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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Der britische Fotograf Martin Parr begibt sich weltweit auf die Suche nach den letzten Relikten nationaler Besonderheiten im Zeitalter der fortschreitenden Globalisierung. 16 Monate lang erforschte er jetzt die „Britishness“ in Niedersachsen und kam zu ganz erstaunlichen Resultaten

Auf Fotosafari durch „Lower Saxony“



Kaum ein deutsches Bundesland pflegt so enge Verbindungen zu Großbritannien wie Niedersachsen. Mit Georg I. bestieg vor genau 300 Jahren ein hannoverscher Kurfürst den britischen Thron. Das Bundesland selbst wurde vor 68 Jahren von der britischen Militärregierung gegründet. Von 2010 bis 2013 hatte es mit David McAllister sogar einen Ministerpräsidenten, der beide Staatsangehörigkeiten besitzt. Und mit großen britischen Garnisonen in Bergen-Hohne, Bad Fallingbostel und Hameln gehörte es über viele Jahrzehnte auch zu den wichtigsten Armeestandorten außerhalb der Grenzen des Vereinigten Königreichs. Doch deren Tage sind gezählt: Bis Ende 2015 sollen die letzten britischen Truppen zurückverlegt werden. Eine lange Ära deutsch-britischer Annäherungen geht zu Ende. Anlass genug also, einmal inne zu halten und die womöglich bald verblassende „Britishness“ in Niedersachsen zumindest mit der Kamera zu konservieren. Das Sprengel Museum Hannover präsentiert jetzt mit der Ausstellung „We love Britain!“ eine denkwürdige Bestandsaufnahme.


Kaum ein anderer britischer Fotograf wäre für dieses Projekt geeigneter als Martin Parr. Der 1952 geborene Künstler ist bekannt für seine umfangreichen Serien, in denen er die teils liebenswürdigen, mitunter aber auch skurrilen und befremdlichen Vorlieben und Eigenarten seiner Landsleute mit viel Humor, aber auch kritischer Distanz auf den Punkt bringt. Sein Markenzeichen sind stark ausgeleuchtete Nahaufnahmen mit extrem gesättigten Farben. Bekannt geworden ist Parr 1986 mit der Serie „The Last Resort“, die in schonungsloser Direktheit zeigte, wie die britische „Working Class“ – offenbar magisch angezogen von zugemüllten Stränden und ungesundem Fast Food – ihren Badeurlaub verbringt. Für seinen angeblichen Zynismus heftig kritisiert, entgegnete Parr damals, er verunglimpfe nicht die Arbeiterklasse sondern die Regierung Thatcher, die für solche Verhältnisse verantwortlich sei.

Nun also Niedersachsen. Sechzehn Monate lang ist Martin Parr immer mal wieder nach Hannover geflogen, um von dort aus zu Exkursionen ins Umland aufzubrechen. Dabei entdeckte er einen Lady Di Club in Hameln, er traf das seit 1960 verheiratete, geradezu prototypisch wirkende deutsch-britische Ehepaar James und Helga Griffiths und beobachtete, mit welch salbungsvollem Ernst Briten und Deutsche die alljährlichen Feierlichkeiten zum Geburtstag der Queen ausrichten. Union Jacks, rote Teppiche, Paradeuniformen, ordenbehängte Brüste, Offiziersmessen mit Schlachtengemälden und kalte Buffets mit dem Porträt der Queen im Hintergrund finden sich auf den rund 70 großformatigen Aufnahmen dieser Serie zuhauf. Doch Martin Parr ist kein Fotograf, der brav und zustimmend Klischees bedient und harmlose Gebrauchsbilder für die Selbstvergewisserung seiner Auftraggeber produziert. Seine subversiven Bildstrategien sind mehr entlarvend als affirmativ. Und so macht er auch vor den Eigentümlichkeiten seiner Gastgeber nicht halt.

Parrs Beobachtungen auf dem größten Schützenfest der Welt in Hannover liefern den Beweis dafür, dass auch den Deutschen offenbar der Hang zu Orden, Abzeichen und pseudomilitärischen Ritualen immer noch innewohnt. Und seine britischen Landsleute, die durchweg hellhäutigen Angehörigen eines in manchen Familien von Generation zu Generation weitervererbten, strammen Berufssoldatentums mit nationalistischen Tätowierungen, streng hierarchischen Strukturen und antiquierten Ritualen, wirken auf diesen Bildern ihrer mittlerweile extrem multikulturellen Heimat arg entfremdet. Das Großbritannien, wie es sich in Garnisonen wie Bergen-Hohne oder Bad Fallingbostel offenbar bis heute erhalten hat, entlarvt Parr als Trugbild, das spätestens mit dem Abzug des letzten Soldaten Geschichte sein wird. Darüberhinaus hält die Hannoveraner Ausstellung aber auf mehr als 700 Quadratmetern auch über 300 weitere Arbeiten aus früheren Serien Martin Parrs bereit, so dass sie einen profunden Einblick in das Gesamtwerk dieses ebenso genialen wie schelmenhaften Chronisten unserer unmittelbaren Gegenwart bietet.

Die Ausstellung „Martin Parr. We Love Britain!“ ist bis zum 22. Februar 2015 zu sehen. Das Sprengel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. An Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester bleibt das Haus geschlossen; an Neujahr öffnet es erst ab 13 Uhr. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro; freitags ist er frei. Der Katalog aus dem Verlag Schirmer/Mosel kostet 19,90 Euro.

Kontakt:

Sprengel Museum Hannover

Kurt-Schwitters-Platz

DE-30169 Hannover

Telefon:+49 (0511) 168 438 75

Telefax:+49 (0511) 168 450 93



26.10.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Besucherin vor der Serie „Common Sense“, 1995-1999
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Martin Parr in seiner Ausstellung „We Love Britain!“
Martin Parr in seiner Ausstellung „We Love Britain!“

Künstler:

Martin Parr







Besucherin vor der Serie „Common Sense“, 1995-1999

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Martin Parr in seiner Ausstellung „We Love Britain!“

Martin Parr in seiner Ausstellung „We Love Britain!“




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