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Georg Baselitz gehört zu jenen Künstlern, die beständig aus dem eigenen Œuvre schöpfen. Auch bei seinem jüngsten Werkblock, den schwarzen Bildern. Sie sind derzeit in der großen Baselitz-Schau im Haus der Kunst in München zu sehen

Der Adler fliegt noch immer



Altersmüde ist der 76jährige Georg Baselitz auf keinen Fall. 2013, als ihm der in Paris und Salzburg agierende Galerist Thaddaeus Ropac in seiner Ausstellungshalle an der Seine eine Jubiläumsschau ausrichtete, kam das Unerwartete. Baselitz, der Maler expressiver, aber heller und oft hintergrundloser Bilder, war abgetaucht in die Untiefen der Farbe Schwarz. Von radikal neuen, bildnerischen Konzepten, von der Eliminierung der Kontraste, von Minimalismus war die Rede. Groß und monumental und auch mit einem gewissen pathetischen Anspruch hängen sie derzeit in der retrospektiv angelegten Ausstellung „Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute“ im Haus der Kunst in München. Doch Baselitz folgt mit diesen schwarzen Bildern, wie der Werkblock bereits genannt wird, nicht den Spuren eines Kasimir Malewitschs, der das Metaphysische des schwarzen Quadrats erkunden wollte, oder den Mustern Ad Reinhardts, der mit seinen balkenartigen Schattierungen strikt im Abstrakten blieb. Wie immer schöpft Baselitz aus dem eigenen Œuvre. Die Selbstreflexion bleibt der Dreh- und Angelpunkt seines künstlerischen Agierens. Das ist der rote Faden der Ausstellung, und die schwarzen Bilder sind Anfangs- und Endpunkt zugleich. In ihnen steckt Kontinuität und zugleich Abweichung. Denn für diese Serie pastoser Arbeiten hat er seine Bilderwelt in die Dunkelkammer geschickt, die Farben bis zum äußersten gedimmt. Und doch erhebt sich auf dem Gemälde mit dem abstrusen Titel „Dunkel age schwarzim“ jener Adler mit bewegtem Gefieder, den er schon in den 1970er Jahren in stürmischer Pose und mit energischem Gestus auf die Leinwand gebracht hat.


Der Adler, Porträts seiner Frau Elke und die linear akzentuierten Figuren sind Schlüsselmotive im Werk des mittlerweile auch in die preisliche Millionensphäre aufgestiegenen Künstlers. Bei einer Überblicksschau, die Werke aus 50 Jahren beinhaltet, dürfen sie nicht fehlen. Michael Semff, Direktor der Graphischen Sammlung München, schrieb zum Pariser Debut der schwarzen Bilder: „Die Zeit scheint hier zum Anhalten gekommen zu sein, welches nicht Stillstand meint, sondern Beruhigung ‚nach der Schlacht`.“ Im Kontext der Münchner Schau ist diese Sicht umso verständlicher.

Jahrzehntelang hat Georg Baselitz mal wilder, mal grüblerischer, mal farbiger, mal mehr, mal weniger flächig an der Expressivität seiner Bilder gearbeitet. „Die großen Freunde“ von 1965 lassen noch die Orientierung am italienischen Manierismus erkennen, und in großen Farbblöcken hat er 1977 den „Kopf-Elkeprofil“ festgehalten. Egal, was Baselitz in diesen Jahren getan hat, seine Malerei ist ein Aufbegehren gegen Akademismus und Konformismus. Schon in den 1960er Jahren hat er die Bilder in Streifen zerlegt und als Frakturbilder scheinbar gebrochen und verschoben wieder zusammengesetzt. In den 1990er Jahren dann hat er dicke Farbstränge über die Figuren gelegt, um den Kern des Bildes ins Unerreichbare zu versetzen. Baselitz hat die Malerei als Ausdruck seiner Emotionen immer wieder variiert, die Bildinhalte aber nur selten. Man hat sich daran gewöhnt, dass er irgendwann seine Bilder auf den Kopf stellte. Aber man wird das Gefühl nicht los, dass sich hier jemand jahrzehntelang um den selben Gegenstand dreht.

Die jüngere Geschichte der deutschen Malerei ist nur schwer vorstellbar ohne Georg Baselitz. Sein Platz ist festgeschrieben zwischen Sigmar Polke und Gerhard Richter, zwischen Markus Lüpertz und Jörg Immendorff. Zwischen all jenen, die in den 1960er und 1970er Jahren die Abstraktion als Einbahnstraße empfanden und die Figur wieder aufleben ließen. Von diesem Weg ist Baselitz nie abgerückt. Als er jedoch 2007 seine Remix-Folge schuf und Bilder wiederholte, die er vor 30, 40 Jahren gemalt hat, war das Rätseln groß. Ausgebrannt oder größenwahnsinnig? Eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein gehört schon dazu, sich in Bildern wie „Vorwärts Wind“ mit einem angedeuteten Hitler vor einem locker hingemalten Baum oder mit dem vielschichtigen „Vier Streifen Jäger“ selbst zu zitieren und das eigene Werk leicht adaptiert noch einmal auszuloten. Schließlich schiebt sich das Frühwerk aus längst vergangenen Tagen zu einem Zeitpunkt, da der Künstler auf der Anerkennungs- und Erfolgswelle schwimmt, noch einmal in den Mittelpunkt seines Schaffens. Nicht um vernichtet zu werden, sondern um mit Aktualität und Bedeutung aufgepumpt zu werden. Der reife Baselitz klopft dem jüngeren auf die Schulter und holt noch einmal tief Luft für ein weiteres Kapitel der Selbstreflexion. Baselitz kehrte dann die Farbwerte früherer Gemälde um. Vor schwarzem Hintergrund werden Konturen schwächer, lösen sich fast auf. „Das gelbe Kleid ist blau geworden“ heißt beispielsweise eines der Bilder aus der Negativ-Serie. Sie zeugt von einer malerischen Gelassenheit, die sich nur leistet, wer sich seiner selbst sicher ist, und die schließlich in die schwarzen Bilder mündet.

Baselitz braucht die Farbe nicht mehr. Das verdeutlicht er auch in seinen überdimensionalen, kantigen Skulpturen, die er mit der Kettensäge aus dicken Baumstämmen herausarbeitet. Die Rillen des Sägeblatts geben der Oberfläche Kontur, die Umrisse sind schematisch und von einer Simplizität wie bei einer afrikanischen Stammesfigur. Wie ungelenke Riesen stehen die Bronzeversionen der Holz-Urmodelle von 2012 und 2013 im Münchner Haus der Kunst. Sie passen gut zu Baselitz’ neuer Gelassenheit. Schließlich wussten schon die Expressionisten: Auch Rohheit ist eine Methode der Abgrenzung.

Die Ausstellung „Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute“ ist bis zum 1. Februar zu sehen. Das Haus der Kunst hat montags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, für Jugendliche unter 18 Jahren 5 Euro, und für Kinder bis zu 12 Jahren ist er kostenlos. Der Katalog aus dem Prestel Verlag mit 224 Seiten kostet in der Ausstellung 49,95 Euro.

Kontakt:

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 21 12 70

Telefax:+49 (089) 21 12 71 57



11.01.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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