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Subodh Guptas erzählerisches Werk im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt

Nicht nur Blech



Alles beginnt mit einer kleinen Geschichte: Die Großmutter schenkt dem kleinen Hamid einen Penny und sagt: „Geh zur Kirmes und mach Dir eine schöne Zeit“. Der Junge hätte Kuchen oder ein Eis dafür kaufen können, doch er bringt eine Zange mit nach Hause. Die Großmutter fragt ihn, warum er diese Zange gekauft habe. Hamid erklärt, dass sie sich beim Brotbacken immer die Finger verbrenne und daher eine Zange notwendig sei. Es sind solche aus der Lebenswirklichkeit gegriffenen Begebenheiten und Erzählungen – mal rührend, mal witzig, mal fast ein wenig sentimental –, aus denen Subodh Gupta die Inspiration für seine Kunst schöpft. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass er eine Unzahl von Metallzangen zu einem halbrunden Gebilde bindet, das wie ein gewaltiger Schopf seine metallenen Haare von der Wand herabschüttelt.


Vielleicht verbirgt sich dahinter auch eine bewusst inhaltlich konnotierte Antwort Guptas auf die spiegelblank polierten Metall- und Alabasterscheiben, mit denen sein zehn Jahre älterer Landsmann Anish Kapoor international berühmt wurde. Die – oberflächlich betrachtet – formale Ähnlichkeit zu dessen Arbeiten ist jedenfalls nicht zu leugnen. Zu sehen ist dieses brandneue Werk mit dem Titel „Orange thing“ derzeit in der bislang größten Einzelausstellung Subodh Guptas in Europa. Veranstaltet wird sie vom Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, und sie versammelt im Erdgeschoss des Hauses zwischen Dom und Zeil rund zwanzig Werke und Installationen, die einen Querschnitt durch das Schaffen des Künstlers während der vergangenen zwanzig Jahre bieten.

Ohne den Hintergrund seiner indischen Heimat, die er auch während seines 1988 abgeschlossenen Studiums nie längere Zeit verließ, ist die Kunst des 1964 geborenen Subodh Gupta nur schwer zu verstehen, und man muss sich auch die Geschichten selbst gelegentlich erzählen lassen, um den Sinn seiner Arbeiten wahrzunehmen. Da wird einerseits die Geschichte eines ganzen Volkes erzählt. Der Wille zum Aufstieg aus einer noch immer in strenger Kastenordnung weitgehend fixierten Sozialordnung, zur Etablierung eines gewissen Wohlstandsstatus, der ruhig sichtbar werden darf, ist eine wichtige äußere Basis seiner Kunst. Mit seinen Edelstahlensembles – Speisegeschirr, vergoldeten Fahrrädern oder eben einem Meer aus Zangen – drückt er in Kunst betont materialreich aus, wonach sich viele seiner Landsleute materiell sehnen.

Dass dabei auch manch plakative Aussage herauskommt wie sein aus Metalldosen gefügter Riesentotenkopf, der auch in Frankfurt vom Treppenhaus aus auf den Besucher herabblickt, ist vermutlich der Künstlergeneration à la Damien Hirst, Marc Quinn oder Jeff Koons geschuldet, der Gupta selbst angehört, ohne sich ihr wirklich zugehörig zu fühlen. Freilich ist nicht zu übersehen, dass Perfektion im Technischen und das Spiel mit dem Effekt der Überraschung durch optische Täuschung im Werk Guptas eine gewisse Rolle spielen, sei es durch das trompe l’œil zweier in weißem Marmor und Granit gehauener Ölfässer, sei es durch die in Bronze gegossenen Bambusstangen, die nachlässig in einer Ecke stehen und den Ausstellungsbesucher darum umso mehr zum – verbotenen – Zugreifen verführen möchten.

In solchen, je nach individueller Empfänglichkeit mehr oder weniger überzeugenden Äußerlichkeiten erschöpft sich Guptas Kunst jedoch nicht. Denn sie wird da am berührendsten, wo sie die Geschichte des Einzelnen erzählt, des Künstlers selbst mit seiner Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen, mit seinen religiösen Empfindungen – ein immer wiederkehrendes Motiv in der Ausstellung ist die in Indien als heilig angesehene Kuh –, aber auch seiner Mitmenschen. So lassen sich auch die zahllosen Blechtöpfe, -pfannen und -näpfe der Installation „This is not a Fountain“ im Eingangsbereich der Ausstellung lesen, die – von Wasserhähnen fortlaufend begossen, so dass auch das Ohr fortwährend angesprochen wird – eine ganz eigene, Mitempfinden erregende Stimmung entfalten: Jedes Individuum ist es wert, beachtet und geschätzt zu werden; hinter jedem der einfachen, kargen Gefäße verbirgt sich eine eigene Menschengeschichte.

Diese Ambivalenz zwischen Hochglanz und schlichter Poesie, dazu das souveräne Verknüpfen westlicher Kunsttradition mit seiner indischen Heimat rechtfertigen es, Subodh Gupta dem hiesigen Publikum in einer repräsentativen, aber konzentrierten Schau näherzubringen. Auf dem Kunstmarkt war er kurzzeitig ein regelrechter Superstar. 2008 erzielte gleich eine Reihe seiner Werke Höchst- und gelegentlich sogar Millionenpreise auf Auktionen in aller Welt. Ob in London oder New York, in Hong Kong oder Mumbai – überall rissen sich sensationsfreudige Sammler um die Kunst des bis dato international kaum bekannten Künstlers. Inzwischen aber ist es merklich stiller um ihn geworden, zuletzt befanden sich die Preise für seine Kunst in freiem Fall. Oft geht es bekanntlich Künstlern so, dass ihr Stern am Kunstmarkthimmel ebenso rasch wieder niedergeht, wie er aufgestiegen ist. Vor diesem Hintergrund bietet die Frankfurter Schau die glückliche Chance, diese Kunst, die zeitweise Gefahr lief, nur eine Mode zu sein, auf ihren wirklichen Wert hin zu überprüfen.

Die Ausstellung „Subodh Gupta. Everything is Inside“ ist bis zum 18. Januar im Museum für Moderne Kunst zu sehen. Das MMK 1 hat täglich von 10 bis 18 Uhr und mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. An Heiligabend, Silvester und Neujahr bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Begleitet wird die Präsentation von einer englischsprachigen Monografie zum Preis von 48 Euro.

Kontakt:

Museum für Moderne Kunst - Museum

Domstraße 10

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 212 30 447

Telefax:+49 (069) 212 37 882

E-Mail: mmk@stadt-frankfurt.de



10.11.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Variabilder:

Subodh
 Gupta
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Künstler:

Subodh Gupta







Subodh Gupta

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