiration durch Michelangelo undenkbar und rief in den 1870er Jahren einen Skandal hervor. Ein Jahr vor seinem Tod färbte Yves Klein verkleinerte Nachbildungen der Louvre-Sklaven, die auch Referenzstücke der traditionellen Akademieausbildung waren, mit seinem Pigment „International Klein Blue“ ein, was die Plastizität veränderte und das Transzendentale beförderte. Gegenüber steht Markus Lüpertz’ 1989 geschaffene Bronze des Gottes Apoll, eine seitenverkehrte Paraphrase einer Marmorstatue, die Michelangelo 1530 für Baccio Valori schuf.

Schon vor dem Entree zur Ausstellung steht der Kopf von Michelangelos David-Statue. Die fast kokett wirkende Bemalung einer Kopie von Hans-Peter Feldmann transportiert die Plastik in die heutige Zeit, hinterfragt humorvoll Werte und Wertigkeiten und interpretiert den Begriff des Readymade auf neue Art. Im weiteren Verlauf bringt eine Arbeit die Wirkung der Kunst durch Fixierung von Reaktionen eines bildlich Abwesenden auf den Punkt. Thomas Struths großformatige Fotografien zeigen Besucher der Florentiner Accademia unter dem Eindruck der nicht sichtbaren David-Statue, deren statische Kühnheit heute große Konservierungsprobleme bereitet. Weitere populärere Schöpfungen wie die Pietà, der Adam in der Sixtinischen Kapelle oder der Mose am Grabmal Papst Julius’ II. in San Pietro in Vincoli führen die Vielfalt der Figurenfindungen vor Augen. Hier tritt die begnadete Schöpferkraft Michelangelos zu Tage, effektvolles Stehen, Sitzen oder Liegen in Kombination mit dem Unfertigen auszuformulieren.

Als erster moderner Künstler emanzipierte sich Michelangelo dabei von der Antike. Gerade das Unvollendete birgt Qualitäten und zeigt Prozesse auf, die Schicksal und Drama verkörpern. Da Michelangelos Werke oft an öffentlichen Plätzen aufgestellt wurden, zogen und ziehen sie noch heute die Aufmerksamkeit auf sich. Hinzu trat eine mediale Präsenz in Form von Kopien seiner Arbeiten, Porträts und Presseartikeln etwa in den Werken Giorgio Vasaris. Als Michelangelo am 18. Februar 1564 in Rom kurz vor seinem 89. Geburtstag starb, wurde ihm ein Fürstenbegräbnis zuteil, von dem gedruckte Beschreibungen in ganz Europa berichteten. Unmittelbar danach setzen Forschungen ein. Der pedantische Florentiner hob jeden Schnipsel auf. Von Studien bis hin zu seinen Kontoauszügen haben sich jede Menge Hinterlassenschaften erhalten. Darauf fußt das umfangreiche Wissen über seinen Lebenswandel.

Vorbei an Kämpfern und Siegern, virtuosen Meisterwerken, Aktstatuen und großen Tableaus voller Nacktheit thematisiert die Annäherung an die Gestalt Michelangelos auch die praktizierte Einheit von Leben und Werk, die vielschichtige Persönlichkeitsstrukturen des Genies anklingen lässt. Das aus den Kapitolinischen Museen entliehene Bildnis Johannes des Täufers, den Caravaggio unter Bezugnahme auf die Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle als neckischen und völlig entblößten Lausbub interpretierte, oder die in Anspielung auf Michelangelos Liegefiguren der Medici-Gräber von Henry Moore biomorph-surreal gestalteten Figuren greifen zumindest indirekt auch hierauf zurück.

Den Ausklang bestreiten „Bilder der Andacht“, ein Abschnitt zahlreicher neuer Entdeckungen, die lange in Depots lagerten. Zwei Komponenten werden hier noch mal herausgestellt, zunächst Michelangelos lebenslange Auseinandersetzung mit dem Thema Pietà und Tod. Anspielend auf die maßgeblich seinen Ruhm befördernde Pietà im Petersdom versucht die Londoner Künstlerin Sam Taylor-Johnson in ihrer Videoarbeit, das Sinnbild in die heutige Zeit zu überführen. Übertragen in das filmische Medium erhöht sie Aussage und Pathos mittels Bewegung. In nackten menschlichen Körpern und unvollendete Torsi nimmt dann abschließend Alfred Hrdlicka programmatisch Bezug auf Michelangelos Sterbende. Die Torsohaftigkeit signalisiert den endlosen Drang der beiden Künstlern, eine Arbeit zu korrigieren, und somit das niemals endende Ringen um die beste Lösung.

Die Ausstellung „Der Göttliche. Hommage an Michelangelo“ ist bis zum 25. Mai zu besichtigen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der in der Kunsthalle 29 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



22.02.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Théodore Géricault, Leda mit dem Schwan, vor 1816
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Raffael, Michelangelos David vor dem Palazzo Vecchio, 1505/08
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Peter Paul Rubens, Die Schlacht der Kentauren und Lapithen, um 1600
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Johann Heinrich Füssli, Dalila besucht Samson im Gefängnis zu Gaza,
 1800/05
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Annibale Carracci, Pietà, um 1600
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in der Ausstellung „Der Göttliche. Hommage an Michelangelo“
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in der Ausstellung „Der Göttliche. Hommage an Michelangelo“
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Théodore Géricault, Leda mit dem Schwan, vor 1816

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Raffael, Michelangelos David vor dem Palazzo Vecchio, 1505/08

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Peter Paul Rubens, Die Schlacht der Kentauren und Lapithen, um 1600

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Johann Heinrich Füssli, Dalila besucht Samson im Gefängnis zu Gaza, 1800/05

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Annibale Carracci, Pietà, um 1600

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in der Ausstellung „Der Göttliche. Hommage an Michelangelo“

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Werkstatt von Frans de Vriendt, genannt Floris, Brustbild des Michelangelo, um 1550

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Auguste Rodin, Das eherne Zeitalter, 1876

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Alessandro Allori, Der Traum, um 1578

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Caravaggio, Johannes der Täufer, 1602

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