Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Vor 500 Jahren verstarb in Merseburg der Kirchenfürst Thilo von Trotha. Die Stadt an der Saale rückt ihn nun in den Mittelpunkt einer Ausstellung

Von der Starkarriere des Rabenbischofs



Epitaph des Thilo von Trotha, nach 1514

Epitaph des Thilo von Trotha, nach 1514

Als der Bischof Thilo von Trotha eines Tages einen kostbaren Ring vermisste, beschuldigte er seinen Kammerdiener des Diebstahls. Zur Strafe ließ er ihn hinrichten. Nach einiger Zeit fand ein Schieferdecker den Schmuck im Horst eines Raben. Die Unschuld des Bestraften war offensichtlich. Als Sühne zierte der Bischof sein Wappen mit der Darstellung eines Raben, der einen Ring im Schnabel trägt. Darüber hinaus sollte als ständige Mahnung ein Rabe im Käfig vor den Augen der Bischöfe gehalten werden. An die erstmals im 17. Jahrhundert schriftlich fixierte Legende mit dem weit übertriebenen Urteil erinnert bis heute die Rabenvoliere vor dem Schloss in Merseburg. Im Gebäudeensemble selber ist Bischof Thilo von Trotha durch weite Streuung des Rabenwappens präsent.


Ein realitätsnahes Bildnis des entscheidungsstarken geistlichen und weltlichen Herrschers scheint nicht existent. Auch die genaue Vita muss über viele, teils wenig präzise Details ergründet werden. Heute erinnert primär die großartige, wie eine Stadtkrone hoch auf Merseburgs Domberg thronende und von Thilo von Trotha maßgeblich geprägte Vierflügelanlage an den mit 48 Jahren Regentschaft am längsten amtierenden Bischof. Das einheitlich wirkende Ensemble mit der Kirche als südlichen Abschluss des Schlosshofes besticht durch reiche bauplastische Zier an hohen Zwerchhäusern, Treppentürmen, Erkern und Portalen. An der in weiten Teilen original erhaltenen Stätte seines Wirkens versucht eine Ausstellung von rund 150 Exponaten, in den Räumen des Schlosses und des Domes der schildernden Person auf die Spur zu kommen.

Thilo von Trothas Familie stammte aus der Nähe von Halle, wo noch heute ein Stadtteil seinen Familiennamen trägt. Viele Familienmitglieder bekleideten hohe Positionen. Erstmals greifbar wird der 15jährige bei der Einschreibung als Student an der Leipziger Universität im Jahr 1448. 1455 tauchte er dann als Student in Perugia auf, von wo es ihn weiter nach Rom zog. Hier pflegte er mutmaßlich enge Verbindungen zur Kurie. Die exzellente Vernetzung war Garantie für seine rasante Karriere: Nach dem schnellen Aufstieg zum Magdeburger Domprobst wurde der 33jährige am 21. Juli 1466 zum Bischof von Merseburg gewählt, ein Amt, das er bis zu seinem Ableben am 5. März 1514 bekleidete.

Die Ausstellung befasst sich im ersten Teil im Schloss mit biografischen Facetten. Im Eingangsraum wird die Rabensage thematisiert, die den Kirchenmann unsterblich werden ließ. Jähzorn und harte Entscheidungen attestiert sie dem Bischof, dessen Familie schon immer einen Raben im Wappen trug, was Interesse an der wahren Persönlichkeit weckt. In enger Abstimmung mit den wettinischen Nachbarn und seinem Vorgesetzten, dem Erzbischof von Magdeburg, verfolgte er ein ehrgeiziges wirtschaftliches und politisches Pogramm. Verwaltung, geistliche Bestrebungen, insbesondere das Bauprogramm versah er mit der ihm eigenen Akribie. Reisen führten ihn nach Rom, Kopenhagen oder Breslau. Zu den herausragenden Stücken in diesem Abschnitt zählt eine um 1530 gefertigte Votivkrone, die stilistisch jener von Prinzessin Christina von Sachsen entspricht, die Thilo von Trotha dem dänischen Königssohn Johann als Braut zuführte.

Noch in Thilos Zeit datiert ein Relief mit der Darstellung der Heiligen Laurentius und Stephanus vom Fünfsitz des Merseburger Domchores. Die für das kleine Bistum Merseburg überraschend monumentale Gebäudegruppe aus Dom und Schloss war weithin sichtbares Zeichen einer selbstbewussten Herrschaft. Erst im Jahr 1998 wurde das Bildnis des Baumeisters Bastian Binder entdeckt, der laut überlieferter Jahresrechungen 1513 die Dombaustelle leitete. Als Beispiel für die überaus reiche wie kostbare Ausstattung mit liturgischen Gerätschaften wurde aus Stockholm der 1494 gefertigte Kelch samt Patene für Thilos engen Verbündeten, den Magdeburger Erzbischof Ernst, ausgeliehen.

Er leitet über in die Bischofskapelle im nördlichen Querhaus des Doms. Hier ruht Tilo von Trotha in einer Kastentumba aus Messing, dessen Deckplatte mit der Figur des Geistlichen von der Nürnberger Werkstatt Peter Vischers d.Ä. gegossen wurde. In dem jüngst restaurierten und vormals an Altären und Grabmälern reichen Memorialraum ist das von Vischers Werkstatt erstellte Goldepitaph mit der Darstellung des knienden Bischofs ein weiteres Highlight. Über den Hochaltar führt der Parcours in die Gewandkapelle, in der Mitren, Bischofsstab und eine Dalmatika nicht nur symbolhaft für das Bischofsamt stehen, sondern die zur Zeit Thilos geltenden kanonischen Vorschriften für den Vollzug der Gottesdienste untermauern. Sämtliche aus seiner Epoche stammenden Textilien, allen voran die Prachtmitra des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg von 1514 und ein Bischofsring aus dem Würzburger Domschatz, lassen den Prunk der Liturgien in damaliger Zeit erahnen. Auch Pergamenthandschriften mit Gebeten, Gesängen oder Verzeichnissen weisen auf den Aufwand hoher sakraler Rituale hin.

Zwei Räume in der Südklausur widmen sich der Volksfrömmigkeit mit Heiligenverehrung, Wallfahrten oder kostbaren Kirchenausstattungen. Neben wertvollen Flügelretabeln und Gerätschaften verweist eine Sammelindulgenz aus dem Jahr 1480 auf das Ablasswesen, das den Reformatoren als besonders kritikwürdig galt. Thilo von Trotha hat die Pergamenturkunde als Ortbischof bestätigt. In drei anschließenden Räumen im Kapitelhaus geht es um die Funktion des Bischofs als Wächter über die korrekte Ausübung der Liturgie. Schon um 1480 ließ er eine Agenda geistlicher Handlungen drucken, wobei er sich neuester Techniken des Buchdrucks bediente. Aus dem Jahr 1479 stammt die von Trotha unter Zusicherung der Zoll- und Geleitfreiheit bewilligte Einladung zu einem Viehmarkt nach Merseburg. Star unter den Schriftstücken ist ein gedrucktes „Heiltumsbuch“ aus dem Jahr 1526, in dem der erzbischöfliche Magdeburger Reliquienschatz aufgelistet und die Reliquiare bildlich in Farbe dargestellt sind. Unter den 350 sorgfältig kolorierten und schattierten Miniaturen finden sich auch Stiftungen Thilo von Trothas, die heute nicht mehr existieren.

Was bleibt, ist das Bild einer tatkräftigen, entschlossenen Persönlichkeit, die trotz Verharren in traditionellen Bahnen Neues wagte. Als Kanzler der Leipziger Universität war Thilo von Trotha gut vernetzt, pflegte enge Kontakte zur geistigen Elite und betonte als Reichsfürst die Reichsunmittelbarkeit des Merseburger Hochstifts. Der streitbare Landesherr hinterließ bei seinem Tod drei Jahre vor Martin Luthers Thesenanschlägen ein deutlich vergrößertes, wirtschaftlich prosperierendes Territorium. Gelehrtes Personal berief er in seine Gremien und Kanzlei. Mittels akribischer Dokumentation und Verschriftlichung von Vorgängen etablierte er eine funktionierende Verwaltung. Wirtschaftlich gehörte er zu den erfolgreichsten Reichsfürsten seiner Zeit. Sogar den Wettinern gewährte er Kredite und hinterließ anstatt Schulden die gewaltige Summe von 60.000 Gulden an Ersparnissen.

Die Ausstellung „Thilo von Trotha. Merseburgs legendärer Kirchenfürst“ läuft noch bis zum 2. November im Merseburger Dom und Schloss. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog für 29,95 Euro erschienen.

Kontakt:

Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg

Domplatz 9

DE-06217 Merseburg

Telefon:+49 (03461) 40 13 18

Telefax:+49 (03461) 40 13 02



12.10.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 19

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (2)Adressen (2)Variabilder (15)

Veranstaltung vom:


10.08.2014, Thilo von Trotha – Merseburgs legendärer Kirchenfürst

Veranstaltung vom:


10.08.2014, Thilo von Trotha – Merseburgs legendärer Kirchenfürst

Bei:


Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

Bei:


Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg

Variabilder:

Dom und Schloss
 Merseburg
Dom und Schloss Merseburg

Variabilder:

Epitaph des Thilo von Trotha, nach 1514
Epitaph des Thilo von Trotha, nach 1514

Variabilder:

Dänische Votivkrone, 1520/40
Dänische Votivkrone, 1520/40

Variabilder:

Prachtmitra des Kardinals Albrecht von Brandenburg,
 Mitteldeutsch, wohl Halle, 1514
Prachtmitra des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Mitteldeutsch, wohl Halle, 1514

Variabilder:

Kelch mit Patene aus der Grabkapelle Erzbischof Ernsts von Magdeburg
Kelch mit Patene aus der Grabkapelle Erzbischof Ernsts von Magdeburg







Dom und Schloss Merseburg

Dom und Schloss Merseburg

Dänische Votivkrone, 1520/40

Dänische Votivkrone, 1520/40

Prachtmitra des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Mitteldeutsch, wohl Halle, 1514

Prachtmitra des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Mitteldeutsch, wohl Halle, 1514

Kelch mit Patene aus der Grabkapelle Erzbischof Ernsts von Magdeburg

Kelch mit Patene aus der Grabkapelle Erzbischof Ernsts von Magdeburg

Bruderschaftsbuch der Anima-Bruderschaft mit Eintrag Thilos von Trotha, Rom

Bruderschaftsbuch der Anima-Bruderschaft mit Eintrag Thilos von Trotha, Rom

Kalender und illuminiertes Breviar des Erzbistums Magdeburg

Kalender und illuminiertes Breviar des Erzbistums Magdeburg

Bildstein mit dem Baumeister Bastian (?) Binder, 1530er Jahre

Bildstein mit dem Baumeister Bastian (?) Binder, 1530er Jahre

Mitteltafel des Allerheiligenaltars aus der Bischofskapelle im Merseburger Dom, 1505

Mitteltafel des Allerheiligenaltars aus der Bischofskapelle im Merseburger Dom, 1505

Bischofskapelle im Merseburger Dom

Bischofskapelle im Merseburger Dom

Wappensaal im Kapitelhaus am Merseburger Dom

Wappensaal im Kapitelhaus am Merseburger Dom

Radleuchter von 1510 in der Bischofskapelle

Radleuchter von 1510 in der Bischofskapelle

Schloss Merseburg: Rabe im Rabenkäfig

Schloss Merseburg: Rabe im Rabenkäfig

Langhaus des Merseburger Doms mit Blick auf den Chor

Langhaus des Merseburger Doms mit Blick auf den Chor




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce