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Vom Wort zum Bild: Die Ausstellung „Miró. Malerei als Poesie“ im Hamburger Bucerius Kunst Forum offenbart, wie Dichtung und Malerei bei dem spanischen Künstler zu einer fantastischen Einheit verschmelzen

Lieber Maler, dichte mir



Kunstdrucke, Poster, Kalender, Postkarten, Kaffeebecher und was die Merchandise-Industrie sonst noch an massenkompatiblen Scheußlichkeiten bereithält: Joan Miró ist ein populärer Maler, dessen leicht eingängige Motive auch bei denjenigen beliebt sind, die nicht regelmäßig die Schwelle eines Museums überschreiten. Kunstkenner lassen ihn und sein spielerisch aufgeladenes Werk dagegen eher ein wenig links liegen. Vielleicht zu Unrecht. „Die akademische Kunstgeschichte muss Miró erst noch entdecken. Sie hat ihn gemieden. Es ist daher auch nicht bewusst, wie sehr er in die Avantgarde eingebunden war“, sagt jedenfalls Ortrud Westheider, die Direktorin des Bucerius Kunst Forums in Hamburg.


In der Ausstellung „Miró. Malerei als Poesie“ untersucht das Hamburger Ausstellungshaus jetzt weltweit erstmals einen bisher weitgehend unbeachteten Aspekt seines Werkes: Wie sehr hat sich Miró von der literarischen Avantgarde seiner Zeit, namentlich im Paris der 1920er Jahre, inspirieren lassen? Und inwiefern wirkten seine Bilder zurück, indem sie befreundete Poeten zu Texten ermunterten? Rund 80 Werke aus allen Schaffensperioden sind zu sehen, darunter über 40 Gemälde und – ganz zentral bei diesem Künstler – ebensoviele, häufig aufwändig gestaltete Künstlerbücher und Mappenwerke, die prominent in großen Vitrinen präsentiert werden. Im Medium des Buches entstanden bedeutsame Gemeinschaftswerke mit so bekannten Dichtern wie Paul Éluard, René Char, Pablo Neruda oder Alfred Jarry. 1.700 Bände, so berichtet Joan Punyet Miró, der extra aus Mallorca angereiste Enkel des Künstlers, umfasse die vollständig erhaltene Bibliothek seines Großvaters, die heute in der Fundació Joan Miró in Barcelona aufbewahrt wird. Darunter finden sich Werke von Shakespeare, Dante, Goethe, Dostojewski, Nietzsche oder Rimbaud.

Sein Großvater habe einen geregelten Tagesablauf gehabt. Von 9 bis 14 Uhr Malen, dann zwei Stunden Mittagessen, danach eine halbe Stunde Siesta. Anschließend widmete er sich dem Studium literarischer Werke. Nachts im Atelier drehte er dann noch einmal so richtig auf. Die chronologisch aufgebaute Ausstellung setzt ein mit Mirós Frühwerk. Bereits auf einem dem Kubismus verhafteten Stillleben mit Schaukelpferd, Tonpfeife und Glas ist ein aufgeschlagenes Buch zu sehen. Auf dem Stillleben „Nord-Sud“ von 1917 malte Miró einen Goethe-Band sowie den Schriftzug der Titel gebenden Literaturzeitschrift.

Mit dem Umzug nach Paris 1920 kam der Wendepunkt. Joan Miró begann, die Gegenstände aufzulösen. Erste monochrome Bilder entstanden. Die wenigen noch übrig gebliebenen Formen und Figuren scheinen jetzt zeichenhaft vor dem Fond zu schweben. Miró verkehret in surrealistischen Pariser Dichter- und Künstlerkreisen, wo seine Bilder großen Anklang fanden. „Es ging den surrealistischen Dichtern darum, die Sprache von der rationalen Geste zu befreien, um dem Leser die eigenen Assoziationen zu öffnen. Miró hat diese Befreiung unterstützt und sich Gedanken gemacht, wie man das in Malerei umsetzen kann“, erläutert Ortrud Westheider.

In seiner Serie „peintures-poèmes“ – „Bildgedichte“ – kombinierte Miró Bild- und Textelemente. Stark beeinflusst von der Lyrik seiner Zeit, etwa von Antonin Artaud, Paul Éluard oder Tristan Tzara, wurde er zum „Malerdichter“. 1936 sagte er in einem Interview: „Ich mache keinen Unterschied zwischen Malerei und Dichtkunst.“ Ausgehend von der Schrift, entwickelte er eine vollkommen neue, eigenwillige Bildsprache. Auch wenn auf vielen seiner Bilder an Schriftzeichen erinnernde Symbole erkennbar sind, so entfalten diese jedoch keinerlei semantische Logik. Sie mutieren vielmehr zu frei fließenden poetischen Formen zwischen Landschaften, Körpern und Kosmos.

Die Begegnung und Freundschaft mit Surrealisten wie André Breton oder Louis Aragon ermunterte Joan Miró Mitte der 1920er Jahre zu immer fantastischeren Bildideen. Weibliche Körper treffen auf Sterne, Sonnen und Vogelköpfe. Über allem schwebt eine große mediterrane Leichtigkeit, die – auch das zeigt die Hamburger Schau – 1936 nach der Machtübernahme durch Franco zunächst einmal umkippt. Unter dem Schock der Ereignisse entstehen vorübergehend auch dunkeltonige Bilder voller düsterer Dramatik. Noch einmal Ortrud Westheider: „Die politische Dimension dieses Künstlers wird hier sehr deutlich. Dies alles trägt zur Revision von Miró bei.“

Die Ausstellung „Miró. Malerei als Poesie“ ist bis zum 25. Mai zu sehen. Das Bucerius Kunst Forum Hamburg hat täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Der Katalog ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet in der Ausstellung 29 Euro, im Buchhandel 39 Euro.

Kontakt:

Bucerius Kunst Forum

Rathausmarkt 2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 360 996 0

Telefax:+49 (040) 360 996 36

E-Mail: info@buceriuskunstforum.de



08.02.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


31.01.2015, Miró. Malerei als Poesie

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in der Ausstellung „Miró. Malerei als Poesie“
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in der Ausstellung „Miró. Malerei als Poesie“

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