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Das Frankfurter Städel beleuchtet das Werk Albert Altdorfers und die Kunst im frühen 16. Jahrhundert

Stürmisch und mild



Albrecht Altdorfer, Geburt Christi, um 1511

Albrecht Altdorfer, Geburt Christi, um 1511

Klassisch wie auf einem Gemälde der Spätgotik sind Christus und die beiden Schächer angeordnet: Der Blick geht frontal auf das Kreuz, dem die beiden Mitverurteilten achsensymmetrisch beigeordnet sind. Davor spielen sich die üblichen Szenen ab: Maria, die ohnmächtig niederfällt und von Jünger Johannes nur mühsam aufgefangen werden kann, auf der anderen Seite einige Hauptleute zu Pferde, die gestikulierend das Geschehen zu kommentieren scheinen. Und doch ist etwas anders in dieser sogenannten Schottenkreuzigung des Lucas Cranach d.Ä. Schaut man genau hin, so erweisen sich die Figuren als teilweise ausgesprochen verzeichnet, die Konturen sind unscharf umrissen, fast urwaldartig wirkt die umgebende Landschaft, in die die Szene regelrecht hineingebettet ist. Die Neuerungen, die dieses um 1500 entstandene Gemälde kennzeichnen, sind vergleichsweise zaghaft, mehr angedeutet als wirklich durchgeführt. Und doch senden sie ein Signal dem Kunstbetrachter und Kunstkenner: Etwas wird anders in der deutschen Malerei auf der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhunderts, die Künstler verlassen die eingefahrenen Wege und eröffnen der Kunst neue Ausdrucksmöglichkeiten.


Zu sehen ist die „Schottenkreuzigung“, die sich normalerweise im Kunsthistorischen Museum Wien befindet, derzeit im Frankfurter Städel in der Ausstellung „Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500“. Die auf eine Ausstellungsebene beschränkte, damit keineswegs monumentale und doch ausgesprochen sehenswerte Schau widmet sich damit einem Bereich der Kunst, der das ganze 20. Jahrhundert hindurch immer wieder die Aufmerksamkeit der Museumsleute wie der Kunsthistoriker auf sich gezogen und dabei manche Wandlung in Wahrnehmung und Wertung erfahren hat. Den Begriff der „Donauschule“ prägte man im späten 19. Jahrhundert für diese Gruppe von Künstlern um Altdorfer, den frühen Cranach, Wolf Huber oder Hans Leinberger; doch er wird heute nur noch ungern verwendet, ist weltanschaulich belastet und obendrein verwirrend, da das Phänomen auch anderswo als im bayerisch-österreichischen Donauraum zwischen Regensburg und Wien auftritt.

Dieses „Phänomen“ – das könnte man umschreiben mit einer Entdeckung und Integration der Landschaft als Stimmungsträger in die Malerei, mit einem neuen, in der Tat „expressiven“ Figurenstil, mit einer neuen Räumlichkeit, in die der Betrachter zunehmend hineinversetzt wird. Cranachs „Schottenkreuzigung“ steht uns noch frontal gegenüber, doch wenig später beginnen wir, die Richtstätte zu umkreisen. In großartigen Zeichnungen Altdorfers, Hubers oder Hans Mielichs werden wir regelrecht Teil des Personals, das zudem in Szenen und Handlungen gezeigt wird, die nicht der engeren biblischen Überlieferung entlehnt sind und den Konventionen der vorausgegangenen Darstellungsformen entsprechen. „Schräge Ansichten bei Kreuzigungen und anderen Passionsszenen“ heißt denn auch eine eigene Sektion der Ausstellung, die sich dieser für die Veränderungen in der Kunst zu Beginn des 16. Jahrhunderts sehr bezeichnenden Erscheinung widmet.

Schwerpunktmäßig hat man in der Vergangenheit stets den Fokus auf die Malerei und Zeichnung dieser Umbruchzeit am Übergang zwischen Mittelalter und Neuzeit gelegt. Man kennt ihre Repräsentanten wie Cranach und Altdorfer oder auch dessen jüngerer Bruder Erhard Altdorfer, der unter anderem mit der in jedem Sinne fantastischen Zeichnung „Die große Fichte“ in der Schau zugegen ist. Bei den Bildhauern sieht es da schlechter aus: Abgesehen von dem in Landshut tätigen Hans Leinberger, über dessen Leben man allerdings auch herzlich schlecht informiert ist, weiß man von vielen seiner Zunftgenossen nicht einmal die Anrede. „Monogrammist IP“ ist so ein Notnamenträger, dessen atemberaubend virtuose Reliefs vor allem im südostdeutschen Raum nachweisbar sind und auf einen künstlerischen Austausch mit dem in Passau als Hofmaler wirkenden Huber schließen lassen. Aus Würzburg ist Peter Dell d.Ä. mit mehreren nicht minder beeindruckenden Werken vertreten. Sie belegen zugleich, dass sich die Kunst der „Donauschule“ eben nicht auf den Donauraum beschränkt hat.

Unbekannt ist auch der wirkliche Name des Meisters des Zwettler Hochaltarretabels. Aus dessen Werkstatt ging eines der beeindruckendsten Exponate der Frankfurter Ausstellung hervor, die Apostelzone des Mittelschreines eben jenes Altars in der niederösterreichischen Zisterzienserkirche. In mächtigen Kringeln und Schrauben wirbeln die Mäntel der zwölf dicht zusammengedrängten Männer umeinander, zu krausen Trachten sind die Frisuren und Bärte aufgebauscht, die mal fleischigen, mal knorrigen Gesichter fast zu Fratzen verzogen. Man spürt allenthalben die innere Erregung der Apostel, die sich um das Buch und die leere Tumba Mariens versammelt haben. Auch ein Hang zum Ornament, zur dekorativen Zuspitzung der gegenständlichen Formen wird hier erkennbar, und wohl kein Betrachter kann sich der unmittelbaren Wucht dieser massigen Holzschnitzerei entziehen.

Bei aller Expressivität, bei aller Kraft und Heftigkeit von Ausdruck und Bewegung konnten die Meister des frühen 16. Jahrhunderts auch leisere Töne anschlagen. Albrecht Altdorfers „Christi Geburt“ von circa 1511 aus der Berliner Gemäldegalerie misst nur gut 36 Zentimeter in der Höhe. Auch hier ist die Krippe ein arg verfallenes Gebäude, wild aufgetürmt das bruchstückhafte Ziegelgemäuer, überall wuchern Gräser und Moose. Die Szene selbst aber spielt sich in heimeliger Ruhe ab, unter schützendem Dach, bewacht von einem Reigen kleiner Engel und besungen von deren Mitstreitern. Am dunklen Himmel glänzt hell schon der Morgenstern, der bald die drei Weisen herbeiführen wird. So schön und anmutig hat kaum sonst jemand in der deutschen Kunst von Spätgotik und Frührenaissance diese Begebenheit dargestellt – und so kunstvoll wohl auch keiner die Nacht ins Bild gebracht.

Die Ausstellung „Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500“ läuft bis zum 8. Februar 2015. Das Städel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag und Freitag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, die Familienkarte 20 Euro; samstags, sonn- und feiertags werden 14 Euro fällig, ermäßigt 12 Euro und für die Familienkarte 24 Euro. Freien Eintritt haben Kinder bis zu 12 Jahren. Der Katalog kostet im Museum 34,90 Euro, das Begleitheft 7,50 Euro.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de



03.01.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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05.11.2014, Fantastische Welten - Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500

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Städel Museum

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Albrecht Altdorfer, Geburt Christi, um 1511
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Meister IP, Epitaph-Retabel,
 wahrscheinlich für Stefan Schlick, nach 1526
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Hans Leinberger, Maria mit Kind, um 1515/20
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Albrecht Altdorfer, Landschaft mit Burg, um 1520/30
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Variabilder:

Wolf Huber, Kopfweide, 1529
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Variabilder:

Wolf Huber, Große Landschaft mit Golgatha, um 1530
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Variabilder:

Wolf Huber, Gefangennahme Christi, nach 1522
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Meister IP, Epitaph-Retabel, wahrscheinlich für Stefan Schlick, nach 1526

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Hans Leinberger, Maria mit Kind, um 1515/20

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Albrecht Altdorfer, Landschaft mit Burg, um 1520/30

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Wolf Huber, Kopfweide, 1529

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Wolf Huber, Große Landschaft mit Golgatha, um 1530

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Wolf Huber, Gefangennahme Christi, nach 1522

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Albrecht Altdorfer, Grablegung Christi, 1518

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Erhard Altdorfer, Die große Fichte, um 1525/30

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Albrecht Altdorfer, Die Anbetung der Könige, 1530/35

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Hans Mielich, Christus am Kreuz mit Gottvater und dem Heiligen Geist sowie sechs Assistenzfiguren, 1539

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