Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 26.10.2019 Kunstauktion 99 bei Winterberg|Kunst in Heidelberg

© Winterberg|Kunst

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Zufriedenstellend verlief die Auktion Klassischer Moderne im Dorotheum. Knapp die Hälfte der Objekte konnten die Wiener an den Mann bringen und damit einen Nettoumsatz von annähernd 2 Millionen Euro erzielen

Nackte Wahrheiten



Egon Schiele, Sitzender Akt, 1917

Egon Schiele, Sitzender Akt, 1917

Puristisch, unaufgebauscht, fast bodenständig und keineswegs anrüchig erscheint die frontal gezeigte nackte Frau, die Egon Schiele lediglich aus wenigen Linien mit schwarzer Kreide aufs Papier gezeichnet hat. Sie erhebt für sich keinerlei Anspruch auf optische Idealästhetik in Form fesselnder Attraktivität. Doch hinter der Distanziertheit des abgesenkten Blicks verbirgt sich Nachdenklichkeit, spürbares Körperbewusstsein und die intime Beziehung zwischen Künstler und Modell, die den Akt mehr hintergründig als aufdringlich, dabei ehrlich und aufrichtig mit Leben erfüllt. Das wenig Offensichtliche hat augenscheinlich seinen Reiz und kann sich deshalb nun als unangefochtener Sieger der Versteigerung „Moderne Kunst“ im Dorotheum feiern lassen. Einträgliche 330.000 Euro erreichte Schieles sitzender Akt von 1917 und ließ damit die Herzen des Wiener Auktionshauses und des Einlieferers höher schlagen, war doch im Vorfeld ein Schätzwert von 140.000 bis 200.000 Euro veranschlagt gewesen.


Mit solch einer vertraulichen Zwischenmenschlichkeit konnte Alexander Archipenkos Konstruktion „Head“ nicht mithalten. Ungewöhnlich geometrisch, konstruktivistisch, ja visionär modern wirkt die 38 Zentimeter hohe Skulptur, die in ihrer Eigenart mehr unfreiwillig als intendiert zum Wegbereiter moderner Bildhauerei avancierte. So schuf der aus der Ukraine stammende Bildhauer im Jahr 1913 ein Objekt, das die neuartigen Formen der kubistischen und konstruktivistischen Malerei aufnahm und in die Dreidimensionalität übertrug. Die ursprünglich als großformatige Holzskulptur entworfene „Construction with crossing planes“ experimentiert kühn mit Formen, Ecken, Kurven, Linien, Leerräumen und Verdichtungen. Getrenntheit und Einheit, Konkaves und Konvexes, Figürlichkeit und Abstraktion existieren nebeneinander und werden zu einem Stück Kunstgeschichte, das den Beginn des dreidimensionalen Kubismus markiert. Für angestrebte 230.000 Euro wechselte die bedeutungsstarke Arbeit den Besitzer (Taxe 180.000 bis 250.000 EUR).

Pablo Picasso reihte sich mit seiner kegelförmig abstrahierten Bronze „Femme debout“ von 1945 bei einem Endpreis von 65.000 Euro in die Gewinnerriege ein (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Seine flotte, wohl nicht ganz zufriedenstellende Filzstiftzeichnung einer „Nu couché“ aus dem späten Jahr 1969 blieb dagegen bei 55.000 bis 70.000 Euro liegen. Salvador Dalí leistete mit seiner rundlich-abstrakten goldenen Bronzefigur „Vestiges ataviques après la pluie“ ebenfalls einen skulpturalen Beitrag für die Versteigerung und wurde mit 36.000 Euro dafür belohnt (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Marino Marini war mit einem kleinen plastischen Werk erfolgreich. Seine 36,5 Zentimeter hohe „Donna incinta“ in „non finito“-Manier, die der Italiener im Jahr 1943 aus Gips formte, spielte 13.000 Euro ein (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Der Expressionist Alexej von Jawlensky mischte mit seiner „Großen Meditation“ auf den ersten Rängen der Zuschlagsliste mit. Die mit einem breiten Pinsel aufgetragenen Linien verschiedener dunkelbunter Abstufungen bis hin zu schwarzen Balken ergeben ein stilisiertes Kreuz und führen den Betrachter zur Gottessehnsucht und der Suche nach Wahrheit, die der russisch-deutsche Künstler Zeit seines Lebens verspürte und in unzähligen seiner Arbeiten thematisierte. Hierfür sprangen 85.000 Euro heraus (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Giacomo Balla erfüllte die Auktion mit seinen „Linee andamentali + fiori“ und konnte damit dem neuen Besitzer ebenfalls 85.000 Euro entlocken. Der italienische Futurist suchte die Inspiration für die Umsetzung seiner künstlerischen Ziele mal in der Natur, mal in der Architektur, mal in den Vorbildern antiker Ornamentformen. Das Ergebnis ist ein sympathisches, vielfarbiges, dynamisches Szenario, das mittels orangefarbenen, grünen, gelben, violetten und blauen voneinander abgegrenzten Feldern eine spielerische Bewegung vermittelt, die durch ihre naive Leichtigkeit an ein Meer aus Blumen vor strahlend blauem Himmel erinnert (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Einen ebensolchen Sympathieträger schuf Raoul Dufy 1935 mit seinem „St. James’s Palace“, der zwar nicht abstrakt, gleichwohl aber heiter und lebensbejahend die musizierenden Wachen der Londoner Monarchenresidenz schildert. Diese herzlichen Empfindungen zu einer Reiseerfahrung des Künstlers posaunten sich für 75.000 Euro zu einem neuen Besitzer (Taxe 75.000 bis 90.000 EUR). Der Wiener Max Oppenheimer widmete sich mit Vorliebe der Portraitmalerei. Sein „Bildnis Prof. Dr. Martin Hahn“ schildert nicht nur die äußere Gestalt des damals renommierten Berliner Professors für Hygiene, der sich dem Betrachter als ergrauter Herr gereifteren Alters mit weißem Laborkittel zeigt. Vielmehr sind es die dynamischen Elemente, die bewegten Effekte, die den Akademiker umgeben und seine Persönlichkeit untermalen. Seine Umwelt besteht aus Reagenzgläsern, Glasröhrchen, geheimnisvollen farbigen Flüssigkeiten und durchsichtigen Messbechern, die in einem grauen Schleier um die zentrale Figur herumfliegen. Dafür wurde die untere Schätzung von 70.000 Euro bewilligt.

Ebenfalls portraithaft nahm Rudolf Hausner sich selbst als Mittelpunkt seiner „Erinnerung“. In Nahsicht erscheint das grünlich-lilafarbene inkarnierte Gesicht des Künstlers vor feurig orangerotem Hintergrund. Daneben steht eine kleinere Ausführung seines Kopfes, diesmal in den leuchtenden Farben des Hintergrundes. Nur das bemalte Blatt Papier, das auf seiner Stirn klebt, hebt sich von der Feuerröte ab. Dieses traumartige Arrangement schildert das geistige Innere des Künstlers, das für 60.000 Euro ein neues Zuhause bekam (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Ebenfalls geheimnisvoll und kräftig im Kolorit fasste Leonor Fini 1975 eine Erzählung aus Tausend und einer Nacht auf. „Jeux de Dames – Pari de Zobeïde“ lautet der Titel ihrer surrealistischen orientalischen Traumszenerie. Geschlechteridentitäten, Aktivität, Passivität ebenso wie Macht und Unterwerfung, Strategie und Schicksal sind Inhalte dieser mehrdeutigen Erzählung, die nach wiederholtem Anlauf nun für 60.000 Euro unter den Hammer kam (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR).

Ein gewisses Maß symbolistischer Gestaltung wohnt der „Landschaft mit Pappeln“ von Helene Funke aus dem Jahr 1904 inne. Ihre rhythmisierten Wolken- und Baumformationen an einem See im Gebirge steigerten sich auf 34.000 Euro (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR). Eine nüchterne, doch aber mit Zuneigung erfüllte Landschaftsschilderung lieferte Gerhart Frankl mit seinem in Tempera und Öl gearbeiteten „Blick auf Wien vom Oberen Belvedere II“ aus dem Jahr 1948, der den Zuschlag bei erfreulichen 45.000 Euro erhielt (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). 18.000 Euro kamen dann für Josef Flochs satt-grüne expressive „Landschaft mit Baum“ von 1920 zusammen (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR). Felix Heuberger leistete mit seinen „Lärchen im Nebel“ ebenfalls einen Beitrag zu den Naturdarstellungen, aber in einem kühl-distanzierten Malgestus. Die in samtigem Morgennebel getauchte Waldlichtung konnte mit 10.000 Euro den Schätzwert von bis zu 6.000 Euro klar übertreffen. Josef Dobrowskys kalte „Winterlandschaft“ aus türkisfarbenen, dunkelbraunen und weißen Flächen sorgte bei 26.000 Euro dann für weniger Überraschung (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Ausbrechend, vibrierend, voller Leben prescht Bernard Buffets unbetitelter Blumenstock ins Bild. Selbstbewusst peitschte der Existenzialist die roten Tupfen und grünen Streifen auf die dunklen Äste, die der eingetopfte Strauch von sich reckt. 50.000 Euro war dem neuen Besitzer die schwungvolle Arbeit wert (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Überraschend positiv verlief auch die Versteigerung von Josef Stoitzners in Öl gemalten, fast fotografisch exakten „Pfingstrosen und Mohnblumen“ aus dem Jahr 1925. Die schlaglichtartig beleuchteten Blumengestecke vor tiefdunklem Hintergrund leben von einer Vielzahl bunter Blüten. Verzaubert von der kräftigen Farbigkeit verdoppelte der neue Besitzer mit 22.000 Euro die Erwartung. Blumig, aber fantasieartig abstrahiert erscheinen die bunten Formen von Arik Brauers „Epouvantail à moineaux avec un cœur“. Die grüne, surreale Landschaft, die von reißenden Windströmen aufgewühlt und von roten und gelben Blumenblüten akzentuiert wird, erstaunte mit einem Kaufpreis von 14.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Auch der knallbunte „Papierdrachen“ von 1966/67, mit dem Brauer im Rennen war, traf auf Begeisterung und konnte dank fantastischer Weltenschilderung satte 34.000 Euro einspielen (Taxe 28.000 bis 40.000 EUR).

Die Preise verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



29.12.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 12

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Berichte (1)Kunstwerke (9)

Veranstaltung vom:


25.11.2014, Klassische Moderne

Bei:


Dorotheum

Bericht:


Scheibenkopf

Kunstwerk:

Egon
 Schiele, Sitzender Akt, 1917
Egon Schiele, Sitzender Akt, 1917

Kunstwerk:

Rudolf
 Hausner, Erinnerung, 1987
Rudolf Hausner, Erinnerung, 1987

Kunstwerk:

Max Oppenheimer, Bildnis Prof. Dr. Martin Hahn, um 1926
Max Oppenheimer, Bildnis Prof. Dr. Martin Hahn, um 1926

Kunstwerk:

Raoul
 Dufy, St. James’s Palace, 1935
Raoul Dufy, St. James’s Palace, 1935

Kunstwerk:

Pablo
 Picasso, Femme debout, 1945
Pablo Picasso, Femme debout, 1945

Kunstwerk:

Leonor Fini, Jeux de Dames – Pari de Zobeïde, 1975
Leonor Fini, Jeux de Dames – Pari de Zobeïde, 1975







Raoul Dufy, St. James’s Palace, 1935

Raoul Dufy, St. James’s Palace, 1935

Taxe: 75.000 - 90.000 EURO

Zuschlag: 75.000,- EURO

Losnummer: 543

Giacomo Balla, Linee andamentali + fiore – Motivo per tappeto, um 1920/25

Giacomo Balla, Linee andamentali + fiore – Motivo per tappeto, um 1920/25

Taxe: 80.000 - 100.000 EURO

Zuschlag: 85.000,- EURO

Losnummer: 501

Pablo Picasso, Femme debout, 1945

Pablo Picasso, Femme debout, 1945

Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 65.000,- EURO

Losnummer: 535

Max Oppenheimer, Bildnis Prof. Dr. Martin Hahn, um 1926

Max Oppenheimer, Bildnis Prof. Dr. Martin Hahn, um 1926

Taxe: 70.000 - 100.000 EURO

Zuschlag: 70.000,- EURO

Losnummer: 562

Alexander Archipenko, Head (Construction with crossing planes), 1913

Alexander Archipenko, Head (Construction with crossing planes), 1913

Taxe: 180.000 - 250.000 EURO

Zuschlag: 230.000,- EURO

Losnummer: 517

Alexej von Jawlensky, Große Meditation, 1936

Alexej von Jawlensky, Große Meditation, 1936

Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 85.000,- EURO

Losnummer: 527

Leonor Fini, Jeux de Dames – Pari de Zobeïde, 1975

Leonor Fini, Jeux de Dames – Pari de Zobeïde, 1975

Taxe: 60.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

Losnummer: 530

Rudolf Hausner, Erinnerung, 1987

Rudolf Hausner, Erinnerung, 1987

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

Losnummer: 579




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce