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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Lempertz hat eine glänzende Offerte von Gegenwartskunst zu bieten und packt seine Zeitgenossen deswegen erstmals in zwei Kataloge

Brautkleid bleibt Brautkleid



In Köln geht es kurz vor dem ersten Advent in die mittlerweile 1042. Runde bei Lempertz. Grund genug, in Köln Großes zu zeigen – und Großes zu verlangen. Angeführt wird die Auktion mit zeitgenössischer Kunst von zwei Arbeiten Anselm Kiefers. Eine davon hat es auf das gemeinsame Cover beider Kataloge geschafft, und man weiß gar nicht, was man als erstes mit der fast zwei Meter großen Skulptur „Sappho“ assoziieren soll. Doch auch bei diesem Brautkleid verhandelt Kiefer die Zusammenhänge von Geschichte, Wissen, Kultur und Identität der Menschheit. Sein Traum in Weiß kostet stattliche 350.000 bis 400.000 Euro und ist aus Stahl, Gips und Polyester gefertigt. Die Last der Ehe wird in Form von sieben überdimensionierten Bleibüchern gleich mitgeliefert. Wer Kiefers Œuvre kennt, weiß natürlich, dass es sich um ein modernes Denkmal für die antike Dichterin Sappho und allgemein der Vertreterinnen der Literatur handelt, die als Symbol ihres Handwerks in alter Tradition das Schriftwerk bei – oder wie hier – auf sich tragen. Einfacher ist Kiefers „Geheimnis der Farne“, eine Hommage an das gleichnamige Gedicht Paul Celans, zu entschlüsseln. Das 190 mal 330 Zentimeter monumentale Materialgemälde ist nicht nur aus herkömmlichen Öl- und Acrylfarben gemalt, auch Zweige, Stacheldraht und überzogenes Farn wurden mit eingearbeitet und ragen wie eine fragile Stuckatur aus dem Bild heraus. Kalte Farbtöne hat Kiefer für die felsige Flusslandschaft gewählt, die der Natur etwas Mystisches und Unnahbares verleihen und zugleich Ruhe und Entspannung ausstrahlen. Hier sieht Lempertz 450.000 bis 550.000 Euro vor.


Alles andere als ruhig geht wahrscheinlich der Schaffensprozess bei Günther Uecker vonstatten, für den das Kölner Auktionshaus schon mehrere hohe Preise erzielte. Ironisch-reflexiv kommentiert die Installation „Abgesunkenes Quadrat“ von 1976 die Werkentwicklung des Künstlers. Wo einmal der vermeintliche Bildträger hing, ist nun leere Fläche auf dem Wandelement zu sehen; der Bildträger selbst ist heruntergefallen und zerborsten, von seiner Existenz künden nur noch Umrisse aus Nägeln (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR). Für das nahezu gleiche Budget ist auch die Nagelleinwand „Feld“ aus dem Jahr 2000 zu erwerben, die pulsierende Formen durch eine dichtbewegte Nagelung dreidimensional auf den flachen Untergrund transferiert (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR). Ueckers Lebensmotiv spitzt sich im wahrsten Sinne des Wortes im Katalog mit den kostengünstigeren Exponaten zu: Ein Nagelbaum, der an ein mittelalterliches Folterinstrument erinnert, ist für 30.000 Euro zu bekommen und eine fast 180 Zentimeter große Stahlskulptur in Form eines riesigen Nagels als Edition von August Haseke für einen Schätzpreis von 12.000 bis 15.000 Euro.

Dass die ZERO-Künstler gerade hoch gehandelt werden, beweisen nicht zuletzt die aktuellen Schauen in New York und Berlin. Bei Lempertz erzielen Werke der Gruppe regelmäßig Spitzenpreise, und auch dieses Mal verspricht man sich hohe Ergebnisse. Otto Piene ist mit insgesamt sieben Arbeiten vertreten, darunter fünf mit Acryl und Feuerrückständen gefertigte „Kraftfelder“ aus den Jahren 1983 bis 2007. Über eine nordrhein-westfälische Privatsammlung direkt vom Künstler stammen „Hellgelbe Hitze“, eine schwarze Blume auf strahlendgelbem Untergrund, ein vierteiliger „Smokestack“ auf Rot und der atmosphärische „360° Rainbow“ (Taxe je 30.000 bis 40.000 EUR). Aus den drei Werken Heinz Macks in der Auktion sticht besonders die kinetische Rotor-Relief-Scheibe aus Aluminium auf Holz von 1967 heraus. Sie spiegelt nicht nur den verzerrten Betrachter, sondern auch die beiden Inspirationsquellen Macks wider: Technik und Natur (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

Die Natur bekommt man auch bei Karin Kneffel und Andreas Gursky zu spüren. Kneffels „Pflaumen (F XXIV)“ von 1996, ein quadratisches Ölbild für 80.000 bis 120.000 Euro, kombinieren zwei Perspektiven von und auf das Leben. Äste, Blätter und Früchte im Vordergrund geben den Durchblick auf eine weit entfernte, tiefer liegende Landschaft frei und erzeugen durch die Gegenüberstellung von Nah- und Fernsicht mit starken Schlaglichtern Dramatik. Die übermächtige Naturgewalt bekommt ein kleines Touristenboot an den „Niagara Falls“ zu spüren, das von einem göttlich enthobenen Betrachterstandpunkt aus von Gursky fotografiert und inszeniert wurde. Mit 60.000 bis 80.000 Euro ist es zu Recht als das Highlight der Fotografieofferte ausgezeichnet worden. Zu den Spitzenstücken der Malerei gehören zudem die „Tomates au cadre bleu“ für 150.000 Euro von Miquel Barceló aus dem Jahr 2009. Wie der Titel schon besagt, rückt die Mischtechnik aufgeschnittene Tomaten ins Zentrum des Interesses. Fans von Obst, das zu Kunst wird, sei Joseph Beuys’ Multiple „Capri-Batterie“ von 1985 ans Herz gelegt, eine knallgelbe Glühbirne mit Zitronensteckerfassung (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Eine weitere Arbeit von Beuys ist sein „Bonzenbunker“, eine Folge von 17 Offsetlithografien mit Unikatcharakter sowie eine Bleistiftzeichnung aus dem Jahr 1981. Auf den skizzenhaften Blättern mit unterschiedlicher Beschriftung beschäftigte sich der Aktionskünstler kritisch mit dem damals umstrittenen Bau des Regierungsbunkers in Bad Neuenahr bei Ahrweiler, der heute bis auf wenige hundert Meter wieder zurückgebaut ist (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Mindestens ebenso eigenwillig wie Beuys ist der deutsche Zeitgenosse Konrad Klapheck. Einer der wichtigsten Gegenstände in seinen neo-surrealistischen Gemälden ist das Telefon. Beim vorliegenden „Kuss“ von 1966 ist die Liaison eines gelben Telefonhörers und des Münztelefons mittels eines rot-weiß gestreiften Kabel zu bewundern, eine ironische Darstellung des erotischen, zwischenmenschlichen Austauschs von Zärtlichkeiten. Die Arbeit wurde in der ersten Einzelausstellung des Düsseldorfers in der New Yorker Sidney Janis Gallery gezeigt und ist in Köln für einen Schätzpreis von 120.000 bis 150.000 Euro zu haben.

Von Ernst Wilhelm Nay liegen ebenfalls zwei Arbeiten für 120.000 bis 150.000 beziehungsweise 160.000 Euro vor, die neun Jahre auseinander liegen und dessen motivische Weiterentwicklung dokumentieren. Während die „Königin auf Thron“ von 1944 noch figürliche Elemente sowie den aggressiven Kontrast zwischen den weißen Punktreihen angedeuteter Skelette und dem rot-braunen Grundtenor des Bildes enthält, zeigt Nays „In Blockformen“ von 1953 die Loslösung von der tatsächlich dargestellten Gestalt hin zum harmonischen Gesamtkorpus. Die warmen Töne der beidseitig bemalten Leinwand unterstützen den lebensvollen und leuchtenden Farbklang der Arbeit, die auf der Vorderseite schon zu den Scheibenbildern der mittleren 1950er Jahre hintendiert, während die Rückseite durch die schwarzen Zackenlinien eher den Rhythmus der eben erst bezogen Metropole Köln spiegelt. Komplett dem Wirkkreis der Farbe und ihrer Ton in Ton-Dynamik erlegen ist Gotthard Graubners rotes, in den Raum vordringendes Kissenbild für 50.000 bis 70.000 Euro.

Ohne den Einsatz von Synthetikwatte, dafür ebenso von der Ästhetik einer einzigen Farbe fasziniert waren auch Rupprecht Geiger mit dem knallpinken, hochformatigen Acrylbild „E“ von 1990 (Taxe 25.000 EUR) und Frederic Matys Thursz, dem es für sein über zwei Meter im Quadrat großes Ölbild ein helles Tannengrün angetan hat (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Zu immerhin drei Farben konnte sich Blinky Palermo in der zweiteiligen Farbserigrafie „Flipper“ entschließen, wenn diese auch sparsam auf wie mit dem Lineal gezogenen Schachbrettflächen eingesetzt wurden (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Bunt wird es dann in der dynamischen Flächenabstraktion „100 Days“ von Torben Giehler aus dem Jahr 2001 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), während in Franz Ackermanns kleiner Prilblumenwelt „Midnight Shopping“ von 1998 schon wieder figurative Elemente Einzug halten (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Die Nacht spielt auch in zwei Landschaften von Rafal Bujnowski aus dem Jahr 2005 eine Rolle; doch verzichtet der Pole auf die Farbe und gestaltet die Ackerflächen mit den Rainen nur in Schwarz- und Grautönen (Taxen 2.500 und 3.000 EUR), genauso wie sein dreiteiliges „Fenster“ von 2001 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Der Maler Pierre Soulages hat sich die Wiedergabe von Licht zu seinem zentralen Thema gemacht – und setzt dies durch die Darstellung von Schatten in einem exemplarischen Werk von 1952/58 um. Breite, dunkle Balken sind vertikal und horizontal so miteinander verwoben, dass der helle Hintergrund der Leinwand, der das Licht symbolisiert, immer wieder hindurchscheint (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Ebenfalls ohne Titel ist ein übergroßes Temperabild von Marwan, das 1975/76 mit kräftigen, ausdrucksstarken Farbschichtungen und verzerrten Linien eine Kopflandschaft andeutet (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR). Dass der deutsche Maler syrischer Herkunft geradezu besessen ist von der Darstellung von Gesichtern, die für ihn die dramatischen Tiefen des Lebens repräsentieren, beweist auch ein weiterer frontaler Gesichtsausschnitt von 1978 für 50.000 bis 60.000 Euro. Auf jeweils 90.000 bis 120.000 Euro kommen zwei mit „Agori“ bezeichnete Gouachen und Bleistiftzeichnungen von Cy Twombly aus dem Jahr 1966. Auf fast schon naiv-kindliche Weise schuf er vermeintlich einfache Skizzen, die jedoch symbolisch randvoll aufgeladen sind mit Anspielungen auf antike Mythen und Literatur, kombiniert mit geschriebenen Versatzstücken, und die so zu Beispielen für Twomblys weiterentwickelten Abstrakten Expressionismus werden.

Zuletzt sind noch einige kleine Plastiken zu erwähnen. Recycling kann sich lohnen, das beweist Wilhelm Mundt mit dem türkisfarbenen, fast drei Meter langen „Trashstone 024“ von 1992. Denn im Innern des amorphen Gebildes sind Produktionsrückstände verarbeitet (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Von Jörg Immendorff verzeichnet der Lempertz-Katalog drei Bronzeplastiken, darunter zwei etwa ein Meter große Figuren mit den Alter-Egos des Künstlers in der Hauptrolle: Affen. Die Doppelplastik „Malerstamm – Christian und Otto“ von 2002 sowie die Statue „Malerstamm – Blinky“ mit Pferdekopf gibt es jeweils ab 25.000 Euro. Auch der zurzeit omnipräsente Stephan Balkenhol darf bei der Auktion nicht fehlen; er ist mit zwei seiner stehenden Herrenfiguren in Kragenhemd und Anzughose vertreten. Einmal präsentiert sich der „Neue eiserne Mann“ in schwarz-brauner Bronze auf einer Weltkugel stehend und mit Schwert bewaffnet für 15.000 bis 20.000 Euro und dann noch mal mit Segensgestus und aus Holz und in Farbe, wie ihn die meisten kennen, für 30.000 bis 40.000 Euro. Peter Fischli und David Weiss kokettieren in ihren glasierten Keramikfigürchen „Ratte und Bär“ um 1980 humorvoll mit ihren Alter Egos (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 29. November um 12 Uhr. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



28.11.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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