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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Neumeister in München überzeugte bei der Auktion moderner und zeitgenössischer Kunst mit einem Großteil des Angebots

Extras für Müller



Die mal mehr, mal weniger lichten Blauabstufungen sind weich aufgetragen, die fast ornamental anmutende Linienführung vermittelt geschmeidige Glätte. So wohlwollend und unaufdringlich stellt sich Johann Georg Müller eine Frau vor, die friedliebend ihre Kinder im Arm wiegt. Aufs Innigste umschlungen ergibt sich eine formatfüllende muschelartige Formation, die Hände, Füße und Köpfe fließend in sich aufnimmt und zu einer Einheit verschmelzen lässt. In sich ruhend und ganz und gar nicht aufgeregt, ging Müllers Ölgemälde „Extra“ mit einem Schätzwert bis zu 60.000 Euro in die Versteigerung bei Neumeister. Umso mehr wurden die Auktionatoren wachgerüttelt, als ein Bietgefecht ins Rollen kam und die gewünschte Summe plötzlich weit hinter sich ließ. Bezaubert von der gelungenen Komposition und der harmonischen Ausführung machte ein ehrgeiziger Kunde 110.000 Euro locker, um sich die Leinwand von 1978 zu sichern.


Das Münchner Auktionshaus kann sich auf seine treue Fangemeinde für den Pfälzer Maler verlassen, sie schon häufiger die Preise für dessen Werke nach oben berichtigt hat. So erging es am 4. Dezember auch Johann Georg Müllers lachenden „Kindern“; für 4.000 bis 6.000 Euro angepriesen, erreichte die monochrom braune, aquarellierte Zeichnung unerwartete 14.000 Euro. Sein nachexpressionistisch anmutendes „Stillleben mit Äpfeln“ von 1979 konnte 32.000 Euro einfordern (Taxe 20.000 bis 32.000 EUR). Doch da ging noch mehr. Müllers lockere Buntstift- und Federzeichnung „Frauenkopf“ von 1971 sollte um die 3.000 Euro einspielen. Das sah ein siegessicherer Bieter anders und berappte 45.000 Euro, und für Müllers dicht konstruiertes Aquarell- und Tuscheblatt „Bildnis Mann mit Hut und Fliege“ von 1955 kamen gewinnbringende 52.000 Euro zusammen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Damit war der Koblenzer Künstler einer der Sieger der Auktion und gab den Überraschungscharakter der Veranstaltung vor.

Denn es gab einige unerwartete Entwicklungen, sowohl in positiver, als auch in weniger erquickender Hinsicht. Auf der Habenseite standen die gut 66 Prozent, die nach Losnummern den Besitzer wechselten, einige davon zu erstaunlichen Preisen. So manche groß angekündigten Hoffnungsträger, besonders im Bereich zeitgenössischer Kunst, blieben zum Bedauern der Einlieferer hingegen liegen; auch Müller musste einige Federn lassen. Nichtsdestoweniger ist die Gesamtbilanz für das Münchner Auktionshaus eine gute, bedenkt man den Gesamtumsatz von über 1,5 Millionen Euro.

Moderne Kunst

Wenig überraschend verlief die Versteigerung von Pablo Picassos Bleistiftzeichnung „Nu“ von 1944, die einer sechsteiligen Serie entstammt. Flink, fast virtuos hat er die kaum unterbrochenen Umrisslinien einer hockenden Frau auf das Papier gebracht. Das Gesicht erscheint wie der ganze Körper im Profil. Auf Einzelheiten verzichtet Picasso, der angedeutete Akt genügt sich selbst. Die klassische Formensprache ging für 220.000 bis 250.000 Euro ins Rennen und konnte die untere Schätzgrenze ohne großes Aufsehen erreichen. Zwei weitere Arbeiten des Spaniers sorgten da schon für mehr Spannung im Publikum. Die Radierung „Marie-Thérèse agenouilleé contemplant un groupe sculpté“ von 1933 aus der 260teiligen „Suite Vollard“ korrigierte die veranschlagten 4.000 Euro mit 9.500 Euro deutlich nach oben, ebenso wie die Radierung „Femme nue se couronnant de fleurs“ von 1939, die die Taxe von bis zu 3.500 Euro hinter sich ließ und 7.000 Euro einnahm.

Die Franzosen hatten noch Albert Lebourgs impressionistische Sicht vom Quai de la Tournelle über die Seine auf „Notre Dame de Paris“ für 11.000 Euro (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR), Raoul Dufys lichtes Aquarell „Bouquet de fleurs dans un vase“ um 1942 für 18.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) und Georges Braques kräftige, kaum mehr räumliche Farblithografie „Feuilles, couleurs lumière“ von 1953/54 für 11.500 Euro zu bieten (Taxe 4.500 bis 6.500 EUR). Herausragend lief es vor allem für Tsuguharu Foujitas Gemälde „La vièrge et trois dames“ von 1917. Die religiös inspirierte Darstellung mit ihren elegant gelängten Frauengestalten, für die sich der gebürtige Japaner und Wahlfranzose der mittelalterlichen Goldgrundmalerei bediente, verdoppelte ihren Wert auf 70.000 Euro.

Ein weiterer Platz auf dem Siegertreppchen geht an Erich Heckel. Sein farbiger Holzschnitt „Paar“ von 1910 ist eines seiner seltenen Blätter, da der Brücke-Künstler damals nur wenige Exemplare druckte. Expressionistisch kommt das eng umschlungene Liebenspaar aus groben schwarzen Linien daher. Ein hellroter Hintergrund bildet einen farblichen Akzent in dem dominierenden Schwarz. Die bewilligten 137.000 Euro bewegen sich im Rahmen des Gewünschten von 100.000 bis 150.000 Euro. Weitere niedrigpreisige Arbeiten von Heckel waren ebenfalls im Rennen, wovon die in Aquarell gearbeiteten „Gladiolen“ von 1945 für unerwartete 7.000 Euro verkauft wurden (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Der tausend Mal gedruckte Holzschnitt „Liegende“ aus der Ganymed-Mappe von 1925 blieb mit 800 Euro ebenso seinem Schätzwert treu, wie die Lithografie zweier nackter Badenden „Am Strand“ von 1923 mit 2.000 Euro. Seinen Holzschnitt „Krummer Kanal“ von 1915 wollte dagegen niemand haben (Taxe 1.000 bis 1.600 EUR).

Das „Blumenstilleben mit Sonnenblumen, Gladiolen und Pickelhelm“ von Peter August Böckstiegel aus dem Jahr 1915 besticht nicht nur durch die satte Farbigkeit. Besonders die biografischen Hinweise auf das Leben des westfälischen Expressionisten lassen die Ölmalerei an Bedeutung gewinnen. Der Beginn des Ersten Weltkriegs führte zu einem tiefgreifenden Einschnitt in Böckstiegels Dasein. Die auf dem Tisch liegende Pickelhaube inmitten des leuchtend-kräftigen Arrangements aus Blumen und Früchten erzählt von der Einberufung des jungen Malers zum Soldaten und dem damit verbundenen Abschied von Zuhause. Seine gleichsam subtile wie offenkundige Ausdrucksweise überzeugte und sorgte für einen Hammerschlag bei 29.000 Euro (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Ebenso glücklich lief es für die expressionistisch-gruslige „Leonie“ von Otto Dix, die für 48.000 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR), oder eine grau-schwarz patinierte Bronzeplastik von Fritz Behn. Der pfeilschlanke „Leopard in Schrittstellung“ erreichte 28.000 Euro (Taxe 13.000 bis 15.000 EUR).

Eine erneute Niederlage erfuhr der Einlieferer von Conrad Felixmüllers stilpluralistischem Gemälde „Himmlischen Rose – Londa mit der Heckenrose“. Das 1927 entstandene Bildnis von des Künstlers Frau wollte durch sommerliche Wärme und intime Vertrautheit auf sich aufmerksam machen. Doch das gelang ihr wider Erwarten nicht und sie blieb liegen (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Hermann Max Pechsteins „Im Harem“, eine Farblithographie von 1909, auf der zwei fremdländische Damen sich auf einem Bett niedergelassen haben, erreichte hingegen einen erfreulichen Preis von 20.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Auch Leo Putz konnte seine Ansicht vom herbstlichen Schloss Seefeld, die er 1925 mit zwei Damen im Boot auf einem Kanal angereichert hat, für gute 32.000 Euro loswerden (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Kunst seit 1945

Die wässrigen Kreise und runden Linien pastelligen Couleurs auf einem unbetitelten Aquarell Ernst Wilhelm Nays werden lediglich durch drei schwarze Akzente in ihrer warmen Lichtheit unterbrochen. Die zarte Abstraktion aus dem Jahr 1958 bewegte sich taxgerecht bei 18.000 Euro ins Ziel (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Fred Thieler war ebenfalls in der gestischen Malerei zuhause, er folgte dem Prinzip der Formlosigkeit. So entstand 1959 auch sein „S.W.I. (mit weißen Akzenten)“. Die unruhigen schwarzen Flächen kamen womöglich mit dem Spachtel auf die Leinwand, darüber ergießen sich nach zwangloser Manier ockerfarbene und weiße Farbstreifen und Klekse. Das vibrierende Moment erinnert an die gepeitschten Arbeiten von Jackson Pollock und konnte mit Leichtigkeit einen Abnehmer für 14.000 Euro finden (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Im Bereich des deutschen Informel hatte auch Gerhard Fietz einen guten Auftritt. Sein „Bild 1948 Nr. 73“ aus amorphen schwebenden Formen auf blauem Grund kletterte auf 25.000 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Hans Hartung war mit der hellgrauen, schwarzen und hellblauen Schraffur „P1667-115“ vertreten. Für 8.000 bis 11.000 Euro angepriesen, erreichte das Blatt von 1967 beachtliche 22.000 Euro, und auch seine durch einen schwarzen Balken geteilte Zeichnung von 1957 mit lockerer Strichfolge und einem Kreissegment ließ sich bei 29.000 Euro nicht lumpen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Otto Piene brachte 1978 einen abstrakt formulierten „Flying Fire Fish“ auf die Leinwand. Eine feuerrote runde Form vereint sich mit dunkelgrauen Flächen, die in ihrer bewegten Struktur den Piene-typischen Eindruck von Asche und Verbrannten vermitteln. Ein Bieter ließ für diesen sichtbar gewordenen Verbrennungsprozess überschaubare 28.000 Euro springen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ebenfalls in der „ZERO“-Gruppierung bewegte sich Heinz Mack, der die Versteigerung mit einem unbetitelten Lichtrelief bereicherte. Die quadratische Arbeit aus Aluminium trägt eine regelmäßige plastische Struktur und folgt damit einer auf Licht und Immaterialität abzielender Auffassung. Mack ließ seinen Künstlerfreund Piene hinter sich und schlug mit 37.000 Euro unverhofft gut zu Buche (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Auch der Italiener Getulio Alviani spielt bei seinen auf Pressspan geklebten Aluminiumplatten „Superficie a testura vibratile opera programmata n. 6029“, die die Form einer großen Raute ergeben, mit dem Material Licht. Eifrige Kunden sorgten hier für 13.000 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Manche Zeitgenossen hatten es indes deutlich schwerer, wie zum Beispiel der Düsseldorfer Akademiemaler Markus Lüpertz. Sein eher untypischer neoexpressiver Farbrausch konnte die Erwartungen von 14.000 bis 16.000 Euro nicht erfüllen und blieb liegen, wie auch seine dunklere „Dämmerung“ mit einer vagen Ansammlung von Häusern für 12.000 bis 14.000 Euro. Die Versteigerung von Christian Hellmichs „Sensortype“ von 2009 verlief genauso kühl. Die mit einem Schätzwert von bis zu 10.000 Euro angepriesene Arbeit aus verschiedenfarbigen Linien und Flächen fand keinen Abnehmer, ebenso wenig wie Anca Bodeas in tiefes Blau getauchtes Bett samt Frisierkommode mit dem Namen „Last night in Venice“ von 2012 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Glücklicherweise konnte der kräftig formulierte „Cavalier rouge“ des Griechen Alecos Fassianos aus den 1980er Jahren vom 8.000 Euro auf 15.000 Euro lospreschen. Den Erwartungen konform kamen Martin Herlers weiß-violette Blüten seiner „Magnolien“ von 2010 und Eckart Hahns grauer Zimmerausschnitt „Schmelze“ von 2008 mit zwei leuchtenden und miteinander kommunizierenden Schreibtischlampen bei jeweils 5.000 Euro ans Ziel (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR).

Gut lief es für Jiri Hilmar gefaltetes Relief mit schwarzen Kreisen auf weißen Quadraten; „Obsah 101/2“ von 1971 verbesserte sich von 1.800 Euro auf 7.500 Euro. Für enttäuschte Stimmung sorgte dann wieder eine hyperrealistische Arbeit des Chinesen Ling Jian. Seine in Form eines frontalen Mädchenkopfes erscheinende „Revolution“ sollte durch geheimnisvolle Doppeldeutigkeit und den lasziven Blick der attraktiven jungen Dame bestechen. Nichts zu wollen, die für 90.000 bis 100.000 Euro angepriesene Arbeit von 2009 scheiterte. Auch für die Ölcollage von Bernhard Heisig lief es nicht rund. Vielleicht schreckte ihr Titel „Aggressiver Nachmittag“ mit einem schwarz gekleideten Maler, der von drei Störchen bedrängt wird, die potenziellen Käufer ab (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Uwe Lausen wendete dann nochmal das Blatt mit einer unbetitelten Arbeit. Für seine grob aufgetragenen Linien aus Schwarz, Braun, Orange und Weiß, die einen Kopf vor blauem Hintergrund ergeben, wollte ein Bieter ohne Scheu 14.000 Euro loswerden (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Die Preise verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



01.02.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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04.12.2014, Neumeisters Moderne

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Leo Putz,
 Schloss Seefeld, 1925
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Leo Putz, Schloss Seefeld, 1925

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Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 245




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