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Wuppertal stellt in einer instruktiven Ausstellung Œuvre und Verdienste des Malers Camille Pissarro vor

Der Champion der Impressionisten



Camille Pissarro, Boulevard Montmartre bei Nacht, um 1897

Camille Pissarro, Boulevard Montmartre bei Nacht, um 1897

So eine Bleibe erträumt sich wohl jeder Paris-Besucher. Aus der Fenstertür des Grand Hotels bietet sich ein grandioser Blick auf pulsierende Boulevards. Schon vor 120 Jahren genoss ihn der Maler Camille Pissarro. In flirrender atmosphärischer Dichte beschreibt er in seinen Bildern zu verschiedenen Tageszeiten das quirlige Treiben der Flaneure, Kutschen und Passanten auf Plätzen und Brücken, den Louvre oder das Seineufer. In schnell aufgetragenen dicken Pinselstrichen führt er die in Licht, Farbe und Fläche aufgelösten Sujets fast bis zur Gegenstandslosigkeit. Mehrmals mietet sich Pissarro auch in Rouen ein. In seinen Bildern von der nordfranzösischen Hafenstadt verschwimmen Brücken und Quais im Nebel, bei Regen oder im Sonnenuntergang. Geschäftiges Kommen und Gehen, das Be- und Entladen großer Schiffe regen ihn zu vielen Motiven an.


Der zuvor primär als Landschaftsmaler Tätige entdeckt die Stadt als Motiv und spürt urbanen Veränderungen nach. Von Juli bis September 1903 weilt er in Le Havre, wo er mindestens 24 Ansichten vom großen Seehafen anfertigt. Bei veränderten Wetterbedingungen beobachtet er das Tun der Dockarbeiter und die ständigen Bewegungen der Schiffe. Pissarro hat zu seiner Hochform gefunden, mit sehr viel Weiß gestaltet er kraftvoll strahlende Bilder. In schwarz gewandet, kontrastreich vor altrosa blinzelnden Hintergrund posierend, mit fragendem, forschendem, etwas kritischem Blick sieht man ihn auf dem Selbstporträt, dem letzten Bild vor seinem Tod am 13. November 1903 in Paris, mit dem die Wuppertaler Schau schließt.

Claude Monet oder Pierre-Auguste Renoir genossen zwar größere Bekanntheit als Camille Pissarro. Doch seinem Wirken als einendes Kraftzentrum aller recht individuellen Impressionisten, seinem Aufgreifen von Richtungen und Techniken anderer Malerkollegen und seiner spezifisch eigenen malerischen Note versucht eine große Überblicksausstellung in Von der Heydt-Museum nun auf die Spur zu kommen. Dafür bettet die Schau das Schaffen Pissarros in die malerischen Tendenzen seiner Zeit ein.

Als Sohn eines portugiesischstämmigen jüdischen Vaters und einer aus der Dominikanischen Republik stammenden Mutter kam Pissarro am 10. Juli 1830 auf der dänischen Antilleninsel Saint-Thomas zur Welt. Hier sollte er auch die elterliche Handelsfirma übernehmen. Doch nach der Schulzeit in einem Pariser Internat begeistert er sich ab 1847 während der Lehre im elterlichen Geschäft mehr für die Malerei. Mit dem dänischen Maler Fritz Melbye nimmt Pissarro ab 1852 eine eineinhalbjährige Auszeit in Venezuela. Während dieses Reißaus’ entstehen zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle. Die Wuppertaler Ausstellung setzt ein mit kurios anmutenden karibischen Landschaften samt Palmen und Sonnenuntergängen im glatten, akademisch strengen und sachlich klassizistischen Stil aus den Jahren um 1856.

Ab 1855 studiert Pissarro an der Ecole des Beaux-Arts und der Académie Suisse in Paris. In dessen Folge entstehen erste Landschaftsbilder in dunkler, erdenschwerer Art der Schule von Barbizon. Zwei nachfolgend eingefügte Kabinette stellen Papierarbeiten vor. Oft als Vorstudien zu Ölgemälden dienend, bestechen die Zeichnungen durch meisterhaftes, in wenigen Strichen erfolgtes, präzises Einfangen von Bewegungen, Personen und Räumen. Ab 1863 erstellt Pissarro auch Druckgrafiken, die er eher als Zeitvertreib ansieht. Mit ihnen bringt er das Treiben auf Märkten, auf Feldern arbeitende Menschen, das harte Leben und damit soziale Veränderungen zur Sprache. Auf den Rat seines Lehrers Jean-Baptiste Camille Corot hin arbeitet Pissarro in den Folgejahren direkt in der Natur. In der weitläufigen Gegend um Paris entstehen in stilistischer Anlehnung an seinen Lehrer kraftvoll ausformulierte Landschaftsbilder.

Einen Einschnitt bedeutet der Deutsch-Französische Krieg. Mit seiner 1863 angetrauten Frau Julie muss er 1870 nach London umziehen. Nach ihrer Rückkehr in die ländliche Umgebung von Paris im Jahr 1871 hinterlassen Bilder von William Turner und John Constable in Pissarros Malerei ihre Wirkung. Auf der Suche nach neuer Farbharmonie hellt sich seine Palette deutlich auf, die Pinselstriche werden kürzer und präziser. In der Nachbarschaft seines Wohnortes Pontoise lebt sein Freund Paul Cézanne. Seite an Seite malen sie die Natur des Oise-Tals und beeinflussen sich gegenseitig. Während Cézanne Farben nun mehr zum Leuchten bringt, gewinnen bei Pissarro die Gebäude an räumlicher Tiefe und werden kubischer.

Auch wenn Camille Pissarro in erster Linie Landschaftsmaler ist, gestaltet er gleichwohl einige wenige kräftige, nach impressionistischer Manier getupfte Stillleben und Porträts. Letztere sind nie repräsentative Gemälde, wie sie andere Impressionisten für das Großbürgertum schaffen, sondern kleinformatige und nahansichtige Porträts von Familienmitgliedern und Nachbarn. Ab Mitte der 1870er Jahre bricht der Abschnitt großer impressionistischer Bilder an. Anders als etwa Claude Monet erweist sich Pissarro mehr erdverbunden. Ihn interessieren nicht die Lichtbrechungen des Wassers, auch malt er nicht immer wieder die gleiche Kathedralfassade bei wechselnden Lichtstimmung. Pissarro wählt wechselnde Ansichten verschiedener Landschaften, deren Stille, Ruhe und Leere ihn mehr anregen als das Flüchtige. Seine einfühlsamen atmosphärischen Schilderungen bestechen durch seine glänzende Beobachtungsgabe und offenbaren sein Talent, sich auf Wesentliches zu konzentrieren.

Nicht nur Bilder Pissarros, auch die seiner Malerfreunde Monet, Renoir oder Alfred Sisley verkaufen sich bis zum Beginn der 1880er Jahre schlecht. Immer wieder vom konservativen Salon abgelehnt, finden sie 1874 im Pariser Atelier des Fotografen Nadar zur ersten „Ausstellung der Impressionisten“ zusammen, die von Kritikern despektierlich als „Impression“ mit Spott bedacht wird. Doch Pissarro als ältestem Maler und integrativer Figur gelingt es, die Gruppe zusammen zu halten. Er macht den Spottnamen zum Markenzeichen. Als einziger nimmt der „Vater der Impressionisten“ an sämtlichen insgesamt acht Ausstellungen der Gruppe teil. Er verschafft der Bewegung neue Impulse und integriert höchst individuelle Malerpersönlichkeiten wie Vincent van Gogh, Paul Cézanne oder Paul Gauguin.

Die Künstler befruchten sich gegenseitig. Mit dem einstigen Banker und Hobbymaler Gauguin erarbeitet Pissarro Malkonzepte, die beispielsweise in schraffurartigen Schichtungen sichtbar sind. Die Querverbindungen in Techniken und Sujets zeigen sich ebenfalls bei van Gogh, dessen Motive aus dem Milieu einfacher Leute auch bei Pissarro Anklang finden. Politisch links stehend, beobachtet er die Situation von Arbeitern in der Landwirtschaft oder Industrie auch in seinen Gemälden. Auf der Suche nach ausgeglichener Stimmung und Verteilung der Farbwerte auf den Bildflächen unternimmt er in den 1880er Jahren einen kurzen Ausflug in den Pointillismus. Doch die Überführung der willkürlichen Art der Pinselführung in eine systematische Vorgehensweise erweist sich als schwieriger Weg, der zeitaufwendig zu spröden, trockenen und deutlich weniger ausdrucksstarken Ergebnissen führt.

1892 gelingt Camille Pissarro endlich der Durchbruch mit einer großen Retrospektive bei seinem Förderer, dem Kunsthändler Paul Durand-Ruel. Nun geht es auch finanziell aufwärts. Nicht zuletzt wegen eines Augenleidens kann es sich Pissarro nun leisten, Hotelzimmer anzumieten, die einen Blick auf das Geschehen in den Pariser Straßen von hochhoben gestatten. Zusammen mit anderen Künstlern, allen voran Gustave Caillebotte oder Pierre Bonnard, gehört er zu den ersten, die großformatig in Serien von einem erhöhten Standpunkt aus das Leben in der Großstadt thematisieren.

Pissarro war ein Künstler, der sich stets für neue Bewegungen begeistern konnte und dessen Malerei fast bis zu den Fauves vordrang. Trotz aller Anerkennung und Verdienste: Der Maler hatte es nie leicht. Da während der deutschen Einnahme von Paris 1870 fast alle der 1500 zurückgelassenen Gemälde zerstört wurden, musste Pissarro von vorne beginnen. Als Däne und damit Ausländer in einem fremden Land bekam er diesen Status besonders nach der Dreyfus-Affäre 1894 zu spüren. Obwohl als assimilierter Jude seine Religion bis dahin nie ein Thema war, brach die Wucht der antisemitischen Stimmung so stark auf Pissarro los, dass er mit einer Vertreibung rechnete. Einstige Impressionistenfreunde wechselten die Straßenseite, um ihn nicht grüßen zu müssen.

Deutlicher noch als die Stuttgarter Pissarro-Retrospektive von 1999 und die große Schau im Pariser Grand Palais von 1981 begibt sich die mit 64 Gemälden wenn auch kleinere Wuppertaler Übersicht zielgerichteter auf den Lebens- und Schaffensweg des Impressionisten. In genauer Abfolge analysiert sie wesentliche Entwicklungslinien und essentielle künstlerische und zeitbedingte Umstände. Dabei kommt die Sinnlichkeit der Kunst Pissarros nicht zu kurz, ergänzt um 61 Grafiken und 45 begleitende Gemälde von rund 30 seiner Zeitgenossen.

Die Ausstellung „Pissarro – Der Vater des Impressionismus“ ist bis zum 22. Februar 2015 zu sehen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt das Haus an Heiligabend, erstem Weihnachtstag und Silvester. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 25 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de

www.pissarro-ausstellung.de



19.10.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Camille Pissarro, Selbstporträt, 1903
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Camille Pissarro, Schneelandschaft in Louveciennes, 1872
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Camille Pissarro, Küchengarten in l’Hermitage, Pontoise, 1874
Camille Pissarro, Küchengarten in l’Hermitage, Pontoise, 1874

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Camille Pissarro, Herbstmorgen in Eragny, 1892
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Camille Pissarro, Selbstporträt, 1903

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Camille Pissarro, Schneelandschaft in Louveciennes, 1872

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Camille Pissarro, Küchengarten in l’Hermitage, Pontoise, 1874

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Camille Pissarro, Herbstmorgen in Eragny, 1892

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Camille Pissarro, Der Gärtner, 1899

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Camille Pissarro, Zwei Frauen am Meer in ein Gespräch vertieft, St. Thomas, 1856

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Camille Pissarro in seinem Atelier in Eragny

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Camille Pissarro, Bäuerin mit Kuh, 1883

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Camille Pissarro, Die Avenue de l’Opéra oder Place du Théâtre Francais, 1898

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