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Erstmals stellt auf der Darmstädter Mathildenhöhe eine umfassende Übersicht das Werkschaffen von Hans Christiansen vor. Lange führte der Star unter den deutschen Jugendstilkünstlern ein Schattendasein

Der Erstberufene des Jugendstils



Im Gespräch zu bleiben, ist allein schon eine strategische Kunst. Wie erbarmungslos Zeitläufe filtern, zeigt die Durchsicht alter Verzeichnisse vordem renommierter Kunstschaffender, deren Namen heute mit Achselzucken begegnet wird. Von den sieben durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt im Jahr 1899 in die Mathildenhöher Künstlergemeinschaft Berufenen spielen lediglich der Österreicher Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens in Kunstdiskursen immer noch eine Rolle; beider Werkschaffen wurde in den vergangenen Jahren in großen Ausstellungen erneut vorgestellt. Hans Christiansen gehört zu denen, die hinter den Frontfiguren im Dunkel der Kunstgeschichte verharren. Immerhin taucht Christiansens Name ab und an auf Auktionen auf, wenn Ölbilder, Grafiken oder Gebrauchsgegenstände zum Verkauf stehen. Von den restlichen vier – dem Kunstgewerbler Patriz Huber, dem Bildhauer Ludwig Habich, dem Kleinplastiker und Medailleur Rudolf Bosselt sowie dem Dekorationsmaler und Entwerfer Paul Bürck – sind nicht einmal alle in einschlägigen Künstlerlexika angeführt.


Kurz vor dem 70. Todestag und dem 150. Geburtstag rücken vier bundesdeutsche Museen das Werkschaffen Hans Christiansens mit einer Retrospektive ins Rampenlicht. Den Anfang bestreitet derzeit das Institut Mathildenhöhe in Darmstadt, wo der Künstler zwischen 1899 und 1911 wirkte. Über die einschlägig ausgerichteten Museen Villa Stuck in München und dem Berliner Bröhan-Museum zieht die Schau bis in den hohen Norden nach Flensburg, wo der Kaufmannssohn am 6. März 1866 das Licht der Welt erblickte und seit 1959 sein Nachlass verwahrt wird.

Schon mit der breiten Auffächerung seines Œuvres verdeutlicht das Darmstädter Museum die große Schaffensvielfalt des Multitalents. Christiansens Werk erstreckt sich über fünf Jahrzehnte von etwa 1890 bis 1940 und verarbeitet so unterschiedliche Inspirationsquellen wie Historismus, Symbolismus, Impressionismus, Jugendstil, Expressionismus und Art Déco. Rund 300 Gemälde, Zeichnungen, Tapisserien, Illustrationen, Gläser, Schmuckstücke, Glasfenster, Bestecke, Plakate, Keramik- und Textilarbeiten sowie Einrichtungsgegenstände versammelt die Ausstellung. Neben bekannten und oft aber nicht mit dem Namen des Künstlers in Verbindung gebrachten Werken wie den stilisierten Rosenmotiven aus der Zeit um 1900 hält die Schau viel bislang Unbekanntes und kaum Wahrgenommenes bereit, etwa Mode- und Plakatentwürfe aus den 1920er Jahren.

Chronologisch arrangiert, hat der Kurator Philipp Gutbrod die Exponate eng mit der Biografie des Künstlers verknüpft. Nach der 1881 begonnenen Lehrzeit als Dekorationsmaler in Flensburg und der Gesellenprüfung im Herbst 1885 arbeitet Hans Christiansen als Dekorationsmaler in einer Hamburger Firma, unterbrochen von einem zweisemestrigen Studium an der Münchener Kunstgewerbeschule 1887/88. Danach tritt er eine Stelle als Fachschullehrer in Hamburg an und arbeitet nebenbei als Dekorationsmaler. Plakatentwürfe oder Postkarten führen den typisch deutschen, biederen Historismus vor Augen.

Auf der Reise zur Weltausstellung in Chicago 1893 lässt sich Christiansen stark von Arbeiten des Louis Comfort Tiffany und japanischer Kunst inspirieren. In der Folge entwickelt er flächenhafte Motive sowie dem Materialcharakter Rechnung tragende Dekorierungen. Vom Herbst 1895 bis ins Jahr 1899, während des Fin de Siècle, wohnt er in Paris. Neben seiner selbständigen Arbeit als Maler und Entwerfer studiert Christiansen an der privaten Académie Julian, einem Hort der Avantgardekunst. In Paris, dem weltweiten Zentrum moderner Plakatgestaltung, wendet er sich den typisch vegetabilen Elementen des französischen Jugendstils zu bei zunehmender Stilisierung der Formen, geschwungener Linienführung, Flächigkeit der Sujets und satten Farben.

Rasch entwickelt sich Hans Christiansen zum Universalschaffenden und steigt mit seinen durch Konzentration auf wesentliche Elemente besonders ausgezeichneten Plakaten, Buchgestaltungen und Gebrauchsgrafiken zum bekannten Jugendstilkünstler auf. Ab 1896 liefert er Entwürfe für die Zeitschrift „Jugend“. Seine Titelblattgestaltungen werden zu Musterbeispielen des deutschen Jugendstils, etwa der von einem Drachen umwundene weibliche Akt, der sich mit ausgewogenen Bild- und Schriftelementen sowie schwungvoll den Motiven angepassten Formen hervortut. Auf Ausstellungen begeistern seine Werke, so dass der hessische Großherzog den Künstler persönlich 1898 im Pariser Atelier besucht und zum Professor ehrenhalber und Mitglied der Mathildenhöher Künstlerkolonie beruft.

In Darmstadt entwickelt Hans Christiansen – sicherlich beeinflusst von Joseph Maria Olbrich – eine Präferenz für einen eher geometrisch beruhigten Wiener Jugendstil. Neben Plakaten zu Festen oder Ausstellungen auf der Künstlerkolonie gehört sein Wohnhaus „In Rosen“ zu seinen Hauptwerken. Das grün bedachte, von bunter Innenausstattung ausgezeichnete Gesamtkunstwerk wurde leider im Zweiten Weltkrieg zerstört und wird in der Ausstellung anhand von Modellen und Fotografien vermittelt. Von Bedeutung sind auch Christiansens Beteiligungen an den Weltausstellungen in Paris 1900 sowie Saint Louis 1904, wo er mit einem Intarsienbild präzis den Zeitgeist trifft. Fußend auf musivischen Glastechniken kommen stark lineare Konturierungen, Flächenhaftigkeit und Farbintensität zum Ausdruck.

Im Jahr 1911 verlässt Hans Christiansen die Künstlerkolonie und bezieht eine großzügige Wohnung in einer vornehmen Renaissancevilla in der wohlhabenden Kurstadt Wiesbaden. Entsprechend den neoklassischen Stuckaturen gestaltet er hierfür vergoldete kubische Salonmöbel im strengen Jugendstil mit klassizistischer Note, die in der Ausstellung das letzte Kapitel einleiten. Am 1. Oktober 1917 nimmt Christiansen die Stelle als Lehrer an der Kunstgewerbeschule zu Wiesbaden auf und arbeitet weiter freischaffend. Erstmals wird dieser Werkkomplex behandelt. 1916/17 erhält er Aufträge des Deutschen Modebundes zu Entwürfen für Kleider, die im gesamten Reich für Aufsehen sorgen.

In den 1920er Jahren passen sich Stil und Malweise zumeist den Wünschen der Auftraggeber an. Er führt Blumen- und Landschaftsbilderbilder sowie zahlreiche Porträtaufträge aus, daneben Gebrauchsgrafiken wie Etiketten und Plakate beispielsweise für die Sektkellerei Kupferberg. Christiansens Farbpalette wird heller, und in den letzten Lebensjahren herrscht eine feinere Pinselführung vor. Mit dem Pavillon auf der Deutschen Rosenschau in Mainz 1925 gelingt es ihm erst- und letztmalig, ein Bauwerk zu realisieren. Den Abschluss der Ausstellung bilden Schmuckstücke wie Ketten, Armbänder, Broschen, Ringe, deren Gestaltung oft schon dem Art Déco verpflichtet sind.

Da seine 1897 geehelichte Frau Claire aus der jüdischen Mannheimer Kaufmannsfamilie der Guggenheims stammt, gerät auch Hans Christiansen nach 1933 in Schwierigkeiten. Nach Ablehnung der Aufforderung, sich scheiden zu lassen, erhält er Mal- und Ausstellungsverbot. Infolge einer Lungenentzündung stirbt Hans Christiansen am 5. Januar 1945 in Wiesbaden.

Die Ausstellung „Hans Christiansen. Die Retrospektive“ ist bis zum 1. Februar zu besichtigen. Das Institut Mathildenhöhe hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 29 Euro.

Kontakt:

Institut Mathildenhoehe

Olbrichweg 13

DE-64287 Darmstadt

Telefax:+49 (06151) 13 37 39

Telefon:+49 (06151) 13 27 78



05.01.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


12.10.2014, Hans Christiansen - Die Retrospektive

Bei:


Institut Mathildenhöhe

Bericht:


Hans Christiansen in der Villa Stuck

Variabilder:

Hans Christiansen, Künstler-Kolonie Darmstadt
 Orange-Fest, 1901
Hans Christiansen, Künstler-Kolonie Darmstadt Orange-Fest, 1901

Künstler:

Hans Christiansen







Hans Christiansen, Künstler-Kolonie Darmstadt Orange-Fest, 1901

Hans Christiansen, Künstler-Kolonie Darmstadt Orange-Fest, 1901




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