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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Neben dem regulären reichhaltigen Programm mit alter Kunst und Kunstgewerbe aus Europa hat Van Ham die Sammlung Clemens Stinner aufgetan. So kann das Kölner Auktionshaus nun eine feine Kollektion mit Malern der Schule von Barbizon und des französischen Impressionismus offerieren

Secret Garden



Sandro Botticelli und Werkstatt, Madonna mit dem Kind, Johannes dem Täufer und einem Engel, um 1483/85

Sandro Botticelli und Werkstatt, Madonna mit dem Kind, Johannes dem Täufer und einem Engel, um 1483/85

So etwas gibt es nicht alle Tage. Das dachten sich auch die Experten bei Van Ham und sind darum stolz, in ihrer kommenden Versteigerung einen echten Botticelli präsentieren zu können. Der Florentiner Renaissance-Weltstar ist mit einem seiner favorisierten Motive zugegen: Einer in einem undefinierbaren Raum angeordneten „Madonna mit dem Kind, Johannes dem Täufer und einem Engel“ auf einer kreisrunden Pappeltafel, die mit einem üppigen goldenen Rahmen des 19. Jahrhunderts versehen ist. Ganz botticelliesk vergeistigt und auf die innere Andacht konzentriert, wendet sich die bildzentral angeordnete Mutter mit halbgeschlossenen Augen dem kleinen Jesuskind zu, während dieses freudig versucht, ihr Gesicht mit den kleinen Ärmchen zu umgreifen. Liebevolle Innigkeit, aber auch dunkle Vorahnung auf das kommende Geschehen prägen den Gesichtsausdruck Mariens. Der in edlem Gelb gewandete Engel zu ihrer Rechten hat ein Gebetbuch aufgeschlagen. Johannes blickt bestimmt, aber andächtig zu Maria, seine Hände faltend auf seiner Brust. Das Inkarnat der Figuren ist weich und glatt, die Hautfarbe hell, aber lebendig. Dieses Glanzstück von Sandro Botticelli und seiner Werkstatt, dessen Provenienz weitgehend lückenlos geklärt ist und zusätzlich über technologische Gutachten verfügt, hat Van Ham mit 260.000 bis 300.000 Euro angesetzt und könnte im Auktionssaal für spannende Momente sorgen.


Alte Meister

Aber das ist in der Kölner Auktion vom 14. November noch nicht alles aus der Florentiner Renaissance. Auch der Botticelli-Schüler Filippino Lippi möchte mitmischen. Ebenfalls mit einer Madonnendarstellung auf kreisrundem Grund und mit originalem goldenem Rahmen versucht er sich in der eigenen Umsetzung dieses Bildthemas. Lippi entschied sich für die Platzierung der Figuren im Außenraum, der in Form von vager Landschaftsandeutung zu erkennen ist. Die Maria umgebenden Heiligen sind fortgeschrittenen Alters, tragen lichtes, graues Haar. Auch hier ist der Blick der kostbar gekleideten Maria zum Kind herabgesenkt. Weniger einheitlich sind die Hautgestaltung des Personals und die Gesamtkomposition in Bezug auf Figurenanordnung und Blickachsen. 40.000 bis 50.000 Euro könnte das gute Stück dennoch einspielen. Aus der Werkstatt Bernardo Strozzis stammt eine jugendliche heilige Cäcilia mit Blumenkranz, die wohl ein Ricordo zur Heiligendarstellung aus dem Nelson-Atkins Museum in Kansas City ist (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Zahlenmäßig überwiegt die niederländische Kunst. Eine um 1485/90 entstandene „Maria lactans“ auf einer Mondsichel und goldgestricheltem Grund aus dem Umkreis des wohl in Brüssel tätigen Meisters der Magdalenen-Legende wird mit einem Schätzpreis von 35.000 bis 40.000 Euro angepriesen. Über eine Treibjagd in einem dichten Wald mit zwei Blickschneisen, die Gillis van Coninxloo II gemalt haben soll (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR), geht es rasch in die Barockmalerei. Seine Hügelkette, auf der eine Ruinenanlage thront, hat Bartholomeus Breenbergh mit der biblischen Erzählung von Tobias und dem Engel angereichert (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR). Eine fast monochrome graubraune Farbpalette bevorzugen Jan Vermeer van Haarlem II für seinen Fernblick über eine weite Dünenlandschaft mit Bauernhäusern und Landleuten (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR) und Jan van Goyen für seine mächtige alte Wettereiche samt Bauernkate und einigen Staffagefiguren (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

In das Innere einer Scheune führt dann Isaac van Ostade in den 1640er Jahren und zeigt uns zwei Bauern bei der Arbeit (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Auch Joost Cornelisz Droochsloot ist für seine oft derben Darstellungen aus dem Leben einfacher Leute bekannt, so etwa für eine lange Dorfstraße von 1657, auf der sich zahllose Menschen tummeln (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR). In der Bildnismalerei stehen sich eine junge adelige Dame im Oval von Nicolaes Maes aus dem Jahr 1679 für 6.000 bis 7.000 Euro und das vom Leben gezeichnete Antlitz einer alten melancholischen Frau gegenüber, das Paulus Lesire zugeschrieben wird. Für die Tronje, die Personifikation des Alters, erwartet Van Ham 26.000 bis 28.000 Euro. Bei einem Relief mit der Muttergottes im Kreis der Apostel geht es nochmals in späte Mittelalter zurück. Die qualitätvolle gefasste Lindenholzschnitzerei entstand um 1500 in Franken (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).

Gemälde 19. Jahrhundert

Den Übergang zur jüngeren Kunst vollzieht Jakob Philipp Hackerts klassizistisch komponierter Blick von Albano auf das Castello Savelli, die poininische Ebene und den Monte Circeo im Oal von 1772 (Taxe 23.000 bis 25.000 EUR). Auch die Malerei des 19. Jahrhundert liefert diesmal einige Hingucker. So stehen beispielsweise die Betrachter der Ölmalerei von Fritz von Uhde direkt im geheimnisvollen „Klostergarten“. Als die großformatige Arbeit entstand, war der in Leipzig geborene Künstler gerade mal 27 Jahre alt. Er malte sie im Jahr 1875 für seinen Gönner und Förderer Graf von Luckner. Duster wie anmutig erscheint das in tiefes Nachtblau getauchte Astgewirr. Erst auf den dritten Blick kommen die verschwommen, fast durchsichtigen Gesichter eines Liebespaares zum Vorschein, als ob sich ihre Begegnung im Garten heimlich und versteckt abspielt. Ein Geigenspieler, der ebenfalls fast im Dickicht verschwindet, begleitet die romantische Situation musikalisch. Ist es der junge Graf Luckner selbst, dessen Liebe zur Dresdner Tänzerin Mathilde Zink lange Zeit geheim blieb? Jedenfalls könnte diese traumartige Zusammenkunft bis zu 100.000 Euro wert sein.

Aus deutscher Hand stammt die wenig deutsche „Abendstimmung am Tiber in Rom“. Der Düsseldorfer Akademiemaler Oswald Achenbach verbrachte mehrere Aufenthalte in Italien und beschäftigte sich Zeit seines Lebens vor allem mit dortigen Landschaften und Stadtansichten. So erscheint auch die berühmte Architektur der Engelsburg in Achenbachscher pinselsicherer Manier. Das warme Abendblau des Himmels spiegelt sich friedlich im wenig bewegten Tiber und bildet gleichsam den Hintergrund für das monumental emporragende Hadrian-Mausoleum. In erdigen Brauntönen bildet sich die von Menschen belebte Stadtkulisse Roms. Die Arbeit besticht durch handwerkliche Finesse und die intensive visuelle Auseinandersetzung mit dem Motiv (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Abendszenen mit ihren unterschiedlichen Lichtwerten liebte Achenbach und hielt dazu 1878 noch Fischer am nächtlichen Strandfeuer im Golf von Neapel fest (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR). Noch weitere nordische Künstler zog es ins südlich-warme Italien, die dort ihre Heimat fanden, so den 1776 in Dordrecht geborenen Abraham Teerlink und seinen drei Jahre älteren Antwerpener Kollegen Martin Verstappen. Beide entdeckten die berühmten Wasserfälle von Tivoli für sich und reicherten ihre Landschaften sparsam mit einigen Figuren an (Taxe je 5.000 bis 8.000 EUR). Aus Deutschland gesellen sich Carl Morgenstern mit der kleinen Ölskizze einer weiten Morgenlandschaft samt antiken Ruinen für 1.400 bis 1.600 Euro oder Carl Maria Nicolaus Hummel mit dem Gebirgstal und mittelalterlichen Geschlechterturm in mildem Abendlicht für 9.000 bis 15.000 Euro dazu.

Auch der Dresdner Impressionist Robert Hermann Sterl war an der Landschaft interessiert. Mit viel Weißabmischungen und sprenkeligen Farbakzenten fing er das rege Treiben im „Hafen von Astrachan“ ein. Große Segel ragen zwischen kleinen Booten vor der mächtigen Gebäudewand der Stadt am Ufer der Wolga empor. Nicht von der Darstellung des Gesehenen, sondern von dem Einfangen des Momenthaften lebt die Arbeit (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Diese Leinwand ist Höhepunkt einer 15teiligen Sterl-Folge aus einer rheinischen Privatsammlung, die etwa noch skizzenhafte russische Treidler in Öl oder Bleistift für bis zu 8.000 Euro oder hiesige Wald- und Feldlandschafen für bis zu 3.000 Euro enthält. In Dresden wurde auch Gotthardt Kuehl heimisch, der impressionistische Ansichten von Elbflorenz schuf, so etwa die junge Magd beim Einkauf vor der Kreuzkirche (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Hugo Friedrich Hartmann hat ebenfalls mit Dresden zu tun; war Kuehl doch sein Lehrer, und fand er hier um 1900 das Motiv für seinen Blick von der Brühlschen Terrasse auf die Elbe mit Booten und einem Dampfschiff (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR).

Ebenso stimmungsvoll arbeitet Gustave Loiseau in seiner blau-samtigen „Seine à Rouen“ von 1909. Für 70.000 bis 80.000 Euro erhält der Käufer ein impressionistisches Meisterwerk, das von den zart wie vielfältig abgemischten Blautönen mit rot-braunen Akzenten lebt. Dann entführt der Franzose den Betrachter noch in die regenassen Straßen von Dieppe zum „Port de la Poissonniere“ von 1903, in denen die Leute verhalten einhergehen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Hans Thoma bevorzugte dagegen seine Heimat Schwarzwald als Motivrepertoire. Hier traf er auf ein sommerliches Kornfeld mit einem Dorf am Fuße eines Berges im Hintergrund, das er in malerischer Lebendigkeit umzusetzen verstand (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Eine von frühlingsgrünen Bäumen lebende preiswertere Landschaftsdarstellung gibt es von Heinrich Dallwig für 2.500 bis 3000 Euro, Camille Magnus ist mit seiner „Kleinen Flusslandschaft mit Bäuerin (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) und seiner „Frau auf dem Feld“ vertreten, die sich als Beispiele der Schule von Barbizon ausweisen (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).

Stolz ist Van Ham auch auf die pittoresk gemalte „Bergkapelle im Winter“ unter glasklarer Morgendämmerung von Ernst Ferdinand Oehme; galt das Hauptwerk des Dresdner Malers aus dem Jahr 1842 doch bisher als verschollen und markiert laut Gutachten des Kunsthistorikers Hans Joachim Neidhardt einen „Höhepunkt der Malerei der deutschen Spätromantik“. Hier stehen 60.000 bis 80.000 Euro auf dem Etikett. Liebhaber winterlicher Ansichten können noch mit Carl Hilgers’ zugiger „Winterlandschaft“ von 1855 mit einem Zelt und Lagerfeuer, an dem sich Menschen wärmen (Taxe 2.800 bis 3.000 EUR), Jan Jacob Spohlers heiterem Vergnügen „Auf dem Eis“ (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR) oder Max Clarenbachs typischem stillem „Winter an der Erft“ fündig werden (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR). Fritz Paulsen hat die verschneiten Straßen seiner Fachwerkstadt mit einer Genreszene angereichert, bei der die frechen Schuljungen mit Schneebällen auf einen Schornsteinfeger losgehen (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Der Pole Józef Brandt lässt auf einem seiner unverkennbaren Pferdebilder die Abfahrt zur Jagd im Winter spielen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Bei Stanislaw Zukowski haben sich die Schneemassen schon zurückgezogen und bilden nur noch vereinzelte weiße Farbflecken in seinem Vorfrühlingstag mit schnurgeradem Eisenbahngleis in weiter russischer Waldgegend (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Julius Adam gehört zu den deutschen Vertretern des reichhaltigen Kölner Angebots an Malerei des 19. Jahrhunderts. Nur nutzte der Münchner „Katzen-Adam“ die Landschaft allenfalls als unbedeutsamen Hintergrund. Lieber konzentrierte er sich auf die facettenreiche Darstellung seiner geliebten Stubentiger. Mal groß, mal klein, mal lebhaft, mal schlummernd, mal einzeln und mal in der Gruppe fing er die maunzenden Kätzchen mit Pinsel und Farbe ein. Seine drei unterschiedlich kolorierten „Kätzchen auf einem Notenblatt“ sind im Jugendalter und erfreuen sich darum an dem beschrifteten Blatt Papier, das knisternde Geräusche von sich gibt, sobald die zarten Tatzen es berühren. Die ulkig-kindliche Manier der liebreizenden Plüschtiger geht mit einer gewünschten Taxe von bis zu 10.000 Euro ins Rennen. Tierisch geht es auch bei Wilhelm Kuhnerts im Profil gezeigtem „Löwenkopf“ (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) oder bei Raden Sarief Bustaman Saleh Ben Jaggia zu. Der Prinz aus Java war schon häufiger bei Van Ham mit großem Erfolg zu Gast und stellt diesmal einen energischen, spannenden „Kampf zwischen einem Rhinozeros und zwei Tigern“ von 1840 zu Verfügung (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Der Wiesbadener Maler Ludwig Knaus verschrieb sich der Genremalerei und ist zweifach in der Kölner Auktion vertreten. Seine „Dornen und Rosen“ aus dem Jahr 1875 sind Inhalt einer Unterredung zweier Damen, die eine jung und zart, die andere im fortgeschrittenen Alter. Formatfüllend stehen die beiden in einer neblig angedeuteten Landschaft, in gemeinsamer Konversation begriffen und mit ihren Blicken miteinander verbunden. Das Mädchen trägt die zwei Blumentöpfchen in ihren Händen, aus denen Rosenstöcke herausragen. Dieser symbolhafte Dialog unter Frauen wird für 5.000 bis 6.000 Euro offeriert. Die weitere Arbeit von Knaus ist das Doppelportrait der Töchter des Künstlers, Marie und Hedwig Kanus. Mit der fast fotografischen Schilderung der beiden selbstbewussten Mädchen im Kindesalter erwartet den Käufer eine typisch meisterliche Ölmalerei von 1864 mit persönlich-familiären Bezug des einstigen preisgekrönten Akademieprofessors (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Die Portraitkunst vertreten ferner Johann Heinrich Beck mit seinem romantischen Bildnis von Gustav Adolf Prinz zu Hessen-Homburg in Uniform (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder der Wiener Moritz Coschell, der 1904 den Literaten und Feuilletonisten Alfred Gold und 1910 dessen Frau Margarethe prominent auf zwei Leinwänden in Szene gesetzt hat (Taxe 50.000 bis 65.000 EUR).

Wer es kindlich mag, kann sich für das „Kinderportrait des Grafen Louis Vorow Zborowski mit seinem Hund“ von dem amerikanischen Gesellschaftsmaler Julian Russell Story (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR) und für Luigi Bechis anmutiges junges Mädchen mit Blumen begeistern (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) oder bei dem Hamburger Felix Schlesinger fündig werden. Seine Genreszene führen zu einem Jungen bei der „Rast im Hühnerstall“ (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) und zu zwei Geschwisterchen bei der „Nachmittagsfütterung“ ihrer Kaninchen (Taxe 24.000 bis 25.000 EUR). Zeichnerisch beteiligt sich Anselm Feuerbach mit einem Knabenakt, einer Studie zu dem Gemälde „Balgende Buben“ im Kunstmuseum St. Gallen (Taxe 800 bis 1.000 EUR). Um eines der frühesten Gemälde Franz von Defreggers handelt es sich dem Portrait eines Afrikaners aus seinem Studienjahr 1862 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Franz von Stuck konzipierte das Gipsrelief „Serpentinentänzerinnen“ ursprünglich für den Musiksalon seiner Münchner Künstlervilla, führte den schwungvollen Tanz später dann noch mehrfach für gehobene Raumausstattungen aus. Auf marineblauem Untergrund geben sich zwei junge Frauen ihren Bewegungen hin. Ihre Körperdrehungen führen zu einer Ausbildung ornamentaler Formen in ihren luftig-weiten Gewändern (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR).

Sammlung Clemens Stinner

Als eigener Programmpunkt kommen die Arbeiten aus der Sammlung von Clemens Stinner unter den Hammer, die mit einer ausgesuchten Zusammenstellung von Malerei der Schule von Barbizon und des französischen Impressionismus besticht. Gustave Loiseau meldet sich hier nochmal zu Wort und schickt die „Eglise d’Auvers-sur-Oise, temp gris“, aufgenommen an einem Regentag des Jahres 1910, für 80.000 bis 90.000 Euro in den Auktionsring. Hoffnungsträger ist Félix Ziems „Voiliers et caïques devant Sainte Sophie“. Seine Segler vor Istanbul kommen in voller Farbenpracht daher. Die in Öl gearbeitete Malerei lebt von einer meisterhaften Einigkeit zwischen Farbe und Licht. Der strahlend hellblaue Himmel spiegelt sich in der Oberfläche des Bosporus, der durch das rege Treiben der Segler in weiche Bewegung kommt. Im Hintergrund ragt flüchtig, aber eindeutig erkennbar und in warmes Sonnenlicht getaucht die Hagia Sophia empor. Dieses farbige Meisterwerk soll 100.000 und 120.000 Euro einspielen.

Wer es wettertechnisch gerne etwas aufgewühlter mag, könnte sich an Jules Achille Noëls „Großer Bleiche über Dieppe“ erfreuen. 1867 entstanden, schildert der Meister der marinen Themen in wuchtig-beeindruckender Weise das Heraufziehen einer dunklen Wetterfront über der topografisch exzellent wiedergegebenen Stadt Dieppe. Auf großem Format blickt der Betrachter gemeinsam mit einigen Frauen von einem Felsen aus auf die Küste herab. Der Wind ist stark, die Atmosphäre bewegt, es braut sich was zusammen, und darum müssen die Wäscherinnen schnell handeln und die zum Bleichen ausgelegten Stücke einsammeln. Dieses stürmische Wetterszenario soll 90.000 bis 100.000 Euro kosten. Ebenfalls duster, aber nicht sonderlich stürmisch kommt Charles-François Daubignys „Marée basse à Villerville“ daher. Seine Naturschilderung ist fortschrittlich atmosphärisch, der eingefangene Sonnenuntergang in mitten der gräulichen Himmelsformation erscheint flüchtig und momenthaft. Der Himmel, das Wasser und das bewachsene Ufer verschmelzen zu einer Einheit. Die Natur ist mit sich selbst allein, so scheint es jedenfalls. Diese untrennbare Einheit der Elemente kostet 60.000 bis 70.000 Euro. Weitere Wasserschilderungen gibt es bei Edmond Marie Petitjeans diesig-sonnigem „Hafen von Rouen“ (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR), Jules Achille Noëls ruhigen „Fischerbooten am Strand“ vor den Kreidefelsen von Dover (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder bei Eugène Boudin mit seinem summarischen Blick von einer „Anhöhe bei Trouville“ auf das Meer (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).

Der Belgier Alfred Stevens hat zwei Strandansichten mit kleinen Segelschiffen als Pendants fast identisch aufgebaut; nur die Farbigkeit unterscheidet sie (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR). Aber auch für die charakteristischen unprätentiösen Waldszenen der Schule von Barbizon konnte sich Clemens Stinner begeistern. Dafür stehen Virgilio Narcisso Diaz de la Peñas einsame, aber idyllische „Baigneuse en sous-bois“ in Rückenansicht von 1872 (Taxe 16.000 bis 17.000 EUR) oder Félix-Saturnin Brissot de Warvilles fast schon karikaturhafte Gestalten in seiner „Chasse“ aus den 1850er Jahren (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Paul Désiré Trouillebert nimmt uns dann zu einem Fischer beim Feuermachen an einem seiner typischen duftigen Flussufer mit (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR) und Jules Jacques Veyrassat zu Reitern, die gerade mit einer Fähre über den Fluss setzen (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Léon Augustin Lhermitte richtet sein Augenmerk mehr auf die einfache Landbevölkerung und deren Tätigkeit, wie in dem Pastell „La ferme de sombre près de Wissant“ (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR). Koloristisch reich und fortschrittlich ist Victor Vignons Sommerlandschaft in der Provence mit Olivenbäumen und Heuschobern. Die Farben lassen die Hitze des Spätsommers eindrucksvoll spüren (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 14. November um 14 Uhr. Vorbesichtigungen sind noch bis zum 11. November von 10 bis 18 Uhr möglich. Der Katalog ist online unter www.van-ham.com abrufbar.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



11.11.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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