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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Mit einem umfangreichen Zeichnungskonvolut aus der ehemaligen Sammlung Wilhelm Laaff hat Ketterer in München seine Auktion mit Alten und Neueren Meistern bereichert

Von einem frivolen Ibis, zugeknöpften Spitzweg und der Malerin Carl Freibach



Carl Spitzweg, In Erwartung der Zeitung, um 1865/70

Carl Spitzweg, In Erwartung der Zeitung, um 1865/70

Wer den kommenden kalten Wintermonaten mit einem Seelenfeuer die Stirn bieten will, mag in Richard Müllers Gemälde „Der rote Ibis“ von 1916 und dem Rückenakt seiner sich lasziv räkelnden Begleitung ein elegantes Mittel finden. Sucht man eher das Gegenteil zu dieser erotischen Boudoir-Dekoration ist Carl Spitzwegs gemütliche Szene „In Erwartung der Zeitung“ ein Kandidat. In gewohnt leisem Humor scheint ein älterer Herr noch etwas schläfrig seine Pfeife im sonnigen Innenhof zu stopfen. Sein gescheckter Chihuahua aber sprintet voller Vorfreude aufs Bellen und in der Hoffnung, das Hosenbein des Zeitungsträgers zu erwischen, bereits dem Treppenaufgang entgegen. Besteht eine Vorliebe für das Ungewöhnliche, darf man sein Interesse zu einer Malerin wenden: Ilka von Fabrice lernte ihr Handwerk bei Franz von Lenbach und gehörte 1882 zu den Gründerinnen des Münchner Künstlerinnenvereins. Ihr ausdrucksstarkes Selbstportrait von 1897 dominiert ein warmer Braunton. Aus der gedämpften Farbe des dunklen Grundes und der Kleidung tritt das erleuchtete, ernste Antlitz der reifen Malerin mit ernsten und klugen Augen hervor. Sie wirkt selbstbewusst; trotzdem hat sie ihr Konterfei mit ihrem Pseudonym „Carl Freibach“ signiert.


Alle drei Arbeiten offeriert Ketterer in München bei seiner kommenden Auktion „Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts“. Müllers mit Gouache überarbeitete Heliogravüre liegt bei 2.000 bis 3.000 Euro, der Spitzweg tritt als teuerstes Objekt der Versteigerung mit 70.000 bis 90.000 Euro aufs Auktionsparkett, und weniger dramatisch fällt dann wieder die Schätzung für Fabrices Selbstbildnis mit 2.500 bis 3.500 Euro aus. Sie werfen ein Schlaglicht auf eine Versteigerung, die mit gut 400 Positionen einen Bogen von der Kunst der Renaissance bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert spannt. Bekanntes steht neben Unbekanntem, der kleine Preis neben der anspruchsvollen Taxierung.

Druckgrafik Alter Meister

Die Werke der Alten Meister bilden mit rund 150 Losen die kleinere Gruppe, wobei Druckgrafik und Zeichnungen am stärksten vertreten sind. Das Themenspektrum reicht von religiösen und mythologischen Inhalten über einige Capricci bis hin zu Genre- und Landschaftsszenen des 15. bis 18. Jahrhunderts. Besonders ausdrucksstark sind die zwei Blätter aus Giovanni Battista Piranesis sechzehnteiliger Folge der „Carceri d’Invenzione“ von 1749. Die Architektur aus Bögen, Treppen und Leitern mit durchschimmernden Gittern bevölkern Menschen, die man nur als Silhouetten erkennt. Die Atmosphäre erinnert stark an Effekte des Film noir (Taxen je 2.000 bis 2.500 EUR). Mythologische Themen greift Arnold Houbraken in seinen fünf Radierungen antiker Liebespaare auf. Die freundliche Stimmung strahlt der feucht-fröhliche Bacchus mit Kelch, der Ariadne besucht, am besten aus (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Eine Serie aus 18 Radierungen allegorischer Meeres- und Flussgottheiten schuf der Niederländer Philips Galle. Im Falle des Tiber und der Schelde bilden die Städte Rom und Antwerpen den Hintergrund (Taxe 4.000 bis 6.000 Euro).

Von Italien beeinflusst war auch Albrecht Dürer, der in der „Heiligen Familie mit der Libelle“ von circa 1495 erstmals sein Monogramm nutzt. Der Kupferstich zeigt Maria und den Jesusnaben in inniger Verbundenheit auf einer Rasenbank, während Joseph daneben friedlich schlummert (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Eine Radierung Rembrandts von 1639 widmet sich ebenfalls dem Marienleben, wenn im „Tod der Maria“ auch seinem Ende. Trotz des traurigen Themas gelingt es dem Künstler, durch das Licht und die freudigen Engel dem düsteren Hinscheiden eine freundliche Wendung zu geben (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). In Bereich der Stadtansichten brilliert Bernardo Bellotto mit der Radierung „Der Altmarkt in Dresden“ von 1752. Das rege Treiben am Markttag verdeutlicht die dichte Menschenmenge in der Bildmitte (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Weit entfernt vom alltäglichen Leben ist die teuerste Grafik der Alten Meister, Dürers Allegorie „Der Reiter (Ritter, Tod und Teufel)“ von 1513. Der Ritter bemerkt zwar seine furchteinflößenden Begleiter nicht, jedoch durchströmt das Thema der Vanitas das Blatt: Der Tod hält warnend die noch volle Stundenuhr in die Höhe, die unwirtliche Landschaft mit kargen abgestorbenen Bäumen und der Schädel links im Bild verstärken die niederdrückende Stimmung (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Nicht minder beklemmend, wenn auch deutlich günstiger, sind die 18 Radierungen aus Jacques Callots „Les Misères et les Malheurs de la Guerre“ von 1633. Auf einem Blatt scheinen die vielen gehängten Menschen an den Ästen eines Baumes groteske Früchte der Pflanze zu sein (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Zeichnungen Alter Meister

Innerhalb der Zeichnungen stellt die ehemaligen Sammlung Wilhelm Laaff die größte Menge. Sie beinhaltet eine „Anbetung der Hirten“ des Münchner Künstlers Hans Rottenhammer. Der Jesusknabe ist im Halbkreis von den Hirten, Maria und Josef umgeben. Auf seine göttliche Abkunft verweisen die Engel mit einer Schriftrolle (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Die Mythologie erfüllt die Pinselzeichnung „Die Bestrafung der Niobe“ des Malers Willem van Mieris von 1691. Da Niobe die Titanin Leto demütigte, indem sie zu sehr betonte, wie viele Kinder sie hatte, während Leto nur Artemis und Apollo gebar, bestand die Strafe Niobes darin, alle ihre Kinder zu verlieren. Daher schießen die Zwillinge aus dem Himmel auf die vielen Söhne und Töchter der Niobe, die teils getötet sind und bereits am Boden liegen, teils noch ihre Pferde reiten (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Neben den religiösen und mythologischen Themen sind auch Naturschilderungen zugegen, etwa Jan Boths majestätische Waldlandschaft mit hohem Baum im Vordergrund und Blick auf eine Ebene aus den 1640er Jahren (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Kaum größer sind die zwei Werke in Gouache und Bleistift aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Wohl Christian Georg Schütz I soll für die beiden weißen Klosteranlagen in einer sanft hügeligen Wiesenlandschaft verantwortlich sein (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Bei den Figurenstudien trifft man eine Zeichnung, die der englischen Porträtistin der Barockzeit, Mary Beale, zugeschrieben wird. Beale gilt als erste professionelle englische Malerin und schuf mit schwarzer Kreide eine junge Frau mit Kopftuch, die in Gedanken versunken ist (Taxe 800 EUR). Auch außerhalb der Sammlung Laaff gibt es einige prominente Blätter, so Peter Birmanns Aquarell eines reißenden Baches im heimatlichen, fantasievoll gestalteten Juragebirge (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) und vor allem drei Tuschezeichnungen aus dem Sehnsuchtsland Italien. „A Piperno“ und „A Marino“ aus den späten 1770 Jahren stammen von Jakob Philipp Hackert, und 1787 hielt sich Christoph Heinrich Kniep an der sizilianischen Küste bei Taormina auf (Taxen zwischen 7.000 und 12.000 EUR).

Gemälde Alter Meister

Bei den Genrebildern gehört Dirck Hals’ „Interieur mit Tricktrack-Spielern und Wein trinkender Dame“ der 1620/30er Jahre zu den teureren Werken. Während zwei Männer in das Spiel vertieft sind, weisen die leicht geröteten Wangen der Frau und ihres Begleiters auf die entspannte Stimmung und den reichlichen Weinkonsum hin (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Ein weiteres Bild des Haarlemer Barockmalers ist ebenfalls eine Freizeitbeschäftigung, wobei sich hier Adelige während eines Gartenfestes vergnügen. Die „Höfische Gesellschaft im Freien“ von circa 1645 besitzt ebenfalls einen amourösen Unterton, da die Liebespaare ihre Zuneigung in diesem privaten Rahmen freien Lauf lassen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Gaspar Peeter Verbruggen d.J. hat sein prächtiges „Großes Blumenstilleben in einer Bronzevase“ 1693 so fein geschildert, dass man meint, die Blumen mit der Hand fassen zu können (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Selbiges gilt auch für das um 1700 datierte „Jagdstilleben mit Hase und Vögeln“ wohl von Franz Werner Tamm (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Als Pendants hat der 1656 in Prag geborene Maximilian Pfeiler seine Früchtearrangements angelegt. Auf einem prunkvoll verzierten Tisch mit samtener Decke, stehen Silberteller mit reifen Feigen, Melonen, Birnen und Keksen. In einem Bild erblickt man eine goldene Weinkaraffe mit edlen Gläsern und im anderen eine große Glasschale mit Trauben. Die Bilder sind fein gearbeitet, wie es in den transluziden Lasuren der Früchte und den Lichtreflexen erkennbar ist (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Im Bereich der Landschaftskunst wäre die beschauliche „Flusslandschaft mit Burg und kleinem Dorf“ des Dionijs Verburgh um 1700 zu nennen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Ebenfalls eine eher meditativ-ruhige Atmosphäre fangen die „Segelschiffe und Fischer auf ruhigem Meer“ ein. Das Werk ist um 1640 datiert und dem Niederländer Willem van Diest zugeschrieben (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Um 1600 schuf ein Maler der Schule von Frankenthal die dramatische „Waldlandschaft mit Räuberüberfall“. Kennzeichnend für diese Gruppe von Malern ist, dass ein dichter Wald einen Großteil der Malfläche einnimmt. Im Gegenzug dazu öffnet die andere Bildseite den Blick auf den Himmel, eine Ebene mit einem Haus an einem Fluss und auf die Berge am Horizont. Den Überfall im Vordergrund bemerkt man kaum, da der wahre Protagonist die Natur ist (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Bei Antonio Maria Marinis „Jonas mit dem Walfisch“ von circa 1700 verliert sich der Prophet inmitten der stürmischen See, die bereits ein Segelschiff verschlungen hat und hohe Wellen wütend gegen die Klippen wirft. In diesem Augenblick erscheint der Bauch des Wals tatsächlich als die sicherste Ortswahl (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Kunst des 19. Jahrhunderts

Waren bei den Alten Meistern die Arbeiten auf Papier in der Überzahl, gilt das Gegenteil für die Kunst des 19. Jahrhunderts. In der kleinen Menge der Drucke sind meist Landschaften festgehalten, wie Adrian Ludwig Richters sechs Blätter mit den „Malerischen Ansichten aus den Umgebungen Salzburgs“ von 1830 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Jean-Baptiste Camille Corots rotbraune Lithografie „Le coup de vent“ von 1871 erinnert an eine rasch skizzierte Momentaufnahme eines starken Windes, der am Laub und den Ästen der Bäume zerrt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Wie schwierig eine Reise ist, wenn man mit einem unangenehm rauchenden Nachbarn gesegnet ist, illustriert Honoré Daumier eindrucksvoll in „En Chemin de Fer“ von 1862 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Weit von Daumiers Karikatur entfernt ist Heinrich Vogelers „Minnetraum“ von 1894, der dem symbolistischen Jungendstil verpflichtet ist. Ein mittelalterlicher Sänger mit Laute durchschreitet eine liebliche Landschaft mit seiner Begleiterin. Um sie schweben verspielte Kinder, während ein Frauenchor den Spaziergang musikalisch untermalt (Taxe 650 EUR). Mehr Farbe bringt Pierre Bonnards Obstgarten „Le Verger“ von 1899 mit seinem leuchtenden Hellgrün ins Spiel. Obwohl das Bild den Sommer repräsentieren soll, erinnern Farbwahl und die tollenden Kinder eher an den Frühling (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Ausdrucksstark ist James Ensors kolorierte Grafik „Christus unter den Bettlern“ von 1895. Die übergroßen Köpfe der Bettler und die von Jesus ausgehenden Lichtstrahlen verleihen dem Blatt den Eindruck des Visionären (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Zeichnung

Einer der Gründe, der die Gattung Zeichnung so interessant macht, ist ihre Vielseitigkeit. Zeichnungen stehen für das Momenthafte, Unfertige oder den Zug ins Abstrakte. Letzteres gilt für Alexander Koesters „Sechs Enten am Schilfufer“ von 1900. Die weißen Enten steigen aufs Land, das in schwarzer Kohle angelegt ist. Im ersten Augenblick sieht man eine gebrochene weiße Fläche, die man nur langsam als mehrere Vögel erkennt (Taxe 600 EUR). Prominenter wird es mit den vier männlichen Aktstudien Franz von Stucks. Die höchste Erwartung von 3.000 bis 4.000 Euro verbindet sich mit dem „Stehenden Jünglingsakt im Profil“ der 1910/20er Jahre. An eine Studie für ein Gemälde erinnert Ludwig von Hofmanns „Pferdebändiger“ der 1890er Jahre. Der Symbolist zeichnet mit farbigen Kreiden nackte Jünglinge, die mit einer Herde wilder schwarzer Pferde durch eine Landschaft mit Bergen reiten (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Eine bessere Ausformulierung des Details findet sich in Hofmanns sommerlichem Bild „Badende Knaben“ von 1912 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Das Thema des Sterbens behandelt um 1873 der Schweizer Künstler Albert Anker in seiner Zeichnung „Der Tod der guten Tante“. Während der Titel den Betrachter über den Zustand der Tante aufklärt, scheinen das junge Mädchen und die ältere Frau unsicher, ob die Kranke nur schläft oder schon verstorben ist. Durch diese ambivalente Situation bildet sich eine gewisse Spannung (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Bei den Zeichnungen findet man wenige Porträts, wobei das Unmittelbare einer Momentaufnahme Franz von Lenbachs „Portrait einer jungen Dame“ der 1880/90er Jahre auszeichnet (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Hermann Winterhalter gesellt sich mit dem Bildnis eines jungen Herrn mit leicht erschrockenem Gesichtsausdruck wohl aus den 1870er Jahren hinzu (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR). Erzählerisch wird’s bei Eduard von Grützners Kohlezeichnung „In der Branntweinschenke“ von 1883. Das Wirtshaus ist voller Gäste, die Karten spielen, miteinander reden oder durch übermäßigen Schnapsgenuss bereits eingeschlafen sind und ihr Glas festhalten (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Innerhalb der Genres findet sich die höchste Dichte bei den Landschaften. In den Isarauen steht Wilhelm von Kobells „Hütebub mit Kühen an der Isar mit Blick auf München“ von circa 1803. Hinter ihm erkennt man die charakteristischen Türme der Münchner Frauenkirche (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Die Alpen faszinierten den britischen Maler Edward Theodore Compton. Sein sommerliches Aquarell von 1912 bietet einen Panoramablick über eine grüne Ebene und die Stadt Klagenfurt auf die Bergkette der Karawanken (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Paul Baum ist mit der frühen Arbeit „Flusslandschaft in Hessen“ aus den 1880er Jahren für 1.500 bis 2.500 Euro vertreten. Sie zeichnet sich durch eine realistische Naturdarstellung aus und steht im Kontrast zu dem für ihn typischeren neoimpressionistischen Bild „Holländische Landschaft“ von 1906. Mit kurzen Pinselstrichen hält Baum in diesem Aquarell die Bäume, ihre Spiegelungen in einem See und die umgebenden Wiesenlandschaft fest (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Sammlung Wilhelm Laaff

Auch in der ehemaligen Sammlung Laaff herrschen Landschaftszeichnungen vor. Zu einem Konvolut mit drei Blättern von Ernst Fries gehört eine aquarellierte Bleistiftzeichnung aus den 1820er Jahren mit dem zarten und kunstvollen Farbverlauf des Abendhimmels von Rosa- zu Blautönen vor einer Bergkulisse (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Das wechselnde goldene Kolorit der Atmosphäre interessierte auch den Dresdener Maler Gustav Friedrich Papperitz in seiner „Landschaft in der Abenddämmerung“ (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR). Seine „Pflanzenstudie“ der 1860/80er Jahre kennzeichnet dagegen ein fast dokumentarisches Interesse (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Neben zahlreichen losen Blättern des Düsseldorfer Landschaftsmalers Karl Schweich stehen auch mehrere seiner Skizzenbücher zum Verkauf, so eines aus den 1850er Jahren (Taxe 1.800 bis 2.400 EUR). Ferner zeigt eine nicht vollständig aquarellierte Zeichnung der deutschen Künstlerin Marie Ellenrieder aus den 1820er Jahren die „Heilige Cäcilie“, die von Raffael inspiriert scheint (Taxe 800 EUR). Die teuerste Arbeit ist Franz Ludwig Catels „Schlafender Junge“ der 1830/50er Jahre. Der sonnengebräunte Heranwachsende aus Italien trägt ein weißes Gewand und ist in einen tiefen Schlaf versunken (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Gemälde

Bei den Gemälden findet sich der illustre Name des Historienmalers Carl Theodor von Piloty mit zwei kleineren Arbeiten. Sein bärtiger „Männerkopf im Profil“ entstand mit lockerem Pinselstrich vermutlich in den 1850er Jahren (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR); bei der melancholischen Kopfstudie eines Mannes aus den 1850/60er Jahren ist der Bart sogar noch voluminöser ausgebildet (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Als Besonderheit muss der Prunkzug von Pilotys Kollegen Wilhelm von Kaulbach erwähnt werden. Es mag sich hierbei um eine Studie für eine nicht realisierte Wandmalerei handeln, die eventuell die Geschichte des Hauses Hohenzollern behandelt, da eine Vielzahl edler und reich gekleideter Damen und Herren unterschiedlichster Epochen im Bild vereint ist. Das extrem querformatige Werk auf fast drei Metern Breite schildert die kostbaren Stoffe der Seide, des Pelzes, der Metallrüstungen und Fahnen bis ins kleinste Detail und erfreut das Auge zudem mit strahlenden Farben (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Franz von Lenbach malte während der 1890er Jahre das repräsentative Bildnis der „Frau Consul Landau“ (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Carl Christian Vogel von Vogelstein konzentriert sich um 1865 bei seinem Bruststück mehr auf Person und Charakter der Dargestellten Klara Schrader (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Abermals ist die Landschaft am stärksten vertreten. Marie Egners „Kleine Moorlandschaft in der Dämmerung“ wohl aus den 1890er Jahren hält die eigentümliche Stille eines Moores gekonnt fest. Ein besonderes Interesse brachte die Malerin der Spiegelung des Himmels und der Bäume auf der Wasseroberfläche entgegen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Die holländische Tradition der Winterlandschaften mit Kindern, die Schlittschuh fahren oder einen Schlitten ziehen, wiederholt Anton Doll in den beiden Gemälden „Verschneites Dorf“ (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und „Schlittschuhläufer im winterlichen Moorenweis“ aus den 1860/70er Jahren (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Nicht minder stimmungsvoll ist die „Felsige Landschaft mit sinnenden Mönch“ des Stuttgarter Malers Julius Steinkopf aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dem Ideengut der Romantik folgend, wirkt auch hier der erschöpfte sitzende Mönch zwergenhaft klein und unbedeutend inmitten der riesigen Felsen und Bäume der ihn umgebenden Natur (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Wilhelm von Kobell hingegen bettet die Begegnung zwischen einem „Bauern und Hirtenkindern in oberbayerischer Voralpenlandschaft“ 1822 in einen friedlichen Sommertag (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Friedrich Otto Georgi zählt zu den ersten Vertretern der Orientalisten in Deutschland. 1843 bis 1846 begleitete er eine Expedition nach Ägypten, Nubien und Palästina, die ihm einen reichen Fundus für seine Bilder gab. Das warme Licht der Abenddämmerung erleuchtet seine exotische Landschaft mit Palmen, Laubbäumen und einer Hochebene. Auf ihr ist Bethlehem mit hohen festen Mauern errichtet. Diesem realistisch gedachten Panoramablick von 1856 haben zwei Reisende den Rücken gekehrt: Maria und Josef sind auf der Flucht nach Ägypten (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Dieser Schätzpreis steht auch auf dem Etikett vom Paul Baums „Bäumen im Frühling“ von 1929/32. Die hellen Pastellfarben und der sich auflösende Pinselduktus zeichnen eine lyrische Landschaft, in der nichts Schweres die Atmosphäre der Leichtigkeit stört. Hans Thoma hat seine „Schwarzwaldtannen“ von 1884 um zwei Beerenpflückerinnen mit einem weißen und roten Kopftuch bereichert. Umgeben von Sträuchern sitzen sie auf dem Boden; hinter ihnen erhebt sich der dunkle Mischwald aus Tannen und Laubbäumen vor einem azurblauen sommerlichen Himmel (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Die Genremalerei stellt einige der am höchsten dotierten Werke. Zwei Arbeiten Edmund Adlers beschäftigen sich mit den für ihn typischen idealisierten, freundlichen Kinderszenen in Tracht und bäuerlichem Umfeld. In der heilen Welt des „Blumenkranzes“ aus den 1920/30er Jahren setzt ein Mädchen ihrer blonden Nachbarin die florale Zierde auf den Kopf. Selbst die Jungen betrachten den Kopfschmuck und warten geduldig. Im zweiten Bild versuchen die Kinder einem gelben Kanarienvogel mit der Flöte das Singen beizubringen und warten gespannt auf eine Reaktion des Tieres (Taxe je 8.000 bis 10.000 EUR). Die Vorliebe an Kinderszenen der ländlichen Bevölkerung teilte auch Johann Georg Meyer von Bremen. Im „Blindekuhspiel“ von 1868 verstecken sich vier Mädchen unterschiedlichen Alters hinter einem Busch und der Tränke. Der Junge aber schummelt und zieht verschmitzt die Augenbinde hoch (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Konzentrierten sich die vorigen zwei Maler fast ausschließlich auf die Interaktion der Kinder im Spiel, rückt Franz von Defregger die innige Mutter-Kind-Beziehung „Beim Vorlesen“ von circa 1900 in den Vordergrund (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Eine mehrköpfige Familienszene wird es dann bei Carl Johann Lasch. Doch bei seiner „Brautschmückung“ vom Anfang der 1860er Jahre will heitere Freude nicht so recht aufkommen (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR).

Tiere finden sich sowohl bei den Gemälden, als auch bei einigen Skulpturen. Erschienen Enten bereits in den Zeichnungen, so malte Alexander Koester sie auch in Öl, etwa mit dicken Pinselstrichen die stehenden, schlafenden und sich streckenden Vögel in den 1905 datierten „Enten vor dem Stall“ (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). 1919 griff der Tiermaler Wilhelm Kuhnert zu seinem Lieblingssujet, den Löwen, für sein Gemälde „Der abendliche Ruf“. Dank mehrer Reisen nach Afrika war er mit der Landschaft und Tierwelt des Kontinents wohl vertraut. Leicht erhöht liegen ein Löwe und seine Begleiterin auf einem Felsen. Sie blicken auf die Steppe und öffnen ihr Maul zum Brüllen, als ob sie damit ihre symbolische Rolle als Könige der Tiere lautstark in Erinnerung rufen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). In der Skulptur sind es die Arbeiten August Gauls, die sich der Fauna zuwenden. Die „Drei Pinguine“ von 1903/11 waren ursprünglich Teil einer Brunnendekoration in Münster, die jedoch von der Stadt abgelehnt wurde. Der Künstler überarbeitete die Pinguine und ließ sie in Bronze gießen. Ein feines Detail bei den drei Antarktisbewohnern bilden die in Gold hervorgehobenen Fellmarkierungen (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 21. November um 14 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 19. November täglich von 11 bis 18 Uhr, am 20. November von 11 bis 15 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.kettererkunst.de abrufbar.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



18.11.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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